Willkommen, ihr Journalisten von morgen – das Auswahlgespräch an der Deutschen Journalistenschule

djs_klein(Photo von mir)


Wie es beim Auswahlgespräch und den anderen Bewerbungskomponenten der Deutschen Journalistenschule in München zugeht, lässt sich an einigen Stellen ergooglen. Wie man an den Bildertest herangehen muss, um auch möglichst viele Personen und Orte zu erkennen, welche Zeitungen man lesen sollte, um auf die Wissensfragen vorbereitet zu sein, und so weiter, und so fort. Und natürlich, wie es sich anfühlt.

Damit kann ich nicht dienen – aber ich habe am letzten Samstag den Auswahlprozess auf der anderen Seite des Tisches verfolgen können. An diesem Tisch sitzen Dozenten der Schule, Ehemalige – und die Wissenschaftler. Da die Deutsche Journalistenschule einen Masterstudiengang in Kooperation mit dem Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Uni München anbietet, meinem Arbeitgeber, beteiligen sich auch Leute von uns mit an der Auswahl – und eine davon war ich. Ein sehr spannender Tag mit einer Menge faszinierender Leute, der gezeigt hat, wie schnell diese Gespräche mit jeweils drei Kandidaten in einer Runde zu Ende sind, und man eigentlich noch lange nicht fertig ist. Also, hier nun die Erfahrung eines Mitglieds des Gesprächskomitees.

Erst einmal möchte ich betonen, dass nicht nur die Prüflinge aufgeregt waren, sondern auch ich – immerhin möchte ich jedem, der da vorne sitzt, gerecht werden und jeden in gleicher Weise anhören. Also, dass die Prüfer dort entspannt sitzen und wie eine Ansammlung von Kaisern die Daumen in die Höhe recken oder nach unten, das ist schon einmal ein Mythos.

Aber da gibt es natürlich noch mehr, was ich hier erzählen möchte:

Was im Lebenslauf steht, das wird abgefragt

Heißt auf gut Deutsch: wenn etwas Spannendes oder Ungewöhnliches im (übrigens im Fließtext geschriebenen) Lebenslauf erwähnt wird, wird bestimmt einer von den Prüfern danach fragen. Das bedeutet, dass man seine Antwort kennen sollte. Aber nicht nur Ungewöhnliches, sondern auch Fragen zum Lebensweg werden gerne genommen. Und wenn da jemand keine Antwort drauf weiß, ist es schade – wir Prüfer sind doch so neugierig!

Kein Kandidat bekommt mehr Aufmerksamkeit als die anderen

Vielleicht mag es unter Umständen bei der Anzahl der Fragen oder der (subjektiv) verstrichenen Zeit so wirken – aber jeder Kandidat bekommt ausreichend Gelegenheit, sich in den Facetten seiner (nicht nur journalistischen) Persönlichkeit zu präsentieren. Die Fragen gehen hin und her, von Kandidat zu Kandidat, manchmal geht eine Frage auch an alle. Das heißt, dass sich niemand zurückgesetzt fühlen muss.

Jede Frage ist eine Chance

Es gibt nämlich keine Fangfragen. Stimmt nicht? In diesem Fall doch. Die Fragen mögen herausfordernd sein, und manchmal vielleicht ein bisschen skurril, aber sie dienen immer dazu, etwas aus dem jeweiligen Kandidaten herauszukitzeln und ihm oder ihr damit die Gelegenheit zu geben, mit der Antwort zu glänzen. Das heißt, niemand soll in die Ecke getrieben werden, sondern es wird geschaut, was derjenige denkt, gerne auch ein paar Mal um die Ecke. Auch wichtig: sich dann und wann ein wenig Zeit zum Nachdenken zu nehmen ist erlaubt!

Und zu guter Letzt:

Der Bilder- und Wissenstest sind nicht alles

Das Auswahlgespräch hat großes Gewicht im Prozess – das heißt, dass niemand mit hängendem Kopf ins Zimmer kommen muss, weil er oder sie glaubt, in den vorherigen Tests sowieso nicht gut genug abgeschnitten zu haben. Journalistenschüler in spe, zeigt, wer ihr seid – bestenfalls ein künftiger Schreiberling mit Biss und dem Drang, die Geschichten in die Welt zu tragen. Wie genau das aussieht, das bestimmt jeder selbst – und das ist das, was das Komitee sehen möchte. Es mag zwar eine Floskel sein, dass man authentisch bleiben soll, aber ich kann sagen, dass das am besten funktioniert.

