Nach dem Semester ist vor dem Semester

olympia(Foto von mir)

 

Nur noch eine Woche, dann ist die Vorlesungszeit wieder vorbei. Endlich! … schon? Die Geister scheiden sich wohl an dieser Frage; meine Studierenden, die morgen ihre abschließende Projektpräsentation halten und danach weiter an ihren Forschungsberichten werkeln werden, haben wohl eine ganz eigene Meinung dazu als ich. Aber gut, auch wenn ich mich auf die vorlesungsfreie Zeit freue (da wartet so Einiges auf mich), so freue mich auf die Präsentationen, und die Einzelteile, das ich über das Semester kennenlernen durfte, in einem großen Kontext zu sehen.

Worum ging es in den Projekten der Studierenden? Diese sind in meinem Projektseminar Zwischen Zeitungsartikel und Snapchat-Story: Wie politische Akteure kommunizieren entstanden, und drehen sich unter anderem um Themen wie die Wahlkämpfe der FDP, die Inhalte von Polit-Talkshows, und die mit jungen Leuten auf Instagram kommuniziert wird. Die Themen haben sich die Studierenden im Rahmen der Seminarinhalte selbst ausgesucht, und dann mit meiner Hilfe bearbeitet. Dabei haben sie eine Menge geleistet! Das Ziel war, eine Inhaltsanalyse durchzuführen, d.h. ihre Forschungsfragen mittels detailliert festgelegter Anweisungen und Statistik zu beantworten. Das hat eine Menge Exceltabellen produziert, aber so ist das in der quantitativen Forschung mit ihren Zahlen und Formeln.

Aber nicht nur dieser Kurs hat sich in diesem Semester voll reingehängt, auch die Teilnehmer meines kleinen aber feinen englischsprachigen Sportkommunikation-Seminars „One team, one dream“: Communication management and marketing in amateur club sports haben tolle Projekte aufgelegt. Hier ging es darum, eine Kommunikations- und Marketingstrategie für einen Amateursportverein zu entwerfen. Von einem genauen Blick auf den eigenen Verein ging es über das Umfeld mit der Kommunalpolitik und Mitbewerbern zu einzelnen Medienstrategien. Ob nun ein ganzheitliches Onlinekonzept oder ein ausgearbeiteter Vorschlag für eine Veranstaltungsreihe – es ist schade, dass die meisten Pläne wahrscheinlich erstmal in der Schublade verschwinden müssen, aber wer weiß, vielleicht wird ja in Zukunft der eine oder andere Sportverein revolutioniert…

Im Sommersemester 2018 geht es dann sportlich weiter, denn ich werde zwei Seminare aus dem Themenfeld der Sportkommunikation anbieten. Einmal das Seminar Sportjournalismus unter Druck: Neue Entwicklungen, neue Chancen?, in dem ich mit meinen Studierenden wie auch schon im Politikkurs kleine Forschungsarbeiten auflegen werde, unter anderem zum Einfluss von vereinseigenen Medien auf den Sportjournalismus, und das Dasein, das Randsporten in den Medien fristen – und wie sie sich mithilfe des Internets daraus befreien könn(t)en. Als zweites biete ich wieder ein Seminar an, indem die Wichtigkeit von Kommunikationsmanagement auf der lokalen Ebene betrachtet wird. Warum traditionelle Medien noch immer wichtig sind und der Einsatz von Social Media nur ein Puzzleteil von vielen ist, kommt dann im Seminar Das Glück liegt auf der Aschenbahn: Kommunikationsmanagement im Lokalsport ans Licht.

Also, morgen die Abschlusspräsentationen zur politischen Kommunikation – endlich, denn ich bin sehr gespannt – und dann ist das Semester wieder um, und ich kann mir ausrechnen, dass ich im Juli wieder hier sitze, wenn die nächsten Abschlusspräsentationen anstehen und ich mich frage, wo das Semester schon wieder geblieben ist…!

