kalender(Foto von mir)


Vor ein paar Tagen war es endlich soweit – der DGPuK-Nachwuchstag fand statt! Und das auch noch bei mir am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, organisiert von meinen lieben Kollegen. Aber bevor ich in den Bericht einsteige, was ist dieser Nachwuchstag überhaupt? Erst einmal, die DGPuK ist die Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft e.V. , eine der wichtigsten Fachgruppierungen der Kommunikationswissenschaft hierzulande. Und der Nachwuchs? Nun, damit ist der gesamte wissenschaftliche Nachwuchs gemeint, der noch keinen Ruf als Professor erhalten hat – von den Masterstudierenden, über die Doktoranden, bis zu den Postdocs, wie ich auch einer bin. Das heißt, beim Nachwuchstag ging es darum, wie man seine akademische Karriere gestalten kann, und welche Feinheiten es dabei zu beachten gibt. Diese Veranstaltung war nach 2012 in Mainz und 2014 in Berlin die dritte ihrer Art, und man kann sagen, dass sie in der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft (die Österreicher und Schweizer dürfen nicht fehlen) bereits einen festen Platz eingenommen hat.

Es gab bei der zweitägigen Konferenz drei jeweils gleichzeitig stattfindende Slots zur Auswahl, für jede Karrierestufe eine, vom Doktoranden in spe bis zum Postdoc. Die jeweiligen Veranstaltungen waren dann auf die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen ausgerichtet – so haben die Neulinge zum Beispiel erfahren, wie man ins wissenschaftliche Publizieren einsteigt, während die Doktoranden sich mit dem internationalen Publikationsbetrieb auseinandergesetzt haben. Die Postdocs, die ihre erste Publikation meist schon hinter sich haben, konnten hören, wie man an die Beantragung von Drittmittel herangehen kann. In anderen Veranstaltungen waren die Themen nicht so eng verwandt, aber dennoch stets für die jeweilige Gruppe gemacht (hier das Programm in aller Vollständigkeit).


sitzung(Foto von mir)


Natürlich war es ‚erlaubt’ und sogar erwünscht, sich auch in Vorträge zu setzen, die einer anderen Stufe zugeordnet waren. Das habe ich auch gemacht, denn das vielfältige Programm hat einem die Entscheidung für das eine oder oder das andere nicht einfach gemacht. Ich habe Vorträge zu den Themen Internationalisierung in der Postdoc-Phase und Drittmittelakquise besucht, und erfahren, wie man eine Vorlesung lebendiger gestalten kann. Außerdem konnte ich einer sehr aufschlussreichen Diskussion zum Komplex der Berufungsverfahren auf Professuren mitverfolgen. Und noch mehr, was ich hier nicht im Detail aufzählen möchte – Langeweile kam nicht auf. Hitzig wurde es bei der abschließenden Podiumsdiskussion zum Thema ‚Arbeitsplatz Hochschule’; alle Teilnehmer – Professoren, Nachwuchs, und die Politik – waren sich einig, dass es noch reichlich zu tun gibt, vor allen Dingen was Befristungsdauer der Verträge und Zukunftsperspektiven angeht.

Neben all diesen Informationen habe ich außerdem alte Bekannte wiedergesehen, und viele neue Leute kennengelernt. Dazu gab es reichlich Gelegenheit, denn der Nachwuchstag war sehr gut besucht. Es haben rund 130 Teilnehmer zugehört, genetzwerkt, und dabei eine Menge Spaß gehabt. Ich bedanke mich beim Organisationsteam – die beiden Tage waren ein echtes Highlight. Nicht zu vergessen das ‚Science Dating’ am Donnerstagabend, bei dem man nicht nur mit Teilnehmern aus ähnlichen Themenfeldern zusammengeführt wurde, sondern das dazu noch vom äußerst renommierten Prof. Birnbaum des (fast) noch renommierteren Birnbaum-Instituts moderiert wurde.

Alles in allem kann ich jedem empfehlen, die Augen nach dem nächsten Termin in zwei Jahren aufzuhalten. All die Themen, die behandelt wurden, sind für und im akademischen Betrieb wichtig, und man kann sie sich im Falle eines Falles auch ein zweites Mal zu Gemüte führen. Gerade die Themen Publikationen und Drittmittel verlieren nie an Aktualität. Außerdem ist der Nachwuchstag nicht nur für reine Kommunikationswissenschaftler interessant, sondern für alle Sozialwissenschaftler (wie auch für mich, denn ich bin ja nunmal auch keine ‚echte’ Kommunikations-wissenschaftlerin).

