Willkommen, ihr Journalisten von morgen – das Auswahlgespräch an der Deutschen Journalistenschule

djs_klein(Photo von mir)


Wie es beim Auswahlgespräch und den anderen Bewerbungskomponenten der Deutschen Journalistenschule in München zugeht, lässt sich an einigen Stellen ergooglen. Wie man an den Bildertest herangehen muss, um auch möglichst viele Personen und Orte zu erkennen, welche Zeitungen man lesen sollte, um auf die Wissensfragen vorbereitet zu sein, und so weiter, und so fort. Und natürlich, wie es sich anfühlt.

Damit kann ich nicht dienen – aber ich habe am letzten Samstag den Auswahlprozess auf der anderen Seite des Tisches verfolgen können. An diesem Tisch sitzen Dozenten der Schule, Ehemalige – und die Wissenschaftler. Da die Deutsche Journalistenschule einen Masterstudiengang in Kooperation mit dem Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Uni München anbietet, meinem Arbeitgeber, beteiligen sich auch Leute von uns mit an der Auswahl – und eine davon war ich. Ein sehr spannender Tag mit einer Menge faszinierender Leute, der gezeigt hat, wie schnell diese Gespräche mit jeweils drei Kandidaten in einer Runde zu Ende sind, und man eigentlich noch lange nicht fertig ist. Also, hier nun die Erfahrung eines Mitglieds des Gesprächskomitees.

Erst einmal möchte ich betonen, dass nicht nur die Prüflinge aufgeregt waren, sondern auch ich – immerhin möchte ich jedem, der da vorne sitzt, gerecht werden und jeden in gleicher Weise anhören. Also, dass die Prüfer dort entspannt sitzen und wie eine Ansammlung von Kaisern die Daumen in die Höhe recken oder nach unten, das ist schon einmal ein Mythos.

Aber da gibt es natürlich noch mehr, was ich hier erzählen möchte:

Was im Lebenslauf steht, das wird abgefragt

Heißt auf gut Deutsch: wenn etwas Spannendes oder Ungewöhnliches im (übrigens im Fließtext geschriebenen) Lebenslauf erwähnt wird, wird bestimmt einer von den Prüfern danach fragen. Das bedeutet, dass man seine Antwort kennen sollte. Aber nicht nur Ungewöhnliches, sondern auch Fragen zum Lebensweg werden gerne genommen. Und wenn da jemand keine Antwort drauf weiß, ist es schade – wir Prüfer sind doch so neugierig!

Kein Kandidat bekommt mehr Aufmerksamkeit als die anderen

Vielleicht mag es unter Umständen bei der Anzahl der Fragen oder der (subjektiv) verstrichenen Zeit so wirken – aber jeder Kandidat bekommt ausreichend Gelegenheit, sich in den Facetten seiner (nicht nur journalistischen) Persönlichkeit zu präsentieren. Die Fragen gehen hin und her, von Kandidat zu Kandidat, manchmal geht eine Frage auch an alle. Das heißt, dass sich niemand zurückgesetzt fühlen muss.

Jede Frage ist eine Chance

Es gibt nämlich keine Fangfragen. Stimmt nicht? In diesem Fall doch. Die Fragen mögen herausfordernd sein, und manchmal vielleicht ein bisschen skurril, aber sie dienen immer dazu, etwas aus dem jeweiligen Kandidaten herauszukitzeln und ihm oder ihr damit die Gelegenheit zu geben, mit der Antwort zu glänzen. Das heißt, niemand soll in die Ecke getrieben werden, sondern es wird geschaut, was derjenige denkt, gerne auch ein paar Mal um die Ecke. Auch wichtig: sich dann und wann ein wenig Zeit zum Nachdenken zu nehmen ist erlaubt!

