Die Disputation ist geschafft (und das schon seit dem 7. Juli)!

disputation(Foto mit mir und von mir – zur Feier des Tages einmal nicht im gewohnten quadratischen Format)


Es ist zwar schon ein paar Tage her, neue Arbeit und Ereignisse kamen dazwischen – aber ich möchte es trotzdem noch verkünden: ich habe am 7. Juli meine Disputation bestanden, und damit ist das Promotionsverfahren abgeschlossen. Es war ein aufregender Tag, an den ich auch nach ein paar Wochen noch gerne denke. Ich musste am Anfang der Disputation einen Vortrag halten, in dem ich das Vorgehen und die Ergebnisse meiner Dissertation zusammengefasst habe, und danach habe ich mich den Fragen meiner Prüfer gestellt. Hier noch einmal einen großen Dank an Prof. Dr. Florian Grotz, an Prof. Dr. Ferdinand Müller-Rommel, und an Prof. Dr. Simon Hix, der extra aus London angereist ist. Ich hatte es vorher nicht glauben wollen, aber die Disputation ist tatsächlich eher ein Fachgespräch unter Kollegen als eine Prüfung. Kein leichtes Fachgespräch, denn die Fragen waren nicht ohne. Aber keine Prüfung, da nicht Fakten abgefragt wurden, sondern es immer um die Arbeit und die Weiterentwicklung derselben ging.

An dieser Stelle möchte ich mich auch bei all meinen Weggefährten bedanken – bei meinen Kommilitonen und Kollegen an der Leuphana Universität Lüneburg, der London School of Economics and Political Science, der Universität Hamburg, am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, und darüber hinaus. Ihr wisst, wer ihr seid, und ich hoffe, dass unsere „Doktoranden-Talks“ als „Postdoc-Talks“ weitergehen. An alle, die die Abgabe und Disputation noch vor sich haben: haltet durch! Es lohnt sich!

Aber warum steht der Dr. denn noch nicht hier auf dem Blog? Das hat einen einfachen Grund: ich muss meine Arbeit noch publizieren, ehe ich den “Dr. rer. pol.” in meinen Lebenslauf schreiben darf. Mit der Publikation bin ich gerade beschäftigt. Ich freue mich darauf, wenn ich mein Dissertation, gedruckt in einem schönen Buch, in den Händen halten darf. Dann werde ich mich schließlich auch auf dem Blog zum „Dr.“ machen, und natürlich mein Buch präsentieren. :)

Wie geht es jetzt weiter? Ich arbeite ab dem ersten August als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft (Professur für Vergleichende Regierungslehre) der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Dort warten spannende Aufgaben auf mich – auf zu neuen Ufern!

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Warum Workshops zur Hochschullehre so wichtig sind

hochschuldidaktik(Foto von mir)

 

Was ist passiert?

Oh Gott, das erste Mal Lehre. Vierzig Studierende schauen mich an! Was tue ich bloß? Was ist, wenn ich einen Blackout habe? Wie bewerte ich überhaupt? Und, und, und… dies sind alles Dinge, die wohl jedem Nachwuchswissenschaftler oder jeden Nachwuchswissenschaftlerin schon einmal durch den Kopf geschossen sind, wenn er oder sich das erste Mal mit dem Thema „Lehre“ befasst hat. Häufig spielt da das Gefühl des Alleingelassenwerdens mit. Die meisten Doktoranden habe keine pädagogische Ausbildung, aber stehen jetzt trotzdem vor einer Klasse – einer mit Studierenden, aber dennoch einer Klasse – die sie mit großen Augen anblickt und auf die Erleuchtung wartet.

Was meine ich dazu?

Auch ich hatte diese Gedanken. Aber allein gelassen fühlte ich mich nicht, denn an meiner Universität werden viele Workshops angeboten, die sich mit einzelnen Elementen der Lehre beschäftigen. Diese gehen je nach Thema über nur zwei Stunden, oder sogar über mehrere Wochenenden. Die Inhalte sind weit gefächert: von der Gestaltung einer Prüfung wie zur eigenen Haltung in schwierigen Situationen ist alles dabei. Ich war schon so manches Mal dankbar, dass ich einige dieser Workshops besucht habe. Jetzt weiß ich nämlich zum Beispiel, wie ich über das Standard-Evaluationsblatt der Universität effektiv meine Studierenden zu ihrer Meinung oder ihrem Wissensstand befragen kann, oder wie ich mit Nachfragen umgehe, die ich im ersten Moment nicht beantworten kann. All das sind Fähigkeiten, die eben nicht einfach so vom Himmel fallen, und der Spruch ‚du warst doch selbst einmal Student, da weißt du doch, wie Lehre geht’ hilft nicht. Nein, weiß ich nicht – ich habe auch schon in tollen Restaurants gegessen, würde mir aber nie anmaßen, dass ich genauso gut kochen könnte.

