Unterwegs im Namen der Sportkommunikation (und das gleich zweimal in einem Monat)

IMG_5249_klein(Foto von mir – das Konferenzprogramm des „17. Hamburg Congress on Sports, Economy, and Media“)

 

Die letzten paar Wochen waren geprägt von vier Konferenzen* – und zwei davon drehten sich um den Sport und die dabei stattfindende Sportkommunikation. Da musste ich natürlich dabei sein!

Die erste Konferenz, die ich besucht habe, war der „17. Hamburg Congress on Sports, Economy, and Media“, ein Kongress für Wissenschaftler und Teilnehmern aus der Praxis, der am 4. und 5. September 2017 in der HafenCity Universität Hamburg abgehalten wurde. Wie der Name schon sagt, ist das Konferenzformat an sich nicht neu, aber dieses Jahr wurde der Kongress zum ersten Mal komplett auf Englisch abgehalten. Nicht zuletzt, weil Gäste von der International Association for Communication and Sport (IACS) angereist waren, die den sonst vornehmlich deutschen Teilnehmern die Entwicklungen in der amerikanischen Sportkommunikation vorgetragen haben. Die weiteren Themen waren bunt gemischt, und so gab es Beiträge von Wissenschaftlern, wie bereits angedeutet, und von Praktikern, wie von der Werbeagentur Jung von Matt oder dem Marketingvorstand vom Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Gerade letztere Vorträge waren ein sehr interessanter Einblick hinter die Kulissen für mich – denn es wurde berichtet, wie Kampagnen für Vereine und andere Institutionen des Sports entwickelt werden, die wir Wissenschaftler sonst nach ihrer Fertigstellung analysieren und deren Entstehung manchmal nur schwer nachvollziehbar ist. Die Beiträge aus der Wissenschaft waren aber auch nicht ohne, denn so weiß ich nun, wie der derzeitige Stand von Virtual Reality im Profisport ist (jedenfalls in Amerika gibt es für den Zuschauer da bereits eine Menge zu sehen und zu erleben), und wie es um ethische Aspekte und Selbstverpflichtung im Sportjournalismus bestellt ist (im Übrigen nicht schlecht, zumindest wenn man den Agenturen und Redaktionen glauben darf). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mich diese Konferenz mit starkem Praxis-Einschlag bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen hat. Die Praxis ist wichtig, gerade hier im Sport – der Blick auf die sprichwörtliche andere Seite des Schreibtischs zeigt nicht nur, welche Marketing-Strategien bisher aus welchen Gründen angewendet wurden, sondern auch, was die Zukunft bringen könnte. Das ist auch für den Sport und seine Berichterstattung wichtig, welche sich mit all den neuen Techniken – wie die eben genannte Virtual Reality – weiterhin in einem starken Wandel befindet.

Die zweite Konferenz war die Jahrestagung der DGPuK-Ad-hoc-Gruppe „Mediensport und Sportkommunikation“ am 25. Und 26. September 2017 in Hamburg. Die DGPuK (Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft) ist der Dachverband der Kommunikationswissenschaftler in Deutschland, und unterteilt sich in Fachgruppen mit unterschiedlichsten Interessen – eins davon ist Sport, zu dem diese Konferenz ausgerichtet wurde. Eine Gruppe von rund 30 Wissenschaftlern hat sich an der Macromedia Hochschule in Hamburg zusammengefunden, und sich über die Medienberichterstattung von Randsportarten auszutauschen, zu der Eventisierung des Sporterlebnisses im Stadion und darüber hinaus, oder zur Relevanz der Liveberichterstattung im Sportjournalismus. Ich selber habe unter dem Oberthema „sportmediale Anschlusskommunikation“ zu „Fußball-Talks in Deutschland“ vorgetragen, wo es um die Darstellung der Themen, die Gästeauswahl, und die Aufmachung dreier Fußball-Talkshows ging; einer davon war der beliebte Doppelpass (wer nicht weiß, was das für ein wunderbares Format ist, in dem es nicht selten hoch her geht: hier das Video, das ich meinen Zuhörern gezeigt habe, um sie auf meinen Vortrag einzustimmen). Die Sportkommunikation-Gruppe der DGPuK ist noch nicht sehr groß, aber dafür sehr engagiert – so ist es nicht nur produktiv, über des Deutschen liebste Freizeitbeschäftigung zu diskutieren, es macht auch noch eine Menge Spaß. Ich freue mich auf das nächste Jahr, in dem die Konferenz in Salzburg stattfinden wird.

