Vortrag am Starnberger See: Künstliche Intelligenz am Newsdesk

tutzing(Foto von mir)

 

Einen Vortrag zu meinen Forschungsthemen halten, aber diesmal nicht auf einer Fachkonferenz, sondern vor Leuten, die sonst gar nichts mit Algorithmen, Automatisierung und Personalisierung am Hut haben? Da bin ich doch dabei! Die Gelegenheit hat sich geboten, als ich von der Akademie für Politische Bildung in Tutzing am 10.04.2018 für einen Vortrag eingeladen wurde. Zuhörer der dazugehörigen Tagung „Die digitale Revolution“ waren hierbei, wie bereits erwähnt, keine Kollegen aus der Wissenschaft, sondern Gymnasiallehrer. Dazu noch ganz besondere Lehrer: nämlich sogenannte Seminarlehrkräfte, die die Referendare durch ihre Lehrzeit an der Schule begleiten. Aber auch abseits von der Arbeit mit Referendaren ist die neue (und nicht ganz so neue) Technik natürlich immer Thema an der Schule.

Ich habe mit meinem Vortrag „Künstliche Intelligenz am Newsdesk – Journalismus im digitalen Wandel“ dazu beigetragen, die Zuhörer in die Welt der Nachrichten-Personalisierung und vor allen Dingen des automatisierten Journalismus einzuführen. Hierbei ging es nicht darum, die neuesten empirischen Ergebnisse vorzustellen, sondern erst einmal einen allgemeinen Überblick über die schon weithin verbreiteten technischen Möglichkeiten von Algorithmen zu geben, und dann tief in die Technologie des automatisierten Journalismus einzusteigen.

Angefangen habe ich also mit einführenden Beispielen wie den personalisierten Empfehlungen von Amazon.de und dem Facebook Newsfeed, um dann die einzelnen Schritte nachzuvollziehen, die es braucht, bis ein fertiger von einem Computerprogramm erstellter Artikel auf dem Bildschirm erscheint. Das Beispiel, an dem ich den Prozess erklärt habe, war – wie sollte es anders sein – ein Fußball-Spieltag. Geschadet hat das Thema nichts, denn das hat gleich die eingefleischten Sportfans auf den Plan gerufen, die genau wissen wollten, wie denn nun aus blutleeren Statistiken zu gelben Karten und Einwechslungen ein (halbwegs) ansprechender Artikel gemacht werden kann.

Ob ein Artikel am Ende nun ansprechend ist oder nicht – gerade über die Möglichkeiten und die Grenzen des automatisierten Journalismus wurde kontrovers diskutiert. Dabei ging es erstmal um grundsätzliche Fragen: Braucht man automatisierten Journalismus überhaupt? Gibt es denn nicht genug Journalisten, die über die wirklich relevanten Dinge berichten? Eine gemeinsame Linie wurde nicht gefunden, aber es lässt sich sagen, dass der Nutzen schließlich durchaus gesehen wurde – besonders von denjenigen, die immer mal wieder „eben schnell“ Artikel über Schulsportveranstaltungen schreiben müssen, und dabei genau auswählen müssen, welche Veranstaltung nun die wichtigste ist. Allerdings wurde (richtig) erkannt, dass das Fehlerpotential nicht gering ist, denn immerhin muss die Datenquelle die korrekten Daten liefern, damit ein fehlerfreier Artikel geschrieben werden kann. Die Diskussion ging auch über diese Themen hinaus, und streifte so auch die „Fake News“-Debatte, und gegen Ende auch, wie man die Schüler wieder zur (Online-) Zeitung bringen kann. Vielleicht ist – aller Resignation zum Trotz – personalisierte Berichterstattung ja ein Weg?

Alles in allem wurde eine spannende Diskussion geführt, die mir abseits der Fachmeinung gezeigt hat, dass es durchaus (noch?) große Vorbehalte gegen den automatisierten Journalismus gibt, und durchaus mit Sorge auf die Zukunft der „Qualitätspresse“ geschaut wird. Und bevor hier jemand über meine Zuhörer unkt: nein, eine große Altersspanne war vertreten, ebenso wie ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen. Egal wie alt, egal welches Geschlecht: die Sorgen ähnelten sich.

Aber genau deshalb ist es so wichtig, auch mal aus dem Elfenbeinturm herauszukommen: in der „richtigen“ Welt sieht es ganz anders aus, und lange nicht so hoffnungsfroh wie in der Wissenschaft. Während Algorithmen in der (kommunikationswissenschaftlichen) Forschung langsam Alltag geworden sind, in dem es meist nur noch um das „Wie“ geht, haben wir vor allen Dingen nach dem „Warum“ gefragt. Ab und an mal wieder drei Schritte zurück, das ist sehr wertvoll für die Forschung.

Ich bedanke mich bei Akademie für Politische Bildung für die Einladung – ich komme gerne mal wieder ins schöne Tutzing!