Also, vielen Dank noch einmal an die Organisatorinnen und Organisatoren!

P.S. Auf Twitter war auch ein wenig los – unter dem Hashtag #nwt16 nachzulesen.


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starnberg(Foto von mir – der Starnberger See)



… nicht nur Studierende finden ihr erstes Semester an der Universität aufregend, ich auch – nur, dass es mein erstes Semester als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, und eben nicht mehr als Studierende, am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU war. Neuer Job, neues Institut, neue Kollegen, und eine ganz neue Stadt. Nicht zu vergessen, dass ich als Politikwissenschaftlerin nun zwischen lauter Kommunikationswissenschaftlern Zuhause bin.
Und schon ist das erste halbe Jahr in München rum!

Zeit für eine kurze Bilanz. Im Januar bin ich gestartet, und habe mit meinem Chef Neil Thurman gleich einen Bericht zu Arbeitsbedingungen und -einstellungen der britischen Journalisten geschrieben. Im Mai ist er erschienen, gefeiert mit einer Veranstaltung an der City University London. Eine tolle Sache, den Bericht, der vom Reuters Institute for the Study of Journalism der Universität Oxford herausgegeben wurde und übrigens hier frei verfügbar ist, in den Händen zu halten.

Dann kam die nächste Datenerhebung zu zwei kleinen Projekten, zu denen wir uns bald an die Analyse und das Verfassen von Artikeln machen. Klingt nebulös? Ist es auch, aber da geht es weiter, keine Sorge.

Tja, der Uni-Alltag hat mich dann natürlich auch fest in den Händen gehabt, nämlich in Form der Lehre. Ich habe zwei Kurse zum Thema Politische Kommunikation gegeben, einen auf deutsch, einen auf englisch, letzteren mit Austauschstudierenden aus aller Welt. Es war sehr spannend, die Themen mit angehenden Kommunikationswissenschaftlern zu bearbeiten, von denen nur die wenigsten im Haupt- oder Nebenfach Politik studieren. Aber: es hat gut geklappt, und es waren tollen Kurse mit spannenden Diskussionen. Nun, Brexit und Co. haben es mir einfach gemacht, die Wichtigkeit der Inhalte zu zeigen – wenigstens ein Gutes hat das alles.

Ganz nebenbei ist meine Dissertation im Nomos-Verlag erschienen, und ein Fachartikel in der Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft. Das waren zwar ‚Altlasten’, aber keine schlechten.

Und die Leute hier in ‚Minga’? Meine Kollegen sind wunderbar und haben mich nett aufgenommen, und ich freue mich auf viele weitere Gespräche, Mittagspausen im Biergarten der Mensa, und hoffentlich das eine oder andere gemeinsame Projekt.

… und schön ist es hier in Bayern auch noch! Nicht nur in München, sondern auch im Umland, wie in Starnberg, das das das Bild oben zeigt. So lässt es sich leben, wenn mal die Wissenschaft ein Weilchen Pause macht.

Also, ein halbes Jahr ist um, und weiter geht’s – ich freue mich in naher Zukunft besonders auf den Nachwuchstag der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft e.V. (für Eingeweihte nur ‚DGPuK’), organisiert von meinen tollen Kollegen, Anfang September (Anmeldungen bis zum 5. August hier). Wem das nichts sagt: hier dreht sich alles um den wissenschaftlichen Nachwuchs, vom Doktoranden in spe bis zu ‚fertigen’ Docs wie mir. Vorträge zur Karrieregestaltung, und was man in beim Weg in die Wissenschaft alles beachten kann, stehen auf der Tagesordnung. Es verspricht spannend zu werden! Aber das war es natürlich noch lange nicht, aber jetzt sind erstmal Semesterferien, und es ist still im Institut geworden. Die Ruhe vor dem nächsten Semester. Da geht’s natürlich wieder mit der Lehre weiter, unter anderem mit einem Seminar zur Kommunikation im deutschen Profifußball.