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Schon wieder ein Jahr um?! – 2017 geht, 2018 kommt

kalender_klein(Foto von mir – ein bisschen Lektüre und eine Erinnerung auf meinem Kalender an eine Tour durch das Baseballstadion Petco Park in San Diego, Kalifornien)

 

… der letzte Jahresrückblick ist doch noch gar nicht so lange her?! Doch, es ist kaum zu glauben. Nun, im Jahr 2017 war so viel los, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass ich mich noch so gut erinnern kann, wie ich hier im letzten Jahr saß:

  • Ein weiteres tolles Jahr in München geht zu Ende, und damit ein Jahr voll von noch immer ungewohnt beständigem Wetter (ich mich tatsächlich überwinden können, den Regenschirm auch mal zuhause zu lassen), Butterbrezn, und natürlich voller toller Erlebnisse mit den Kollegen am Institut und den Studierenden,
  • Meine Koffer waren oft gepackt, so ging es für Konferenzen und andere Ereignisse im Auftrag des automatisierten Journalismus und der Sportkommunikation unter anderem nach San Diego, Odense, Düsseldorf und Hamburg, wo ich meine Forschung vorstellen durfte, und neben den immer gern gesehenen „üblichen Verdächtigen“ auch spannende neue Leute kennenlernen durfte,
  • Publikationen sind erschienen, und natürlich arbeite ich an weiteren Fachartikeln zu automatisiertem Journalismus, Algorithmen, und was das nun für den Journalisten bedeutet,
  • Die Lehre hat auch wieder viel Spaß gemacht – nicht nur, weil ich für eines meiner Projektseminare in Sportkommunikation eine Auszeichnung für exzellente Lehre erhalten habe,
  • Und außerdem habe ich in Workshops der LMU selbst wieder eine Menge gelernt, wie zum Konzept „Thinking at the Edge“, das helfen soll, versteckte Ideen und Konzepte herauszukitzeln – und wenn das nicht so ganz klappt, hat man zumindest vom Aufkleben der Ideen auf ein großes Plakat klebige Finger.

Es war noch viel mehr los, aber warum so viel zurückblicken, auch 2018 wird spannend, mit weiteren Konferenzen, im Sommer mit Lehre zu den Themen „Sportjournalismus unter Druck“ und „Sportmanagement im Lokalsport“, und mit vielen Stunden am Schreibtisch, allein mit Word und vielen, vielen Daten und Texten.

Aber: erstmal kommt jetzt noch der Jahreswechsel, ehe es wieder richtig losgeht. Das Wintersemester möchte noch zu Ende gebracht werden – und dann? Ein Fachartikel wartet auf seine letzter Überarbeitung, ein Buchkapitel muss bald abgegeben werden, und die erste Tagung schaut auch schon um die Ecke – der ganz normale Wissenschaftlerwahnsinn eben. Darauf ein Gläschen Sekt.

Das erste Semester in München ist um!

starnberg(Foto von mir – der Starnberger See)



… nicht nur Studierende finden ihr erstes Semester an der Universität aufregend, ich auch – nur, dass es mein erstes Semester als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, und eben nicht mehr als Studierende, am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU war. Neuer Job, neues Institut, neue Kollegen, und eine ganz neue Stadt. Nicht zu vergessen, dass ich als Politikwissenschaftlerin nun zwischen lauter Kommunikationswissenschaftlern Zuhause bin.
Und schon ist das erste halbe Jahr in München rum!

Zeit für eine kurze Bilanz. Im Januar bin ich gestartet, und habe mit meinem Chef Neil Thurman gleich einen Bericht zu Arbeitsbedingungen und -einstellungen der britischen Journalisten geschrieben. Im Mai ist er erschienen, gefeiert mit einer Veranstaltung an der City University London. Eine tolle Sache, den Bericht, der vom Reuters Institute for the Study of Journalism der Universität Oxford herausgegeben wurde und übrigens hier frei verfügbar ist, in den Händen zu halten.

Dann kam die nächste Datenerhebung zu zwei kleinen Projekten, zu denen wir uns bald an die Analyse und das Verfassen von Artikeln machen. Klingt nebulös? Ist es auch, aber da geht es weiter, keine Sorge.