Und zu guter Letzt:

Der Bilder- und Wissenstest sind nicht alles

Das Auswahlgespräch hat großes Gewicht im Prozess – das heißt, dass niemand mit hängendem Kopf ins Zimmer kommen muss, weil er oder sie glaubt, in den vorherigen Tests sowieso nicht gut genug abgeschnitten zu haben. Journalistenschüler in spe, zeigt, wer ihr seid – bestenfalls ein künftiger Schreiberling mit Biss und dem Drang, die Geschichten in die Welt zu tragen. Wie genau das aussieht, das bestimmt jeder selbst – und das ist das, was das Komitee sehen möchte. Es mag zwar eine Floskel sein, dass man authentisch bleiben soll, aber ich kann sagen, dass das am besten funktioniert.

Mein abschließender Tipp ist, ganz man selbst zu sein – aber dabei nicht zu schüchtern, damit man sich dennoch zeigt. Ganz zum Schluss noch der ultimative Tipp: Wen jemand aus dem Komitee nach einer knappen Antwort fragt, möchte er oder sie diese auch haben. Also, immer auf die Fragen antworten und das auch noch so, wie es gewünscht ist, dann kann nichts mehr schiefgehen.

An alle, die schon in den Startlöchern für die nächste Bewerbungsphase sind: viel Erfolg! Ich freue mich schon darauf, wieder bei der Auswahl der Journalisten von morgen mitwirken zu dürfen.

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Sommer, Sonne, Eis … und Textproduktion!

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summer_klein(Mein Foto)

 

Das auch noch bei 30 °C im Schatten! Aber die Diss schläft nicht, selbst wenn es ihre Autorin manchmal vorziehen würde. Also, das Schreiben geht voran, und weil ich die Tage endlich meine Urkunde für die Zertifizierung im Lehrprofil „Schreiben in der Lehre“ bekommen habe, möchte ich noch ein paar Schreibtipps geben, die dem einen oder anderen vielleicht die Schreibphase während der Tropenhitze erleichtern. Denn nicht nur die Diss will geschrieben werden, sondern auch Hausarbeiten und dergleichen…

Schreibe jeden Tag

Warum? Das hat mehrere Gründe. Erst einmal sieht man Fortschritt, wenn man jeden Tag schreibt. Immer mehr Worte kommen auf das Papier, und am Ende des Tages kann man sich rühmen, seinem Ziel wieder einen Schritt näher gekommen zu sein. Das ist der erste psychologische Effekt. Selbst wenn man am Ende nicht quantitativ viel Text geschrieben hat, kann sich am Ende des Tages dennoch über Forschritt freuen. Die zweite psychologische Komponente liegt darin, dass man so in eine Gewohnheit verfällt. Die ersten Tage mögen hart sein, aber dann passt sich das tägliche Schreiben schließlich in den Tagesverlauf ein. Wer gerne plant, dem empfehle ich, sich täglich eine gewisse Anzahl an Worten vorzunehmen. Man muss sich nicht immer an sie halten – aber wenn das realistische Tagessoll geschafft ist, kann (und sollte!) man getrost Feierabend machen.

Schreibe das, was dir am meisten Spaß macht

Wer kennt das nicht – unliebsame Abschnitte oder sogar ganze Kapitel müssen zu Papier gebracht werden, das ist nun einmal so und man kann sich nicht dagegen wehren. Ob es nun der Abschnitt zu den verwendeten Methoden ist oder der komplizierte theoretische Hintergrund, irgendwann muss es gemacht werden.
Aber nicht heute.
Wenn man sich eh schon kaum auf Bücher und Worddokument konzentrieren kann, dann muss man nicht unbedingt das schreiben, was eh keinen Spaß macht. Das klingt banal, aber Paper und andere Schriftstücke müssen nicht in chronologischer Reihenfolge geschrieben werden*. Wer weiß, welche Theorien er oder sie testen möchte, muss den Theorieteil nicht schon geschrieben haben. Es langt erst einmal, die Theorie im Kopf zu haben, oder ein paar Stichworte zu notieren. Wieso soll man es sich schwerer machen, als es ist? Und wenn am Ende nur noch der vermeintlich schwierige bzw. unliebsame Teil fehlt, geht schließlich auch der leichter von der Hand, immerhin ist man ja fast fertig mit der Arbeit.

