Hogwarts kann nicht weit sein – Bericht zur Second International Journal of Press/Politics Conference

oxford-panel-bearbeitet(Das war mein Panel – von links nach rechts:
Milda Celiešiūtė, ich, Lamprini Rori und Marcel Broersma)


Gut einen Monat zu spät, man möge es mir verzeihen (Deadlines, Deadlines – und endlich wieder Lehre!), aber hier kommt ein kurzer Bericht zu meinem Konferenz-Trip nach Oxford. Ja, Oxford, da hat es sich allein schon wegen der hübschen Stadt gelohnt, ein Abstract einzureichen…

Aber die Konferenz möchte ich natürlich nicht schmälern. Ich war auf der Second Annual Journal of Press/Politics Conference, eine kleine Konferenz mit 46 Vorträgen, die vom 28.09. bis zum 01.10.2016 im St. Anne’s College stattfand (das Programm hier). Wie der Name schon vermuten lässt, lag der Fokus der Beiträge auf der Verbindung von Journalismus bzw. der Presselandschaft und Politik im weitesten Sinne. Um die Themen von ein paar Panels zu nennen: Der Einfluss von Populismus und politischen Konflikten auf den Journalismus, der Vergleich von Mediensystemen, und natürlich Wahlkampf in Europa.

Ich selbst habe im Panel „Journalists, Governments, and Political Parties“ vorgestellt, welche politischen Rollen Journalisten in ihrem Arbeitsalltag einnehmen, und wie sie die Wichtigkeit dieser Rollen für sich selbst einschätzen. Die Daten sind aus der Worlds of Journalism Study entnommen (man erinnere sich an den Report zu den britischen Journalisten, der vor ein paar Monaten erschienen ist), und ich habe die Einstellungen deutscher, britischer, US-amerikanischer und italienischer Journalisten miteinander verglichen. Besonders bei den Ergebnissen zu den britischen Journalisten gab es ungläubiges Kopfschütteln – denn 27,5 % gaben an, dass es unwichtig für sie sei, den Bürgern Informationen bereitzustellen, die sie brauchen, um politische Entscheidungen zu treffen. Die Verbindung zum Brexit war schnell gezogen… (wobei ich natürlich sagen muss, dass ein Großteil der befragten britischen Journalisten nicht explizit aus dem politischen Ressort kamen).

Die Themen der anderen Präsentationen waren vielfältig und interessant, sodass ich mich kaum entscheiden konnte, welchen der beiden jeweils parallel laufenden Tracks ich besuchen sollte. Ob man nun dazu etwas gehört hat, wie Politiker und Interessengruppen Twitter nutzen, oder wie Journalisten in ihre Arbeit in autoritären Staaten wahrnehmen, ich konnte aus allen Vorträgen etwas für meine eigene Forschung mitnehmen. Die Plaudereien in den Pausen haben mich außerdem auf viele neue Ideen gebracht.

Neu war für mich das Format der „Birds of a feather session“. Hier hat man sich zu einem Oberthema in lockerer Runde zusammengesetzt und etwa eine Stunde diskutiert. Ich habe an der Gruppe „International research projects“ teilgenommen, in der aus einigen großen Projekten aus dem Nähkästchen geplaudert wurde. Sehr interessant – ein ungezwungenes Format, das ich gerne auf weiteren Konferenzen sehen würde.

Auch sonst waren wir Teilnehmer gut versorgt – zweimal wurde uns ein tolles Dinner zuteil, an einem Abend sogar in Harry Potter-gleicher Atmosphäre im Mansfield College. Ja, das Essen wurde an langen Tischen in der ehemaligen Kapelle serviert! Für mich und viele andere der Teilnehmer ein Highlight, hatte das doch nichts mehr mit einer normalen Mensa gemein. Um die Stimmung perfekt zu machen, fanden auch noch an einem der Tage die Abschlussfeiern der University of Oxford statt, sodass die Straßen mit aufgeregten Absolventen in festlichen Roben und Hüten gesäumt waren. Mehr Oxford geht nicht.

