Einfach mal Freude teilen – Artikel angenommen!

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(Ein „Daumen hoch“-Foto von mir – zählt das schon als Eigenlob?)

 

Wie die Überschrift schon sagt, möchte ich einfach ein bisschen meiner Freude teilen – heute wurde ein Artikel, an dem ich mitgewirkt habe, zur Publikation angenommen! Immer ein Grund, einen kleinen Luftsprung zu machen.

Der Titel lautet „WHEN REPORTERS GET HANDS-ON WITH ROBO-WRITING: Professionals consider automated journalism’s capabilities and consequences“, und wird in Digital Journalism erscheinen. Der Artikel ist eine gemeinsame Arbeit mit Prof. Neil Thurman und Konstantin Dörr. Sobald der Artikel online gegangen ist, werde ich den Link hier posten.

… aber halt, worum geht es eigentlich?
Wie aus dem Titel hervorgeht, haben wir uns mit „robo-writing“ beschäftigt, d.h. mit Software, die nach ein paar Einstellungen in einer Datenmaske und einer angedockten Datenquelle automatisiert Texte ausspuckt. In unserem Fall geht es um derartig erstellte Nachrichten, z.B. aus der Finanzwelt oder Sportergebnisse. Diese neuartige Software findet bereits in einigen großen Medienunternehmen Verwendung, und so lässt z.B. Forbes Finanzberichte so in die Welt schicken. Es war also dringend an der Zeit, die „Leidtragenden“ zu dieser Entwicklung zu befragen – das sind, na klar, die Journalisten. Und das haben wir getan. Wir haben in London einen Workshop gegeben, und ausgewählte Journalisten in solche Software eingeführt. Danach durften sie selbst ran, und ihre Textchen entwerfen, alles im Gegenzug für ein ausführliches Interview zu Ihren Erfahrungen.
Und was rausgekommen ist…?
Ha!
Aber ich möchte mal nicht so sein – neben einiger Kritik an den Grenzen der Software (sie kann eben (noch) nicht alles, z.B. zu den Daten keine Hintergründe oder andere Ereignisse mit einbeziehen) gab es auch positive Stimmen. Gerade sehr strukturierte Nachrichten, wie die oben bereits erwähnten Finanzberichte, könnten so geschrieben werden, und die Journalisten hätten ihrerseits dann mehr Zeit für Hintergrundrecherche.

Soviel zur Freude – ich freue mich darauf, wenn der Artikel schließlich „richtig“ veröffentlicht ist!

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Tag der offenen Tür im Bayerischen Landtag

plenarsaal(Blick in den Plenarsaal – Foto von mir)

 

Ich war mal wieder unterwegs – diesmal allerdings nur eine kurze U-Bahnfahrt entfernt, ich bin in München geblieben. Aus gutem Grund, denn: der Bayerische Landtag hat am 26. November seine Pforten geöffnet (und nicht nur der, auch im Bayerischen Verfassungsgerichtshof und der Bayerische Staatskanzlei konnte man hinter die Kulissen blicken). Grund genug, eine kleine politikwissenschaftliche Exkursion zu unternehmen, und zu schauen, wie denn hier in Bayern mit dem Bürger kommuniziert wird, und das auf ganz klassische Weise bei einem Tag der offenen Tür.

Das Programm war dicht gepackt, mit Vorträgen von Abgeordneten und Parlaments- bzw. Fraktionsmitarbeitern. Die Themen waren bunt gemischt, sodass zu vielen Gebieten über den Tag verteilt etwas dabei war. Auch der Bayerische Rundfunk hat sich vorgestellt, ebenso wie die Landtagsstenographen und das Besucherbüro selbst mit ihren vielen Broschüren. Nicht nur das – der Vortrag im Plenarsaal wurde von Gebärdensprach- und Schriftdolmetschern begleitet, somit eine Gruppe eingeschlossen, die bei solchen Veranstaltungen oft zu kurz kommt.

