Unterwegs im Namen der Sportkommunikation (und das gleich zweimal in einem Monat)

IMG_5249_klein(Foto von mir – das Konferenzprogramm des „17. Hamburg Congress on Sports, Economy, and Media“)

 

Die letzten paar Wochen waren geprägt von vier Konferenzen* – und zwei davon drehten sich um den Sport und die dabei stattfindende Sportkommunikation. Da musste ich natürlich dabei sein!

Die erste Konferenz, die ich besucht habe, war der „17. Hamburg Congress on Sports, Economy, and Media“, ein Kongress für Wissenschaftler und Teilnehmern aus der Praxis, der am 4. und 5. September 2017 in der HafenCity Universität Hamburg abgehalten wurde. Wie der Name schon sagt, ist das Konferenzformat an sich nicht neu, aber dieses Jahr wurde der Kongress zum ersten Mal komplett auf Englisch abgehalten. Nicht zuletzt, weil Gäste von der International Association for Communication and Sport (IACS) angereist waren, die den sonst vornehmlich deutschen Teilnehmern die Entwicklungen in der amerikanischen Sportkommunikation vorgetragen haben. Die weiteren Themen waren bunt gemischt, und so gab es Beiträge von Wissenschaftlern, wie bereits angedeutet, und von Praktikern, wie von der Werbeagentur Jung von Matt oder dem Marketingvorstand vom Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Gerade letztere Vorträge waren ein sehr interessanter Einblick hinter die Kulissen für mich – denn es wurde berichtet, wie Kampagnen für Vereine und andere Institutionen des Sports entwickelt werden, die wir Wissenschaftler sonst nach ihrer Fertigstellung analysieren und deren Entstehung manchmal nur schwer nachvollziehbar ist. Die Beiträge aus der Wissenschaft waren aber auch nicht ohne, denn so weiß ich nun, wie der derzeitige Stand von Virtual Reality im Profisport ist (jedenfalls in Amerika gibt es für den Zuschauer da bereits eine Menge zu sehen und zu erleben), und wie es um ethische Aspekte und Selbstverpflichtung im Sportjournalismus bestellt ist (im Übrigen nicht schlecht, zumindest wenn man den Agenturen und Redaktionen glauben darf). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mich diese Konferenz mit starkem Praxis-Einschlag bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen hat. Die Praxis ist wichtig, gerade hier im Sport – der Blick auf die sprichwörtliche andere Seite des Schreibtischs zeigt nicht nur, welche Marketing-Strategien bisher aus welchen Gründen angewendet wurden, sondern auch, was die Zukunft bringen könnte. Das ist auch für den Sport und seine Berichterstattung wichtig, welche sich mit all den neuen Techniken – wie die eben genannte Virtual Reality – weiterhin in einem starken Wandel befindet.

Die zweite Konferenz war die Jahrestagung der DGPuK-Ad-hoc-Gruppe „Mediensport und Sportkommunikation“ am 25. Und 26. September 2017 in Hamburg. Die DGPuK (Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft) ist der Dachverband der Kommunikationswissenschaftler in Deutschland, und unterteilt sich in Fachgruppen mit unterschiedlichsten Interessen – eins davon ist Sport, zu dem diese Konferenz ausgerichtet wurde. Eine Gruppe von rund 30 Wissenschaftlern hat sich an der Macromedia Hochschule in Hamburg zusammengefunden, und sich über die Medienberichterstattung von Randsportarten auszutauschen, zu der Eventisierung des Sporterlebnisses im Stadion und darüber hinaus, oder zur Relevanz der Liveberichterstattung im Sportjournalismus. Ich selber habe unter dem Oberthema „sportmediale Anschlusskommunikation“ zu „Fußball-Talks in Deutschland“ vorgetragen, wo es um die Darstellung der Themen, die Gästeauswahl, und die Aufmachung dreier Fußball-Talkshows ging; einer davon war der beliebte Doppelpass (wer nicht weiß, was das für ein wunderbares Format ist, in dem es nicht selten hoch her geht: hier das Video, das ich meinen Zuhörern gezeigt habe, um sie auf meinen Vortrag einzustimmen). Die Sportkommunikation-Gruppe der DGPuK ist noch nicht sehr groß, aber dafür sehr engagiert – so ist es nicht nur produktiv, über des Deutschen liebste Freizeitbeschäftigung zu diskutieren, es macht auch noch eine Menge Spaß. Ich freue mich auf das nächste Jahr, in dem die Konferenz in Salzburg stattfinden wird.