Und genau deshalb finde ich es so wichtig, dass es Kurse für angehende (und natürlich auch fortgeschrittene) Lehrende gibt. Sich vor vierzig Studierende zu stellen und „einfach so“ loszulegen ist nämlich gar nicht so einfach. Die Studierenden wollen lernen, ich will vermitteln – das muss am Ende zusammenpassen, und das möglichst so, dass alle mitgenommen werden und der Kurs Erfolg hat. Von der Universität angebotene Workshops sind eine wunderbare Möglichkeit, sich auf die Lehre vorzubereiten – oder bereits gemachte Erfahrungen in einem geschützten Raum und in einer kleinen Gruppe zur Diskussion zu stellen. Neben dem von den Workshopleitern gegebenen Input habe ich gerade aus den Erfahrungen anderer schon viel lernen können.

Neben dem Grund, dass eine bessere Didaktik die Lehre wesentlich besser machen kann, ist auch wichtig, dass man sich schützen muss. Erst einmal vor der Anfechtung von Prüfungen; durch ein vorher festgelegtes und transparentes Kriterienraster kann man genau belegen, warum man so und nicht anders bewertet hat. Ich finde, dass das große Sicherheit gibt. Natürlich laufen nicht alle Studierenden nach der Notenbekanntgabe zum Prüfungsamt, aber eine für alle nachvollziehbare Bewertung hilft auch denen, die es nicht tun. Warum haben sie dies oder jedes falsch gemacht? Durch die Bewertung wird es ersichtlich. Auch andersherum wird ein Schuh draus: meistens wird durch vorher strikt festgelegte Kriterien klarer, was überhaupt gefragt wird. Auch dies ist ein Schutz, nämlich vor der eigenen Überarbeitung. Im Falle der Prüfungsgestaltung lässt sich sagen, dass sich die Arbeit, die man vorher in die Klausurerstellung gestellt hat, hinterher auszahlt, da sich die Klausur nach genau diesem Raster korrigieren lässt. Und auch für den Prüfling gibt es Vorteile, denn es ist meiner Meinung nach verständlicher, in der Prüfung z.B. fünf Merkmale eines bestimmten politischen Systems zu definieren, als eine schwammige Frage über eben dieses System zu beantworten. Auch mich als Lehrenden werden die folgenden Antworten glücklicher machen, denn eine präzise gestellte Frage lässt sich einfacher korrigieren. Dies gilt auch für Essayfragen, die durch Präzision nicht an Qualität verlieren. Dies ist nur ein Beispiel. Schutz vor der eigenen Überarbeitung können auch Tipps zum Umgang mit Störungen in der Lehre bieten, oder generelle Tipps, wie man die Vorbereitungen nicht ausufern lässt.

Fazit

Erfahrungsaustausch, Input zu häufig Auftretenden Situationen, Muster für Prüfungen – all das hilft, den Alltag als Doktoranden besser bewältigen zu können. Ich arbeite effizienter, und teile mir meine Kräfte besser ein. Die Lehre ist eine große Aufgabe, der ich mich gern stelle – aber ich habe großen Respekt davor. Ich möchte nicht, dass meine Studierenden meine Kurse als Zeitverschwendung ansehen. Ich behaupte, dass die Workshops mir dabei geholfen haben, so zu unterrichten, dass es allen Seiten Freude macht und zum Lernen anregt.

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Doktorarbeit ist abgegeben!

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phd_submitted_jessica(Das bin ich!)