Das ist alles schön und gut – aber wofür ist so ein Tag der offenen Tür eigentlich da? Für die Informationsvermittlung? Oder dafür, den Bürger tatsächlich zum Dialog einzuladen? Dabei stellt sich wie so häufig bei solchen Veranstaltungen die Frage, wieviel Dialog mit dem Bürger bzw. zwischen Bürger und Politik(ern) tatsächlich zustande kommt. Obwohl in einer Veranstaltung wortreich darum gebeten, langte die Zeit am Ende nur für zwei Fragen, die nur kurz beantwortet werden konnten. Da kann von Dialog keine Rede sein. Auch, ob eine Autogrammstunde (siehe Foto) das Mittel der Wahl ist, darüber lässt sich streiten.

 

autogrammstunde.jpg(Wegweiser zur Autogrammstunde – Foto von mir)

 

Was sich aber festhalten lässt, ist, dass der Landtag gut besucht war – die Pressestelle spricht von gut 7.500 Besuchern. Schon gegen Mittag bildeten sich Schlangen vor dem Einlass, und wer die Veranstaltung im Plenarsaal besuchen wollte, musste eine ganze Weile anstehen. Ob es jetzt daran lag, dass es zuhauf Taschen, Kulis und Kekse gab, das kann man sich durchaus fragen. Aber nicht nur die Goodies sind gut weggegangen, auch die Prospekte mussten immer wieder nachgefüllt werden, wie ich besonders bei den Ständen des Landtags selbst beobachten konnte. Von daher sage ich, dass so ein Tag der Offenen Tür dennoch eine wichtige und hier auch gelungene Veranstaltung ist. Wann sonst kann man sich ohne größeren Aufwand die Räumlichkeiten anschauen? Neben dem Plenarsaal und den angrenzenden Räumen hatten auch die Fraktionen ihre Stände, wo die jeweiligen Forderungen und Erfolge vorgestellt wurden. Also, der Informationsgehalt war durchaus gegeben, und der kleine Berg Prospekte, der bei mir auf dem Esstisch liegt, zeugt auch davon. Aber nicht nur Papier wurde den Leuten in die Hand gedrückt, überall standen Mitarbeiter von Landtag und Fraktionen bereit, Fragen zu beantworten oder weiterzuhelfen. Keine ‚Station’ wurde allein für sich stehen gelassen, was für die Informationsvermittlung spricht.

Also, die Kritik lässt sich durchaus anlegen, aber dennoch sind solche Veranstaltungen unerlässlich. Denn Politik ist und bleibt abstrakt, egal, wieviele Schaubilder gemalt werden. Richtig erfahrbar wird sie erst, wenn man nah dran ist, und vielleicht sogar auf einem der Stühle im Plenarsaal Platz nimmt. Die Erfahrung kann als Einstieg für die Information dienen – das bleibt dem Bürger, zusammen mit den neuen Kulis natürlich, mehr in Erinnerung als ein Text aus einem Schulbuch.

 

ausblick.jpg(Und wenn’s doch nicht so spannend war, ließ sich wenigstens der Ausblick genießen
– Foto von mir)

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Leinen los, Großbritannien?!

pub_klein(Foto von mir – mal was Schönes in diesem Artikel)

 

Im Oktober 2011 habe ich die Überschrift „Leinen los“ für einen Artikel noch mit einem Fragezeichen benutzt, und deutlich gesagt, dass ich Großbritannien nicht als ein Land sehe, dass die EU verlassen sollte – oder wird. Damals ein Randthema, das ich aus meiner persönlichen Liebhaberei heraus bearbeitet habe, und von dem ich damals nicht dachte, dass es eine ernsthafte Diskussion darüber geben würde.

Haha. The joke’s on me, wie man auf der Insel so schön sagt.

Das Wochenende ist vorbei, der Montag auch – und noch immer geht es mir nicht besser. Nein, ich bin nicht krank, es tut nur ein bisschen im Herzen weh, nämlich genau dort, wo Großbritannien einen festen Platz hat. Ich habe dort studiert, war während meiner Promotion dort, und lasse auch sonst keine Gelegenheit aus, in ein Flugzeug nach London zu steigen und mir in der Tube während der Fahrt in die Innenstadt „this is a Piccadilly line service to Cockfosters“ eine Stunde lang immer und immer wieder anzuhören.