Beide Konferenzen wurden übrigens von Prof. Thomas Horky (Macromedia University Hamburg) ausgerichtet – vielen Dank dafür, und ich wünsche nach diesen Wochen eine ordentliche Mütze Schlaf!


* Die anderen beiden finden im nächsten Post Beachtung. Aber bevor es daran geht, kommt jetzt erstmal der Sport!

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ICA 2017 – It never rains in Southern California

ica17_panel(This was the panel I was on for the personalisation talk during the main conference – from left to right: Folker Hanusch, Chris Peters (our chair), Sarah Ganter, me, Ruth Palmer, Jacob Nelson; my photo)


… and that was another great conference that I had the opportunity to attend: ICA 2017. For the uninitiated: the “ICA” is the annual conference of the International Communication Association, and the biggest conference in the field of communication science. Around 3000 delegates attend each year, and in 2017, the organisers counted 3,367 people wandering the halls of the conference hotel.  With these large numbers of people and talks, one always has to choose where to go and what to see – there are usually around ten parallel tracks for each time slot. For anyone who wants to get a taste of how hard it is to figure out a personal timetable for these four days, here is a link to the full programme of this year’s conference. This ICA took place in San Diego, USA, from 25th to 29th of May – and it actually rained while I was there, even though it was just a drizzle. Apart from that, San Diego is quite a nice city, and I definitely enjoyed a walk or two through town.

But on to the conference itself – I was involved in three talks, one at a preconference, and two during the main conference. Yes, ICA itself is not enough, and there were also pre-conferences which took place the day before the main conference began. I took part in “Distribution Matters: Media Circulation in Civic Life and Popular Culture”, which featured a very diverse audience, all of them working somehow on “media distribution”. I talked about how the use of algorithms on news websites affect the relationship of media outlets and readers, and other panelists took other routes, such as talking about how cable TV took over Manhattan, or how film festivals distribute their media. The full programme of this preconference can be found here, and as an extra treat I can say that the audio of some presentations (mine included) is online here. My thanks go out to the organisers Josh Braun, Roman Labato, and Amanda Lotz – it was a great day!

ICA started fully the next day, with the other two talks scheduled back to back in the morning. Phew! Neil talked about our study on the perception of journalists on automated journalism (I wrote more about that a while ago here (in German)), and I gave the presentation on our longitudinal study on personalisation of content on news outlets’ websites. I was on a great panel with Folker Hanusch and Edson Tandoc, Jacob Nelson, Sarah Ganter, and Ruth Palmer. Also, the panel drew quite the audience, as can be seen in our session chair’s tweet. Thanks for the photo, Chris!

Apart from my own talks, I learned about other types of automated journalism, digital election campaigns, and US college sports – and a lot more. As I already said – so much to do! And, of course, so many people to see! As ICA is the biggest conference in the field, I saw quite a few friends, and also made new ones, as it should be.

So, ICA is over, the next one will be a lot closer to home – I’m looking forward to Prague!

Von Norden nach Süden – Zwei Tagungen auf einen Streich

konferenzen_odense_klein(Mein Panel (und Arjen) in Odense – von links nach rechts: Arjen van Dalen (der Organisator, Syddansk Universitet), Jakob Linaa Jensen (Danish School of Media and Journalism), Chris van der Heijden (Hogeschool Utrecht), Anders Larsson (Westerdals Oslo School of Arts, Communication and Technology), ich, und Annika Sehl (Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford. Das Foto hat Julius Reimer (Hans-Bredow-Institut für Medienforschung) gemacht – danke!)


