Von Norden nach Süden – Zwei Tagungen auf einen Streich

konferenzen_odense_klein(Mein Panel (und Arjen) in Odense – von links nach rechts: Arjen van Dalen (der Organisator, Syddansk Universitet), Jakob Linaa Jensen (Danish School of Media and Journalism), Chris van der Heijden (Hogeschool Utrecht), Anders Larsson (Westerdals Oslo School of Arts, Communication and Technology), ich, und Annika Sehl (Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford. Das Foto hat Julius Reimer (Hans-Bredow-Institut für Medienforschung) gemacht – danke!)


Im März bzw. April habe ich zwei Tagungen besucht – hier ein kurzer Rückblick auf diese spannende Zeit. Das waren wieder einmal sehr lehrreiche und dabei sehr schöne Tage – nicht zuletzt, weil es in die schönen Städte Odense (Dänemark) und Düsseldorf ging und sich die Sonne ab und an mal gezeigt hat.

Die ECREA Journalism Studies Conference in Odense, Dänemark, vom 23. bis 24. März stand ganz unter dem Thema der Verbindung des Journalismus mit seinem Publikum, und die daraus resultierenden Veränderungen: „Changing Audiences – Changing Journalism“. Die zwei Tage waren gefüllt mit Vorträgen zum Publikum des Journalismus, das anders als früher aktiv durch Kommentare oder soziale Medien an der Verbreitung oder sogar Erstellung von Nachrichten teilnimmt. Aber auch andere Themen zum Komplex Journalismus wurden vorgestellt, wie Studien zu einzelnen Ressorts – besonders interessant für mich waren die Vorträge zu politischen Nachrichten – oder zu neuen Entwicklungen in der Branche. Da konnte ich mich mit meinem Vortrag einreihen, denn es ging bei mir darum, wie Tools und somit Algorithmen Journalisten dabei helfen, Nachrichten von sozialen Medien wie Twitter und Facebook zu ordnen und für ihre Arbeit zu verwenden. Wer mehr über das Tagungsprogramm erfahren will, kann das mit einem Klick hier tun. Alles in allem war das eine kleine, aber feine Konferenz, die im zweijährlichen Turnus stattfindet, und die ich im Auge behalten werde – vielen Dank, Arjen van Dalen (und natürlich das Team der Syddansk Universitet dahinter), für die wunderbare Organisation! Wer ein wenig nachlesen möchte, kann das auf Twitter unter dem Hashtag #ecreaJSS17 tun.

Wenige Tage später nach dieser Konferenz ging es von Dänemark nach Düsseldorf, zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft e.V., den meisten besser bekannt als die DGPuK. Vom 30. März bis zum 2. April ging es hier um vielfältige Themen der Kommunikationswissenschaft. Auch diese Konferenz hatte sich ein übergeordnetes Thema gesetzt, nämlich „Vernetzung – Stabilität und Wandel gesellschaftlicher Kommunikation“. Hier passen Themen wie Algorithmen und Nachrichten ebenfalls gut hinein, und dazu habe ich auch hier gesprochen. Aber natürlich waren auch die Vorträge der Kollegen sehr spannend, sodass es mir nicht selten schwerfiel, mich zwischen den einzelnen Panels, von denen immer fünf parallel liefen, zu entscheiden. Von der Vernetzung von Journalisten und Politik, über die Kommunikation innerhalb der Wissenschaft, bis zur Beziehung von Rezipienten und fiktionalen Charakteren über ‚Fanfiction’ war alles mit dabei. Das zeigte wieder einmal, wie vielfältig die deutsche Kommunikationswissenschaft ist – vielen Dank dafür! Ebenfalls bedanke ich mich bei dem Team der Universität Düsseldorf für die mehr als gelungene Organisation! Wie auch bei der ECREA Journalism Studies Conference lässt sich das Programm hier nachlesen, und die Erlebnisse auf Twitter unter #dgpuk2017. Bis zum nächsten Jahr!

 

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Alles neu in München – das war 2016

img_4621klein(Foto von mir
– Berliner/Pfannkuchen/Krapfen sind eben das, was man zum Jahreswechsel braucht)

 

Heute ist der letzte Tag im Dezember 2016, und eine gute Gelegenheit, auf das letzte Jahr zurückzuschauen. Es, wie schon ein Jahr zuvor, viel passiert.

