Neuer Artikel!: Weibliche Fußballfans unter sich (mit Zusammenfassung)

A5A9DC55-369A-4578-81E8-879189E6C488(Foto von mir)

 

Hurra, ein Herzensprojekt von mir hat endlich das (publizierte) Licht der Welt erblickt! Es handelt sich um einen Fachartikel mit dem Titel “The Footy Girls of Tumblr: How Women Found Their Niche in the Online Football Fandom”, erschienen in Communication & Sport. Ich habe den Artikel “open access” veröffentlicht, was bedeutet, dass er von allen mit einem Klick auf das Symbol kostenlos gelesen und heruntergeladen werden kann:pdf-icon_klein

… ja, das ist wunderbar, aber worum geht es denn überhaupt und geht das auch in kurz? Na klar!

 

Marginalisiert und ausgeschlossen: Kein Platz für weibliche Sportfans

Jede Frau, die sich an Sportdiskussionen beteiligt oder es nur versucht hat, wird es kennen: Männer nehmen den Beitrag nicht ernst, reißen die Unterhaltung an sich, stellen bekloppte Fragen, die weder Relevanz haben, noch von ihnen selber zu beantworten sind. Das ist nur die Spitze des Eisbergs, und viele Frauen wenden sich entnervt ab, wie auch (leicht) vereinfacht hier: „Ach, ich bin kein richtiger Fan, weil ich nicht weiß, wer 1964 am 3. Spieltag das zweite Tor gemacht hat? Ah, geht klar.“ Natürlich ist das nicht immer so, aber leider doch die Regel, offline wie online. Gerade online betreten Frauen ein Minenfeld: sie fühlen sich in Sport-Onlineforen nicht willkommen, und vermeiden es mitunter sogar, in solchen Foren ihr Geschlecht preiszugeben, um Anfeindungen zu entgehen. Alles kein guter Ausgangspunkt, wenn man eigentlich nur über den Lieblingssport diskutieren möchte.

Wo gehen die Frauen hin?: Tumblr bietet Abhilfe

Es ist daher kaum verwunderlich, dass sich Frauen ihre eigenen Nischen suchen, um ihrem Hobby zu frönen – und zwar zu ihren Regeln. Das lässt sich z.B. auf Blogs beobachten, auf denen sehr liebevoll über Tennis oder Frauen-Basketball berichtet wird. Aber auch auf Social Media bilden sich eigene Communities, in denen Frauen unter sich bleiben – wie auf Tumblr.

Tumblr, was ist Tumblr? Tumblr ist eine Social-Media-Plattform, die sehr visuell angelegt ist, und vor allen Dingen als „Fandom“-Plattform genutzt wird wird, d.h. für die Gemeinschaft von Fans zu einer Sache, egal ob es sich um Marvel oder TV-Serien oder etwas ganz Anderes handelt. In Form von Blogposts können Bilder und umfangreiche Texte gezeigt werden, die User können sich miteinander vernetzen, wie woanders auch – allerdings wird nicht nach dem Namen gefragt, sodass man anonym bleiben kann. Letzteres hat dazu beigetragen, dass Tumblr von marginalisierten Gruppen genutzt wird, und so auch von weiblichen Fußballfans. Die Fußball-Fangemeinde auf Tumblr ist nicht klein – an einer Umfrage zum Fußball-Fandom haben 2014 über 2.400 User teilgenommen – und, das ist das Spannende, fast vollständig weiblich.

Rein ins Fußball-Fandom: Interviews mit weiblichen Fans

Davon abgesehen, dass die Beiträge dieses Fandoms sehr unterhaltend sind und man wunderbar mit den Userinnen in eine Diskussion einsteigen kann, ist gerade der Aspekt der Weiblichkeit des Fandoms spannend. Die Userinnen scheinen sich auf der Plattform pudelwohl zu fühlen – Grund genug für mich, eine Interviewstudie durchzuführen, in der ich 14 weibliche Fußballfans zu ihrem Fandasein, ihren Interaktionen mit männlichen Fußballfans, ihren Aktivitäten auf Tumblr, ihren positiven und negativen Erlebnissen auf der Plattform, und zur Bedeutung von Tumblr für ihr Fanerleben befragt habe. Also, was habe ich rausgefunden?