Im März bzw. April habe ich zwei Tagungen besucht – hier ein kurzer Rückblick auf diese spannende Zeit. Das waren wieder einmal sehr lehrreiche und dabei sehr schöne Tage – nicht zuletzt, weil es in die schönen Städte Odense (Dänemark) und Düsseldorf ging und sich die Sonne ab und an mal gezeigt hat.

Die ECREA Journalism Studies Conference in Odense, Dänemark, vom 23. bis 24. März stand ganz unter dem Thema der Verbindung des Journalismus mit seinem Publikum, und die daraus resultierenden Veränderungen: „Changing Audiences – Changing Journalism“. Die zwei Tage waren gefüllt mit Vorträgen zum Publikum des Journalismus, das anders als früher aktiv durch Kommentare oder soziale Medien an der Verbreitung oder sogar Erstellung von Nachrichten teilnimmt. Aber auch andere Themen zum Komplex Journalismus wurden vorgestellt, wie Studien zu einzelnen Ressorts – besonders interessant für mich waren die Vorträge zu politischen Nachrichten – oder zu neuen Entwicklungen in der Branche. Da konnte ich mich mit meinem Vortrag einreihen, denn es ging bei mir darum, wie Tools und somit Algorithmen Journalisten dabei helfen, Nachrichten von sozialen Medien wie Twitter und Facebook zu ordnen und für ihre Arbeit zu verwenden. Wer mehr über das Tagungsprogramm erfahren will, kann das mit einem Klick hier tun. Alles in allem war das eine kleine, aber feine Konferenz, die im zweijährlichen Turnus stattfindet, und die ich im Auge behalten werde – vielen Dank, Arjen van Dalen (und natürlich das Team der Syddansk Universitet dahinter), für die wunderbare Organisation! Wer ein wenig nachlesen möchte, kann das auf Twitter unter dem Hashtag #ecreaJSS17 tun.

Wenige Tage später nach dieser Konferenz ging es von Dänemark nach Düsseldorf, zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft e.V., den meisten besser bekannt als die DGPuK. Vom 30. März bis zum 2. April ging es hier um vielfältige Themen der Kommunikationswissenschaft. Auch diese Konferenz hatte sich ein übergeordnetes Thema gesetzt, nämlich „Vernetzung – Stabilität und Wandel gesellschaftlicher Kommunikation“. Hier passen Themen wie Algorithmen und Nachrichten ebenfalls gut hinein, und dazu habe ich auch hier gesprochen. Aber natürlich waren auch die Vorträge der Kollegen sehr spannend, sodass es mir nicht selten schwerfiel, mich zwischen den einzelnen Panels, von denen immer fünf parallel liefen, zu entscheiden. Von der Vernetzung von Journalisten und Politik, über die Kommunikation innerhalb der Wissenschaft, bis zur Beziehung von Rezipienten und fiktionalen Charakteren über ‚Fanfiction’ war alles mit dabei. Das zeigte wieder einmal, wie vielfältig die deutsche Kommunikationswissenschaft ist – vielen Dank dafür! Ebenfalls bedanke ich mich bei dem Team der Universität Düsseldorf für die mehr als gelungene Organisation! Wie auch bei der ECREA Journalism Studies Conference lässt sich das Programm hier nachlesen, und die Erlebnisse auf Twitter unter #dgpuk2017. Bis zum nächsten Jahr!

 

Interested in Algorithms and News? Come to Munich!

conference_zuge(Foto von mir)

 

Für alle, die sich für Algorithmen und Journalismus interessieren, ist die Konferenz „Algorithms, Automation, and News“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München der Ort, an dem man vom 22. bis 23. Mai  2018 sein muss! Nicht nur, weil ich zum Organisationsteam gehöre (zusammen mit Prof. Neil Thurman und Prof. Seth Lewis), sondern weil wir eine Menge zu bieten haben – so werden z.B. die besten eingereichten Paper in einer Special Issue von „Digital Journalism“ veröffentlicht. Außerdem werden die Übernachtungen für die Vortragenden gesponsert, d.h. das leibliche Wohl wird auch nicht außer Acht gelassen.