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An die Münchner: Leadership Dialog mit Philipp Lahm an der LMU

IMG_5444_klein(Foto von mir)

 

… meistens gibt es hier auf diesem Blog meine Erlebnisse zu lesen, heute kommt ein Veranstaltungstipp hinzu. Denn: Philipp Lahm kommt an die Ludwig-Maximilians-Universität München, um über „Vorbild, Verantwortung, Verpflichtung in Führungspositionen“ zu sprechen. Wer Philipp Lahm ist, muss ich wohl nicht erklären – da genügen die Stichworte Bayern- und „Vier-Sterne-Kapitän“ (für die ganz Unbedarften: er ist ein ehemaliger Profi-Fußballspieler).

Die Veranstaltung wird vom LMU Center for Leadership and People Management organisiert, das, wie zu sehen ist, „Leadership“ bereits im Namen hat (und im Übrigen ein tolles Seminarprogramm).

Ich werde auf jeden Fall hingehen – nicht bloß, um einfach nur Philipp Lahm zu sehen, sondern weil ich mir außerdem einen spannenden Einblick in die Welt des Profisports erhoffe. Das nicht nur für meine Forschung im Feld der Sportkommunikation interessant, sondern auch für mich ganz persönlich. Folgende Fragen sollen laut dem Center dabei eine Rolle spielen, die auch über den Sport hinausgehen:

  • Wie gelingt es, ein Team zu motivieren und zu exzellenten Leistungen zu führen?
  • Was heißt es Vorbild zu sein, Verantwortung zu übernehmen?
  • Welche Verpflichtung haben Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Sport und Gesellschaft für die Entwicklung der Führungspersönlichkeiten von morgen?
    (siehe diese Nachricht vom LMU Center for Leadership and People Management).

… also, wenn das mal nichts ist, so zum Jahresabschluss!

Die Veranstaltung findet am 13. Dezember von 13 bis 15 Uhr statt, eine Anmeldung ist erforderlich. Zu den Anmeldemodalitäten und zum genauen Ort steht hier mehr.

Also, wer in München ist und es einrichten kann, dem sei die Veranstaltung wärmstens ans Herz gelegt.

Von Norden nach Süden – Zwei Tagungen auf einen Streich

konferenzen_odense_klein(Mein Panel (und Arjen) in Odense – von links nach rechts: Arjen van Dalen (der Organisator, Syddansk Universitet), Jakob Linaa Jensen (Danish School of Media and Journalism), Chris van der Heijden (Hogeschool Utrecht), Anders Larsson (Westerdals Oslo School of Arts, Communication and Technology), ich, und Annika Sehl (Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford. Das Foto hat Julius Reimer (Hans-Bredow-Institut für Medienforschung) gemacht – danke!)


Im März bzw. April habe ich zwei Tagungen besucht – hier ein kurzer Rückblick auf diese spannende Zeit. Das waren wieder einmal sehr lehrreiche und dabei sehr schöne Tage – nicht zuletzt, weil es in die schönen Städte Odense (Dänemark) und Düsseldorf ging und sich die Sonne ab und an mal gezeigt hat.

Die ECREA Journalism Studies Conference in Odense, Dänemark, vom 23. bis 24. März stand ganz unter dem Thema der Verbindung des Journalismus mit seinem Publikum, und die daraus resultierenden Veränderungen: „Changing Audiences – Changing Journalism“. Die zwei Tage waren gefüllt mit Vorträgen zum Publikum des Journalismus, das anders als früher aktiv durch Kommentare oder soziale Medien an der Verbreitung oder sogar Erstellung von Nachrichten teilnimmt. Aber auch andere Themen zum Komplex Journalismus wurden vorgestellt, wie Studien zu einzelnen Ressorts – besonders interessant für mich waren die Vorträge zu politischen Nachrichten – oder zu neuen Entwicklungen in der Branche. Da konnte ich mich mit meinem Vortrag einreihen, denn es ging bei mir darum, wie Tools und somit Algorithmen Journalisten dabei helfen, Nachrichten von sozialen Medien wie Twitter und Facebook zu ordnen und für ihre Arbeit zu verwenden. Wer mehr über das Tagungsprogramm erfahren will, kann das mit einem Klick hier tun. Alles in allem war das eine kleine, aber feine Konferenz, die im zweijährlichen Turnus stattfindet, und die ich im Auge behalten werde – vielen Dank, Arjen van Dalen (und natürlich das Team der Syddansk Universitet dahinter), für die wunderbare Organisation! Wer ein wenig nachlesen möchte, kann das auf Twitter unter dem Hashtag #ecreaJSS17 tun.