Erst einmal bin ich nun seit fast einem Jahr Münchnerin – seit Januar 2016 setze ich meine Forschung und Lehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München als Wissenschaftliche Mitarbeiterin fort. Dort, am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, fühle ich mich sehr wohl, dank der spannenden Arbeit und natürlich der netten Kollegen. Jetzt geht es für mich in meiner Forschung vor allem um Algorithmen und deren Wirkungen auf den Journalismus, und das ist ganz anders als meine vorherige Arbeit in der Politikwissenschaft. Was aber nicht heißt, dass sie ganz aus meinem Arbeitsalltag verschwunden ist, denn in so einigen Projekten, z.B. der großen Journalistenbefragung im Zuge der Worlds of Journalism Study, ist weiterhin genug Politik drin, sodass ich nicht auf sie verzichten muss.

Außerdem spielt in meiner Lehre die Politische Kommunikation weiterhin eine große Rolle. Bis Februar unterrichte ich z.B. ein Projektseminar, in dem ich meinen Studierenden mithilfe von Themen wie Wahlkampfkommunikation, Lobbying, oder politischer Onlinekommunikation die Methode der quantitativen Inhaltsanalyse näherbringe. Das heißt, das Kennenlernen und Anwenden der Methode nimmt einen großen Raum ein, aber immer mit politikwissenschaftlichen Themensetzungen und den dazugehörigen Theorien. Daneben hat sich ein weiterer Themenfokus herauskristallisiert, der mir sehr viel Freude macht, nämlich die Sportkommunikation. In einem Projektseminar dazu, das ich auch dieses Semester unterrichte, sind meine Studierenden und ich gerade fleißig dabei, den deutschen Profifußball zu untersuchen. Und natürlich – in Zeiten vom FIFA-Korruptionsskandal und politischen Messages von Vereinen und Fans geht es auch hier nicht ohne Politik!

Veränderungen allerorten, das kann ich so feststellen – die Doktorarbeit ist mit Erscheinen meiner Monographie im April 2016 endgültig abgeschlossen, und damit ist die Arbeit an den Onlineauftritten von Politikern erstmal vorbei. Was die neuen Themen angeht, die mich umtreiben, sind z.B. die (Aus)Wirkungen von Software, mit denen sich Textnachrichten automatisiert erstellen lassen, und algorithmenbasierte Neuerungen auf Nachrichtenwebseiten an der Tagesordnung. Ganz anders, und doch ähnlich – es geht immer noch im Kern darum, wie sich das politische und gesellschaftliche System durch die neuen Techniken verändern.

Meine Ergebnisse konnte ich dieses Jahr auch vorstellen, wie z.B. auf der Second Annual Journal of International Press/Politics Conference in Oxford. Dort ging es, wie der Name der Konferenz schon vermuten lässt, um die Wechselwirkungen von Journalismus und Politik, genauer die politischen Einflüsse auf Journalisten. Eine kleine, und sehr feine Konferenz, auf der ich alte Bekannte wiedergesehen, und viele neue Kontakte knüpfen konnte. Auch der Nachwuchstag der DGPuK hat mir neue Impulse für meine Forschung und Lehre gegeben, z.B. mit Vorträgen zum Berufungsverfahren oder zur Drittmittelakquise. Hier nochmal einen großen Dank an meine Kollegen, die den Nachwuchstag nach München geholt und organisiert haben.

Natürlich gab es daneben noch andere Freuden, wie z.B. ganz allgemein das Kennenlernen einer neuen Stadt, und – wie es in München auch gar nicht anders geht – der Kauf eines Dirndls. Umso schöner, dass es mir von allen Seiten leicht gemacht wurde, mich „hier unten“ einzuleben.

Soweit – einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein erfolgreiches 2017!