Beide Konferenzen wurden übrigens von Prof. Thomas Horky (Macromedia University Hamburg) ausgerichtet – vielen Dank dafür, und ich wünsche nach diesen Wochen eine ordentliche Mütze Schlaf!


* Die anderen beiden finden im nächsten Post Beachtung. Aber bevor es daran geht, kommt jetzt erstmal der Sport!

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Tag der offenen Tür im Bayerischen Landtag

plenarsaal(Blick in den Plenarsaal – Foto von mir)

 

Ich war mal wieder unterwegs – diesmal allerdings nur eine kurze U-Bahnfahrt entfernt, ich bin in München geblieben. Aus gutem Grund, denn: der Bayerische Landtag hat am 26. November seine Pforten geöffnet (und nicht nur der, auch im Bayerischen Verfassungsgerichtshof und der Bayerische Staatskanzlei konnte man hinter die Kulissen blicken). Grund genug, eine kleine politikwissenschaftliche Exkursion zu unternehmen, und zu schauen, wie denn hier in Bayern mit dem Bürger kommuniziert wird, und das auf ganz klassische Weise bei einem Tag der offenen Tür.

Das Programm war dicht gepackt, mit Vorträgen von Abgeordneten und Parlaments- bzw. Fraktionsmitarbeitern. Die Themen waren bunt gemischt, sodass zu vielen Gebieten über den Tag verteilt etwas dabei war. Auch der Bayerische Rundfunk hat sich vorgestellt, ebenso wie die Landtagsstenographen und das Besucherbüro selbst mit ihren vielen Broschüren. Nicht nur das – der Vortrag im Plenarsaal wurde von Gebärdensprach- und Schriftdolmetschern begleitet, somit eine Gruppe eingeschlossen, die bei solchen Veranstaltungen oft zu kurz kommt.

Das ist alles schön und gut – aber wofür ist so ein Tag der offenen Tür eigentlich da? Für die Informationsvermittlung? Oder dafür, den Bürger tatsächlich zum Dialog einzuladen? Dabei stellt sich wie so häufig bei solchen Veranstaltungen die Frage, wieviel Dialog mit dem Bürger bzw. zwischen Bürger und Politik(ern) tatsächlich zustande kommt. Obwohl in einer Veranstaltung wortreich darum gebeten, langte die Zeit am Ende nur für zwei Fragen, die nur kurz beantwortet werden konnten. Da kann von Dialog keine Rede sein. Auch, ob eine Autogrammstunde (siehe Foto) das Mittel der Wahl ist, darüber lässt sich streiten.

 

autogrammstunde.jpg(Wegweiser zur Autogrammstunde – Foto von mir)

 