Was wir darüber hinaus noch alles bieten, das steht unten im englischen Call – die gesamte Konferenz wird auf Englisch stattfinden – und mit noch ausführlicheren Infos auf http://algorithmic.news.

Abstracts (500 bis 1000 Wörter) können bis zum 15. Juli 2017 an die Adresse conference@algorithmic.news eingereicht werden.

Obwohl es sich um eine Konferenz für die Wissenschaftscommunity handelt, können auch Außenstehende daran teilhaben. Wir haben eine tolle Keynote von Prof. Philip M. Napoli (Duke University), die bestimmt sehr interessant wird.

Ich freue mich auf viele spannende Einreichungen!

Hier der Call – bequem zum Mitnehmen – als pdf:

pdf-icon_klein

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ALGORITHMS, AUTOMATION, AND NEWS:
Capabilities, cases, and consequences


CALL FOR PAPERS: Conference, special issue & edited book


http://algorithmic.news

* Conference in Munich, Germany — May 22–23, 2018
* Select papers published in special issue of Digital Journalism & proposed edited volume


CONFERENCE BENEFITS:

* Free hotel accommodation for presenters
* Travel stipends available for presenters
* No conference fee
* Precedes the 2018 ICA convention in nearby Prague

ORGANIZERS & EDITORS:

* Neil Thurman, Ludwig-Maximilians-University Munich
* Seth C. Lewis, University of Oregon
* Dr Jessica Kunert, Ludwig-Maximilians-University Munich

KEYNOTE SPEAKER:

* Philip M. Napoli, Duke University

CONFIRMED SPEAKERS:

* C.W. Anderson, College of Staten Island & University of Leeds
* Natali Helberger, University of Amsterdam
* Nicholas Diakopoulos, University of Maryland

CALL FOR PAPERS:

We live in a world increasingly influenced by algorithms and automation. The ubiquity of computing in contemporary culture has resulted in human decision-making being augmented, and even partially replaced, by computational processes. Such augmentation and substitution is already common, and even predominates, in some industries. This trend is now spreading rapidly to the fourth estate—our news media.

Algorithms and automation are increasingly implicated in many aspects of news production, distribution, and consumption. For example, algorithms are being used to filter the enormous quantities of content published on social media platforms, picking out what is potentially newsworthy and alerting journalists to its existence (Thurman et al., 2016). Meanwhile, automated journalism—the transforming of structured data on such things as sports results and financial earnings reports into narrative news texts with little to no human intervention aside from the original programming (Carlson, 2015)—grows apace. What began some years ago as small-scale experiments in machine-written news has, amid the development of big data broadly, become a global phenomenon, involving technology providers from the U.S. to Germany to China developing algorithms to deliver automated news in multiple languages (Dörr, 2016). And, algorithms are being used in new ways to distribute and package news content, both enabling consumers to request more of what they like and less of what they don’t and also making decisions on consumers’ behalf based on their behavioral traits, social networks, and personal characteristics (Groot Kormelink and Costera Meijer, 2014).

Altogether, these developments raise questions about the social role of journalism as a longstanding facilitator of public knowledge. What are the implications for human labor and journalistic authority? for concerns around news quality, transparency, and accountability? for notions of who (or what) does journalism? for how news moves among various publics (or not)? Ultimately, what happens when editorial functions once performed by journalists are increasingly assumed by new sets of actors situated at the intersection of human and machine? Ultimately, what do algorithms and automation mean for journalism—its people, purposes, and processes; its norms, ethics, and values; its relationship with audiences and public life; and its obligations toward data management and user privacy?

This three-part call—conference, special issue, and book project—takes up these and other questions by bringing together the latest scholarly research on algorithms, automation, and news. In particular, it seeks to organize research on capabilities, cases, and consequences associated with these technologies: explorations of the possibilities and perils, of theory and practice, and of comparative perspectives according to various sites and levels of analysis. Ultimately, we aim for research that provides a future orientation while grounded in appropriate historical context, contemporary empirical research, and rigorous conceptual development.