Schalke 04 in Guatemala: Starke Verbindungen über die ganze Welt

Alle Userinnen haben deutlich gesagt, wie sehr sie die Interaktion mit anderen schätzen. Einige verdingen sich im „Liveblogging“, d.h. sie schauen Spiele im Stream oder im Fernsehen, und kommentieren diese zusammen mit anderen auf Tumblr. Und da geht es gut los:

Lena (27, aus Guatemala) 

„Wir posten vor allen Dingen Sachen wie ‚WAS! DER SCHRIRI IST BLIND DAS WAR KLAR ROT‘ oder ‚OMG DIESES TOR‘!“
[übersetzt]

Liveblogging bindet die Userinnen in den Spieltag ein – obwohl sie am anderen Ende der Welt sitzen, und noch nie ‚ihre‘ Mannschaft live im Stadion gesehen haben.

So ist Lena aus Guatemala ein großer Schalke 04-Fan – nichts geht für sie über diesen Verein. Aber sie ist nun einmal weit weg – und nutzt Tumblr, um mit anderen Schalke-Fans Kontakt aufzunehmen, da sie diese Zuhause nicht finden würde. Auch viele andere Userinnen haben diesen Aspekt angemerkt, denn so habe ich auch glühende FC Bayern-Fans in Mexiko und den USA interviewt. Es verwundert in diesem Kontext nicht, dass die gemeinsame Liebe zu deutschen Vereinen nicht nur zu dicken weltumspannenden Freundschaften führt, sondern auch dazu, dass einige Deutsch lernen, um die Berichterstattung über ihre Lieblinge besser verfolgen zu können.

Kreativität und Fandom-Vokabular: Eine andere Art der Kommunikation

Die Art der Kommunikation im Tumblr-Fußball-Fandom unterscheidet sich stark von anderen Online-Foren und anderen Social-Media-Plattformen. Die Interviewten geben an, dass sie ihr Fandasein auf vielfältige Weise ausleben – von Spieldiskussionen über Debatten über die Spieler bis zu Fanart und Fanfiction. Auch Fandom-Vokabular spielt eine Rolle – warum Mario Götze während seiner Zeit beim FC Bayern mit dem Spitznamen „Alvin“ versehen wurde, darüber darf jeder selbst rätseln (oder mich fragen).

Diese Art der Kommunikation schweißt zusammen, nicht nur, weil gemeinsam in mitunter langen Posts diskutiert wird oder selbstgestaltete Banner oder selbstgeschriebene Geschichten an andere Userinnen verschenkt werden. Einige Userinnen bieten einen regelrechten Service, indem sie z.B. Berichterstattung in andere Sprachen übersetzen, oder Pressekonferenzen zusammenfassen, und so andere Fans mit unter Umständen anderweitig kaum erreichbaren Informationen versorgen:

Anna (23, aus England)

„Ich genieße es, einen Blog aufzubauen, auf die die Leute kommen können, um sich über Arsenal zu unterhalten. Und auch, die Sachen zu zeigen, die ich gemacht habe, und hoffentlich ist das für andere nützlich und macht sie glücklich.“
[übersetzt]

Tumblr: Ein sicherer Ort für weibliche Fußballfans

Weitreichende Kreativität, Diskussionen über die Spieler – das sind Dinge, die im (männlichen) „Mainstream“-Fandom belächelt werden. So nehmen es die Userinnen wahr, weshalb sie Facebook und Twitter für Diskussionen meiden. Sie bleiben auf Tumblr unter sich – und genießen es, dass Männer in diesem Tumblr-Fandom nur sehr selten zu finden sind und sie frei ihre Meinung sagen können:

Carly (18, aus Mexiko)

„Ich glaube, dass Tumblr unser eigenes kleines Ding ist? Das Twitter [Fußball-] Fandom besteht größtenteils aus Männern, und hier können wir Frauen mit anderen reden, die uns besser verstehen.“
[übersetzt]

Einige Userinnen gehen noch weiter uns sagen, dass sie sich sonst nirgendwo, weder offline und online, über Fußball unterhalten können – zumindest nicht ungestört und ohne blöde Kommentare, die ihr Fandasein in Frage stellen. Natürlich werden auch auf Tumblr Club-Rivalitäten ausgelebt und es geht nicht immer freundlich zu, aber das verbuchen die Userinnen als normale Diskussion, an denen sie sich entweder beteiligen oder die sie ignorieren.

Das heißt, dass Tumblr ein sicherer Ort für weibliche Fußballfans ist, um sich über ihren Lieblingssport so zu unterhalten, wie sie es möchten. Oder, wie eine Userin es zusammenfasst:

Sandrina (27, aus Deutschland)

„Tumblr ist ein „separates Universum [abseits] vom ‚Mainstream-Fußballuniversum‘.“

– und das ist wunderbar.

Werbeanzeigen

New Journal Article on News Personalisation!

pfeile_klein(My photo)

Hooray, a new publication is out! The journal article, published in Journalism Practice, is titled „The Form of Content Personalisation at Mainstream, Transatlantic News Outlets: 2010–2016“, and considers the development of the personalisation of news delivery to recipients in a longitudinal perspective. Examples for news personalisation are push notifications, recommendations which relate to the content read, or specific regional editions of the news outlet. In our paper, my co-author Prof. Neil Thurman and I consider the trend towards news apps, the decline of RSS feeds, and the implications that a personalised news experience may have on the reader.

If you’re interested, read the article here.

Here’s the abstract:
In October 2016 the New York Times announced new content personalisation features for its websites and mobile apps, with the promise of “much more to come”. This article examines such developments via a quantitative content analysis of personalisation features at 15 major news outlets in the United Kingdom, the United States, and Germany and via interviews with senior editorial staff at some of those outlets. Both websites and mobile apps were studied, allowing comparisons to be made across platforms as well as geographically. Longitudinal comparisons were also made against an equivalent survey conducted in 2010. The results reveal significant changes over the last six years with, for example, rises in personalisation on mobile platforms, falls in the use of recommendations by friends, and convergence and commodification in content recommendation platforms. This study provides evidence to support continued debates on classical concerns such as selective exposure, but also raises new concerns about the effects of personalisation, including data protection and security issues.

Neuer Artikel: Der Robo-Journalismus mit seinen Tücken und Möglichkeiten – Was Journalisten denken

blogpost_automatjourn(Foto von mir – der kleine BB-8 gehört natürlich zum Star Wars-Universum)

 

Wie bereits freudig erzählt und im letzten Post zum Radiointerview mit SWR2 Impuls noch einmal erwähnt, ist ein neuer Artikel erschienen, in welchem ich mich zusammen mit meinen Kollegen Prof. Neil Thurman (Ludwig-Maximilians-Universität München) und Konstantin Dörr (Universität Zürich) mit automatisiertem Journalismus befasse. Wir haben dazu Journalisten von großen Medienhäusern, wie z.B. der BBC und Reuters, entsprechende Software ausprobieren lassen, und sie hinterher zu ihren Einschätzungen befragt. Hier eine kleine Zusammenfassung der Ergebnisse.

Der ganze Artikel – in englischer Sprache – lässt sich mit einem Klick auf das pdf-Symbol herunterladen:

pdf-icon_klein

 

Bevor es zu den Ergebnissen geht –  was ist automatisierter Journalismus bzw. „Robo-Journalismus“ überhaupt?