Was sich aber festhalten lässt, ist, dass der Landtag gut besucht war – die Pressestelle spricht von gut 7.500 Besuchern. Schon gegen Mittag bildeten sich Schlangen vor dem Einlass, und wer die Veranstaltung im Plenarsaal besuchen wollte, musste eine ganze Weile anstehen. Ob es jetzt daran lag, dass es zuhauf Taschen, Kulis und Kekse gab, das kann man sich durchaus fragen. Aber nicht nur die Goodies sind gut weggegangen, auch die Prospekte mussten immer wieder nachgefüllt werden, wie ich besonders bei den Ständen des Landtags selbst beobachten konnte. Von daher sage ich, dass so ein Tag der Offenen Tür dennoch eine wichtige und hier auch gelungene Veranstaltung ist. Wann sonst kann man sich ohne größeren Aufwand die Räumlichkeiten anschauen? Neben dem Plenarsaal und den angrenzenden Räumen hatten auch die Fraktionen ihre Stände, wo die jeweiligen Forderungen und Erfolge vorgestellt wurden. Also, der Informationsgehalt war durchaus gegeben, und der kleine Berg Prospekte, der bei mir auf dem Esstisch liegt, zeugt auch davon. Aber nicht nur Papier wurde den Leuten in die Hand gedrückt, überall standen Mitarbeiter von Landtag und Fraktionen bereit, Fragen zu beantworten oder weiterzuhelfen. Keine ‚Station’ wurde allein für sich stehen gelassen, was für die Informationsvermittlung spricht.

Also, die Kritik lässt sich durchaus anlegen, aber dennoch sind solche Veranstaltungen unerlässlich. Denn Politik ist und bleibt abstrakt, egal, wieviele Schaubilder gemalt werden. Richtig erfahrbar wird sie erst, wenn man nah dran ist, und vielleicht sogar auf einem der Stühle im Plenarsaal Platz nimmt. Die Erfahrung kann als Einstieg für die Information dienen – das bleibt dem Bürger, zusammen mit den neuen Kulis natürlich, mehr in Erinnerung als ein Text aus einem Schulbuch.

 

ausblick.jpg(Und wenn’s doch nicht so spannend war, ließ sich wenigstens der Ausblick genießen
– Foto von mir)

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Report & Event: Wie denken die Journalisten in Großbritannien über ihren Job?

journalists_klein(Foto von mir)


Kaum ist die eine Publikation raus, kommt gleich die nächste, und wieder kann ich nicht ohne Stolz berichten.

Aber von vorne: Das erste Projekt, das ich hier in München zusammen mit meinem Chef in Angriff genommen habe, war eine Journalistenbefragung. Und zwar nicht nur irgendeine – wir haben für die Worlds of Journalism Study, die in der gerade aktuellen Runde Journalisten in über 60 Ländern befragt hat, die britischen Journalisten unter die Lupe genommen. Die Fragen an die Journalisten waren vielfältig – von den Arbeitsbedingungen, zum eigenen Rollenverständnis, bis hin zu Ethik war alles dabei (wer sich den allgemeinen Fragebogen ansehen möchte, der in jeweils leicht abgewandelter Form für alle Länder benutzt wurde, kann das mit einem Klick hier tun). Unsere Befragung wurde online durchgeführt, und 700 Journalisten haben wir am Ende in unsere Auswertung hineingenommen.

Eine super Sache mit spannenden Ergebnissen – und daraus haben wir, Neil und ich, zusammen mit Alessio Cornia einen Report gemacht. Dort stellen wir unsere Ergebnisse im Detail vor, und schauen uns also genau an, wie der britische Journalist arbeitet. Der Report ist natürlich nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde dankenswerterweise vom Reuters Institute for the Study of Journalism der University of Oxford produziert und am Ende publiziert. Vielen Dank dafür! Also, hier ist der Report, für alle Interessierten frei verfügbar zum Download (und ein paar wichtige Ergebnisse in Kurzform für die Lesefaulen):