Und nun der Brexit. 48 % stimmten für den Verbleib in der EU, 52 % dagegen, die Medien rappeln, die britischen Parteien zerlegen sich, nichts steht mehr still. Man könnte fast jemanden dafür anstellen, die Liveblogs der großen Tageszeitungen zu verfolgen und die neuesten Informationen und Gerüchte zusammenzutragen.

Aber eine aussagekräftige Antwort auf das ‚warum‘ und das ‚wie‘ hat mir noch keiner geliefert. Sie hätten ja gar nicht gewusst, was dann passiert. Oder sie bereuen es, ihr Kreuzchen bei ‚leave‘ gemacht zu haben. Oder, ganz anders, endlich ist die richtige Entscheidung gefallen, sie war längst überfällig. Jung gegen alt, London, Schottland und Nordirland gegen den Rest. Aber wie auch immer, jetzt ist das Ergebnis da, und jegliche Fragerei müßig. Das Ergebnis ist knapp, aber ein Quorum hatte man nicht festgelegt.

Und jetzt?

David Cameron ist als Premierminister zurückgetreten, und hat sich damit aus der Verantwortung gestohlen. Egal, wer jetzt kommt – derjenige, der den Artikel 50 zum Verlassen in der Europäischen Union in Gang setzen muss, der hat den Schwarzen Peter. Auf Seiten von Labour sieht es auch nicht gut aus, die Führungsriege der Labour Partei ist, bis auf Jeremy Corbyn, fast geschlossen zurückgetreten. Und Boris Johnson? Der hat es sich komplett verbaut. Erst auf ‚leave‘ hin kandidieren, und dann keine Lösungen anbieten, so funktioniert Politik nun einmal nicht. Den Leuten, die für den Austritt gestimmt haben, wurde bei einem Austritt Sicherheit versprochen – und jetzt ist das Pfund auf einem Rekordtief, und niemand weiß, wie es weitergeht. Und sie werden hingehalten, es gäbe keine Eile, den Prozess in Gang zu setzen. Außerdem würde man ja den Binnenmarkt behalten und sowieso alles, was ja doch irgendwie ganz gut war.

Aha. Von einer Populismuskampagne in die nächste. Aber ob die EU das mitmacht? Angela Merkel hat heute schon gesagt, dass es keine Rosinenpickerei geben wird, ebenso wie der italienische Premierminister Matteo Renzi. Aber Nigel Farage, der Vorsitzende der UK Independence Party, tutet jetzt auch in dieses Horn, und wirft den Abgeordneten des Europäischen Parlaments, seinen Kollegen (!), auch noch vor, sie hätten nie richtig gearbeitet (das Video lohnt sich, deswegen habe ich es extra verlinkt.)

Was geht nur vor?

Ich versuche für mich, die ganze Sache analytisch zu sehen. Für mich als Politikwissenschaftlerin, die sich mit politischer Kommunikation beschäftigt, ist das ein Wissenschafts-Weihnachten. Für mich als Politikwissenschaftlerin, die gerne eines Tages wieder zurück nach England gezogen hätte, um dort zu lehren und zu forschen, bedeutet das nichts weiter als Sorge und den Herzschmerz, den ich bereits erwähnt habe. Was wird aus den Arbeitsplätzen, wenn man ein Visum beantragen muss? Was aus den internationalen Forschungsprojekten? Und natürlich – was wird aus den Studierenden, die nach England zum studieren gehen woll(t)en?

Ja, ich schreibe England, weil ja noch viel mehr im Gange ist – was machen die Schotten und die Nordiren? Diese beiden Regionen haben für das Bleiben gestimmt, und sehen sich nun übergangen. Was passiert dort? Werden sich die Schotten doch abspalten?