Schreibe deinen Kopf frei

Es gibt immer die Situation, dass man hängenbleibt. Der Gedanke ist weg, die Idee ist verflogen, und wie dieses eine Buch noch hieß, das man gestern noch unbedingt einarbeiten wollte, ist auch vergessen. Was hilft dann? Drei Schritte zurück, Durchatmen, und dann zum Beispiel eine Mindmap, in der man seine Gedanken zu dem Thema aufschreibt. Ob nun schon geordnet oder einfach nur frei auf einem Blatt Papier, das ist dem eigenen Geschmack überlassen. Ideen kommen wieder, manchmal brauchen sie nur etwas Hilfe und Zeit. Freewriting, bei dem man z.B. drei Minuten durchgehend alles schreibt, was einem einfällt – und wenn es ist, dass man am liebsten ins Freibad gegen möchte anstatt in der Bibliothek zu sitzen – ist ebenfalls eine wunderbare Möglichkeit, den Kopf in Gang zu kriegen. Denn dann schreibt man ja schon eine Weile und kann sich danach fast schon gemütlich dem eigentlichen Text zuwenden – wieder eine kleine Selbstüberlistung.
Zur Prophylaxe: alles aufschreiben bevor es entfleucht, oder von den Buchtiteln mit dem allgegenwärtigen Smartphone ein Bild vom Cover machen. Einfacher geht’s nicht – und seine Gedanken aufschreiben geht auch mit einer App. Das Handy ist (fast) immer dabei, selbst wenn es ein schönes Notizbuch nicht ist.

Und wenn gar nichts mehr hilft?

Um es mit den jetzt schon unsterblichen Worten von Fußballnationalspieler Per Mertesacker zu sagen: dann geht’s erstmal drei Tage in die Eistonne. Ja, manches Mal hilft nur noch, dass man die Füße hochlegt und ein bisschen abschaltet. Das möchte ich immer wieder betonen: Pausen sind wichtig! Niemand kann durcharbeiten, bei 30 ° erst recht nicht, und wer wie ich aus dem regnerischen hohen Norden Deutschlands kommt, der sowieso nicht. Wer dennoch ran muss, kann sich an den obigen Tipps versuchen und/oder sich mit einem Eis über die heißen Tage retten.

Darüber hinaus gilt wie immer folgender Grundsatz: Don’t get it right, get it written!
Was raus ist, ist raus, und kann am Ende immer noch überarbeitet werden. Wenn am Ende ein leeres Blatt steht, weil kein Gedanke gut genug war, kommt entsteht nur Frust.
Also, viel Erfolg bei den sommerlichen Schreibaufgaben!**

 

* Hierzu eine kleine Fußnote: ich empfehle immer, die Einleitung zuerst zu schreiben. Ich weiß, dass viele genau dies zuletzt tun, aber wer vorher weiß, was er schreiben möchte, kann sich dadurch später eine Menge Denkarbeit erleichtern. Aber das bin mal wieder ich als „Top-Down-Schreiberin“, die gerne alles vorher plant – deswegen ist das hier nur eine Empfehlung, und alle „Chaosschreiber“ sollen natürlich genau so weitermachen, wie es ihnen guttut.

** Hiermit ein kleiner Gruß an meine Studis – ihr schafft das!

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Tschüss, LSE – man sieht sich!

gb_klein

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goodbyelse

(Foto von mir)

Was ist passiert?

Meine Zeit als Visiting Research Student an der London School of Economics and Political Science ist nun um– sechs Monate können so schnell vorbeigehen! Als Doktorandin an der LSE zu sein war genauso großartig und bereichernd wie schon als Masterstudentin. Dieser Post dient dazu, meine Berichte hier abzuschließen und für mich selbst ein übergreifendes Fazit zu ziehen – und dazu, um ein paar Empfehlungen zu geben, die vielleicht anderen helfen können.

Was meine ich dazu?