Tja, der Uni-Alltag hat mich dann natürlich auch fest in den Händen gehabt, nämlich in Form der Lehre. Ich habe zwei Kurse zum Thema Politische Kommunikation gegeben, einen auf deutsch, einen auf englisch, letzteren mit Austauschstudierenden aus aller Welt. Es war sehr spannend, die Themen mit angehenden Kommunikationswissenschaftlern zu bearbeiten, von denen nur die wenigsten im Haupt- oder Nebenfach Politik studieren. Aber: es hat gut geklappt, und es waren tollen Kurse mit spannenden Diskussionen. Nun, Brexit und Co. haben es mir einfach gemacht, die Wichtigkeit der Inhalte zu zeigen – wenigstens ein Gutes hat das alles.

Ganz nebenbei ist meine Dissertation im Nomos-Verlag erschienen, und ein Fachartikel in der Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft. Das waren zwar ‚Altlasten’, aber keine schlechten.

Und die Leute hier in ‚Minga’? Meine Kollegen sind wunderbar und haben mich nett aufgenommen, und ich freue mich auf viele weitere Gespräche, Mittagspausen im Biergarten der Mensa, und hoffentlich das eine oder andere gemeinsame Projekt.

… und schön ist es hier in Bayern auch noch! Nicht nur in München, sondern auch im Umland, wie in Starnberg, das das das Bild oben zeigt. So lässt es sich leben, wenn mal die Wissenschaft ein Weilchen Pause macht.

Also, ein halbes Jahr ist um, und weiter geht’s – ich freue mich in naher Zukunft besonders auf den Nachwuchstag der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft e.V. (für Eingeweihte nur ‚DGPuK’), organisiert von meinen tollen Kollegen, Anfang September (Anmeldungen bis zum 5. August hier). Wem das nichts sagt: hier dreht sich alles um den wissenschaftlichen Nachwuchs, vom Doktoranden in spe bis zu ‚fertigen’ Docs wie mir. Vorträge zur Karrieregestaltung, und was man in beim Weg in die Wissenschaft alles beachten kann, stehen auf der Tagesordnung. Es verspricht spannend zu werden! Aber das war es natürlich noch lange nicht, aber jetzt sind erstmal Semesterferien, und es ist still im Institut geworden. Die Ruhe vor dem nächsten Semester. Da geht’s natürlich wieder mit der Lehre weiter, unter anderem mit einem Seminar zur Kommunikation im deutschen Profifußball.

Das war nur ein kleiner Eindruck – es gibt noch mehr zu berichten, noch mehr zu tun und zu besuchen, aber alles zur gegebenen Zeit.

Hier in München wird es jedenfalls nicht langweilig!

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Warum Workshops zur Hochschullehre so wichtig sind

hochschuldidaktik(Foto von mir)

 

Was ist passiert?

Oh Gott, das erste Mal Lehre. Vierzig Studierende schauen mich an! Was tue ich bloß? Was ist, wenn ich einen Blackout habe? Wie bewerte ich überhaupt? Und, und, und… dies sind alles Dinge, die wohl jedem Nachwuchswissenschaftler oder jeden Nachwuchswissenschaftlerin schon einmal durch den Kopf geschossen sind, wenn er oder sich das erste Mal mit dem Thema „Lehre“ befasst hat. Häufig spielt da das Gefühl des Alleingelassenwerdens mit. Die meisten Doktoranden habe keine pädagogische Ausbildung, aber stehen jetzt trotzdem vor einer Klasse – einer mit Studierenden, aber dennoch einer Klasse – die sie mit großen Augen anblickt und auf die Erleuchtung wartet.

Was meine ich dazu?