So viele Fragen, kaum Antworten. Es wird nur bleiben, die Medien weiter zu verfolgen, und die nächsten Wochen und Monate abzuwarten. Ich hoffe nur, dass sich einige der Fragen klären – Vieles habe ich hier gar nicht angeschnitten, aber die Folgen, die allein das Referendum bisher schon hatte, sind kaum mehr im Detail zu überschauen.

Ich könnte jetzt ein paar Meinungen raushauen, aber das werde ich nicht tun. Ich kann nur sagen, dass es bald Gewissheit braucht. Entweder das Referendum wird vom Parlament ignoriert – das ist möglich – und es gibt keinen Brexit. Oder der berühmte Artikel 50 wird benutzt, um den Austritt in Gang zu setzen. Aber die Sache ewig zu verzögern, und damit die Handelspartner, die EU, und nicht zuletzt die eigenen Bürger im Dunkeln zu lassen, das halte ich für verwerflich. Eine Entscheidung muss getroffen werden, in welche Richtung auch immer. Das politische Porzellan ist zerschlagen, zwischen der EU und Großbritannien, zwischen den Parteien im Land, zwischen den britischen Bürgern und der Politik. Egal, was passiert, es muss eine Menge wieder aufgebaut werden, nicht zuletzt das Vertrauen in die britische Regierung.

Ansonsten lässt sich nicht mehr sagen – die Möglichkeit, aus der EU austreten zu können, kam erst vor einigen Jahren mit einer EU-Vertragsänderung. Wie das genau vonstattengehen soll, und dann auch noch bei einem Land, das seit über vierzig Jahren Mitglied in der Gemeinschaft ist, das weiß niemand, und es wäre unseriös, darüber zu spekulieren.

Also, ich werde mit meiner wissenschaftlichen Brille auf die Dinge schauen, so ist es einigermaßen zu ertragen. Mal schauen, was passiert – und in jedem Fall ein Beweis dafür, dass Politik nicht langweilig ist.
Wenigstens das.

Und jetzt krieg‘ dich mal wieder an, mein liebstes Problemkind Großbritannien.

 

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[GER & ENG] Plagiate und Co. – Zeit, mal wieder etwas dazu zu sagen

IMG_3405(Foto von mir)


Liebe Leser,

heute muss ich ein wenig schummeln – es gibt eine Verlinkung auf einen alten Post. Der noch immer sehr relevant ist, aber dazu gleich mehr. Warum eine Verlinkung? Ich war eine Weile krank, vergraben und Decken auf dem Sofa und mit literweise heißem Tee bewaffnet – und dementsprechend nicht in der Lage, mich eingehend mit dem Blog zu beschäftigen.

Aber das macht nichts – denn ein Thema ist wieder aufgetaucht, zu dem ich bereits etwa geschrieben habe. Die Überschrift verrät es bereits, es geht um Doktorarbeits-Plagiate. Nun hat es Ursula von der Leyen erwischt, wie allerorten zu lesen. Meine Meinung zu dem grundsätzlichen Thema hat sich nicht geändert, weshalb ich hier auf meinen Post aus dem Jahre 2013 verweise. Manches wird eben nicht alt.

Bitte einmal auf die Flagge klicken, um zum Post zu kommen:

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Dear readers,

this post today may feel a bit like cheating since I’m linking to an old blog post of mine. However, it’s still quite relevant, but more about that in a minute. Why am I doing this? Well, I was sick for a while, hidden behind piles of duvets and I had liters of hot tea nearby – and thus I was not able to write something new for the blog.

But nevermind – an old topic made a reappearance, and that is plagiarism in PhD theses. This time, it’s German politician Ursula von der Leyen who is being looked at, one can easily follow this in the press. My opinion on the wider topic didn’t change, and thus I’m linking to a post I wrote in 2013. Some things never get old.

Please click on the flag to get to the blog post:

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Abgeordnete und ihre Webseiten – (k)eine Liebesgeschichte

becher_klein(Foto von mir – aufgenommen übrigens auf der GOR15)

 

Was ist passiert?