By some accounts, the promise of algorithms and automation is that news may be faster and more personalized, that websites and apps may be more engaging, and even that quality journalism may be better funded, to the benefit of all. However, there are also concerns, including anxieties around:

* the hidden biases built into bots deciding what’s newsworthy,
* the ‘popularism’ that tracking trends inevitably promotes,
* how misplaced trust in algorithmic agency might blunt journalists’ critical faculties, and
* the privacy of data collected on individuals for the purposes of newsgathering and distribution.

Moreover, as more news is templated or data-driven, there is unease about issues such as:

* who and what gets reported,
* the ethics of authorship and accountability,
* the legal issues of libel by algorithm,
* the availability of opportunities for professional development, training, and education, and
* the continuity of fact-checking and analysis, among others.

And, as more news is explicitly or implicitly personalized, there is disquiet about:

* whether we will retreat into our own private information worlds, ‘protected’ from new, challenging and stimulating viewpoints,
* the algorithmically oriented spread of ‘fake news’ within such filter bubbles,
* the boundaries between editorial and advertising content, and
* the transparency and accountability of the decisions made about what we get to read and watch.

Through the conference, and the special issue and book to follow, we seek to facilitate conversation around these and related issues across a variety of academic fields, including computer science, information science, computational linguistics, media informatics, law and public policy, science and technology studies, philosophy, sociology, political science, and design, in addition to communication, media and journalism studies. We welcome original, unpublished articles drawing on a variety of theoretical and methodological approaches, with a preference for empirically driven and/or conceptually rich accounts. These papers might touch on a range of themes, including but not limited to the issues outlined above.

Inquiries about this call are encouraged and should be directed to conference@algorithmic.news.

 

TIMELINE:

* July 15, 2017: abstract submission deadline. Abstracts should be 500-1,000 words (not including references) and sent to conference@algorithmic.news. Also include a 100-word biography of each author and 6-8 keywords

* Mid-August 2017: decisions on abstracts

* February 15, 2018: full 7,000-word papers due for initial round of feedback by conference peers

* May 22–23, 2018: conference in Munich

* Post-conference: peer-review and feedback process leading toward publication in either the special issue or edited volume

http://algorithmic.news


ORGANISERS & SPONSORS:

Conference organised by the Center for Advanced Studies at Ludwig-Maximilians-University Munich and sponsored by The Volkswagen Foundation (VolkswagenStiftung) and The Shirley Papé Chair in the School of Journalism and Communication at the University of Oregon.

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Tag der offenen Tür im Bayerischen Landtag

plenarsaal(Blick in den Plenarsaal – Foto von mir)

 

Ich war mal wieder unterwegs – diesmal allerdings nur eine kurze U-Bahnfahrt entfernt, ich bin in München geblieben. Aus gutem Grund, denn: der Bayerische Landtag hat am 26. November seine Pforten geöffnet (und nicht nur der, auch im Bayerischen Verfassungsgerichtshof und der Bayerische Staatskanzlei konnte man hinter die Kulissen blicken). Grund genug, eine kleine politikwissenschaftliche Exkursion zu unternehmen, und zu schauen, wie denn hier in Bayern mit dem Bürger kommuniziert wird, und das auf ganz klassische Weise bei einem Tag der offenen Tür.

Das Programm war dicht gepackt, mit Vorträgen von Abgeordneten und Parlaments- bzw. Fraktionsmitarbeitern. Die Themen waren bunt gemischt, sodass zu vielen Gebieten über den Tag verteilt etwas dabei war. Auch der Bayerische Rundfunk hat sich vorgestellt, ebenso wie die Landtagsstenographen und das Besucherbüro selbst mit ihren vielen Broschüren. Nicht nur das – der Vortrag im Plenarsaal wurde von Gebärdensprach- und Schriftdolmetschern begleitet, somit eine Gruppe eingeschlossen, die bei solchen Veranstaltungen oft zu kurz kommt.