Auch ich hatte diese Gedanken. Aber allein gelassen fühlte ich mich nicht, denn an meiner Universität werden viele Workshops angeboten, die sich mit einzelnen Elementen der Lehre beschäftigen. Diese gehen je nach Thema über nur zwei Stunden, oder sogar über mehrere Wochenenden. Die Inhalte sind weit gefächert: von der Gestaltung einer Prüfung wie zur eigenen Haltung in schwierigen Situationen ist alles dabei. Ich war schon so manches Mal dankbar, dass ich einige dieser Workshops besucht habe. Jetzt weiß ich nämlich zum Beispiel, wie ich über das Standard-Evaluationsblatt der Universität effektiv meine Studierenden zu ihrer Meinung oder ihrem Wissensstand befragen kann, oder wie ich mit Nachfragen umgehe, die ich im ersten Moment nicht beantworten kann. All das sind Fähigkeiten, die eben nicht einfach so vom Himmel fallen, und der Spruch ‚du warst doch selbst einmal Student, da weißt du doch, wie Lehre geht’ hilft nicht. Nein, weiß ich nicht – ich habe auch schon in tollen Restaurants gegessen, würde mir aber nie anmaßen, dass ich genauso gut kochen könnte.

Und genau deshalb finde ich es so wichtig, dass es Kurse für angehende (und natürlich auch fortgeschrittene) Lehrende gibt. Sich vor vierzig Studierende zu stellen und „einfach so“ loszulegen ist nämlich gar nicht so einfach. Die Studierenden wollen lernen, ich will vermitteln – das muss am Ende zusammenpassen, und das möglichst so, dass alle mitgenommen werden und der Kurs Erfolg hat. Von der Universität angebotene Workshops sind eine wunderbare Möglichkeit, sich auf die Lehre vorzubereiten – oder bereits gemachte Erfahrungen in einem geschützten Raum und in einer kleinen Gruppe zur Diskussion zu stellen. Neben dem von den Workshopleitern gegebenen Input habe ich gerade aus den Erfahrungen anderer schon viel lernen können.

Neben dem Grund, dass eine bessere Didaktik die Lehre wesentlich besser machen kann, ist auch wichtig, dass man sich schützen muss. Erst einmal vor der Anfechtung von Prüfungen; durch ein vorher festgelegtes und transparentes Kriterienraster kann man genau belegen, warum man so und nicht anders bewertet hat. Ich finde, dass das große Sicherheit gibt. Natürlich laufen nicht alle Studierenden nach der Notenbekanntgabe zum Prüfungsamt, aber eine für alle nachvollziehbare Bewertung hilft auch denen, die es nicht tun. Warum haben sie dies oder jedes falsch gemacht? Durch die Bewertung wird es ersichtlich. Auch andersherum wird ein Schuh draus: meistens wird durch vorher strikt festgelegte Kriterien klarer, was überhaupt gefragt wird. Auch dies ist ein Schutz, nämlich vor der eigenen Überarbeitung. Im Falle der Prüfungsgestaltung lässt sich sagen, dass sich die Arbeit, die man vorher in die Klausurerstellung gestellt hat, hinterher auszahlt, da sich die Klausur nach genau diesem Raster korrigieren lässt. Und auch für den Prüfling gibt es Vorteile, denn es ist meiner Meinung nach verständlicher, in der Prüfung z.B. fünf Merkmale eines bestimmten politischen Systems zu definieren, als eine schwammige Frage über eben dieses System zu beantworten. Auch mich als Lehrenden werden die folgenden Antworten glücklicher machen, denn eine präzise gestellte Frage lässt sich einfacher korrigieren. Dies gilt auch für Essayfragen, die durch Präzision nicht an Qualität verlieren. Dies ist nur ein Beispiel. Schutz vor der eigenen Überarbeitung können auch Tipps zum Umgang mit Störungen in der Lehre bieten, oder generelle Tipps, wie man die Vorbereitungen nicht ausufern lässt.