Wie so einige wissen, habe ich in meiner Dissertation Abgeordnetenwebseiten erforscht. Genauer gesagt, habe ich die Webseiten der deutschen, österreichischen, britischen und irischen Mitglieder des Europäischen Parlaments und der jeweiligen nationalen Abgeordneten analysiert. Dabei habe ich eine Menge gemacht, und mir zum Beispiel angesehen, welche Informations- und Transparenzinhalte gezeigt werden, wie es mit Symbolen für die europäische oder die nationale Ebene aussieht, und ob es Unterschiede zwischen den untersuchten Ländern und politischen Ebenen gibt. Diese Unterschiede gab es zuhauf* – aber das soll jetzt hier nicht das Thema sein (wer trotzdem etwas darüber lesen möchte, der kann das hier über länderübergreifende Ergebnisse und hier zu den deutschen Mitgliedern des Europäischen Parlaments tun).

Was gibt’s dazu zu sagen?

Aber da war noch was – ich habe mir nicht abgesehen, wie häufig die Webseiten tatsächlich geupdatet werden. Aber das ist besonders für die tägliche Arbeit und die Interaktion mit dem Bürger wichtig, gerade als eine einfache Möglichkeit der Informationsvermittlung und Kontaktaufnahme. Also, wie häufig gibt es Neues zu sehen? Das haben sich Martin Fuchs (der Hamburger Wahlbeobachter; hier der Link zum Blogpost) für die Webseiten der Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft (hier auch ein Artikel darüber in der WELT) und Patrick Liesener (Bezirksverordneter von Tempelhof-Schöneberg in Berlin) für das Berliner Abgeordnetenhaus angesehen. Dabei haben sie so Spannendes herausgefunden, dass ich es einfach vorstellen muss.

Für Hamburg lässt sich sagen, dass nicht alle Abgeordneten der Bürgerschaft eine Webseite pflegen. Die Zahlen sind sogar recht hoch – so haben 35 von 121 Abgeordneten keine derartige Onlinepräsenz (genauere Zahlen im Blogpost von Martin Fuchs). Wie aktuell sind also die Webseiten von denen, die eine haben? Wenn man den Zeitraum von drei Monaten als aktuell nimmt (was meiner Meinung nach großzügig ausgelegt ist), dann haben nur 40,5 % der Abgeordneten eine aktuelle Webseite. Die Variation über die Parteien ist groß, und die FDP schließt mit 88,9 % am besten ab, sodass nur eine Webseite von neun nicht aktuell ist. Dennoch: das sind Zahlen, die erschrecken.

Wie schaut es in Berlin aus? Patrick Liesener (übrigens mit Webseite) hat das überprüft. Die Zahlen und somit die Befunde ähneln sich. Von den 149 Abgeordneten haben 19 keine Webseite. Bei der Aktualität schneidet sie SPD mit 83 % am besten ab, während die Piraten mit 27 % am unteren Ende der Skala zu finden sind (hier die vollständige Tabelle). Ich könnte mich dazu verleitet fühlen, aus dem Hashtag für das Abgeordnetenhaus #agh ein #argh machen.

Und nun?

Also, was sagt uns das? Man kann noch so viel auf Social Media hinweisen und bei der Erwähnung von Webseiten gähnen wie man will, sie sind ein vorherrschendes Medium. Ganz und gar nicht aus der Mode – aber sie werden in einer Vielzahl der Fälle kaum geupdatet. Das ist ein Problem, denn es mindert den Informationsfluss vom Abgeordneten zum Bürger und u.U. zu Kollegen. Die Webseite ist an sich eine praktische Sache: sie ist für alle mit Internetanschluss verfügbar, schließt anders als ein Bürgerbüro nicht am Abend und am Wochenende seine Tore, kann immer aktuell gehalten werden (!) – so die Theorie. Warum sie dann nicht so genutzt wird? Nun, das wäre vielleicht ein Thema für meinen Post-Doc… allein schon, um herauszufinden, wie das auf Bundesebene und europäischer Ebene aussieht.

