Prokrastination oder „how’s research going?“


(Trailer zum „Piled Higher and Deeper“-Film)

Was ist passiert?

Heute mal ein Artikel über den Wahrheitsgehalt von Piled Higher and Deeper und Co …und wie sie mein eigenes Leben als Doktorandin doch sehr gut widerspiegeln. Was darin genau? Nun, die harte Arbeit, die vielen Stunden, die man vor dem Computer und vor Büchern verbringt…

Was meine ich dazu?

… und die ausgiebige Prokrastination zwischendurch. Denn was wären all die harte Arbeit und die Stunden vor Computer und Buch ohne lange Kaffeepausen, ohne „dringendes Aufräumen der Wohnung und… das Internet?

Also, heute mal etwas „Nettes“ – aber ebenfalls eng mit meinem Dasein als Doktorandin verbunden.

Wie jeder weiß, ist das Internet ein Quell an tollen Dingen. Amazon für den Konsum, Facebook für die Kontakte, und „Piled Higher and Deeper“ als Ablenkung in Comicform für Doktoranden in aller Welt. Piled Higher and Deeper (=PhD) – ist eine Comic-Strip-Reihe, die seit 1997 von Jorge Cham gezeichnet wird (PhDComics 2012), der damals selbst noch Doktorand war.  Zunächst ist sie in der Stanford-Campus-Zeitung erschienen, hat aber schließlich ihren Weg ins Internet gefunden, wo Doktoranden aus aller Welt sie lesen können.

Was ist so toll daran? Nun, sie sind einfach wahr. Obwohl die Comics mehr Naturwissenschaftler ansprechen, finde auch ich mich als Sozialwissenschaftlerin meistens wieder. Beispiele kann ich hier gar nicht anführen, mir fallen einfach zu viele ein – einfach durch das Archiv klicken! Missverständnisse mit dem Doktorvater, (Nicht-) Einhaltung von Plänen, die Kollegen… für alles ist gesorgt. Für Nicht-Doktoranden mögen die Comics dann und wann ein wenig obskur erscheinen, aber im großen und Ganzen sind sie allgemeinverständlich. Für einen Eindruck einfach auf den Link oben klicken (ich kann leider keinen Comic einfügen – das hat rechtliche Gründe. Aber der Trailer zum Film wiegt es hoffentlich wieder auf!). Von dem ganzen „Wahnsinn“ gibt es auch einen Film, der nur zu empfehlen ist (siehe Trailer oben).

Die zweite Website, die ich erst neulich entdeckt habe, ist „Research in Progress“. Diese Seite spricht nicht nur Doktoranden an, sondern alle, die Forschung betreiben. Das sind keine Comicstrips – nein, es werden kurz Situationen betrieben (z.B. „When your supervisor asks you to ‘help’ write a proposal“, um die neueste zu nennen), und die Reaktion des Forschers wird dann mit einer .gif-Grafik beschrieben. Und diese sind meistens genauso „wahr“ wie die PhD-Comics oben. Ich konnte gar nicht anders, als mich durch das ganze Archiv zu klicken – das noch gar nicht so lang ist, aber das kommt sicherlich mit der Zeit. Betrieben wird diese Website von zwei Doktoranden und zwei Postdocs – und sie sind Bestens dafür geeignet, sich über die akademische Welt auszulassen (Research in Progress 2012).

Fazit

Das Doktorandenleben darf nicht nur aus Arbeit bestehen, manchmal braucht es auch ein bisschen Spaß. Und wenn es akademischer Spaß ist, der sich direkt aus der Arbeit nährt..

Also, Doktoranden und andere – prokrastiniert fröhlich vor euch hin! Mit ein paar von diesen Comics und .gifs geht die Arbeit danach gleich viel besser. ;)

Worauf stützt sich dieser Blogpost?

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Europa bleibt Zuhause

„Why not come and visit the European Parliament, follow a plenary sitting,
visit the Parlamentarium, the European Parliament’s brand new Visitors‘ Centre,
or attend a special public event?“
(Besucherseite des Europäischen Parlaments)

(Eigenes Foto)


Worum geht’s?

Heute mal um eine persönliche Wahrnehmung, die keinen nachrichtlichen Hintergrund hat. Aber um eine Wahrnehmung, die mir sehr am Herzen liegt.

Während meiner Recherche für meine Masterarbeit, bei der ich über 170 Webseiten von Abgeordneten der Europaparlaments (MdEP) analysiert habe, ist mir aufgefallen, dass so einige von ihnen anbieten, das Europäische Parlament zu besuchen (wen es genau interessiert: es waren von 179, die eine Webseite hatten, 51 MdEPs). Man könne sich beim jeweiligen Abgeordnetenbüro melden  und einen Termin vereinbaren, oder um eine Fahrt mit Programm bitten, die von diesem Büro organisiert wird. Das ist alles schön und gut, aber wenn man sich die Fotos dieser Besuche ansieht, die meistens ebenfalls gezeigt werden, ist zu sehen, dass es häufig ältere Leute sind, und sich nur selten jemand auf dem Bild verirrt, der unter 40 ist – von Schulklassen natürlich einmal abgesehen.