journalists_1_klein

Das allein wäre ja eine Neuigkeit genug, aber es geht noch weiter: am 9. Mai durften wir unseren Report der Öffentlichkeit präsentieren! Zusammen mit der City University London hat das Reuters Institute for the Study of Journalism ein Event mit dem klangvollen Namen „The British journalist in the digital age“ auf dem Campus der City University organisiert. Gut 200 Leute sind gekommen, um sich die Befunde anzuhören, einen gedruckten Report mitzunehmen, und viele Fragen zu stellen. Außerdem wurde der Report von einem Panel diskutiert, nämlich von Pete Clifton, dem Chefredakteur der Press Association, von Michelle Stanistreet, der Generalsekretärin der Journalisten-Gewerkschaft National Union of Journalists, und von Professor Suzanne Franks von der City University London, die sich als Autorin von ‘Women and Journalism’ einen Namen gemacht hat. Diese tollen Panelisten haben die Diskussion wunderbar eingeleitet, ein paar Ergebnisse kritisch bewertet, bis schließlich das Publikum seine Fragen an den Mann oder die Frau bringen durfte.  Ein toller Abend, an dem der Report sowohl während der Veranstaltung als auch auf Twitter große Wertschätzung erfahren hat. Es ist eine schöne Sache, wenn man seine Arbeit der Öffentlichkeit vorstellen darf, und diese damit auch noch etwas anzufangen wissen.

Ich habe im Übrigen auch fleißig getweetet – und war ziemlich überrascht dass folgender Tweet von mir die Runde gemacht hat:

Nun, der Befund, dass die Journalisten den (anderen?) Nachrichtenmedien nicht über den Weg trauen (und damit sich selber nicht?), hat wohl Anklang gefunden…

Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Projekt – und das ist übrigens bereits in vollem Gange. Denn die Fahrt nach London war nicht nur für die Präsentation gedacht, sondern auch für die Datenerhebung der nächsten Sache… aber dazu beizeiten mehr, wenn unsere Arbeiten weiter fortgeschritten sind.

Wie gesagt, hier in München am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung ist und bleibt es spannend!

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Willkommen, ihr Journalisten von morgen – das Auswahlgespräch an der Deutschen Journalistenschule

djs_klein(Photo von mir)


Wie es beim Auswahlgespräch und den anderen Bewerbungskomponenten der Deutschen Journalistenschule in München zugeht, lässt sich an einigen Stellen ergooglen. Wie man an den Bildertest herangehen muss, um auch möglichst viele Personen und Orte zu erkennen, welche Zeitungen man lesen sollte, um auf die Wissensfragen vorbereitet zu sein, und so weiter, und so fort. Und natürlich, wie es sich anfühlt.

Damit kann ich nicht dienen – aber ich habe am letzten Samstag den Auswahlprozess auf der anderen Seite des Tisches verfolgen können. An diesem Tisch sitzen Dozenten der Schule, Ehemalige – und die Wissenschaftler. Da die Deutsche Journalistenschule einen Masterstudiengang in Kooperation mit dem Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Uni München anbietet, meinem Arbeitgeber, beteiligen sich auch Leute von uns mit an der Auswahl – und eine davon war ich. Ein sehr spannender Tag mit einer Menge faszinierender Leute, der gezeigt hat, wie schnell diese Gespräche mit jeweils drei Kandidaten in einer Runde zu Ende sind, und man eigentlich noch lange nicht fertig ist. Also, hier nun die Erfahrung eines Mitglieds des Gesprächskomitees.

Erst einmal möchte ich betonen, dass nicht nur die Prüflinge aufgeregt waren, sondern auch ich – immerhin möchte ich jedem, der da vorne sitzt, gerecht werden und jeden in gleicher Weise anhören. Also, dass die Prüfer dort entspannt sitzen und wie eine Ansammlung von Kaisern die Daumen in die Höhe recken oder nach unten, das ist schon einmal ein Mythos.

Aber da gibt es natürlich noch mehr, was ich hier erzählen möchte:

Was im Lebenslauf steht, das wird abgefragt

Heißt auf gut Deutsch: wenn etwas Spannendes oder Ungewöhnliches im (übrigens im Fließtext geschriebenen) Lebenslauf erwähnt wird, wird bestimmt einer von den Prüfern danach fragen. Das bedeutet, dass man seine Antwort kennen sollte. Aber nicht nur Ungewöhnliches, sondern auch Fragen zum Lebensweg werden gerne genommen. Und wenn da jemand keine Antwort drauf weiß, ist es schade – wir Prüfer sind doch so neugierig!