Heute ein Beitrag in ureigener Sache: Ich habe meine Doktorarbeit abgegeben! Hurra! Nach knapp drei Jahren liegt sie nun gebunden im Dekanat meiner Fakultät und wartet nur darauf, an die Gutachter geschickt zu werden. Eine große Reise neigt sich ihrem Ende, das ist hier nicht übertrieben. Drei Jahre – voller Spannung, neuen Erkenntnissen, und natürlich auch Arbeit. Mit einem sechsmonatigen Intermezzo im Government Department der London School of Economics and Political Science, einigen Konferenzen, und tollen Leuten in meinem Heimatinstitut, dem Zentrum für Demokratieforschung an der Leuphana Universität Lüneburg, sowie an anderen Orten. Es gibt nicht einen Moment, den ich missen möchte.

‚Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert’ – das habe ich immer für einen ziemlich unglaubwürdigen Spruch gehalten, aber das trifft im Moment genau auf mich zu. Es kann doch nicht einfach vorbei sein?! Ist es ja auch nicht, immerhin wartet noch die Disputation auf mich, in der ich meine Ergebnisse verteidigen muss und darf. Außerdem liegen hier noch immer eine Menge Bücher herum, die zurück in die Bibliothek gebracht werden müssen… dennoch, jetzt kommt der nächste Schritt.

Als „Doktorandin in spe“ habe ich diesen Blog begonnen, und jetzt bin ich bei „Post-Doktorandin in spe“ angekommen – einfach ein großartiges Gefühl. Ich werde berichten.

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Wahlkampf, Mediensysteme und Co. – Das 6. NapoKo-Kolloquium

napoko2014-gruppenbild(Foto von mir bzw. einem netten Studierenden, der sich bereiterklärt hat, das Foto zu schießen
– die glückliche Gruppe)

 

Endlich ging es los!

Endlich, nach langer Planung und einer nicht zu knappen Prise Aufgeregtheit fand letzte Woche von Donnerstag bis Samstag das 6. Kolloquium des Nachwuchsnetzwerkes Politische Kommunikation – kurz NapoKo – bei uns an der Leuphana Universität Lüneburg statt. Ich war Mitveranstalterin (zusammen mit meinem Kollegen Björn Buß), weshalb ich mich besonders freue, dass das Kolloquium gut über die Bühne gegangen ist. So viel zu meinem ganz persönlichen Eindruck, aber was ist denn da eigentlich passiert?

Ganz allgemein, das Kolloquium war nicht nur für laufende Dissertationen offen, sondern auch für Masterarbeiten. Die Themen wurden in einem kurzen Vortrag vorgestellt, der dann zunächst von einem Respondent kommentiert wurde, bevor es in die große Diskussion ging.

Die Vorträge

Während des Kolloquiums haben wir acht Vorträge gehört, und das zu ganz unterschiedlichen Themen; die Onlinekommunikation war genauso vertreten wie ein Vortrag aus dem historischen Bereich. Eine tolle Mischung, die mal wieder gezeigt hat, dass ‚politische Kommunikation’ so viel mehr ist als das eigene Themenfeld.

Den Anfang gemacht hat das Panel „Wahlkampfkommunikation“ mit Analysen zu politischen Aussagen und deren Grad der Zustimmung bei Rezipienten, vorgestellt von Josephin Hartmann (Uni Jena), und zu individualisierten Wahlkämpfen im Internet, was von Katharina Esau (Uni Düsseldorf) vorgetragen wurde. Das zweite Panel „Inszenierung von Politik“ hatte einen anderen Blick auf die Kommunikation, denn hier zeigte Aline Munkewitz (Uni Rostock) ihre Arbeit zum Begriff der ‚Volksgemeinschaft’, den sie anhand von Dokumenten aus der NS-Zeit untersucht, und Diotima Bertel (Uni Wien) stellte ihre Ergebnisse zum Thema Medienethik anhand des Skandals um den ehemaligen Europaabgeordneten Ernst Strasser vor. Der Konferenztag schloss mit dem Panel „Medienrezeption“ ab, in dem Thies Kiesewetter (Uni Köln) seine Arbeit zu politischen Nachrichten auf Smartphones darlegte.

Auf dem zweiten Konferenztag hörten wir drei Vorträge. Das erste Panel „Mediale Darstellungen“ begann mit einem Vortrag von Jil Sörensen (Hamburg Media School) zur Berichterstattung über den deutschen Bundespräsidenten. Die zweite Vortragende in diesem Panel war Barbara Metzler (Uni Wien), die sich mit dem kolonialen Diskurs in der österreichischen Medienberichterstattung beschäftigt hatte. Das Kolloquium wurde mit dem letzten Panel „Veränderungen im Mediensystem“ und somit mit dem Vortrag von Magdalena Ploch (Uni Münster) beschlossen, die von ihren Forschungen zum polnischen Rundfunk im Hinblick auf partizipatorische Media Governance berichtete.