Das war nur ein kleiner Eindruck – es gibt noch mehr zu berichten, noch mehr zu tun und zu besuchen, aber alles zur gegebenen Zeit.

Hier in München wird es jedenfalls nicht langweilig!

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pub_klein(Foto von mir – mal was Schönes in diesem Artikel)

 

Im Oktober 2011 habe ich die Überschrift „Leinen los“ für einen Artikel noch mit einem Fragezeichen benutzt, und deutlich gesagt, dass ich Großbritannien nicht als ein Land sehe, dass die EU verlassen sollte – oder wird. Damals ein Randthema, das ich aus meiner persönlichen Liebhaberei heraus bearbeitet habe, und von dem ich damals nicht dachte, dass es eine ernsthafte Diskussion darüber geben würde.

Haha. The joke’s on me, wie man auf der Insel so schön sagt.

Das Wochenende ist vorbei, der Montag auch – und noch immer geht es mir nicht besser. Nein, ich bin nicht krank, es tut nur ein bisschen im Herzen weh, nämlich genau dort, wo Großbritannien einen festen Platz hat. Ich habe dort studiert, war während meiner Promotion dort, und lasse auch sonst keine Gelegenheit aus, in ein Flugzeug nach London zu steigen und mir in der Tube während der Fahrt in die Innenstadt „this is a Piccadilly line service to Cockfosters“ eine Stunde lang immer und immer wieder anzuhören.

Und nun der Brexit. 48 % stimmten für den Verbleib in der EU, 52 % dagegen, die Medien rappeln, die britischen Parteien zerlegen sich, nichts steht mehr still. Man könnte fast jemanden dafür anstellen, die Liveblogs der großen Tageszeitungen zu verfolgen und die neuesten Informationen und Gerüchte zusammenzutragen.

Aber eine aussagekräftige Antwort auf das ‚warum‘ und das ‚wie‘ hat mir noch keiner geliefert. Sie hätten ja gar nicht gewusst, was dann passiert. Oder sie bereuen es, ihr Kreuzchen bei ‚leave‘ gemacht zu haben. Oder, ganz anders, endlich ist die richtige Entscheidung gefallen, sie war längst überfällig. Jung gegen alt, London, Schottland und Nordirland gegen den Rest. Aber wie auch immer, jetzt ist das Ergebnis da, und jegliche Fragerei müßig. Das Ergebnis ist knapp, aber ein Quorum hatte man nicht festgelegt.

Und jetzt?

David Cameron ist als Premierminister zurückgetreten, und hat sich damit aus der Verantwortung gestohlen. Egal, wer jetzt kommt – derjenige, der den Artikel 50 zum Verlassen in der Europäischen Union in Gang setzen muss, der hat den Schwarzen Peter. Auf Seiten von Labour sieht es auch nicht gut aus, die Führungsriege der Labour Partei ist, bis auf Jeremy Corbyn, fast geschlossen zurückgetreten. Und Boris Johnson? Der hat es sich komplett verbaut. Erst auf ‚leave‘ hin kandidieren, und dann keine Lösungen anbieten, so funktioniert Politik nun einmal nicht. Den Leuten, die für den Austritt gestimmt haben, wurde bei einem Austritt Sicherheit versprochen – und jetzt ist das Pfund auf einem Rekordtief, und niemand weiß, wie es weitergeht. Und sie werden hingehalten, es gäbe keine Eile, den Prozess in Gang zu setzen. Außerdem würde man ja den Binnenmarkt behalten und sowieso alles, was ja doch irgendwie ganz gut war.

Aha. Von einer Populismuskampagne in die nächste. Aber ob die EU das mitmacht? Angela Merkel hat heute schon gesagt, dass es keine Rosinenpickerei geben wird, ebenso wie der italienische Premierminister Matteo Renzi. Aber Nigel Farage, der Vorsitzende der UK Independence Party, tutet jetzt auch in dieses Horn, und wirft den Abgeordneten des Europäischen Parlaments, seinen Kollegen (!), auch noch vor, sie hätten nie richtig gearbeitet (das Video lohnt sich, deswegen habe ich es extra verlinkt.)

Was geht nur vor?