Kein Kandidat bekommt mehr Aufmerksamkeit als die anderen

Vielleicht mag es unter Umständen bei der Anzahl der Fragen oder der (subjektiv) verstrichenen Zeit so wirken – aber jeder Kandidat bekommt ausreichend Gelegenheit, sich in den Facetten seiner (nicht nur journalistischen) Persönlichkeit zu präsentieren. Die Fragen gehen hin und her, von Kandidat zu Kandidat, manchmal geht eine Frage auch an alle. Das heißt, dass sich niemand zurückgesetzt fühlen muss.

Jede Frage ist eine Chance

Es gibt nämlich keine Fangfragen. Stimmt nicht? In diesem Fall doch. Die Fragen mögen herausfordernd sein, und manchmal vielleicht ein bisschen skurril, aber sie dienen immer dazu, etwas aus dem jeweiligen Kandidaten herauszukitzeln und ihm oder ihr damit die Gelegenheit zu geben, mit der Antwort zu glänzen. Das heißt, niemand soll in die Ecke getrieben werden, sondern es wird geschaut, was derjenige denkt, gerne auch ein paar Mal um die Ecke. Auch wichtig: sich dann und wann ein wenig Zeit zum Nachdenken zu nehmen ist erlaubt!

Und zu guter Letzt:

Der Bilder- und Wissenstest sind nicht alles

Das Auswahlgespräch hat großes Gewicht im Prozess – das heißt, dass niemand mit hängendem Kopf ins Zimmer kommen muss, weil er oder sie glaubt, in den vorherigen Tests sowieso nicht gut genug abgeschnitten zu haben. Journalistenschüler in spe, zeigt, wer ihr seid – bestenfalls ein künftiger Schreiberling mit Biss und dem Drang, die Geschichten in die Welt zu tragen. Wie genau das aussieht, das bestimmt jeder selbst – und das ist das, was das Komitee sehen möchte. Es mag zwar eine Floskel sein, dass man authentisch bleiben soll, aber ich kann sagen, dass das am besten funktioniert.

Mein abschließender Tipp ist, ganz man selbst zu sein – aber dabei nicht zu schüchtern, damit man sich dennoch zeigt. Ganz zum Schluss noch der ultimative Tipp: Wen jemand aus dem Komitee nach einer knappen Antwort fragt, möchte er oder sie diese auch haben. Also, immer auf die Fragen antworten und das auch noch so, wie es gewünscht ist, dann kann nichts mehr schiefgehen.

An alle, die schon in den Startlöchern für die nächste Bewerbungsphase sind: viel Erfolg! Ich freue mich schon darauf, wieder bei der Auswahl der Journalisten von morgen mitwirken zu dürfen.

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Wissenschaft kurz auf den Punkt gebracht

verstaendliche(Photo von mir)

 

Erst einmal: Happy New Year! Zumindest fast, aber auf ein paar Stunden kommt es nicht an. Ich kann sagen, ein gutes Jahr gehabt zu haben – mit der Dissertation und dem Drumherum ging es gut voran (wie zum Beispiel mit dem von einem von einem Kommilitonen und mir organisierten NapoKo-Kolloquium), auch andere Dinge haben mich glücklich gemacht. Nun zu dem, was ich mir für das neue Jahr wünsche – und was nichts mit meiner ganz persönlich angezündeten Wunderkerze zu tun hat. Nein, etwas Allgemeineres: ich wünsche mir mehr verständliche Wissenschaft.