Jetzt aber noch ein Dank an Martin Fuchs und Patrick Liesner für die Arbeit, die die beiden sich gemacht haben – das freut das Forscherherz!

 

* Ich erlaube mir an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die Monographie dazu in Arbeit ist – und dass bald ein Artikel in der Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft erscheint. Nur Geduld! :)

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Wenn die Politik wie der Sport wäre…

sportklein(Foto von mir)


Die Medien sind voll davon: die FIFA sei eine Mafia, Sepp Blatter korrupt – die Vorwürfe sind nicht neu, aber die Intensität der Berichterstattung nimmt über die Tage eher zu als ab. Warum regt dieser Fall eigentlich so auf, der eigentlich nur einen Nischenverband betrifft? Man kann ohne Umschweife festzustellen, dass Sport kein Randphänomen ist, und Fußball erst recht nicht. Jeder scheint eine Meinung zu Sportarten und deren Mannschaften, Tabellenplätzen und Spielständen zu haben, und das nicht nur während der großen Turniere. Die Titelseiten der Zeitungen sind voll davon, ob nun eben zu Sepp Blatter oder dem Abstiegskampf der in der Fußball-Bundesliga in den letzten Wochen. Die Aufregung ist groß – und die Politik muss sich unterordnen, muss mit den darauffolgenden Zeitungsseiten vorlieb nehmen.

Aber warum ist Sport so prominent – und Politik nicht? Hierzu ein paar Gedanken:

Sport verbindet über alle Grenzen hinweg – nur das (lokale) Team zählt

Der Sportverein, ob nun lokal angesiedelt oder nicht, bietet eine vorgefertigte Identität, einen Zusammenhalt, der alle Mitglieder und Fans umfasst. Hierbei fallen Unterschiede nicht ins Gewicht, auch die Gesellschaftsschicht und die Religion, solange nur das „richtige“ Team unterstützt wird. Hierbei müssen die Nationalmannschaften im ersten Zugriff ausgenommen werden. Gerade bei den großen Turnieren wie der Weltmeisterschaft und der Europameisterschaft kommt es zu einer Art weichem Nationalismus, der auch in Deutschland spätestens seit der Weltmeisterschaft 2006 weitgehend anerkannt wird. Aber auch hier ist zu beobachten, wie während eines Turniers und darüber hinaus nicht nur die eigene Nationalmannschaft unterstützt wird, sondern auch fremde Mannschaften. In diesem Phänomen zeigt sich, dass die Wahl eines favorisierten Teams durchaus über der nationalen Zugehörigkeit stehen kann. Gerade bei großer Popularität kann dies der Fall sein – wie bei der deutschen Fußballnationalmannschaft nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014. Verbinden Parteien über soziale und religiöse Grenzen hinweg? Trotz aller Versuche, vor allen von den großen Parteien, gibt es gerade dort noch viele Grenzen, die von den Parteien nicht überwunden werden. Im Gegenteil, wenn Parteien sich nur auf eine Religion oder ähnliches beziehen. Inhaltliche Abgrenzungen sollen natürlich sein und sind auch nötig, aber hier geht es um das Potential, Zusammenhalt über die Programmpunkte hinweg zu schaffen. Das führt zum nächsten Punkt:

Sportliche Verbindungen halten über Generationen

Die Prozesse könnten im Sport und in der Politik ähnlich sein: Man wird in eine Familie hineingeboren, die seit Jahren oder bereits Generationen einen bestimmten Sportverein oder eine bestimmte Partei unterstützt. Das Kind wächst in diese Verbindung hinein, und verinnerlicht diese Identität ebenfalls. Oder – das wäre dann das, mit einem Augenwinkern gemeinte, schwarze Schaf der Familie – das Kind sympathisiert für einen anderen Verein oder eine Partei, vielleicht sogar für die Rivalen. Diese Prozesse sind im Sport noch heute so – aber verhält es sich mit politischen Verbindungen? Diese Prozesse waren noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts auch im Zuge von politischen Verbindungen zu sehen, sodass eine Familie bzw. das soziale Umfeld häufig an der Wahlurne ihr Kreuz an der gleichen Stelle machte, und sich so auch politisch einordnete. Dieses Phänomen ist seit den 70ern und 80er Jahren in Auflösung begriffen. Das Wechselwählertum ist zur Normalität geworden, und Parteien werden in Wahlen immer häufiger anhand einzelner Programmpunkte bewertet, und nicht in der Gesamtschau als Vertretung von bestimmten Werten. Der Wechsel der bevorzugten Partei von Wahl zu Wahl ist nicht selten. Mit dem Lieblingsverein passiert so etwas in der Regel nicht.