Das ist alles schön und gut – aber wofür ist so ein Tag der offenen Tür eigentlich da? Für die Informationsvermittlung? Oder dafür, den Bürger tatsächlich zum Dialog einzuladen? Dabei stellt sich wie so häufig bei solchen Veranstaltungen die Frage, wieviel Dialog mit dem Bürger bzw. zwischen Bürger und Politik(ern) tatsächlich zustande kommt. Obwohl in einer Veranstaltung wortreich darum gebeten, langte die Zeit am Ende nur für zwei Fragen, die nur kurz beantwortet werden konnten. Da kann von Dialog keine Rede sein. Auch, ob eine Autogrammstunde (siehe Foto) das Mittel der Wahl ist, darüber lässt sich streiten.

 

autogrammstunde.jpg(Wegweiser zur Autogrammstunde – Foto von mir)

 

Was sich aber festhalten lässt, ist, dass der Landtag gut besucht war – die Pressestelle spricht von gut 7.500 Besuchern. Schon gegen Mittag bildeten sich Schlangen vor dem Einlass, und wer die Veranstaltung im Plenarsaal besuchen wollte, musste eine ganze Weile anstehen. Ob es jetzt daran lag, dass es zuhauf Taschen, Kulis und Kekse gab, das kann man sich durchaus fragen. Aber nicht nur die Goodies sind gut weggegangen, auch die Prospekte mussten immer wieder nachgefüllt werden, wie ich besonders bei den Ständen des Landtags selbst beobachten konnte. Von daher sage ich, dass so ein Tag der Offenen Tür dennoch eine wichtige und hier auch gelungene Veranstaltung ist. Wann sonst kann man sich ohne größeren Aufwand die Räumlichkeiten anschauen? Neben dem Plenarsaal und den angrenzenden Räumen hatten auch die Fraktionen ihre Stände, wo die jeweiligen Forderungen und Erfolge vorgestellt wurden. Also, der Informationsgehalt war durchaus gegeben, und der kleine Berg Prospekte, der bei mir auf dem Esstisch liegt, zeugt auch davon. Aber nicht nur Papier wurde den Leuten in die Hand gedrückt, überall standen Mitarbeiter von Landtag und Fraktionen bereit, Fragen zu beantworten oder weiterzuhelfen. Keine ‚Station’ wurde allein für sich stehen gelassen, was für die Informationsvermittlung spricht.

Also, die Kritik lässt sich durchaus anlegen, aber dennoch sind solche Veranstaltungen unerlässlich. Denn Politik ist und bleibt abstrakt, egal, wieviele Schaubilder gemalt werden. Richtig erfahrbar wird sie erst, wenn man nah dran ist, und vielleicht sogar auf einem der Stühle im Plenarsaal Platz nimmt. Die Erfahrung kann als Einstieg für die Information dienen – das bleibt dem Bürger, zusammen mit den neuen Kulis natürlich, mehr in Erinnerung als ein Text aus einem Schulbuch.

 

ausblick.jpg(Und wenn’s doch nicht so spannend war, ließ sich wenigstens der Ausblick genießen
– Foto von mir)

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Hogwarts kann nicht weit sein – Bericht zur Second International Journal of Press/Politics Conference

oxford-panel-bearbeitet(Das war mein Panel – von links nach rechts:
Milda Celiešiūtė, ich, Lamprini Rori und Marcel Broersma)


Gut einen Monat zu spät, man möge es mir verzeihen (Deadlines, Deadlines – und endlich wieder Lehre!), aber hier kommt ein kurzer Bericht zu meinem Konferenz-Trip nach Oxford. Ja, Oxford, da hat es sich allein schon wegen der hübschen Stadt gelohnt, ein Abstract einzureichen…

Aber die Konferenz möchte ich natürlich nicht schmälern. Ich war auf der Second Annual Journal of Press/Politics Conference, eine kleine Konferenz mit 46 Vorträgen, die vom 28.09. bis zum 01.10.2016 im St. Anne’s College stattfand (das Programm hier). Wie der Name schon vermuten lässt, lag der Fokus der Beiträge auf der Verbindung von Journalismus bzw. der Presselandschaft und Politik im weitesten Sinne. Um die Themen von ein paar Panels zu nennen: Der Einfluss von Populismus und politischen Konflikten auf den Journalismus, der Vergleich von Mediensystemen, und natürlich Wahlkampf in Europa.