Was heißt das und wie komme ich darauf? Letzteres ist leicht zu beantworten: ich habe mir die öffentliche Endausscheidungsrunde des Wettbewerbs „Verständliche Wissenschaft“, ausgerichtet vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht, angesehen. Hier war es die Aufgabe von jungen Forschern, ein Thema – hier meist Ergebnisse aus der Doktorarbeit – in acht Minuten einem Laienpublikum vorzustellen. Dieses Publikum stimmte dann hinterher für den besten Vortrag ab. Eine große Bandbreite an Themen gab es, vom Nahrungsverhalten von Süßwassermuscheln bis zu Klimakonflikten (übrigens gehalten von einem Soziologen, obwohl sich der Wettbewerb eher an Naturwissenschaftler richtet), und ich kann sagen, aus diesen kurzen Vorträgen eine Menge gelernt zu haben.

Ob man dieses Vorgehen – gerade die Abstimmung des Publikums – nun gut findet oder nicht, das Prinzip finde ich großartig. Forschung, so kompliziert sie auch sein mag, muss in so einem Wettbewerb klar vorgestellt werden, ohne Fachjargon und überladenen theoretischen Hintergrund. Auch Quantenphysik kann so greifbar gemacht werden, wie bei dem eben vorgestellten Wettbewerb eindrucksvoll gezeigt wurde. Aber nicht nur die Naturwissenschaften können sehr kompliziert sein, natürlich auch die Sozialwissenschaften. Wie ich selbst weiß, hat so mancher bei der Vorstellung seiner oder ihrer Ergebnisse mit aufkeimender Polemik zu kämpfen… So viele Themen sind sehr interessant, wären es auch für die breite Masse, aber finden in der Öffentlichkeit keinen Zugang. Solche Wettbewerbe können meiner Meinung nach dabei helfen.

Wie bereits gesagt, die Vorträge sollten kurz sein, die Vorstellung der Ergebnisse prägnant. Dass dabei Sacheverhalte gekürzt werden müssen, sollte wohl jedem klar sein. Dass es aber gar nicht darum geht, jedes Vorgehen mit vielen Referenzen und Gleichungen zu belegen, das auch. Es geht vielmehr darum, aus dem sprichwörtlichen Elfenbeinturm herauszukommen und die Forschung nach draußen zu tragen. Dass so ein Wettbewerb dazu noch ein relativ geschützter Raum ist, in dem Fehler erlaubt sind, hilft der Sache.

Forschungsergebnisse, auch und gerade von Dissertationen, sollten nicht nach Beendung der Arbeit auf dem Rechner oder in Aktenordnern versauern, und nur von Eingeweihten gelesen werden. Forschung gehört auch in die Medien, und zu guter Letzt an die Mitmenschen gebracht.

In diesem Sinne wünsche ich allen noch einmal einen guten Rutsch und ein erfolgreiches Jahr 2015!

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Der Bundestag beim Shoppen

bundestag1klein(Foto von mir)

 

Große Freude beim vorweihnachtlichen Shoppen: im örtlichen Einkaufszentrum hatte ein Stand der Kommunikationsabteilung des Deutschens Bundestages seine Plakatwände aufgeschlagen. Für mich, die ich mich mit der Kommunikation von Parlamenten und seinen Mitgliedern beschäftige, eine prima Gelegenheit, mir das einmal genauer anzusehen.

Leider war ich in diesem vollen Einkaufszentrum die einzige weit und breit, die sich für die Informationen über den Deutschen Bundestag interessierte. An sich ist das nichts Ungewöhnliches, aber dennoch war es sehr schade. Die Mitarbeiter waren sehr hilfsbereit, aber leider mehr damit beschäftigt, Einkaufschips und andere Devotionalien hinzulegen, als Fragen zu beantworten. Die Leute hasteten vorbei, und blieben nur sehr kurz stehen. Da war es nämlich wie immer und überall: den Stoffbeutel nehmen die Leute fast schon verschämt mit, der Rest ist kaum von Interesse.