Wenige Tage später nach dieser Konferenz ging es von Dänemark nach Düsseldorf, zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft e.V., den meisten besser bekannt als die DGPuK. Vom 30. März bis zum 2. April ging es hier um vielfältige Themen der Kommunikationswissenschaft. Auch diese Konferenz hatte sich ein übergeordnetes Thema gesetzt, nämlich „Vernetzung – Stabilität und Wandel gesellschaftlicher Kommunikation“. Hier passen Themen wie Algorithmen und Nachrichten ebenfalls gut hinein, und dazu habe ich auch hier gesprochen. Aber natürlich waren auch die Vorträge der Kollegen sehr spannend, sodass es mir nicht selten schwerfiel, mich zwischen den einzelnen Panels, von denen immer fünf parallel liefen, zu entscheiden. Von der Vernetzung von Journalisten und Politik, über die Kommunikation innerhalb der Wissenschaft, bis zur Beziehung von Rezipienten und fiktionalen Charakteren über ‚Fanfiction’ war alles mit dabei. Das zeigte wieder einmal, wie vielfältig die deutsche Kommunikationswissenschaft ist – vielen Dank dafür! Ebenfalls bedanke ich mich bei dem Team der Universität Düsseldorf für die mehr als gelungene Organisation! Wie auch bei der ECREA Journalism Studies Conference lässt sich das Programm hier nachlesen, und die Erlebnisse auf Twitter unter #dgpuk2017. Bis zum nächsten Jahr!

 

Wissenschaft kurz auf den Punkt gebracht

verstaendliche(Photo von mir)

 

Erst einmal: Happy New Year! Zumindest fast, aber auf ein paar Stunden kommt es nicht an. Ich kann sagen, ein gutes Jahr gehabt zu haben – mit der Dissertation und dem Drumherum ging es gut voran (wie zum Beispiel mit dem von einem von einem Kommilitonen und mir organisierten NapoKo-Kolloquium), auch andere Dinge haben mich glücklich gemacht. Nun zu dem, was ich mir für das neue Jahr wünsche – und was nichts mit meiner ganz persönlich angezündeten Wunderkerze zu tun hat. Nein, etwas Allgemeineres: ich wünsche mir mehr verständliche Wissenschaft.

Was heißt das und wie komme ich darauf? Letzteres ist leicht zu beantworten: ich habe mir die öffentliche Endausscheidungsrunde des Wettbewerbs „Verständliche Wissenschaft“, ausgerichtet vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht, angesehen. Hier war es die Aufgabe von jungen Forschern, ein Thema – hier meist Ergebnisse aus der Doktorarbeit – in acht Minuten einem Laienpublikum vorzustellen. Dieses Publikum stimmte dann hinterher für den besten Vortrag ab. Eine große Bandbreite an Themen gab es, vom Nahrungsverhalten von Süßwassermuscheln bis zu Klimakonflikten (übrigens gehalten von einem Soziologen, obwohl sich der Wettbewerb eher an Naturwissenschaftler richtet), und ich kann sagen, aus diesen kurzen Vorträgen eine Menge gelernt zu haben.

Ob man dieses Vorgehen – gerade die Abstimmung des Publikums – nun gut findet oder nicht, das Prinzip finde ich großartig. Forschung, so kompliziert sie auch sein mag, muss in so einem Wettbewerb klar vorgestellt werden, ohne Fachjargon und überladenen theoretischen Hintergrund. Auch Quantenphysik kann so greifbar gemacht werden, wie bei dem eben vorgestellten Wettbewerb eindrucksvoll gezeigt wurde. Aber nicht nur die Naturwissenschaften können sehr kompliziert sein, natürlich auch die Sozialwissenschaften. Wie ich selbst weiß, hat so mancher bei der Vorstellung seiner oder ihrer Ergebnisse mit aufkeimender Polemik zu kämpfen… So viele Themen sind sehr interessant, wären es auch für die breite Masse, aber finden in der Öffentlichkeit keinen Zugang. Solche Wettbewerbe können meiner Meinung nach dabei helfen.

Wie bereits gesagt, die Vorträge sollten kurz sein, die Vorstellung der Ergebnisse prägnant. Dass dabei Sacheverhalte gekürzt werden müssen, sollte wohl jedem klar sein. Dass es aber gar nicht darum geht, jedes Vorgehen mit vielen Referenzen und Gleichungen zu belegen, das auch. Es geht vielmehr darum, aus dem sprichwörtlichen Elfenbeinturm herauszukommen und die Forschung nach draußen zu tragen. Dass so ein Wettbewerb dazu noch ein relativ geschützter Raum ist, in dem Fehler erlaubt sind, hilft der Sache.

Forschungsergebnisse, auch und gerade von Dissertationen, sollten nicht nach Beendung der Arbeit auf dem Rechner oder in Aktenordnern versauern, und nur von Eingeweihten gelesen werden. Forschung gehört auch in die Medien, und zu guter Letzt an die Mitmenschen gebracht.

In diesem Sinne wünsche ich allen noch einmal einen guten Rutsch und ein erfolgreiches Jahr 2015!

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