Ich selbst habe im Panel „Journalists, Governments, and Political Parties“ vorgestellt, welche politischen Rollen Journalisten in ihrem Arbeitsalltag einnehmen, und wie sie die Wichtigkeit dieser Rollen für sich selbst einschätzen. Die Daten sind aus der Worlds of Journalism Study entnommen (man erinnere sich an den Report zu den britischen Journalisten, der vor ein paar Monaten erschienen ist), und ich habe die Einstellungen deutscher, britischer, US-amerikanischer und italienischer Journalisten miteinander verglichen. Besonders bei den Ergebnissen zu den britischen Journalisten gab es ungläubiges Kopfschütteln – denn 27,5 % gaben an, dass es unwichtig für sie sei, den Bürgern Informationen bereitzustellen, die sie brauchen, um politische Entscheidungen zu treffen. Die Verbindung zum Brexit war schnell gezogen… (wobei ich natürlich sagen muss, dass ein Großteil der befragten britischen Journalisten nicht explizit aus dem politischen Ressort kamen).

Die Themen der anderen Präsentationen waren vielfältig und interessant, sodass ich mich kaum entscheiden konnte, welchen der beiden jeweils parallel laufenden Tracks ich besuchen sollte. Ob man nun dazu etwas gehört hat, wie Politiker und Interessengruppen Twitter nutzen, oder wie Journalisten in ihre Arbeit in autoritären Staaten wahrnehmen, ich konnte aus allen Vorträgen etwas für meine eigene Forschung mitnehmen. Die Plaudereien in den Pausen haben mich außerdem auf viele neue Ideen gebracht.

Neu war für mich das Format der „Birds of a feather session“. Hier hat man sich zu einem Oberthema in lockerer Runde zusammengesetzt und etwa eine Stunde diskutiert. Ich habe an der Gruppe „International research projects“ teilgenommen, in der aus einigen großen Projekten aus dem Nähkästchen geplaudert wurde. Sehr interessant – ein ungezwungenes Format, das ich gerne auf weiteren Konferenzen sehen würde.

Auch sonst waren wir Teilnehmer gut versorgt – zweimal wurde uns ein tolles Dinner zuteil, an einem Abend sogar in Harry Potter-gleicher Atmosphäre im Mansfield College. Ja, das Essen wurde an langen Tischen in der ehemaligen Kapelle serviert! Für mich und viele andere der Teilnehmer ein Highlight, hatte das doch nichts mehr mit einer normalen Mensa gemein. Um die Stimmung perfekt zu machen, fanden auch noch an einem der Tage die Abschlussfeiern der University of Oxford statt, sodass die Straßen mit aufgeregten Absolventen in festlichen Roben und Hüten gesäumt waren. Mehr Oxford geht nicht.

Ich schweife ab – zusammengefasst möchte ich noch einmal betonen, dass die Konferenz sehr lehrreich, und dazu noch perfekt organisiert war. Also, ich bedanke mich bei den Organisatoren des Reuters Institute for the Study of Journalism für die tolle Arbeit, und freue mich schon auf nächstes Jahr!

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So klappt es mit der akademischen Karriere – Der DGPuK-Nachwuchstag 2016

kalender(Foto von mir)


Vor ein paar Tagen war es endlich soweit – der DGPuK-Nachwuchstag fand statt! Und das auch noch bei mir am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, organisiert von meinen lieben Kollegen. Aber bevor ich in den Bericht einsteige, was ist dieser Nachwuchstag überhaupt? Erst einmal, die DGPuK ist die Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft e.V. , eine der wichtigsten Fachgruppierungen der Kommunikationswissenschaft hierzulande. Und der Nachwuchs? Nun, damit ist der gesamte wissenschaftliche Nachwuchs gemeint, der noch keinen Ruf als Professor erhalten hat – von den Masterstudierenden, über die Doktoranden, bis zu den Postdocs, wie ich auch einer bin. Das heißt, beim Nachwuchstag ging es darum, wie man seine akademische Karriere gestalten kann, und welche Feinheiten es dabei zu beachten gibt. Diese Veranstaltung war nach 2012 in Mainz und 2014 in Berlin die dritte ihrer Art, und man kann sagen, dass sie in der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft (die Österreicher und Schweizer dürfen nicht fehlen) bereits einen festen Platz eingenommen hat.