Mit automatisiertem Journalismus ist gemeint, dass mittels Software und Algorithmen Texte geschrieben werden, d.h. dass nicht jede Nachricht einzeln von einem Menschen getippt wird. Die dazu nötigen Informationen werden aus Datensätzen entnommen, und automatisch in einen Text umgewandelt – dieses Vorgehen bietet sich besonders dort an, wo mit vielen strukturiert aufbereiteten Zahlen gearbeitet wird, wie z.B. in der Finanzbranche, in der für die Unternehmen immer ähnliche Kennzahlen vorkommen. Wenn die Software richtig programmiert ist, wird z.B. ein Finanzbericht in Windeseile ohne weiteres Zutun eines Menschen auf dem Bildschirm ausgespuckt.

Prinzipiell lässt sich das Verfahren überall dort anwenden, wo Geschehnisse als möglichst detaillierte Datenpunkte erfasst werden können. So auch im Sport, wie im Fußball – denn Spieler, Anzahl der Tore, der gelben Karten, oder auch die Auswechslungen können einzeln erfasst und damit für die jeweilige Software brauchbar gemacht werden. Das wichtige ist, dass für alle gleichartigen Ereignisse – wie alle Fußballspiele am Wochenende – die Daten im selben Format erfasst werden. Nur so kann die Software die Daten verarbeiten.

Bloß, weil ein Computer beteiligt ist, heißt das nicht, dass der Journalist vollkommen überflüssig ist. Denn, damit das Ganze funktioniert, müssen die passenden Datensätze erst einmal ausfindig gemacht und dann in die Software eingespeist werden. Danach liegt es am Journalisten, eine Vorlage erstellen, in welche die Software schließlich für die Berichte die Daten einsetzt. Das heißt, der Journalist schreibt in der Software eine Art Lückentext, mit Platzhaltern für die Datenpunkte und mit verbindenden Halbsätzen und Worten. Dieser Lückentext kann sehr kompliziert werden, da die Software natürlich bei einer Niederlage einen anderen Text schreiben soll als bei einem Kantersieg, ebenso soll bei einem Gewinn einer Firma ein anderer Text stehen als bei Verlusten. Das Schreiben dieser Vorlage ist eine sehr mathematische Angelegenheit, in der „wenn-dann-sonst“-Fälle innerhalb der Programmierung aufgemacht werden, damit jeder Situation, die in den Daten vorkommt, Rechnung getragen werden kann.

Nur noch ein Klick, und wenn die Vorlage, also der Lückentext, korrekt erstellt wurde, hat man in Windeseile Berichte für jedes Fußballspiel vom letzten Wochenende vor sich. Oder Finanzberichte für nicht nur eine, sondern für vielleicht 50 Firmen auf einmal, je nachdem, was der vorher eingespeiste Datensatz hergibt.

Wie man sieht, ganz ohne den Journalisten geht es nicht, immerhin muss jemand vorher der Software sagen, was sie tun soll. Aber ist das getan, können in kürzester Zeit viel mehr Berichte verfasst werden, als es der Journalist ohne die Software jemals könnte.

 

Was haben wir in der Studie gemacht?

Wir haben wir mit britischen Journalisten einen Workshop abgehalten, in dem sie eine Software für automatisierte Berichterstattung kennenlernen und ausprobieren konnten. Uns war wichtig, dass die Journalisten die Software und den automatisierten Journalismus nicht nur vom Hörensagen her bewerten, sondern eigene, frische Erfahrungen gemacht haben. Also hatten sie nach dem Software-Training gut zwei Stunden Zeit, selbst zu probieren und eigene Artikel zu erstellen.