Ich versuche für mich, die ganze Sache analytisch zu sehen. Für mich als Politikwissenschaftlerin, die sich mit politischer Kommunikation beschäftigt, ist das ein Wissenschafts-Weihnachten. Für mich als Politikwissenschaftlerin, die gerne eines Tages wieder zurück nach England gezogen hätte, um dort zu lehren und zu forschen, bedeutet das nichts weiter als Sorge und den Herzschmerz, den ich bereits erwähnt habe. Was wird aus den Arbeitsplätzen, wenn man ein Visum beantragen muss? Was aus den internationalen Forschungsprojekten? Und natürlich – was wird aus den Studierenden, die nach England zum studieren gehen woll(t)en?

Ja, ich schreibe England, weil ja noch viel mehr im Gange ist – was machen die Schotten und die Nordiren? Diese beiden Regionen haben für das Bleiben gestimmt, und sehen sich nun übergangen. Was passiert dort? Werden sich die Schotten doch abspalten?

So viele Fragen, kaum Antworten. Es wird nur bleiben, die Medien weiter zu verfolgen, und die nächsten Wochen und Monate abzuwarten. Ich hoffe nur, dass sich einige der Fragen klären – Vieles habe ich hier gar nicht angeschnitten, aber die Folgen, die allein das Referendum bisher schon hatte, sind kaum mehr im Detail zu überschauen.

Ich könnte jetzt ein paar Meinungen raushauen, aber das werde ich nicht tun. Ich kann nur sagen, dass es bald Gewissheit braucht. Entweder das Referendum wird vom Parlament ignoriert – das ist möglich – und es gibt keinen Brexit. Oder der berühmte Artikel 50 wird benutzt, um den Austritt in Gang zu setzen. Aber die Sache ewig zu verzögern, und damit die Handelspartner, die EU, und nicht zuletzt die eigenen Bürger im Dunkeln zu lassen, das halte ich für verwerflich. Eine Entscheidung muss getroffen werden, in welche Richtung auch immer. Das politische Porzellan ist zerschlagen, zwischen der EU und Großbritannien, zwischen den Parteien im Land, zwischen den britischen Bürgern und der Politik. Egal, was passiert, es muss eine Menge wieder aufgebaut werden, nicht zuletzt das Vertrauen in die britische Regierung.

Ansonsten lässt sich nicht mehr sagen – die Möglichkeit, aus der EU austreten zu können, kam erst vor einigen Jahren mit einer EU-Vertragsänderung. Wie das genau vonstattengehen soll, und dann auch noch bei einem Land, das seit über vierzig Jahren Mitglied in der Gemeinschaft ist, das weiß niemand, und es wäre unseriös, darüber zu spekulieren.

Also, ich werde mit meiner wissenschaftlichen Brille auf die Dinge schauen, so ist es einigermaßen zu ertragen. Mal schauen, was passiert – und in jedem Fall ein Beweis dafür, dass Politik nicht langweilig ist.
Wenigstens das.

Und jetzt krieg‘ dich mal wieder an, mein liebstes Problemkind Großbritannien.

 

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journalists_klein(Foto von mir)


Kaum ist die eine Publikation raus, kommt gleich die nächste, und wieder kann ich nicht ohne Stolz berichten.

Aber von vorne: Das erste Projekt, das ich hier in München zusammen mit meinem Chef in Angriff genommen habe, war eine Journalistenbefragung. Und zwar nicht nur irgendeine – wir haben für die Worlds of Journalism Study, die in der gerade aktuellen Runde Journalisten in über 60 Ländern befragt hat, die britischen Journalisten unter die Lupe genommen. Die Fragen an die Journalisten waren vielfältig – von den Arbeitsbedingungen, zum eigenen Rollenverständnis, bis hin zu Ethik war alles dabei (wer sich den allgemeinen Fragebogen ansehen möchte, der in jeweils leicht abgewandelter Form für alle Länder benutzt wurde, kann das mit einem Klick hier tun). Unsere Befragung wurde online durchgeführt, und 700 Journalisten haben wir am Ende in unsere Auswertung hineingenommen.