Ich schweife ab – zusammengefasst möchte ich noch einmal betonen, dass die Konferenz sehr lehrreich, und dazu noch perfekt organisiert war. Also, ich bedanke mich bei den Organisatoren des Reuters Institute for the Study of Journalism für die tolle Arbeit, und freue mich schon auf nächstes Jahr!

__________________________________________________________________________________

Advertisements

Das erste Semester in München ist um!

starnberg(Foto von mir – der Starnberger See)



… nicht nur Studierende finden ihr erstes Semester an der Universität aufregend, ich auch – nur, dass es mein erstes Semester als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, und eben nicht mehr als Studierende, am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU war. Neuer Job, neues Institut, neue Kollegen, und eine ganz neue Stadt. Nicht zu vergessen, dass ich als Politikwissenschaftlerin nun zwischen lauter Kommunikationswissenschaftlern Zuhause bin.
Und schon ist das erste halbe Jahr in München rum!

Zeit für eine kurze Bilanz. Im Januar bin ich gestartet, und habe mit meinem Chef Neil Thurman gleich einen Bericht zu Arbeitsbedingungen und -einstellungen der britischen Journalisten geschrieben. Im Mai ist er erschienen, gefeiert mit einer Veranstaltung an der City University London. Eine tolle Sache, den Bericht, der vom Reuters Institute for the Study of Journalism der Universität Oxford herausgegeben wurde und übrigens hier frei verfügbar ist, in den Händen zu halten.

Dann kam die nächste Datenerhebung zu zwei kleinen Projekten, zu denen wir uns bald an die Analyse und das Verfassen von Artikeln machen. Klingt nebulös? Ist es auch, aber da geht es weiter, keine Sorge.

Tja, der Uni-Alltag hat mich dann natürlich auch fest in den Händen gehabt, nämlich in Form der Lehre. Ich habe zwei Kurse zum Thema Politische Kommunikation gegeben, einen auf deutsch, einen auf englisch, letzteren mit Austauschstudierenden aus aller Welt. Es war sehr spannend, die Themen mit angehenden Kommunikationswissenschaftlern zu bearbeiten, von denen nur die wenigsten im Haupt- oder Nebenfach Politik studieren. Aber: es hat gut geklappt, und es waren tollen Kurse mit spannenden Diskussionen. Nun, Brexit und Co. haben es mir einfach gemacht, die Wichtigkeit der Inhalte zu zeigen – wenigstens ein Gutes hat das alles.

Ganz nebenbei ist meine Dissertation im Nomos-Verlag erschienen, und ein Fachartikel in der Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft. Das waren zwar ‚Altlasten’, aber keine schlechten.

Und die Leute hier in ‚Minga’? Meine Kollegen sind wunderbar und haben mich nett aufgenommen, und ich freue mich auf viele weitere Gespräche, Mittagspausen im Biergarten der Mensa, und hoffentlich das eine oder andere gemeinsame Projekt.

… und schön ist es hier in Bayern auch noch! Nicht nur in München, sondern auch im Umland, wie in Starnberg, das das das Bild oben zeigt. So lässt es sich leben, wenn mal die Wissenschaft ein Weilchen Pause macht.

Also, ein halbes Jahr ist um, und weiter geht’s – ich freue mich in naher Zukunft besonders auf den Nachwuchstag der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft e.V. (für Eingeweihte nur ‚DGPuK’), organisiert von meinen tollen Kollegen, Anfang September (Anmeldungen bis zum 5. August hier). Wem das nichts sagt: hier dreht sich alles um den wissenschaftlichen Nachwuchs, vom Doktoranden in spe bis zu ‚fertigen’ Docs wie mir. Vorträge zur Karrieregestaltung, und was man in beim Weg in die Wissenschaft alles beachten kann, stehen auf der Tagesordnung. Es verspricht spannend zu werden! Aber das war es natürlich noch lange nicht, aber jetzt sind erstmal Semesterferien, und es ist still im Institut geworden. Die Ruhe vor dem nächsten Semester. Da geht’s natürlich wieder mit der Lehre weiter, unter anderem mit einem Seminar zur Kommunikation im deutschen Profifußball.