Um damit anzufangen, was ganz am Ende der Doktorandenzeit kommen wird: wenn es darum geht, was ich nach der Dissertation machen möchte, fühle ich mich besser, wenn ich darüber mit anderen Doktoranden rede, die einen ähnlichen Weg verfolgen. Das gilt besonders, wenn ich neue, frische Sichtweisen bekomme. Diese gingen in meinem Fall auch darauf zurück, dass ich mit Doktoranden sprechen konnte, die in einem ganz anderen Universitätssystem Zuhause sind. Dadurch habe ich neue Möglichkeiten entdeckt (und Stolpersteine, wie ich zugeben muss), über die ich niemals nachgedacht hätte, wäre ich nicht an eine andere Universität gegangen. Ich hoffe, dass meine Tipps anderen auch nützlich waren! Um es kurz zu machen: diese Menschen kennenzulernen hat nicht nur meiner Diss gut getan, sondern auch mir persönlich.
Sprich mit anderen, unterstützt euch gegenseitig und bau’ dein Netzwerk aus!

Was allerdings auch gelernt habe, ist, dass es keinen Sinn macht, nur um des Weggehens Willen an eine andere Universität und/oder in ein anderes Land zu gehen. Ich selbst kannte die LSE gut, da ich bereits meinen Master dort gemacht habe. Also wusste ich, welche Möglichkeiten und Kurse Doktoranden offen stehen, und was mir und meiner Arbeit gut tun würde. Natürlich habe ich auch einige Überraschungen erlebt – ohne wäre es ja langweilig! – aber zu wissen, was einen ungefähr erwartet, das hilft sehr. Sechs Monate klingen nach sehr viel Zeit, aber wenn man schon zwei Monate dadurch verliert, weil man sich sehr lange eingewöhnen muss und ständig mehr oder weniger trivialen Informationen hinterher jagt, dann geht diese Zeit sehr schnell vorbei, ohne dass man viel geschafft hätte. Und natürlich, bloß nicht vergessen: man sollte immer sicherstellen, dass der neue Doktorvater dort das Thema und die Forschungsrichtung gut kennt!
Wähle die Universität gut aus, sodass sie zu den eigenen Bedürfnissen passt!

Um noch einmal zusammenzufassen, kann ich sagen, dass es eine sehr bereichernde Erfahrung war, während des Doktors für ein paar Monate an eine andere Universität zu gehen. Viele andere haben es vor mir geschrieben und gesagt, aber ich kann nur noch mal wiederholen, dass sich ein Perspektivenwechsel sehr positiv auf die eigene Arbeit auswirken kann. Für mich war das jedenfalls der Fall. Es war nun nicht so, dass ich nichts mehr zu tun gehabt hätte, bevor ich den Flug nach London angetreten habe, aber es war auch nicht so, dass ich einen Überfluss an Ideen gehabt hätte. Allein, dass ich mit vielen verschiedenen Leuten gesprochen habe – ob sie nun aus meinem Fachbereich kamen oder nicht – hat mir geholfen, mein Projekt in einem neuen Licht zu sehen und neue Ideen zu entwickeln. Das bedeutete (und bedeutet noch immer) viel Arbeit, aber ich denke, dass meine Doktorarbeit dadurch so einige Fortschritte gemacht hat. Außerdem sehe ich meine Heimatuniversität in einem neuen Licht, besonders die Dinge, die ich für selbstverständlich genommen habe. Wegzugehen mag großartig sein, aber wieder nach Hause zu kommen ist es auch.
Eine neue Perspektive kann die Dissertation sehr verbessern!

Fazit

Ich könnte noch so viel mehr sagen, z.B. dass man sich natürlich während der Zeit im Ausland auch entspannen soll, oder dass auch im Ausland nicht immer alles Gold ist, was glänzt. Aber ich denke, dass ich die Hauptpunkte genannt habe. Also: ich kann jedem nur empfehlen, ein paar Monate einen Tapetenwechsel vorzunehmen, wenn es zum eigenen Thema passt. Man muss eine Menge vorbereiten, aber diese Zeit und Mühe zahlt sich auf jeden Fall aus. Ich würde es sofort wieder tun – aber für mich ist es nun an der Zeit, wieder nach Hause zu kommen. Auch hier gibt es so viele aufregende Dinge zu tun und zu erleben, und ich verspreche, dass ich bald von ein paar von ihnen berichten kann!

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