Eine super Sache mit spannenden Ergebnissen – und daraus haben wir, Neil und ich, zusammen mit Alessio Cornia einen Report gemacht. Dort stellen wir unsere Ergebnisse im Detail vor, und schauen uns also genau an, wie der britische Journalist arbeitet. Der Report ist natürlich nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde dankenswerterweise vom Reuters Institute for the Study of Journalism der University of Oxford produziert und am Ende publiziert. Vielen Dank dafür! Also, hier ist der Report, für alle Interessierten frei verfügbar zum Download (und ein paar wichtige Ergebnisse in Kurzform für die Lesefaulen):

journalists_1_klein

Das allein wäre ja eine Neuigkeit genug, aber es geht noch weiter: am 9. Mai durften wir unseren Report der Öffentlichkeit präsentieren! Zusammen mit der City University London hat das Reuters Institute for the Study of Journalism ein Event mit dem klangvollen Namen „The British journalist in the digital age“ auf dem Campus der City University organisiert. Gut 200 Leute sind gekommen, um sich die Befunde anzuhören, einen gedruckten Report mitzunehmen, und viele Fragen zu stellen. Außerdem wurde der Report von einem Panel diskutiert, nämlich von Pete Clifton, dem Chefredakteur der Press Association, von Michelle Stanistreet, der Generalsekretärin der Journalisten-Gewerkschaft National Union of Journalists, und von Professor Suzanne Franks von der City University London, die sich als Autorin von ‘Women and Journalism’ einen Namen gemacht hat. Diese tollen Panelisten haben die Diskussion wunderbar eingeleitet, ein paar Ergebnisse kritisch bewertet, bis schließlich das Publikum seine Fragen an den Mann oder die Frau bringen durfte.  Ein toller Abend, an dem der Report sowohl während der Veranstaltung als auch auf Twitter große Wertschätzung erfahren hat. Es ist eine schöne Sache, wenn man seine Arbeit der Öffentlichkeit vorstellen darf, und diese damit auch noch etwas anzufangen wissen.

Ich habe im Übrigen auch fleißig getweetet – und war ziemlich überrascht dass folgender Tweet von mir die Runde gemacht hat:

Nun, der Befund, dass die Journalisten den (anderen?) Nachrichtenmedien nicht über den Weg trauen (und damit sich selber nicht?), hat wohl Anklang gefunden…

Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Projekt – und das ist übrigens bereits in vollem Gange. Denn die Fahrt nach London war nicht nur für die Präsentation gedacht, sondern auch für die Datenerhebung der nächsten Sache… aber dazu beizeiten mehr, wenn unsere Arbeiten weiter fortgeschritten sind.

Wie gesagt, hier in München am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung ist und bleibt es spannend!

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djs_klein(Photo von mir)


Wie es beim Auswahlgespräch und den anderen Bewerbungskomponenten der Deutschen Journalistenschule in München zugeht, lässt sich an einigen Stellen ergooglen. Wie man an den Bildertest herangehen muss, um auch möglichst viele Personen und Orte zu erkennen, welche Zeitungen man lesen sollte, um auf die Wissensfragen vorbereitet zu sein, und so weiter, und so fort. Und natürlich, wie es sich anfühlt.

Damit kann ich nicht dienen – aber ich habe am letzten Samstag den Auswahlprozess auf der anderen Seite des Tisches verfolgen können. An diesem Tisch sitzen Dozenten der Schule, Ehemalige – und die Wissenschaftler. Da die Deutsche Journalistenschule einen Masterstudiengang in Kooperation mit dem Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Uni München anbietet, meinem Arbeitgeber, beteiligen sich auch Leute von uns mit an der Auswahl – und eine davon war ich. Ein sehr spannender Tag mit einer Menge faszinierender Leute, der gezeigt hat, wie schnell diese Gespräche mit jeweils drei Kandidaten in einer Runde zu Ende sind, und man eigentlich noch lange nicht fertig ist. Also, hier nun die Erfahrung eines Mitglieds des Gesprächskomitees.

Erst einmal möchte ich betonen, dass nicht nur die Prüflinge aufgeregt waren, sondern auch ich – immerhin möchte ich jedem, der da vorne sitzt, gerecht werden und jeden in gleicher Weise anhören. Also, dass die Prüfer dort entspannt sitzen und wie eine Ansammlung von Kaisern die Daumen in die Höhe recken oder nach unten, das ist schon einmal ein Mythos.