Fazit

Um es in wenigen Worten zusammenzufassen, haben wir an diesen zwei Tagen einen bunten Strauß an Themen gehört, die alle enthusiastisch diskutiert wurden. Solch eine Begeisterung wünscht man sich als Organisationsteam!

Besonders bedanken möchte ich mich noch einmal bei unseren Respondents. Ohne Prof. Christian Welzel (Leuphana Universität Lüneburg), Prof. Patrick Donges (Universität Greifswald) und Prof. Matthias Künzler (Universität Zürich/Freie Universität Berlin) hätte die Veranstaltung so nicht stattfinden können. Vielen Dank für die Zeit und die hilfreichen Kommentare zu den Projekten!

Alles in allem: es hat sich gelohnt, und ich bin gespannt, wo das Kolloquium nächstes Jahr stattfindet.

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Ankündigung – NapoKo Kolloquium 2014

napoko_post(Mein Foto – aufgenommen in der Library of Congress, Washington D.C.)


Liebe Leser,

heute mal eine Ankündigung einer Veranstaltung, die mir sehr am Herzen liegt – das Kolloquium des Nachwuchsnetzwerkes Politische Kommunikation (NapoKo). Und das nicht nur, weil ich es mit organisiere, sondern weil es eine gute Gelegenheit ist, egal ob nun Bachelorstudent oder Post-Doc, seine Arbeit vorzustellen. Und wann findet’s statt? Vom 12. bis zum 14. Juni an der Leuphana Universität Lüneburg. Ich freue mich auf zahlreiche Einreichungen!

Edit: Wir haben jetzt übrigens auch eine schöne Website, auf der mehr Infos zu finden sind: http://www.leuphana.de/zentren/zdemo/promovierende/6-napoko-kolloquium.html

Zielsetzung und Angebot des Kolloquiums

 Das Kolloquium findet jährlich statt und stellt Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern im Bereich der politischen Kommunikation eine interdisziplinäre Plattform zur Präsentation und Diskussion abgeschlossener und laufender Forschungsarbeiten und –projekte zur Verfügung, insbesondere von Dissertationsvorhaben. Die Konferenz bietet dabei ein Forum für den interdisziplinären Austausch mit renommierten politik- und kommunikations-wissenschaftlichen Fachvertretern (Respondents) und für die informelle Vernetzung zwischen den Teilnehmenden im Bereich der politischen Kommunikationsforschung.

Im Mittelpunkt steht daher die Diskussion von Forschungsarbeiten untereinander sowie mit den Experten, die im Gespräch mit den Vortragenden neue Bezugspunkte, interessante theoretische und methodische Schnittstellen und vielfältige Anregungen zur Weiterentwicklung der Forschungsarbeiten liefern. Das Kolloquium ist thematisch offen. Dieser breite und interdisziplinär ausgerichtete Ansatz heißt Einreichungen aus allen Themengebieten der politischen Kommunikationsforschung und alle an politischer Kommunikation interessierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissen-schaftlern aller Qualifikationsstufen (vom Bachelor bis zum Post-Doc) aus der Politik‐ und Kommunikationswissenschaft sowie aus angrenzenden Fächern willkommen.

Einreichungen/Call for Presentations

Interessierte sind eingeladen, ihre Forschungsarbeit (Dissertationen, Magister‐, Master‐ und Bachelorarbeiten sowie studentische Forschungsprojekte) in einem Abstract (800 bis 1.000 Wörter) zusammenzufassen und bis zum 28.02.14 per E‐Mail an mich, Jessica Kunert (Jessica.Kunert@uni.leuphana.de), und Björn Buß (Bjoern.Buss@uni.leuphana.de) zu senden. Wir beide stehen ebenfalls für Fragen zum Call for Papers und zur Veranstaltung zur Verfügung.