Direkt nach dem Workshop haben wir sie zur Handhabung der Software befragt; auf solche Weise mit dem Computer und mit Sprache umzugehen war den meisten fremd. Daran anschließend wollten wir wissen, wie sie die Qualität der Ergebnisse, d.h. ihrer selbst generierten Berichte, einschätzen, ebenso wie die journalistische Qualität und den Informationsgehalt. Ebenfalls hat uns interessiert, wie die Software in ihren Arbeitsalltag integriert werden könnte – oder eben auch nicht, gerade im Hinblick auf Einsparungen in der Branche. Schließlich haben wir sie gebeten, die Rolle der „menschlichen“ Journalisten in der Zukunft einschätzen – denn: ist der automatisierte Journalismus für sie eine Bedrohung, oder eröffnet er neue Möglichkeiten?

 

Was haben die Journalisten gesagt? Bestimmt viel Negatives?

Es gab, wie zu erwarten war, einige negative Einschätzungen. Erst einmal ging es damit los, dass einige der Journalisten die Software als wenig intuitiv beschrieben. Schwierigkeiten lagen darin, die mathematischen Formeln in einem „Wenn-dann-sonst“-System anzuwenden, die nötig sind, um für jede Situation einen anderen Text bereitzustellen. Das ist verständlich – immerhin war die Software neu für sie, und Formeln haben normalerweise wenig mit dem journalistischen Alltag zu tun. Dazu hat so einigen der befragten Journalisten die kreative Seite ihres Berufs gefehlt, das Spielen mit Sprache und Formulierungen

Neben diesen Startschwierigkeiten wurde angemerkt, dass die Gefahr bestünde, sich in den kleinteiligen Daten zu verlieren, und dabei die eigentliche Geschichte nicht mehr zu sehen. Um beim Fußball zu bleiben: als eindrückliches Beispiel hat einer der Journalisten angeführt, dass es manches Mal nur zu einem geringen Teil um das Geschehen auf dem Platz ginge, sondern viel mehr um das Drumherum – wenn z.B. das letzte Spiel in diesem Stadion stattfindet, bevor es abgerissen wird, oder es Krawalle unter den Fans gegeben hat.

Außerdem könne ein aus dem Lückentext entstandener Text recht blutarm wirken. Es werden nur die Daten verwendet, die vorliegen – Meinungen dazu oder weitere Informationen zum Thema kann das Programm nicht verarbeiten. An letzterem wird in einigen Softwareschmieden allerdings schon gearbeitet. Dennoch, gerade den Journalisten der Boulevardblätter war es wichtig zu betonen, dass die „menschliche Seite“ einer Geschichte oft wichtiger sei als die die nackten Zahlen.

 

Und wie sieht es mit positiven Einschätzungen aus?

Auch Positives gab es zu vermelden. So haben einige der Journalisten geschätzt, dass man diese automatisiert erstellten Texte als ersten Anlaufpunkt für eine weiterführende Geschichte benutzen könne. Exceltabellen und andere Datensätze seien mit ihren Zahlenkolonnen oft schwer zu lesen, und da könne es helfen, wenn diese Daten in ganzen, wenn auch im ersten Zugriff einfachen Sätzen dargestellt werden. So ließe sich nach Einschätzung einiger Journalisten leichter sehen, ob sich z.B. die Kriminalitätsrate im Vergleich zu anderen Regionen erhöht, oder ob das Unternehmen im Vergleich zum letzten Monat Verluste eingefahren hat. Ausgehend von diesen Zahlen könne dann der Hintergrund recherchiert werden. In diesem Falle dient die Software als Hilfe, um die Daten zu lesen, und nicht als Instrument, um Berichte zu schreiben und diese dann zu verwenden.

Allerdings kann auch ein sehr einfacher und kurzer Bericht schon an die Leser gebracht werden. Gerade die Journalisten der großen Nachrichtenagenturen sahen in der Technik eine Möglichkeit, erst einmal die Fakten und Zahlen in Form von ‚breaking news‘ an ihre Kunden zu senden, und dann eine Hintergrundanalyse zu einem späteren Zeitpunkt nachzuliefern.