Wenn Politik also wie Sport wäre…?

Ist Sport nun spannender als Politik? Beständiger? Sogar wichtiger? Nein, ist er nicht – aber die Politik verliert in der Medienberichterstattung gegen den Sport, und somit in der öffentlichen Wahrnehmung. Wichtig ist, dass gerade der Fußball und andere große Sportarten eine Inszenierung in den Medien erfahren. Jede Tageszeitung hat einen nicht kleinen Sportteil, und Interviews mit den „Helden“ – egal ob nun aus der höchsten Spielklasse oder der Region – sind an der Tagesordnung. Was ist aber mit der Politik? Mit der Regierung, dem Parlament, den Abgeordneten, nicht nur auf Bundesebene, sondern auch im Lokalen?

Um es kurz zu machen: wenn Politik wie Sport wäre, dann hätte sie eine Menge ihrer akuten Probleme nicht. Sie wäre in aller Munde, würde in den Medien große Beachtung finden, und ihre Köpfe wären überall bekannt – allein schon, weil Pressekonferenzen von einer großen Anzahl Leute verfolgt werden würden. Diskussionen würden nicht nur in Gemeindesälen, sondern allerorten und ohne Unterlass stattfinden. Die allseits attestierte Politikverdrossenheit wäre dann wohl kein Thema mehr.

Aber da ist noch etwas anderes, das es zu beachten gilt: wäre sie Politik wie der Sport, dann gäbe es keine Bewegung im Parteiensystem, und neue Strömungen würden es schwer haben, Aufmerksamkeit zu bekommen. Auch mit einer Verflachung der politischen Inhalte wäre wohl zu rechnen. Außerdem sind die Gegebenheiten im Sport nicht immer positiv. Aus gemeinsamer Identität kann eine Feindschaft gegenüber anderen entstehen, die sich nicht mehr friedlich und eben sportlich äußert; Beispiele hierfür gibt es genug.

Eins ist aber sicher: dass man über Politik nicht so viel berichten kann wie über Sport, das ist nicht wahr. Auch nicht, dass es uninteressant wäre, über andauernde Prozesse, wie ein Gesetzgebungsverfahren, zu berichten – immerhin schaffen es die Sportjournalisten, immer etwas zu schreiben, ohne dass in vielen Fällen etwas Bahnbrechendes passiert wäre. Jeden Tag, sogar in den Spielpausen. Und das wird gelesen, gesehen, und gehört.

Ich bin ja immer eine große Verfechterin der politischen Öffentlichkeitsarbeit auf allen Kanälen – aber dass sie nicht so werden kann wie die Sportberichterstattung, das ist klar. Die politischen Inhalte sind anders, vor allen Dingen nur selten emotionalisierend. Aber sie haben das Potential dazu, (wieder) über alle Schichten und Zusammenhänge hinweg identitätsstiftend zu wirken. Der Schlüssel dazu ist meiner Meinung nach eine gute Öffentlichkeitsarbeit, nicht nur vom Bund ausgehend, sondern auch in den Kommunen. Politik ist mehr als nur der Bundestag, so wie Sport mehr als nur die höchste Spielklasse ist. Politische Identität fängt auf der lokalen Ebene an, wo die Entscheidungen des Gemeinderats oft direkten Bezug auf das tägliche Leben haben, und wenn es sich nur darin äußert, welche Buslinien durch welche Straßen fahren. Hier gilt es, anzusetzen – und dann für die Politik auf Landes- und Bundesebene zu begeistern. Es ist zwar interessant zu wissen, welche Transfers von einem Verein zum anderes es geben soll – aber was berührt mehr als die Politik unseres Landes? Eben.