Es gab bei der zweitägigen Konferenz drei jeweils gleichzeitig stattfindende Slots zur Auswahl, für jede Karrierestufe eine, vom Doktoranden in spe bis zum Postdoc. Die jeweiligen Veranstaltungen waren dann auf die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen ausgerichtet – so haben die Neulinge zum Beispiel erfahren, wie man ins wissenschaftliche Publizieren einsteigt, während die Doktoranden sich mit dem internationalen Publikationsbetrieb auseinandergesetzt haben. Die Postdocs, die ihre erste Publikation meist schon hinter sich haben, konnten hören, wie man an die Beantragung von Drittmittel herangehen kann. In anderen Veranstaltungen waren die Themen nicht so eng verwandt, aber dennoch stets für die jeweilige Gruppe gemacht (hier das Programm in aller Vollständigkeit).


sitzung(Foto von mir)


Natürlich war es ‚erlaubt’ und sogar erwünscht, sich auch in Vorträge zu setzen, die einer anderen Stufe zugeordnet waren. Das habe ich auch gemacht, denn das vielfältige Programm hat einem die Entscheidung für das eine oder oder das andere nicht einfach gemacht. Ich habe Vorträge zu den Themen Internationalisierung in der Postdoc-Phase und Drittmittelakquise besucht, und erfahren, wie man eine Vorlesung lebendiger gestalten kann. Außerdem konnte ich einer sehr aufschlussreichen Diskussion zum Komplex der Berufungsverfahren auf Professuren mitverfolgen. Und noch mehr, was ich hier nicht im Detail aufzählen möchte – Langeweile kam nicht auf. Hitzig wurde es bei der abschließenden Podiumsdiskussion zum Thema ‚Arbeitsplatz Hochschule’; alle Teilnehmer – Professoren, Nachwuchs, und die Politik – waren sich einig, dass es noch reichlich zu tun gibt, vor allen Dingen was Befristungsdauer der Verträge und Zukunftsperspektiven angeht.

Neben all diesen Informationen habe ich außerdem alte Bekannte wiedergesehen, und viele neue Leute kennengelernt. Dazu gab es reichlich Gelegenheit, denn der Nachwuchstag war sehr gut besucht. Es haben rund 130 Teilnehmer zugehört, genetzwerkt, und dabei eine Menge Spaß gehabt. Ich bedanke mich beim Organisationsteam – die beiden Tage waren ein echtes Highlight. Nicht zu vergessen das ‚Science Dating’ am Donnerstagabend, bei dem man nicht nur mit Teilnehmern aus ähnlichen Themenfeldern zusammengeführt wurde, sondern das dazu noch vom äußerst renommierten Prof. Birnbaum des (fast) noch renommierteren Birnbaum-Instituts moderiert wurde.

Alles in allem kann ich jedem empfehlen, die Augen nach dem nächsten Termin in zwei Jahren aufzuhalten. All die Themen, die behandelt wurden, sind für und im akademischen Betrieb wichtig, und man kann sie sich im Falle eines Falles auch ein zweites Mal zu Gemüte führen. Gerade die Themen Publikationen und Drittmittel verlieren nie an Aktualität. Außerdem ist der Nachwuchstag nicht nur für reine Kommunikationswissenschaftler interessant, sondern für alle Sozialwissenschaftler (wie auch für mich, denn ich bin ja nunmal auch keine ‚echte’ Kommunikations-wissenschaftlerin).

Also, vielen Dank noch einmal an die Organisatorinnen und Organisatoren!

P.S. Auf Twitter war auch ein wenig los – unter dem Hashtag #nwt16 nachzulesen.


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