Außerdem fanden die Journalisten, dass die Software eine gute Möglichkeit biete, über Dinge berichten zu können, die ansonsten keine Beachtung fänden. Solange die Daten vorhanden sind, kann die Software Berichte schreiben – wie z.B. zu den Baseballspielen der Kinder in der USA. Die Daten zum Spielgeschehen liegen vor, und kein Reporter muss sich am Spielfeldrand einfinden. Das bedeutet, dass auch sehr spezielle Themen Eingang in die regelmäßige Berichterstattung finden können, wenn die Vorlage in der Software einmal geschrieben und getestet wurde.

 

Was ist das Fazit dazu? Und wo ist der Haken an der Sache?

Der automatisierte Journalismus ist keine Zukunftsvision mehr. Die Software wird immer mächtiger und ausgefeilter, und nicht wenige Publikationen benutzen sie bereits in ihrer täglichen Arbeit, wie z.B. Forbes für Finanzberichte. Wie man damit umgeht, das ist nun die Frage.

Meine persönliche Einschätzung ist, dass sich die Software besonders dafür eignet, um zeitraubende und für Fehler anfällige Tätigkeiten zu unterstützen oder ganz zu ersetzen. Wenn z.B. Börsendaten zusammengefasst werden müssen, kann es allein beim Übertragen der Zahlen zu Fehlern kommen – die Software macht diese nicht. Natürlich immer vorausgesetzt, dass die Daten stimmen, und hier liegt der Haken: die Berichte sind nur so gut wie der Datensatz, der ihnen zugrunde liegt. Ist dort Falsches vermerkt, wird das in die Welt geschickt – und deshalb wird der Journalist nicht obsolet werden, allein schon, um als Prüfinstanz zu wirken. Daneben wird er andere Aufgaben übernehmen, weg von eben beschriebener Routine, und im besten Fall mehr Zeit dafür haben, sich mit den Hintergründen zu befassen und tiefer zu recherchieren.

Außerdem wird der automatisierte Journalismus zu dem Trend beitragen, dass Nachrichten und andere Inhalte immer weiter auf den einzelnen zugeschnitten werden. Die Baseballspiele der Kinder, die nur ein kleines Publikum haben dürften, machen dabei den Anfang. Aber prinzipiell ist es mithilfe der Software auch möglich, die lokale Berichterstattung zu unterstützen, indem z.B. Berichte auf einzelne Stadtteile oder sogar Straßenzüge angepasst werden. Gerade bei regional sehr begrenzten Phänomen kann das ein Vorteil sein.

Aber, das muss man dazu auch sagen, der „Robo-Journalismus“ kann die journalistische Spürnase mit dem ‚Da steckt mehr dahinter‘-Gefühl nicht ersetzen. Das heißt, dass zumindest vom heutigen Standpunkt aus von der automatisierten Berichterstattung keine Bedrohung für den Journalisten ausgeht – aber wie das in Zukunft sein wird, hängt von den Entwicklungen der Software ab und ist kaum vorherzusehen.

An den Podcast – ich war im Radio

robojournalismus_klein(Foto von mir)

 

Die neueste Studie, an der ich mitgewirkt habe, bekommt nicht wenig Aufmerksamkeit in den Medien – kein Wunder, geht es doch darum, wie Journalisten auf automatisiert erstellte Nachrichten und deren Möglichkeiten der Erstellung reagieren. Die Studie lässt sich hier in Gänze (auf Englisch) nachlesen.

Wem die gesamte Studie zu viel ist, dem ist im Folgenden geholfen: Die Radiosendung SWR2 Impuls hat mich gebeten, unsere Forschung und die allgemeinen Entwicklungen des automatisierten Journalismus zusammenzufassen. Angefangen natürlich damit, wie das alles überhaupt funktioniert, und abschließend mit einer Prognose für die Zukunft der Technik. Das habe ich heute gerne getan, und die 7:44 Minuten (wow!) kann man im Podcast nachhören.

