Abgeordnete und ihre Webseiten – (k)eine Liebesgeschichte

becher_klein(Foto von mir – aufgenommen übrigens auf der GOR15)

 

Was ist passiert?

Wie so einige wissen, habe ich in meiner Dissertation Abgeordnetenwebseiten erforscht. Genauer gesagt, habe ich die Webseiten der deutschen, österreichischen, britischen und irischen Mitglieder des Europäischen Parlaments und der jeweiligen nationalen Abgeordneten analysiert. Dabei habe ich eine Menge gemacht, und mir zum Beispiel angesehen, welche Informations- und Transparenzinhalte gezeigt werden, wie es mit Symbolen für die europäische oder die nationale Ebene aussieht, und ob es Unterschiede zwischen den untersuchten Ländern und politischen Ebenen gibt. Diese Unterschiede gab es zuhauf* – aber das soll jetzt hier nicht das Thema sein (wer trotzdem etwas darüber lesen möchte, der kann das hier über länderübergreifende Ergebnisse und hier zu den deutschen Mitgliedern des Europäischen Parlaments tun).

Was gibt’s dazu zu sagen?

Aber da war noch was – ich habe mir nicht abgesehen, wie häufig die Webseiten tatsächlich geupdatet werden. Aber das ist besonders für die tägliche Arbeit und die Interaktion mit dem Bürger wichtig, gerade als eine einfache Möglichkeit der Informationsvermittlung und Kontaktaufnahme. Also, wie häufig gibt es Neues zu sehen? Das haben sich Martin Fuchs (der Hamburger Wahlbeobachter; hier der Link zum Blogpost) für die Webseiten der Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft (hier auch ein Artikel darüber in der WELT) und Patrick Liesener (Bezirksverordneter von Tempelhof-Schöneberg in Berlin) für das Berliner Abgeordnetenhaus angesehen. Dabei haben sie so Spannendes herausgefunden, dass ich es einfach vorstellen muss.

Für Hamburg lässt sich sagen, dass nicht alle Abgeordneten der Bürgerschaft eine Webseite pflegen. Die Zahlen sind sogar recht hoch – so haben 35 von 121 Abgeordneten keine derartige Onlinepräsenz (genauere Zahlen im Blogpost von Martin Fuchs). Wie aktuell sind also die Webseiten von denen, die eine haben? Wenn man den Zeitraum von drei Monaten als aktuell nimmt (was meiner Meinung nach großzügig ausgelegt ist), dann haben nur 40,5 % der Abgeordneten eine aktuelle Webseite. Die Variation über die Parteien ist groß, und die FDP schließt mit 88,9 % am besten ab, sodass nur eine Webseite von neun nicht aktuell ist. Dennoch: das sind Zahlen, die erschrecken.

Wie schaut es in Berlin aus? Patrick Liesener (übrigens mit Webseite) hat das überprüft. Die Zahlen und somit die Befunde ähneln sich. Von den 149 Abgeordneten haben 19 keine Webseite. Bei der Aktualität schneidet sie SPD mit 83 % am besten ab, während die Piraten mit 27 % am unteren Ende der Skala zu finden sind (hier die vollständige Tabelle). Ich könnte mich dazu verleitet fühlen, aus dem Hashtag für das Abgeordnetenhaus #agh ein #argh machen.

Und nun?

Also, was sagt uns das? Man kann noch so viel auf Social Media hinweisen und bei der Erwähnung von Webseiten gähnen wie man will, sie sind ein vorherrschendes Medium. Ganz und gar nicht aus der Mode – aber sie werden in einer Vielzahl der Fälle kaum geupdatet. Das ist ein Problem, denn es mindert den Informationsfluss vom Abgeordneten zum Bürger und u.U. zu Kollegen. Die Webseite ist an sich eine praktische Sache: sie ist für alle mit Internetanschluss verfügbar, schließt anders als ein Bürgerbüro nicht am Abend und am Wochenende seine Tore, kann immer aktuell gehalten werden (!) – so die Theorie. Warum sie dann nicht so genutzt wird? Nun, das wäre vielleicht ein Thema für meinen Post-Doc… allein schon, um herauszufinden, wie das auf Bundesebene und europäischer Ebene aussieht.

Jetzt aber noch ein Dank an Martin Fuchs und Patrick Liesner für die Arbeit, die die beiden sich gemacht haben – das freut das Forscherherz!

 

* Ich erlaube mir an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die Monographie dazu in Arbeit ist – und dass bald ein Artikel in der Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft erscheint. Nur Geduld! :)

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Informationen zu EU – Wo, wie und was?

Was ist passiert?

… genau das, was die Europäische Union neben dem Ausrichten von Gipfeln und dem Aufspannen von Rettungsschirmen so tut, kann man sich fragen, und das ist auch vollkommen legitim. Es ist nämlich wahrhaftig nichts Neues, dass man von der Europäischen Union und ihren Institutionen nur etwas erfährt, wenn es sich um einen Skandal handelt – denn abgesehen von der Finanzkrise war sie ebenso ganz groß 1997 in den Medien, als der BSE-Skandal war… aber das ist ja eben nicht das Einzige, was berichtenswert wäre. Nur eben nicht für die Massenmedien, die entweder mit nationaler Politik aufwarten oder diese auf ein Minimum in ihren Acht-Uhr-Abends-Kurznachrichten zurückschrauben.