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So klappt es mit der akademischen Karriere – Der DGPuK-Nachwuchstag 2016

kalender(Foto von mir)


Vor ein paar Tagen war es endlich soweit – der DGPuK-Nachwuchstag fand statt! Und das auch noch bei mir am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, organisiert von meinen lieben Kollegen. Aber bevor ich in den Bericht einsteige, was ist dieser Nachwuchstag überhaupt? Erst einmal, die DGPuK ist die Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft e.V. , eine der wichtigsten Fachgruppierungen der Kommunikationswissenschaft hierzulande. Und der Nachwuchs? Nun, damit ist der gesamte wissenschaftliche Nachwuchs gemeint, der noch keinen Ruf als Professor erhalten hat – von den Masterstudierenden, über die Doktoranden, bis zu den Postdocs, wie ich auch einer bin. Das heißt, beim Nachwuchstag ging es darum, wie man seine akademische Karriere gestalten kann, und welche Feinheiten es dabei zu beachten gibt. Diese Veranstaltung war nach 2012 in Mainz und 2014 in Berlin die dritte ihrer Art, und man kann sagen, dass sie in der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft (die Österreicher und Schweizer dürfen nicht fehlen) bereits einen festen Platz eingenommen hat.

Es gab bei der zweitägigen Konferenz drei jeweils gleichzeitig stattfindende Slots zur Auswahl, für jede Karrierestufe eine, vom Doktoranden in spe bis zum Postdoc. Die jeweiligen Veranstaltungen waren dann auf die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen ausgerichtet – so haben die Neulinge zum Beispiel erfahren, wie man ins wissenschaftliche Publizieren einsteigt, während die Doktoranden sich mit dem internationalen Publikationsbetrieb auseinandergesetzt haben. Die Postdocs, die ihre erste Publikation meist schon hinter sich haben, konnten hören, wie man an die Beantragung von Drittmittel herangehen kann. In anderen Veranstaltungen waren die Themen nicht so eng verwandt, aber dennoch stets für die jeweilige Gruppe gemacht (hier das Programm in aller Vollständigkeit).


sitzung(Foto von mir)


Natürlich war es ‚erlaubt’ und sogar erwünscht, sich auch in Vorträge zu setzen, die einer anderen Stufe zugeordnet waren. Das habe ich auch gemacht, denn das vielfältige Programm hat einem die Entscheidung für das eine oder oder das andere nicht einfach gemacht. Ich habe Vorträge zu den Themen Internationalisierung in der Postdoc-Phase und Drittmittelakquise besucht, und erfahren, wie man eine Vorlesung lebendiger gestalten kann. Außerdem konnte ich einer sehr aufschlussreichen Diskussion zum Komplex der Berufungsverfahren auf Professuren mitverfolgen. Und noch mehr, was ich hier nicht im Detail aufzählen möchte – Langeweile kam nicht auf. Hitzig wurde es bei der abschließenden Podiumsdiskussion zum Thema ‚Arbeitsplatz Hochschule’; alle Teilnehmer – Professoren, Nachwuchs, und die Politik – waren sich einig, dass es noch reichlich zu tun gibt, vor allen Dingen was Befristungsdauer der Verträge und Zukunftsperspektiven angeht.

Neben all diesen Informationen habe ich außerdem alte Bekannte wiedergesehen, und viele neue Leute kennengelernt. Dazu gab es reichlich Gelegenheit, denn der Nachwuchstag war sehr gut besucht. Es haben rund 130 Teilnehmer zugehört, genetzwerkt, und dabei eine Menge Spaß gehabt. Ich bedanke mich beim Organisationsteam – die beiden Tage waren ein echtes Highlight. Nicht zu vergessen das ‚Science Dating’ am Donnerstagabend, bei dem man nicht nur mit Teilnehmern aus ähnlichen Themenfeldern zusammengeführt wurde, sondern das dazu noch vom äußerst renommierten Prof. Birnbaum des (fast) noch renommierteren Birnbaum-Instituts moderiert wurde.

Alles in allem kann ich jedem empfehlen, die Augen nach dem nächsten Termin in zwei Jahren aufzuhalten. All die Themen, die behandelt wurden, sind für und im akademischen Betrieb wichtig, und man kann sie sich im Falle eines Falles auch ein zweites Mal zu Gemüte führen. Gerade die Themen Publikationen und Drittmittel verlieren nie an Aktualität. Außerdem ist der Nachwuchstag nicht nur für reine Kommunikationswissenschaftler interessant, sondern für alle Sozialwissenschaftler (wie auch für mich, denn ich bin ja nunmal auch keine ‚echte’ Kommunikations-wissenschaftlerin).

Also, vielen Dank noch einmal an die Organisatorinnen und Organisatoren!

P.S. Auf Twitter war auch ein wenig los – unter dem Hashtag #nwt16 nachzulesen.


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