Und zwar mit einem Klick auf das kleine Radio hier:

Circle-icons-radio

Ich wünsche ein paar spannende Minuten!

P.S. Ich werde die Studie, die dem ganzen zugrunde liegt, in einem Blogpost nochmal länger beschreiben – versprochen!

 

Icon von:
By Elegant Themes – http://www.elegantthemes.com/blog/freebie-of-the-week/beautiful-flat-icons-for-freehttp://archive.is/Uc2Ni, GPL, Link

Report & Event: Wie denken die Journalisten in Großbritannien über ihren Job?

journalists_klein(Foto von mir)


Kaum ist die eine Publikation raus, kommt gleich die nächste, und wieder kann ich nicht ohne Stolz berichten.

Aber von vorne: Das erste Projekt, das ich hier in München zusammen mit meinem Chef in Angriff genommen habe, war eine Journalistenbefragung. Und zwar nicht nur irgendeine – wir haben für die Worlds of Journalism Study, die in der gerade aktuellen Runde Journalisten in über 60 Ländern befragt hat, die britischen Journalisten unter die Lupe genommen. Die Fragen an die Journalisten waren vielfältig – von den Arbeitsbedingungen, zum eigenen Rollenverständnis, bis hin zu Ethik war alles dabei (wer sich den allgemeinen Fragebogen ansehen möchte, der in jeweils leicht abgewandelter Form für alle Länder benutzt wurde, kann das mit einem Klick hier tun). Unsere Befragung wurde online durchgeführt, und 700 Journalisten haben wir am Ende in unsere Auswertung hineingenommen.

Eine super Sache mit spannenden Ergebnissen – und daraus haben wir, Neil und ich, zusammen mit Alessio Cornia einen Report gemacht. Dort stellen wir unsere Ergebnisse im Detail vor, und schauen uns also genau an, wie der britische Journalist arbeitet. Der Report ist natürlich nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde dankenswerterweise vom Reuters Institute for the Study of Journalism der University of Oxford produziert und am Ende publiziert. Vielen Dank dafür! Also, hier ist der Report, für alle Interessierten frei verfügbar zum Download (und ein paar wichtige Ergebnisse in Kurzform für die Lesefaulen):

journalists_1_klein

Das allein wäre ja eine Neuigkeit genug, aber es geht noch weiter: am 9. Mai durften wir unseren Report der Öffentlichkeit präsentieren! Zusammen mit der City University London hat das Reuters Institute for the Study of Journalism ein Event mit dem klangvollen Namen „The British journalist in the digital age“ auf dem Campus der City University organisiert. Gut 200 Leute sind gekommen, um sich die Befunde anzuhören, einen gedruckten Report mitzunehmen, und viele Fragen zu stellen. Außerdem wurde der Report von einem Panel diskutiert, nämlich von Pete Clifton, dem Chefredakteur der Press Association, von Michelle Stanistreet, der Generalsekretärin der Journalisten-Gewerkschaft National Union of Journalists, und von Professor Suzanne Franks von der City University London, die sich als Autorin von ‘Women and Journalism’ einen Namen gemacht hat. Diese tollen Panelisten haben die Diskussion wunderbar eingeleitet, ein paar Ergebnisse kritisch bewertet, bis schließlich das Publikum seine Fragen an den Mann oder die Frau bringen durfte.  Ein toller Abend, an dem der Report sowohl während der Veranstaltung als auch auf Twitter große Wertschätzung erfahren hat. Es ist eine schöne Sache, wenn man seine Arbeit der Öffentlichkeit vorstellen darf, und diese damit auch noch etwas anzufangen wissen.