Aber woran liegt es? Darüber wurde schon eine Menge geschrieben, und meine eigene Erkenntnis bleibt nach Anschauung ähnlich: die ganze Ausstellung ist voll von Text, sehr viel Text, dazu noch klein geschrieben, und allein die große Menge – es waren nicht wenige Plakatwände, die von beiden Seiten beschriftet waren – lädt nicht zum Verweilen ein. Schon gar nicht einem Einkaufszentrum, in dem man nun wahrlich andere Dinge zu tun hat. Plakate mit diesen Eigenschaften sind schon in Museumsausstellungen ermüdend, aber für die Politik umso mehr. Natürlich ist es z.B. wichtig zu zeigen, wie ein Gesetz verabschiedet wird – aber ohne ein konkretes Beispiel ist dies wenig plastisch, schon gar nicht bei den vielen möglichen Wegen, die ein Gesetz durchlaufen kann. Auch die allgemeinen Funktionen eines Parlaments sollte man kennen und daher in solch einer Ausstellung darstellen – pikanterweise fehlte die „Kommunikationsfunktion“ auf den Plakaten. Das fand ich besonders schade, immerhin ist bei all den anderen Funktionen eines Parlaments die Beziehung zum Wähler besonders wichtig – selbst wenn dieser sich nur für die (zugegebenermaßen schönen) Stoffbeutel interessiert.

Wie lässt sich der Wähler interessieren? Ich möchte ja nicht alles schlecht reden, denn allein die Existenz dieser Wanderausstellung gefällt mir sehr. Auch die Idee, mit ihr zum Bürger zu kommen, und sich nicht in anderen Ausstellungen zu verstecken, und somit wieder nur von Leuten angesehen zu werden, die sich eh schon für Politik erwärmen können. Es geht mir also nicht darum, dass Plakatwände zur Politik in Einkaufszentren generell fehl am Platz sind, im Gegenteil. Aber gerade wenn die Leute wenig Zeit haben und viele Tüten zu tragen haben, fehlt die Muße, sich das alles durchzulesen. Ich als Internet-Doktorandin bin natürlich vorbelastet, aber eine interaktivere Ausstellung würde sich meines Erachtens durchaus anbieten. Mit einem Konzept, in dem der arglose Bürger nicht mit einer Masse an Informationen erschlagen wird, sondern sich aussuchen kann, was er sich ansehen möchte (also einem Stand aus der Industrie nicht unähnlich, um klarere Worte zu finden.). Das große Ganze ist wichtig, na klar, und das politische System lässt sich nicht in Häppchen erfassen, höre ich jetzt schon – aber lieber in Häppchen als gar nicht. Das mag zynisch klingen, aber lieber wenige Informationen an den Mann bringen als gar keine. Aber hier greift bestimmt wieder das allgegenwärtige Kostenargument – interaktiv ist zu teuer, und so weiter, und so fort. Aber wie viel sollten solche Anstrengungen wert sein?

Zusammengefasst konnte ich an dieser kleinen Ausstellung mal wieder sehen, dass Kommunikation mit dem Wähler bitter nötig ist, Aber leider ist das Interesse gering – ich stand lange genug zwischen den Plakatwänden, um das beurteilen zu können. Schade – ich hoffe auf neuere Konzepte. Ein bisschen mehr Technik darf es dann schon sein… man wird ja wohl noch ein bisschen träumen dürfen, oder?

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„It’s all about the funding!“

foerdertag(Foto von mir)

 

 

… sagt mein Doktorvater immer wieder. Und: er hat recht! Deswegen habe ich mich heute nach Hannover aufgemacht, um an einer Veranstaltung zum Thema Postdoktorandenförderung teilzunehmen.

Ausgerichtet wurde diese vom Dezernat Forschung und dem EU-Hochschulbüro der Universität Hannover bzw. der Hochschulregion Hannover/Hildesheim. Vielen Dank dafür an dieser Stelle. Sechs Förderer stellten ihre Programme vor – also, was gab es alles zu hören?