Was ist mein Problem?

Bevor ich das erläutere, muss ich ein weiteres Mal vorwegschicken, dass es sich um eine rein subjektive Sichtweise handelt. Wer andere Erfahrungen gemacht hat, den bitte ich, zu kommentieren.

Auch ich habe so eine Fahrt „nach Europa“ mitgemacht, und zwar im Jahr 2008 nach Straßburg. Aber da bin ich nicht durch irgendein (partei-) öffentliches Verfahren herangekommen, sondern eher durch Zufall, denn eine Bekannte, eine ältere Dame, suchte nach einer Begleitung und wusste um meine Begeisterung für die EU. Aber selbst in der Partei, in der sie ist, wurde diese Fahrt nicht für alle bekannt gemacht, sondern es wurde nur ‚verdienten Mitgliedern’ angeboten – und um sich ‚verdient’ zu machen, muss man schon in sehr fortgeschrittenem Alter sein. Oder eben großes Glück haben, so wie ich es hatte. Für den „normalen Bürger“, der nun keine Beziehungen hat, ist es anscheinend ziemlich unmöglich, an so einer organisierten Fahrt teilzunehmen. Außerdem finde ich, dass gerade junge Leute durch solche Fahrten nach Brüssel oder Straßburg näher an „Europa“ gebracht werden können. Eine Führung durch das Europaparlament ist nämlich ziemlich spannend, ob man es glaubt oder nicht. Aber auch das ist meine subjektive Sichtweise – von dem möglichen Spaßfaktor einmal abgesehen ist sie auf jeden Fall wichtig für die politische Bildung.

Aber mit dem Umstand, dass der Zugang zu solchen Fahrten erschwert wird, endet es nicht, nein, da ist auch noch das Programm der Fahrten selbst. Die, an der ich teilgenommen habe, bestand nämlich zum allergrößten Teil aus Aktivitäten wie Kaffeetrinken und Fahrten durch eine Weinstraße. Der eigentliche Zweck, sich über Europa zu informieren, wurde in einem für die Altersgruppe angepasstem Programm ertränkt. Einzig und allen zwei Alibiveranstaltungen gab es – eine kurze Fragerunde im Parlament mit dem dortigen Besucherservice, und ein Abendessen mit dem Abgeordneten, wo nach dem Essen ein paar Fragen gestellt werden konnten. Und das war’s.

Das ist nicht genug. Das ist eine Fahrt, die der politischen Bildung dient, und nicht der kulinarischen. Die Fragerunde, in meiner Erinnerung nur eine Stunde lang, war viel zu kurz, und eine Führung durch das Parlament gab es auch nicht (wobei zugegeben sich Brüssel dafür besser eignet als Straßburg). Eine tiefere Auseinandersetzung mit Europa gab es nicht und wurde nicht angeboten. Wozu ist Europa gut? Macht es mehr als den „Teuro“? Darüber ging es nicht hinaus. Es war alles mehr wie ein Urlaub, in dem ein Besuch im Parlament eher lästig erschien.

Fazit

Niemand versteht Europa, aber niemand tut etwas dagegen. Das ist meine Wahrnehmung, und solche Fahrten sind bloß ein Syndrom. Es scheint sie nur für ältere Mitbürger zu geben, bei denen man, so fürchte ich, offene Türen einrennt, wenn es um Zustimmung zu Europa geht. Und selbst wenn nicht, solche Fahrten werden – wenn überhaupt – nur sehr selten öffentlich ausgeschrieben, dass selbst hier der allergrößte Teil Außen vor steht. Und was ist mit den jungen Wählern, oder auch allen unter 50? Auch die (und gerade die) wählen das Europäische Parlament, und müssen die Chance bekommen, sich „Europa“ mit eigenen Augen anzugucken. Dafür sind solche kleinen Ausflüge, die zwei, drei Tage dauern, bestens geeignet.

Was aber nicht sein darf, dass so etwas zu einer Kaffeefahrt verkommt. Natürlich sollte es auch ein bisschen Programm zum Ausgleich geben, aber eben nicht überwiegend und dabei die politische Bildung zu einer Randnotiz machen. Da kann ich jeden Berufstätigen verstehen, der für eine Kaffeefahrt keinen Urlaub opfern möchte.

Niemand in Europa soll „Zuhause“ bleiben. Aber gerade die jungen sollten dafür begeistert werden, was Europa sein kann, gerade in Zeiten in der Krise.

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