Fazit

Erfahrungsaustausch, Input zu häufig Auftretenden Situationen, Muster für Prüfungen – all das hilft, den Alltag als Doktoranden besser bewältigen zu können. Ich arbeite effizienter, und teile mir meine Kräfte besser ein. Die Lehre ist eine große Aufgabe, der ich mich gern stelle – aber ich habe großen Respekt davor. Ich möchte nicht, dass meine Studierenden meine Kurse als Zeitverschwendung ansehen. Ich behaupte, dass die Workshops mir dabei geholfen haben, so zu unterrichten, dass es allen Seiten Freude macht und zum Lernen anregt.

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Sommer, Sonne, Eis … und Textproduktion!

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summer_klein(Mein Foto)

 

Das auch noch bei 30 °C im Schatten! Aber die Diss schläft nicht, selbst wenn es ihre Autorin manchmal vorziehen würde. Also, das Schreiben geht voran, und weil ich die Tage endlich meine Urkunde für die Zertifizierung im Lehrprofil „Schreiben in der Lehre“ bekommen habe, möchte ich noch ein paar Schreibtipps geben, die dem einen oder anderen vielleicht die Schreibphase während der Tropenhitze erleichtern. Denn nicht nur die Diss will geschrieben werden, sondern auch Hausarbeiten und dergleichen…

Schreibe jeden Tag

Warum? Das hat mehrere Gründe. Erst einmal sieht man Fortschritt, wenn man jeden Tag schreibt. Immer mehr Worte kommen auf das Papier, und am Ende des Tages kann man sich rühmen, seinem Ziel wieder einen Schritt näher gekommen zu sein. Das ist der erste psychologische Effekt. Selbst wenn man am Ende nicht quantitativ viel Text geschrieben hat, kann sich am Ende des Tages dennoch über Forschritt freuen. Die zweite psychologische Komponente liegt darin, dass man so in eine Gewohnheit verfällt. Die ersten Tage mögen hart sein, aber dann passt sich das tägliche Schreiben schließlich in den Tagesverlauf ein. Wer gerne plant, dem empfehle ich, sich täglich eine gewisse Anzahl an Worten vorzunehmen. Man muss sich nicht immer an sie halten – aber wenn das realistische Tagessoll geschafft ist, kann (und sollte!) man getrost Feierabend machen.

Schreibe das, was dir am meisten Spaß macht

Wer kennt das nicht – unliebsame Abschnitte oder sogar ganze Kapitel müssen zu Papier gebracht werden, das ist nun einmal so und man kann sich nicht dagegen wehren. Ob es nun der Abschnitt zu den verwendeten Methoden ist oder der komplizierte theoretische Hintergrund, irgendwann muss es gemacht werden.
Aber nicht heute.
Wenn man sich eh schon kaum auf Bücher und Worddokument konzentrieren kann, dann muss man nicht unbedingt das schreiben, was eh keinen Spaß macht. Das klingt banal, aber Paper und andere Schriftstücke müssen nicht in chronologischer Reihenfolge geschrieben werden*. Wer weiß, welche Theorien er oder sie testen möchte, muss den Theorieteil nicht schon geschrieben haben. Es langt erst einmal, die Theorie im Kopf zu haben, oder ein paar Stichworte zu notieren. Wieso soll man es sich schwerer machen, als es ist? Und wenn am Ende nur noch der vermeintlich schwierige bzw. unliebsame Teil fehlt, geht schließlich auch der leichter von der Hand, immerhin ist man ja fast fertig mit der Arbeit.