Den Anfang der kurzen Vorträge, die meist gut eine halbe Stunde lang waren. machte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Dieser wurde im Gegensatz zu den anderen fast eine Stunde im Programm eingeräumt. Die einzelnen Maßnahmen wurden überblicksartig vorgestellt, wobei der Fokus vor allen Dingen auf der frühen Postdoc-Phase lag, und somit auf dem Auslandsstipendium und der „eigenen Stelle“. Ich kannte den Vortrag schon, aber gerade diese Informationen kann man gar nicht oft genug hören.

Darauf folgten die Fördermaßnahmen der VolkswagenStiftung. Mir weniger bekannt, hat diese Stiftung nicht nur fachübergreifende Maßnahmen, sondern auch speziell auf einzelne Fächer ausgerichtete Angebote. Für Physiker gibt es so z.B. die Möglichkeit, sich für einen Aufenthalt in Stanford fördern zu lassen, um dort mit speziellen Maschinen zu arbeiten. Auch für Geisteswissenschaftler gibt es ein spezielles Angebot. Es lohnt sich, diese Förderungen im Auge zu behalten.

Den letzten Vortrag vor der Pause gab die Alexander von Humboldt-Stiftung. Hier ist das große und aktive Alumni-Netzwerk von Bedeutung, sodass der Kontakt mit der Stiftung mit dem Förderende nicht abbricht. Außerdem ist zu sagen, dass diese Stiftung nur Auslandsaufenthalte fördert, und keine Arbeiten im deutschen Inland.

Weiter ging es nach einer kurzen Verschnaufpause mit dem DAAD. Die Fördermöglichkeiten sind einigen zum Teil bestimmt schon aus Studium und Doktorandenzeit bekannt, aber auch für Postdocs gibt es interessante Angebote, die über das typische Jahresstipendium hinausgehen. Gerade für Dozenturen im Ausland, ob nun kürzerer oder längerer Natur, bietet sich der DAAD an.

Weiterhin ums Ausland drehte es sich bei den Marie Skłodowska-Curie-Individualmaßnahmen, die von der Europäischen Union gefördert werden. Mit diesen Maßnahmen kann der Forscher sich in der EU und assoziierten Staaten bewegen, und für bis zu zwei Jahre an einem Ort seiner oder ihrer Wahl arbeiten. Das Programm gibt es auch für Drittstaaten.

Der letzte Vortrag wurde mit der „großen Schwester“ – so die Vortragende – der Curie-Maßnahmen bestritten, den ECR Starting Grants. Ebenfalls von der EU gefördert, läuft diese Maßnahme über Jahre für ein ganzes Projekt, und bietet sich daher für eine spätere Post-Doc-Phase an, in der man etablierter ist.

Ich kann hier natürlich nur einen sehr kurzen Abriss geben, der den einzelnen Stiftungen und Programmen nicht gerecht wird und es auch gar nicht kann. Aber ich möchte anmerken, dass diese Veranstaltung einen sehr guten Überblick gegeben hat, jenseits von verwirrenden Webseiten, den ich nicht missen möchte. Ich kann jedem nur empfehlen, sich ähnliche Veranstaltungen anzusehen – und wenn es als Gast ist, der ich es war, denn Lüneburg lässt sich nun kaum noch zu der eigentlich Hochschulregion Hannover/Hildesheim zählen…

Eine Sache möchte ich noch sagen, die sich durch alle Vorträge gezogen hat: man kann gar nicht früh genug anfangen, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Die Bewerbungsphasen können sich sehr lange hinziehen, manchmal über sieben Monate, und da ist die Zeit für die Vorbereitung des Antrages noch nicht mit eingerechnet. Außerdem kann man sich für viele Maßnahmen nur einmal im Jahr bewerben, was die Sache noch schwieriger macht, wenn man die Stichtage nicht kennt. Einen Tag zu spät, und es heißt ein ganzes Jahr warten.

Also, vielleicht gibt es solche Veranstaltungen auch an anderen Unis? Wenn ja – sofort hin da!

 

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