Aber wo kann man sich informieren, wenn man, provokativ gesagt, nicht auf den Skandal warten möchte? Daher heute eine kleine Linkliste mit Webseiten, die vielleicht nicht jedem bekannt sind.

Was meine ich dazu?

Erst einmal muss man sagen, dass die meisten Quellen in englischer Sprache sind. Da beißt keine Maus den Faden ab – wenn man tiefgreifende Informationen haben will, kommt man mit Deutsch leider häufig nicht weit. Was aber nicht  heißt, dass man ganz verloren ist. Also hier, von „leicht“ nach „schwer“ meine Empfehlungen

www.euractiv.de – der deutsche Bruder von euractiv.com (Deutsch)
Euractiv ist die wohl umfangreichste Webseite, die sich mit der Europäischen Union beschäftigt. Hier gibt es nicht nur kurze Nachrichten zu abgeschlossenen Projekten, sondern Berichte zu allen Phasen eines Beschlusses. Immer exzellent recherchiert, und, das ist für mich das Wichtigste, immer verständlich. Die Seite lädt auch zum Browsen ein. Also, wer sich darüber informieren möchte, was in der Europäischen Union passiert, ist meiner Meinung nach hier genau richtig (ebenso wie auf der englischsprachigen Seite, die noch mehr Inhalt bietet).
Also:
für alle.

Webseiten der deutschen Massenmedien (Deutsch)
Ein guter Platz, um die Suche auf vertrautem Grund zu starten. Und „Suche“ ist hier das richtige Stichwort, denn Nachrichten, die nicht die Finanzkrise oder den neuesten Gipfel der EU-Staatschefs betreffen, gehen leicht unter. Aber in der Europäischen Union passiert so viel mehr! Daher lohnt es sich, soweit vorhanden, durch die entsprechenden Kategorien zu surfen („Politik“ – vielleicht findet sich sogar „EU“? => siehe zum Beispiel das Angebot von T-Online: http://themen.t-online.de/news/europaeische-union) und gezielt zu suchen. Das kostet aber viel Zeit, und die hat man nicht immer. Aber: wenn man etwas findet, hat es meistens einen Bezug zu Deutschland, das ist so manches mal auch etwas wert.
Also:
Für alle, die viel Zeit und Muße haben, sich durch Webseiten hindurchzukämpfen.

www.euobserver.com – ein Nachrichten- und Meinungsportal (Englisch)
EUObserver ist eine EU-Nachrichtenseite von der gleichnamigen Nichtregierungsorganisation, die nur auf Englisch verfügbar ist. Sie ist wie euractiv gut und übersichtlich strukturiert, und bietet zu sehr vielen Themen Detailinformationen. Hier gibt es anders als auf euractiv mehr Meinung zu den einzelnen Themen, mehr deutliche Thesen. Dennoch ist die Seite zu empfehlen, auch, wenn sie bei so einigen Themen so tief einsteigt, dass ohne Vorwissen die Lektüre nicht mehr ganz so angenehm ist.
Also:
für alle mit Vorkenntnissen.

http://europa.eu/index_de.htm – die offizielle deutschsprachige Seite der Europäischen Union (Deutsch)
Ja, auch die Europäsche Union bietet etwas an. Die Webseite mag überladen wirken, bei all den Informationen, die sie anbietet. Erst einmal sind dort nicht nur Nachrichten zu finden, sondern auch Generelles zur Europäischen Union, wie ihrer Funktionsweise und ihre Politikfelder. Besonders interessant ist hier auch der Punkt „Ihr Leben in der EU“, wo Nützliches zu verschiedenen Themen des Alltags bereit gehalten wird. Allerdings ist diese Quelle eher eine für „Spezialisten“ – wer in den offiziellen Dokumenten und Beschlüssen der Europäischen Union suchen will, muss sich auf eine Menge „EU-Sprech“ gefasst machen, und eigentlich genau wissen, was er denn sucht, da er ansonsten in der Fülle an Informationen verloren ist. Kurz gefasst, hier findet sich alles – allerdings eher zum gezielten Nachlesen.
Also:
für die Cracks.

Fazit

Wenn man genau hinguckt, finden sich also so einige Quellen mit Informationen zu Europäischen Union. Umso erfreulicher ist, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist – für den Gelegenheitsleser, der einen allgemeinen Überblick bekommen möchte, bis zum Experten, die nach ganz bestimmten Informationen sucht. Es ist alles da, es braucht meist nur einen Klick abseits der deutschen Massenmedien. Und das ist doch eine gute Nachricht, oder? Wenn sich schon nicht die traditionellen Massenmedien großartig für die Europäische Union interessieren, gibt es dennoch andere, welche die Informationen top aufbereitet zur Verfügung stellen. Also, dass mir keiner mehr sagt, er wüsste nicht, woher er die Informationen bekommen soll…

Worauf stützt sich dieser Blogpost?

– eigene Erfahrung. Die Link zu den Webseiten sind im Text zu finden.