 Die Einreichungen sollten dabei die Forschungsfragen, die theoretischen Grundlagen und das (geplante) methodische Vorgehen sowie ggf. Hypothesen und Ergebnisse enthalten. Dem Abstract sollte ein Deckblatt mit Vortragstitel, Namen des Autors, institutioneller Zugehörigkeit, Kontaktdaten und ggf. Betreuer des Projekts beigefügt sein. Die Einreichungen werden durch die Organisatoren in Abstimmung mit externen Experten begutachtet.

Die Rückmeldung über die Annahme zum Vortrag wird im März versandt. Bei Annahme für einen Vortrag im Rahmen des Kolloquiums ist zusätzlich ein Extended Abstract (2.500‐3.000 Wörter) im Mai einzureichen, welches den anderen Teilnehmern vor der Veranstaltung zur Verfügung gestellt werden soll.

Für das ausrichtende Zentrum für Demokratieforschung

Für das Nachwuchsnetzwerk politische Kommunikation (NapoKo)

Jessica Kunert, Lüneburg

Susan Schenk, Dresden

Björn Buß, Lüneburg

Lutz Hofer, Amsterdam

Ganz kurz zum Schluss: Was ist das NapoKo eigentlich?

Das Nachwuchsnetzwerk politische Kommunikation (NapoKo) richtet sich bereits seit 2004 an Nachwuchswissenschaftlerinnen und ‑wissenschaftler, Absolventen und Studierende, die sich für Fragen der politischen Kommunikation interessieren sowie nach Möglichkeiten des informellen und interdisziplinären Austausches mit Gleichgesinnten suchen. Das Netzwerk veranstaltet Workshops und Kolloquien und bietet den Mitgliedern über seine Webseite (napoko.de) weitere Gelegenheiten zum Informationsaustausch.

NapoKo wird durch den DVPW-Arbeitskreis Politik und Kommunikation sowie die DGPuK-Fachgruppe Kommunikation und Politik unterstützt.

„Schreiben kann doch jeder!“ – Ach, wirklich?

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blockklein

(Foto von mir)


Was ist passiert?

In einer Fortbildung an meiner Universität habe ich mich mit einem Thema auseinandergesetzt, dass zumindest in meinem Studium immer als selbstverständlich hingenommen wurde: das Schreiben. Darüber musste niemand reden – jeder kann schreiben, kann Buchstaben zu Wörtern und Sätzen zusammensetzen, und kann somit auch Hausarbeiten und lange Abschlussarbeiten verfassen. So schien zumindest immer die Auffassung zu sein, denn ich habe als Studierende immer frei nach dem System „try and error“ gearbeitet – das ging, je nach Thema, mal schneller, mal langsamer, mal besser, mal schlechter. Ich habe eben einfach geschrieben.

Aber muss man die Studierenden damit wirklich allein lassen? Gehört das wirklich zu dem täglichen „Uni-Kampf“ dazu, dass man sich durch Hausarbeiten und Essays quält, weil „das eben so ist“? Die Fortbildung namens „Haus-/Bachelor-/Abschlussarbeiten betreuen“ an der Leuphana Universität Lüneburg, geleitet von Prof. Ingrid Scharlau und Christiane Heß, hat mir gezeigt, dass das auch ganz anders sein kann.

Was meine ich dazu?

Ich selbst habe keine Probleme mit dem Schreiben. Keine Blockaden, keine Angst vor dem weißen Blatt. Woran das liegt? Darüber habe ich mir erst in dieser Fortbildung Gedanken gemacht. Ich habe zwar nie einen Kurs besucht, in dem mir Techniken des Schreibens näher gebracht wurden, aber ich hatte vor allem während meines Masters gutes Training; an der London School of Economics and Political Science musste ich ständig kleinere Dinge schreiben: Essays von gut fünf Seiten, kleinere Meinungstextchen von wenigen hundert Wörtern, und so weiter. Ein hartes Brot, könnte man sagen, und sicherlich nicht für jeden etwas. Das muss doch auch mit weniger Druck gehen.

Und dass das möglich ist, habe ich an drei Wochenenden in einem Workshop für Doktoranden gelernt. Das erste Wochenende ging mit schreibdidaktischer Theorie und Psychologie los, und nach und nach haben wir uns durch den Schreibprozess gearbeitet. Für die Planungsphase haben wir uns um verschiedene Methoden, wie Mindmapping und Clustering, gekümmert, und unsere eigene Schreibgewohnheiten und –prozesse analysiert. Der nächste Schritt war die Schreibphase selbst, und Themen wie Schreibblockaden und das strategische Vorgehen beim Verfassen einer Arbeit standen im Vordergrund. Der letzte Block drehte sich um Feedbackgeben. Gerade für uns Dozenten besonders wichtig! Wie man „gutes“ Feedback gibt, das ist keine selbstverständliche Sache.