Bonus

Dazu habe ich übrigens noch einen Tipp für ein großartiges Buch, das sich mit dem Thema Sport und Politik auseinandersetzt. Reinlesen lohnt sich!:
Markovits, Andrei S./Rensmann, Lars (2007): Querpass. Sport und Politik in Europa und den USA. Göttingen: Verlag Die Werkstatt.

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Europawahl 2014: Heute wählen gehen!

epwahl(Foto von mir; Parlamentarium in Brüssel)


Noch ist Zeit, und es gibt viele gute Gründe, und das ganz unabhängig von der Partei, für die das Kreuzchen gemacht wird.

1) Sein Recht auf Mitbestimmung nutzen!

Ganz allgemein, aber dennoch wichtig. Eine Wahl ist immer eine Chance, etwas zu verändern – oder etwas zu lassen, wie es eben ist. Aber die eigene Stimme zu verschwenden, das bringt gar nichts, und ist auch kein Protest. Wer verändern will, wählt die Partei, die ihn oder sie am meisten anspricht, und bleibt nicht einfach zu Hause. Auch „ich weiß aber nichts über die Parteien“ ist keine Ausrede. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich zu informieren, nicht zuletzt mit dem Wahl-O-Maten, der die Wahl-Entscheidung erleichtern kann. Das Internet ist voll von Entscheidungshilfen, und die eine oder andere Tageszeitung hat sich in den letzten Wochen zum Thema Europaberichterstattung auch nicht lumpen lassen.

2) Das Europäische Parlament ist das einzige direkt gewählte EU-Organ!

… das ist doch ein guter Grund, zur Wahl zu gehen, nicht wahr? Wenn die Europäische Union wirklich so ein Bürokratiemonster sein sollte, ist hier der einzige Ansatzpunkt, um etwas zu verändern. Das Europäische Parlament ist die Anlaufstelle für die Bürger, immerhin sind die Abgeordneten direkt gewählt. Diese sind es auch, die angeschrieben werden können, oder die zu Veranstaltungen in ihren Regionen kommen. Nein, die Abgeordneten verschwinden nicht nur in Brüssel und Straßburg, sie sind auch vor Ort. Augen auf! Die anderen Gremien, wie die Kommission, werden alle anderweitig bestimmt. Das Europäische Parlament aber nicht, und daher ist es eine der wenigen Möglichkeiten, mit wenig Aufwand auf die Europäische Union Einfluss zu nehmen.

3) Viele Entscheidungen des Europäischen Parlaments betreffen uns im Alltag!

Auf der EU-Ebene wird mittlerweile sehr vieles entschieden, das uns jeden Tag begegnet – von den ganz großen Dingen wie Reisefreiheit bis zu den spezifischen und dennoch sehr wichtigen wie Sicherheitsnormen für Lebensmittel. Auch das Europäische Parlament hat daran seinen Anteil. Es spricht sich nicht selten für die Bürger und deren Rechte aus, man denke nur an den Protest zum SWIFT-Abkommen (Austausch von Bankdaten mit den USA) vor ein paar Jahren, in dem sich das Europäische Parlament für mehr Datenschutz eingesetzt hat, was durch alle Medien ging. Nein, es geht nicht nur um krumme Gurken, sondern um wichtige Weichenstellungen, von denen wir dann meistens nur hören, wenn sie längst durchgesetzt sind. Deshalb: an diesen Entscheidungen über den Wahlzettel mitbestimmen!

Das sind nur drei Gründe, weshalb man meiner Meinung heute unbedingt an die Urne sollte. Es gibt noch viele mehr, bestimmt auch persönliche Gründe. Also, warum auch immer: heute wählen gehen!

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