Schreibe deinen Kopf frei

Es gibt immer die Situation, dass man hängenbleibt. Der Gedanke ist weg, die Idee ist verflogen, und wie dieses eine Buch noch hieß, das man gestern noch unbedingt einarbeiten wollte, ist auch vergessen. Was hilft dann? Drei Schritte zurück, Durchatmen, und dann zum Beispiel eine Mindmap, in der man seine Gedanken zu dem Thema aufschreibt. Ob nun schon geordnet oder einfach nur frei auf einem Blatt Papier, das ist dem eigenen Geschmack überlassen. Ideen kommen wieder, manchmal brauchen sie nur etwas Hilfe und Zeit. Freewriting, bei dem man z.B. drei Minuten durchgehend alles schreibt, was einem einfällt – und wenn es ist, dass man am liebsten ins Freibad gegen möchte anstatt in der Bibliothek zu sitzen – ist ebenfalls eine wunderbare Möglichkeit, den Kopf in Gang zu kriegen. Denn dann schreibt man ja schon eine Weile und kann sich danach fast schon gemütlich dem eigentlichen Text zuwenden – wieder eine kleine Selbstüberlistung.
Zur Prophylaxe: alles aufschreiben bevor es entfleucht, oder von den Buchtiteln mit dem allgegenwärtigen Smartphone ein Bild vom Cover machen. Einfacher geht’s nicht – und seine Gedanken aufschreiben geht auch mit einer App. Das Handy ist (fast) immer dabei, selbst wenn es ein schönes Notizbuch nicht ist.

Und wenn gar nichts mehr hilft?

Um es mit den jetzt schon unsterblichen Worten von Fußballnationalspieler Per Mertesacker zu sagen: dann geht’s erstmal drei Tage in die Eistonne. Ja, manches Mal hilft nur noch, dass man die Füße hochlegt und ein bisschen abschaltet. Das möchte ich immer wieder betonen: Pausen sind wichtig! Niemand kann durcharbeiten, bei 30 ° erst recht nicht, und wer wie ich aus dem regnerischen hohen Norden Deutschlands kommt, der sowieso nicht. Wer dennoch ran muss, kann sich an den obigen Tipps versuchen und/oder sich mit einem Eis über die heißen Tage retten.

Darüber hinaus gilt wie immer folgender Grundsatz: Don’t get it right, get it written!
Was raus ist, ist raus, und kann am Ende immer noch überarbeitet werden. Wenn am Ende ein leeres Blatt steht, weil kein Gedanke gut genug war, kommt entsteht nur Frust.
Also, viel Erfolg bei den sommerlichen Schreibaufgaben!**

 

* Hierzu eine kleine Fußnote: ich empfehle immer, die Einleitung zuerst zu schreiben. Ich weiß, dass viele genau dies zuletzt tun, aber wer vorher weiß, was er schreiben möchte, kann sich dadurch später eine Menge Denkarbeit erleichtern. Aber das bin mal wieder ich als „Top-Down-Schreiberin“, die gerne alles vorher plant – deswegen ist das hier nur eine Empfehlung, und alle „Chaosschreiber“ sollen natürlich genau so weitermachen, wie es ihnen guttut.

** Hiermit ein kleiner Gruß an meine Studis – ihr schafft das!

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„Schreiben kann doch jeder!“ – Ach, wirklich?

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blockklein

(Foto von mir)


Was ist passiert?

In einer Fortbildung an meiner Universität habe ich mich mit einem Thema auseinandergesetzt, dass zumindest in meinem Studium immer als selbstverständlich hingenommen wurde: das Schreiben. Darüber musste niemand reden – jeder kann schreiben, kann Buchstaben zu Wörtern und Sätzen zusammensetzen, und kann somit auch Hausarbeiten und lange Abschlussarbeiten verfassen. So schien zumindest immer die Auffassung zu sein, denn ich habe als Studierende immer frei nach dem System „try and error“ gearbeitet – das ging, je nach Thema, mal schneller, mal langsamer, mal besser, mal schlechter. Ich habe eben einfach geschrieben.

Aber muss man die Studierenden damit wirklich allein lassen? Gehört das wirklich zu dem täglichen „Uni-Kampf“ dazu, dass man sich durch Hausarbeiten und Essays quält, weil „das eben so ist“? Die Fortbildung namens „Haus-/Bachelor-/Abschlussarbeiten betreuen“ an der Leuphana Universität Lüneburg, geleitet von Prof. Ingrid Scharlau und Christiane Heß, hat mir gezeigt, dass das auch ganz anders sein kann.

Was meine ich dazu?