Ich habe im Übrigen auch fleißig getweetet – und war ziemlich überrascht dass folgender Tweet von mir die Runde gemacht hat:

Nun, der Befund, dass die Journalisten den (anderen?) Nachrichtenmedien nicht über den Weg trauen (und damit sich selber nicht?), hat wohl Anklang gefunden…

Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Projekt – und das ist übrigens bereits in vollem Gange. Denn die Fahrt nach London war nicht nur für die Präsentation gedacht, sondern auch für die Datenerhebung der nächsten Sache… aber dazu beizeiten mehr, wenn unsere Arbeiten weiter fortgeschritten sind.

Wie gesagt, hier in München am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung ist und bleibt es spannend!

__________________________________________________________________________________

Die Dissertation ist erschienen!

buecher_diss_klein(Photo von mir)


Hurra, hurra, gute Nachrichten – die überarbeitete Fassung meiner Dissertation erscheint nun als Buch. Da musste ich meine Freude einfach teilen!

Also, hier ist das gute Stück – vielleicht möchte ja jemand einen Anschaffungsvorschlag an die örtliche Bibliothek verfassen. ;)

diss-buchcover

Hier kurz zum Inhalt (Achtung: der Text ist auf Deutsch, aber das Buch ist in englischer Sprache geschrieben!):

Die Mitglieder des Europäischen Parlaments werden von Wählern und Medien oft ignoriert. Die Arbeit der Abgeordneten wird als fern vom Bürger wahrgenommen, als ein weiterer intransparenter Teil der Europäischen Union. Ebenso fern scheint die nationale Ebene, welche die Europaabgeordneten für ihre Arbeit und weitere politische Karriere allerdings im Blick behalten müssen. Mit Onlinekommunikation auf persönlichen Webseiten kann diesen Problematiken begegnet werden, denn so ist eine ausführliche Darstellung der eigenen Arbeit möglich.

Die Studie untersucht die Webseiten von Europaabgeordneten mit einer quantitativen Inhaltsanalyse, wobei die Themenfelder Information, Transparenz und Repräsentation im Fokus stehen.

Dabei wird der Vergleich mit nationalen Abgeordneten angesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Unterschiede zwischen den politischen Ebenen sowie nationale und ideologische Faktoren Einfluss darauf haben, wie sich Parlamentarier online präsentieren.

… das ist übrigens nicht die einzige Publikation, von der ich in nächster Zeit berichten werde. Wie heißt es doch so schön: wenn es einmal läuft…

__________________________________________________________________________________

Eine Rezension ist erschienen… und eine weitere ist auf dem Weg

bib_anna(Foto von mir)


Ich habe folgenden Sammelband rezensiert: „Social-Media-Kommunikation nationaler Regierungen in Europa. Theoretische Grundlagen und vergleichende Länderanalysen”, herausgegeben von Holger Sievert und Astrid Nelke, erschienen im Springer VS Verlag. Erschienen ist die Rezension in der aktuellen Ausgabe der „Medien und Kommunikationswissenschaft“.

Wer sich für ein noch immer neues Thema der Onlinekommunikation interessiert, ist mit diesem Sammelband gut beraten. Das Besondere ist, dass er aus einem studentischen Lehrprojekt der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation Berlin hervorgegangen ist, was mein Dozentenherz besonders hochschlagen lässt. Mehr zu meiner Einschätzung aber in meiner Rezension, die hier zu finden ist.

P.S. Die nächste Rezension für Medien und Kommunikation ist auch schon abgeschickt – diesmal zur hervorragenden Dissertation von Matthias Brändli, „Die Online-Kommunikation von politischen Interessengruppen in der Schweiz. Bedeutung, Einsatz und Veränderungen der Organisationsstrukturen.“ (erschienen im Herbert von Halem Verlag). Ich will nicht zuviel verraten, aber mit Onlinekommunikation und Interessengruppen kann man mich immer locken, und wenn dann auch noch die Schweiz der Fall ist, umso mehr. Aber mehr in einer der kommenden Ausgaben von Medien und Kommunikation!

___________________________________________________________________________