Für alle Schritte haben wir die Übungen selbst ausprobiert, und häufig dann auch in der Gruppe diskutiert. Die Übungen waren ganz unterschiedlich – wie ein „Schreibgespräch“ mit mehreren, in denen z.B. die Frage „Was stört mich beim Schreiben?“ (natürlich nur mit dem Stift, und nicht mit der Stimme) erörtert wurde, oder das Erfinden eines Märchens zu einer vorgegeben Situation, es war eine Menge dabei. Dieses Vorgehen fand ich besonders wichtig – auch, wenn es im ersten Moment Überwindung gekostet hat, „diesen Kram“ selbst auszuprobieren, weiß ich nun genau, wie die Übungen wirken – einmal auf mich, und die Gruppendiskussion weiß ich auch, wie es anderen geht. Dadurch werde ich mich besser in die Studierenden hineinversetzen können, da bin ich mir sicher.

Was steht also in Zukunft an? Ich werde meinen eigenen Schreib-Workshop durchführen, und dann den Erfolg (oder Misserfolg) der einzelnen Übungen und Techniken selbst testen können. Ich bin gespannt – und nun überzeugt, dass man die Studierenden mit ihren (Schreib-) Sorgen nicht alleine lassen muss. Vor allen Dingen, wenn die Sache relativ einfach sein kann – ich hätte nie gedacht, dass die Übung „Freewriting“ (in z.B. fünf Minuten zu einem Thema nur schreiben, egal, was einem dazu in den Kopf kommt, der Stift darf aber nicht abgesetzt werden) wirklich hilft. Aber – auch und gerade als Doktorandin kann und soll man immer noch etwas Neues lernen!

Fazit

Warum habe ich das Seminar eigentlich besucht, wenn ich selber diese typischen Probleme und Sorgen nicht habe? Ganz einfach: weil ich sie nicht kenne, fällt es mir nicht leicht, in diesem Feld Tipps zu geben. Ich kann meine eigenen Techniken nennen, aber die liegen nicht jedem. Und diese laufen bei mir mittlerweile so automatisiert ab, dass ich bei meinen Erklärungen bestimmt auch noch eine Menge vergesse. Also, rein in die Fortbildung, und wie oben schon beschrieben, ich habe eine Menge gelernt. Jetzt werde ich besser Rat geben können – gerade jetzt, da sich das Semester so langsam wieder dem Ende neigt und die Hausarbeiten für die Studierenden in gar nicht mehr so weiter Ferne liegen. Und für meine eigene Dissertation  habe ich jetzt „ganz nebenbei“ auch noch ein paar Tricks in petto…

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Plagiate und Co. – Ich wollte wirklich nichts dazu sagen…

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dokt(Foto von mir – das ist übrigens die Master-Robe, und nicht die Doktor-Robe.
Ich hoffe, es ist mir verziehen.)

 

Was ist passiert?

… „dann tu’s eben nicht“, das war das, was ich mir immer gedacht habe, und das nun schon seit gefühlten Jahrzehnten. Aber so langsam nimmt es überhand – auch in meinem Umfeld.

Worum geht’s? Um diese ganze Plagiatsjäger-Geschichte, also um die Sache, dass Politiker reihenweise ihre Doktortitel aberkannt bekommen, weil sie – so liest man allerorten – in ihrer Doktorarbeit plagiiert haben sollen. Ich möchte mich nicht zu den einzelnen Fällen äußern, da ich nur die Medienberichterstattung kenne und keine dieser Dissertationen selbst gelesen, geschweige denn überprüft habe.

Es bleibt nicht bei dieser Berichterstattung zu den mittlerweile wohl allseits bekannten Fällen. Auf so einigen Onlinemedien und deren Campusseiten tauchen fast im Stundentakt Berichte auf, die jegliche Dissertationen zu hinterfragen scheinen und der Promotion an sich jeglichen Wert absprechen.

Jetzt muss ich einfach auch mal einhaken.

Was meine ich dazu?