Ich selbst habe keine Probleme mit dem Schreiben. Keine Blockaden, keine Angst vor dem weißen Blatt. Woran das liegt? Darüber habe ich mir erst in dieser Fortbildung Gedanken gemacht. Ich habe zwar nie einen Kurs besucht, in dem mir Techniken des Schreibens näher gebracht wurden, aber ich hatte vor allem während meines Masters gutes Training; an der London School of Economics and Political Science musste ich ständig kleinere Dinge schreiben: Essays von gut fünf Seiten, kleinere Meinungstextchen von wenigen hundert Wörtern, und so weiter. Ein hartes Brot, könnte man sagen, und sicherlich nicht für jeden etwas. Das muss doch auch mit weniger Druck gehen.

Und dass das möglich ist, habe ich an drei Wochenenden in einem Workshop für Doktoranden gelernt. Das erste Wochenende ging mit schreibdidaktischer Theorie und Psychologie los, und nach und nach haben wir uns durch den Schreibprozess gearbeitet. Für die Planungsphase haben wir uns um verschiedene Methoden, wie Mindmapping und Clustering, gekümmert, und unsere eigene Schreibgewohnheiten und –prozesse analysiert. Der nächste Schritt war die Schreibphase selbst, und Themen wie Schreibblockaden und das strategische Vorgehen beim Verfassen einer Arbeit standen im Vordergrund. Der letzte Block drehte sich um Feedbackgeben. Gerade für uns Dozenten besonders wichtig! Wie man „gutes“ Feedback gibt, das ist keine selbstverständliche Sache.

Für alle Schritte haben wir die Übungen selbst ausprobiert, und häufig dann auch in der Gruppe diskutiert. Die Übungen waren ganz unterschiedlich – wie ein „Schreibgespräch“ mit mehreren, in denen z.B. die Frage „Was stört mich beim Schreiben?“ (natürlich nur mit dem Stift, und nicht mit der Stimme) erörtert wurde, oder das Erfinden eines Märchens zu einer vorgegeben Situation, es war eine Menge dabei. Dieses Vorgehen fand ich besonders wichtig – auch, wenn es im ersten Moment Überwindung gekostet hat, „diesen Kram“ selbst auszuprobieren, weiß ich nun genau, wie die Übungen wirken – einmal auf mich, und die Gruppendiskussion weiß ich auch, wie es anderen geht. Dadurch werde ich mich besser in die Studierenden hineinversetzen können, da bin ich mir sicher.

Was steht also in Zukunft an? Ich werde meinen eigenen Schreib-Workshop durchführen, und dann den Erfolg (oder Misserfolg) der einzelnen Übungen und Techniken selbst testen können. Ich bin gespannt – und nun überzeugt, dass man die Studierenden mit ihren (Schreib-) Sorgen nicht alleine lassen muss. Vor allen Dingen, wenn die Sache relativ einfach sein kann – ich hätte nie gedacht, dass die Übung „Freewriting“ (in z.B. fünf Minuten zu einem Thema nur schreiben, egal, was einem dazu in den Kopf kommt, der Stift darf aber nicht abgesetzt werden) wirklich hilft. Aber – auch und gerade als Doktorandin kann und soll man immer noch etwas Neues lernen!

Fazit

Warum habe ich das Seminar eigentlich besucht, wenn ich selber diese typischen Probleme und Sorgen nicht habe? Ganz einfach: weil ich sie nicht kenne, fällt es mir nicht leicht, in diesem Feld Tipps zu geben. Ich kann meine eigenen Techniken nennen, aber die liegen nicht jedem. Und diese laufen bei mir mittlerweile so automatisiert ab, dass ich bei meinen Erklärungen bestimmt auch noch eine Menge vergesse. Also, rein in die Fortbildung, und wie oben schon beschrieben, ich habe eine Menge gelernt. Jetzt werde ich besser Rat geben können – gerade jetzt, da sich das Semester so langsam wieder dem Ende neigt und die Hausarbeiten für die Studierenden in gar nicht mehr so weiter Ferne liegen. Und für meine eigene Dissertation  habe ich jetzt „ganz nebenbei“ auch noch ein paar Tricks in petto…

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