Aber da gibt es natürlich noch mehr, was ich hier erzählen möchte:

Was im Lebenslauf steht, das wird abgefragt

Heißt auf gut Deutsch: wenn etwas Spannendes oder Ungewöhnliches im (übrigens im Fließtext geschriebenen) Lebenslauf erwähnt wird, wird bestimmt einer von den Prüfern danach fragen. Das bedeutet, dass man seine Antwort kennen sollte. Aber nicht nur Ungewöhnliches, sondern auch Fragen zum Lebensweg werden gerne genommen. Und wenn da jemand keine Antwort drauf weiß, ist es schade – wir Prüfer sind doch so neugierig!

Kein Kandidat bekommt mehr Aufmerksamkeit als die anderen

Vielleicht mag es unter Umständen bei der Anzahl der Fragen oder der (subjektiv) verstrichenen Zeit so wirken – aber jeder Kandidat bekommt ausreichend Gelegenheit, sich in den Facetten seiner (nicht nur journalistischen) Persönlichkeit zu präsentieren. Die Fragen gehen hin und her, von Kandidat zu Kandidat, manchmal geht eine Frage auch an alle. Das heißt, dass sich niemand zurückgesetzt fühlen muss.

Jede Frage ist eine Chance

Es gibt nämlich keine Fangfragen. Stimmt nicht? In diesem Fall doch. Die Fragen mögen herausfordernd sein, und manchmal vielleicht ein bisschen skurril, aber sie dienen immer dazu, etwas aus dem jeweiligen Kandidaten herauszukitzeln und ihm oder ihr damit die Gelegenheit zu geben, mit der Antwort zu glänzen. Das heißt, niemand soll in die Ecke getrieben werden, sondern es wird geschaut, was derjenige denkt, gerne auch ein paar Mal um die Ecke. Auch wichtig: sich dann und wann ein wenig Zeit zum Nachdenken zu nehmen ist erlaubt!

Und zu guter Letzt:

Der Bilder- und Wissenstest sind nicht alles

Das Auswahlgespräch hat großes Gewicht im Prozess – das heißt, dass niemand mit hängendem Kopf ins Zimmer kommen muss, weil er oder sie glaubt, in den vorherigen Tests sowieso nicht gut genug abgeschnitten zu haben. Journalistenschüler in spe, zeigt, wer ihr seid – bestenfalls ein künftiger Schreiberling mit Biss und dem Drang, die Geschichten in die Welt zu tragen. Wie genau das aussieht, das bestimmt jeder selbst – und das ist das, was das Komitee sehen möchte. Es mag zwar eine Floskel sein, dass man authentisch bleiben soll, aber ich kann sagen, dass das am besten funktioniert.

Mein abschließender Tipp ist, ganz man selbst zu sein – aber dabei nicht zu schüchtern, damit man sich dennoch zeigt. Ganz zum Schluss noch der ultimative Tipp: Wen jemand aus dem Komitee nach einer knappen Antwort fragt, möchte er oder sie diese auch haben. Also, immer auf die Fragen antworten und das auch noch so, wie es gewünscht ist, dann kann nichts mehr schiefgehen.

An alle, die schon in den Startlöchern für die nächste Bewerbungsphase sind: viel Erfolg! Ich freue mich schon darauf, wieder bei der Auswahl der Journalisten von morgen mitwirken zu dürfen.

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Hurra, hurra, gute Nachrichten – die überarbeitete Fassung meiner Dissertation erscheint nun als Buch. Da musste ich meine Freude einfach teilen!

Also, hier ist das gute Stück – vielleicht möchte ja jemand einen Anschaffungsvorschlag an die örtliche Bibliothek verfassen. ;)

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Hier kurz zum Inhalt (Achtung: der Text ist auf Deutsch, aber das Buch ist in englischer Sprache geschrieben!):

Die Mitglieder des Europäischen Parlaments werden von Wählern und Medien oft ignoriert. Die Arbeit der Abgeordneten wird als fern vom Bürger wahrgenommen, als ein weiterer intransparenter Teil der Europäischen Union. Ebenso fern scheint die nationale Ebene, welche die Europaabgeordneten für ihre Arbeit und weitere politische Karriere allerdings im Blick behalten müssen. Mit Onlinekommunikation auf persönlichen Webseiten kann diesen Problematiken begegnet werden, denn so ist eine ausführliche Darstellung der eigenen Arbeit möglich.