Ich bin Vollzeitdoktorandin, soviel vorweg. Und wenn ich „Vollzeit“ sage, meine ich das so – die Dissertation ist ein 24-Stunden-am-Tag-sieben-Tage-die-Woche-Projekt. Ein Projekt, mit dem ich mich gerne beschäftige, das mich aber auch viel Kraft kostet. Die Zeit, die ich in meine Dissertation stecke, muss ich woanders abzwacken – zum Beispiel bei der Freizeit. Ich habe Deadlines einzuhalten, an denen ich nichts ändern kann, wie z.B. Konferenzen, auf denen ich meine Arbeit vorstelle. Aber wie gesagt, ich mache das gerne.

Ich plagiiere nicht. Davon abgesehen, dass ich meine eigenen Daten erhebe und von daher diese Daten schon mal nicht klauen kann, habe ich seit der Schulzeit gelehrt bekommen, dass man das einfach nicht tut. Von dieser ethischen Seite einmal abgesehen, habe ich gleich mitbekommen, wie man richtig zitiert. Also, wo liegt das Problem? Ich schreibe einen Absatz, ich setze eine oder mehrere Quellen dahinter, je nach Art des Zitats mit Anführungszeichen oder ohne. Ende der Geschichte und kein Grund zu endloser Diskussion, sondern reine Routine, wie sie jedem Studierenden spätestens im ersten Semester vertraut wird.

365 Tage im Jahr Urlaub hat wohl niemand, und ich ebenfalls nicht. Wie oben bereits angedeutet, mache ich mir kein faules Leben in der Karibik, sondern arbeite jeden Tag hart an meiner Dissertation. Doktoranden sind keine faulen Leute, keine ewigen Bummler, sie bekommen ihre Forschungsergebnisse und schon gar nicht die Urkunde am Ende geschenkt, sondern erarbeiten sich all das hart. Ich kann natürlich nicht für alle Doktoranden sprechen, aber die, die ich kenne, nehmen ihre Forschung alle sehr ernst, egal, ob die Arbeit nun haupt- oder nebenberuflich geschrieben wird. Eine Doktorarbeit ist harte Arbeit, die man nicht „mal eben nebenbei“ schreibt.

Außerdem möchte ich persönlich den Titel nicht, um ihn mir hinterher auf’s Klingelschild zu schreiben. Dass promovierte Leute geltungssüchtig seien, das schreit mir aus vielen Medienartikeln regelrecht entgegen. Nein, ich bin nicht geltungssüchtig. Ich strebe eine akademische Karriere an, da ist der Doktor ein weiterer Schritt auf meinem Weg. Und selbst wenn es anders wäre – das wäre ganz allein meine Entscheidung. Aber welchen Weg man mit dem Doktor beschreiten möchte, ob nun in Voll- oder Teilzeit, sagt per se nichts darüber aus, wie gut oder schlecht der Doktorand wissenschaftlich arbeitet. Auch (bzw. gerade) nebenberuflich wird eine Menge geleistet! Ich würde mich den Strapazen nicht aussetzen, ginge es mir nur um zwei Buchstaben vor meinem Namen.

Fazit

Wieso wird der Dissertation in den Medien auf einmal der Wert abgesprochen? Weil ein paar Politiker (angeblich – wie gesagt, ich kann dazu nichts Genaues sagen) ihre Arbeit abgeschrieben haben? Schön und gut, aber was ich mit den tausenden anderen, die ihre Arbeit Tag für Tag gewissenhaft bearbeiten? Mit den Doktoranden in den Unis oder in ihrem Beruf, die mit Leidenschaft mit ihrer Arbeit drei oder mehr Jahre verbringen?

Ich schreibe nicht ab. Und ich kann es nicht mehr hören, wenn Leute, die nach meiner Dissertation fragen, folgenden Spruch von sich geben: „Aber nicht plagiieren, hörst du?“. Das ist weder originell noch sonst auf irgendeine Art und Weise komisch. Ich stecke sehr viel in meine Dissertation. Ich erwarte dafür keine Lobeshymnen und keinen Nobelpreis, aber ist es zuviel verlangt, dass sich nicht ständig darüber lustig gemacht und diese Anstrengung kleingeredet wird?

Worauf stützt sich dieser Blogpost?

Eigene Meinung, und die Lektüre vieler, vieler Artikel auf diversen Campuszeiten großer Zeitungen.

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