Das war nur ein kleiner Eindruck – es gibt noch mehr zu berichten, noch mehr zu tun und zu besuchen, aber alles zur gegebenen Zeit.

Hier in München wird es jedenfalls nicht langweilig!

___________________________________________________________________________

 

Report & Event: Wie denken die Journalisten in Großbritannien über ihren Job?

journalists_klein(Foto von mir)


Kaum ist die eine Publikation raus, kommt gleich die nächste, und wieder kann ich nicht ohne Stolz berichten.

Aber von vorne: Das erste Projekt, das ich hier in München zusammen mit meinem Chef in Angriff genommen habe, war eine Journalistenbefragung. Und zwar nicht nur irgendeine – wir haben für die Worlds of Journalism Study, die in der gerade aktuellen Runde Journalisten in über 60 Ländern befragt hat, die britischen Journalisten unter die Lupe genommen. Die Fragen an die Journalisten waren vielfältig – von den Arbeitsbedingungen, zum eigenen Rollenverständnis, bis hin zu Ethik war alles dabei (wer sich den allgemeinen Fragebogen ansehen möchte, der in jeweils leicht abgewandelter Form für alle Länder benutzt wurde, kann das mit einem Klick hier tun). Unsere Befragung wurde online durchgeführt, und 700 Journalisten haben wir am Ende in unsere Auswertung hineingenommen.

Eine super Sache mit spannenden Ergebnissen – und daraus haben wir, Neil und ich, zusammen mit Alessio Cornia einen Report gemacht. Dort stellen wir unsere Ergebnisse im Detail vor, und schauen uns also genau an, wie der britische Journalist arbeitet. Der Report ist natürlich nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde dankenswerterweise vom Reuters Institute for the Study of Journalism der University of Oxford produziert und am Ende publiziert. Vielen Dank dafür! Also, hier ist der Report, für alle Interessierten frei verfügbar zum Download (und ein paar wichtige Ergebnisse in Kurzform für die Lesefaulen):

journalists_1_klein

Das allein wäre ja eine Neuigkeit genug, aber es geht noch weiter: am 9. Mai durften wir unseren Report der Öffentlichkeit präsentieren! Zusammen mit der City University London hat das Reuters Institute for the Study of Journalism ein Event mit dem klangvollen Namen „The British journalist in the digital age“ auf dem Campus der City University organisiert. Gut 200 Leute sind gekommen, um sich die Befunde anzuhören, einen gedruckten Report mitzunehmen, und viele Fragen zu stellen. Außerdem wurde der Report von einem Panel diskutiert, nämlich von Pete Clifton, dem Chefredakteur der Press Association, von Michelle Stanistreet, der Generalsekretärin der Journalisten-Gewerkschaft National Union of Journalists, und von Professor Suzanne Franks von der City University London, die sich als Autorin von ‘Women and Journalism’ einen Namen gemacht hat. Diese tollen Panelisten haben die Diskussion wunderbar eingeleitet, ein paar Ergebnisse kritisch bewertet, bis schließlich das Publikum seine Fragen an den Mann oder die Frau bringen durfte.  Ein toller Abend, an dem der Report sowohl während der Veranstaltung als auch auf Twitter große Wertschätzung erfahren hat. Es ist eine schöne Sache, wenn man seine Arbeit der Öffentlichkeit vorstellen darf, und diese damit auch noch etwas anzufangen wissen.

Ich habe im Übrigen auch fleißig getweetet – und war ziemlich überrascht dass folgender Tweet von mir die Runde gemacht hat:

Nun, der Befund, dass die Journalisten den (anderen?) Nachrichtenmedien nicht über den Weg trauen (und damit sich selber nicht?), hat wohl Anklang gefunden…

Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Projekt – und das ist übrigens bereits in vollem Gange. Denn die Fahrt nach London war nicht nur für die Präsentation gedacht, sondern auch für die Datenerhebung der nächsten Sache… aber dazu beizeiten mehr, wenn unsere Arbeiten weiter fortgeschritten sind.

Wie gesagt, hier in München am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung ist und bleibt es spannend!

__________________________________________________________________________________