Die Studie untersucht die Webseiten von Europaabgeordneten mit einer quantitativen Inhaltsanalyse, wobei die Themenfelder Information, Transparenz und Repräsentation im Fokus stehen.

Dabei wird der Vergleich mit nationalen Abgeordneten angesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Unterschiede zwischen den politischen Ebenen sowie nationale und ideologische Faktoren Einfluss darauf haben, wie sich Parlamentarier online präsentieren.

… das ist übrigens nicht die einzige Publikation, von der ich in nächster Zeit berichten werde. Wie heißt es doch so schön: wenn es einmal läuft…

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(Photo von mir – der wunderbare englische Buchladen „The Readery“
in der Augustenstraße)

 

„München will gar nicht erörtert, München will gelebt und geliebt sein.“
(Ernst Heimeran)

Nun, ich probiere es trotzdem mal. Wie bereits angekündigt, gibt es große Neuerungen – ich bin nun Münchnerin! Um genau zu sein, arbeite ich nun als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität. Dabei bin ich am Lehrstuhl „Computational Journalism“ bei Prof. Neil Thurman angestellt.

… wie, keine Europäische Union mehr? Was ist mit der Politik? Ja, das Thema ist neu, das stimmt. Und auch, wenn ich meine geliebte Europäische Union erstmal zur Seite schieben muss, sind die neuen Inhalte nicht weniger spannend. Und natürlich bleibt es politisch, wo kämen wir denn da hin!

Unsere Forschung kümmert sich vor allen Dingen darum, wie der Journalismus mit Algorithmen umgeht, und wie diese genutzt werden. Algorithmen finden sich mittlerweile überall – durch sie bekommen wir Produkt-Empfehlungen von Amazon, und Facebook weiß, mit welchen Leuten wir am meisten kommunizieren. Oder noch einfacher: mithilfe von Algorithmen bestimmt Google, welche Suchergebnisse wir sehen. Also, in dem Bereich passiert eine Menge, und ich freue mich, dabei an der Forschung mitwirken zu können. Wie bereits gesagt, mich interessiert dabei besonders, welche Auswirkungen die Nutzung von Algorithmen im Journalismus auf die Gesellschaft hat. Bedeutet das, dass die Politik in der öffentlichen Wahrnehmung schließlich an den Rand gedrängt wird, weil alle nur noch News zu Kim Kardashian und Co. empfohlen bekommen? (Hoffentlich nicht.) Wenn man bedenkt, dass es bereits Computerprogramme gibt, die z.B. Sportnachrichten selbstständig schreiben, kann man den Unterschied zu einem von einem Menschen geschriebenen Text überhaupt noch erkennen? (Kommt auf das Programm an.) Diese Fragen – und natürlich noch mehr – werden in den nächsten Jahren im Vordergrund stehen. Ich freue mich schon darauf, berichten zu können.

Natürlich sind wir auch an anderen Dingen dran, wie  aktuell am Worlds of Journalism Project, für das wir die britischen Journalisten erforschen. Hier werden allgemeine Daten zu den Journalisten haben, wie Geschlecht und Gehalt, aber auch viele weitere Dinge, wie z.B. die Arbeitsbedingungen und -routinen, wie sie ihre Rolle in der Gesellschaft sehen, und was bzw. wer ihre Arbeit beeinflusst. Das heißt nicht nur, dass ich weiterhin mit der Statistik und SPSS und Co. arbeite – was an sich super ist, nicht wahr? – sondern mich nun auch mit einem Feld beschäftige, in dem ich mich zuletzt im Studium austoben durfte. Alles in allem ist es hier am Institut sehr aufregend – und dabei bin ich erst zwei Wochen da!

Also, die Politik ist weiterhin da, die Statistik auch, die Kommunikation sowieso – und Großbritannien hat mich auch nicht verlassen. Also, alles neu, und trotzdem bin ich meinen Lieblingsthemen treu geblieben. Also, auf eine tolle Post-Doc-Zeit in München!

P.S. Natürlich vermisse ich die Helmut-Schmidt-Universität, den Lehrstuhl für Vergleichende Regierungslehre, und natürlich ganz besonders meine Kollegen. Es war eine tolle Zeit, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird!

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