Mein abschließender Tipp ist, ganz man selbst zu sein – aber dabei nicht zu schüchtern, damit man sich dennoch zeigt. Ganz zum Schluss noch der ultimative Tipp: Wen jemand aus dem Komitee nach einer knappen Antwort fragt, möchte er oder sie diese auch haben. Also, immer auf die Fragen antworten und das auch noch so, wie es gewünscht ist, dann kann nichts mehr schiefgehen.

An alle, die schon in den Startlöchern für die nächste Bewerbungsphase sind: viel Erfolg! Ich freue mich schon darauf, wieder bei der Auswahl der Journalisten von morgen mitwirken zu dürfen.

__________________________________________________________________________________

Advertisements

Big Data und die Universität – (wie) passt das zusammen?

bib_klein

(Foto von mir – der wunderschöne Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien)

 

Was ist passiert?

Big Data und die Diskussion um die Konsequenzen dieser relativ neuen Technik ist allgegenwärtig. Zumeist im Social Media-Kontext gebraucht, wird Big Data oft mit personalisierter Werbung auf Facebook und anderen Plattformen in Verbindung gebracht. So rechnet z.B. Facebook „Gefällt mir“s und andere Einträge zusammen, die schließlich ein Benutzerprofil ergeben, nach dessen Vorgaben zugeschnittene Werbung geschaltet wird. Big Data kann aber noch mehr – und zwar feststellen, wie sich Studierende in ihrem Unialltag schlagen, und wo es unter Umständen Probleme gibt, die bis zum Abbruch des Studiums führen können. Die London South Bank University und die Nottingham Trent University wenden dieses Prinzip bereits an, wie hier im Guardian zu lesen ist.

Was meine ich dazu?

Noch einmal zurück – was genau ist Big Data eigentlich? Es gibt bis dato keine einheitliche Definition, und somit auch keine Eingrenzung des Anwendungsfeldes. Meist werden für die Definition von Big Data die Begriffe „Volume“ (dt. Ausmaß/Umfang), „Velocity“ (dt. Schnelligkeit) und „Variety“ (dt. Vielfältigkeit) genannt, und dass es spezielle Technologie braucht, um die Daten zu analysieren*. Das heißt, der Begriff Big Data bedeutet an sich nur Folgendes: die Datenmengen sind riesig, sie sind schnell wenn nicht sogar unmittelbar verfügbar, und es können sehr viele Datenpunkte auf einmal erfasst werden. Wie das alles genutzt wird und werden kann, das ist nicht festgelegt. Werbung ist eine Möglichkeit, durch die mit Big Data auch noch Geld zu verdienen ist, aber es gibt eben noch andere Anwendungen – wie eben in der Uni.

Aber wie passt Big Data nun in den Unialltag? Nun, es sind an den meisten Universitäten viele Studierende eingeschrieben, die alle eine Menge Datenpunkte liefern können – mit jedem Klick, mit jeder Benutzung einer elektronischen Zugangssperre. Diese Daten können alle zusammen erfasst und z.B. nach Studiengängen ausgewertet werden, und das in fast unmittelbarer Geschwindkeit, in der diese Daten auflaufen. Die London South Bank University schaut sich z.B. nicht nur die Einloggfrequenz im uni-eigenen System an, sondern auch von wo zugegriffen wurde, und welche Inhalte für wie lange angesehen wurden. Die Nottingham Trent University nutzt ein ähnliches System, in welchem z.B. Bibliotheksbesuche erfasst werden, und nach zwei Wochen eine E-Mail an den zuständigen Tutor (meist ein Wissenschaftler aus dem Department des Studierenden) gesendet wird, wenn keinerlei Aktivität im Uni-System stattfindet. Das Ziel ist es, dass der Studienverlauf auf die Gefahr hin analysiert wird, dass der Studierende sein Studium abbrechen könnte – und schließlich rechtzeitig eingegriffen werden kann.

Das klingt doch erst einmal gut – aber tut es das wirklich? Was sagen solche Datenpunkte tatsächlich über die Studienleistung aus? Allein schon, wenn der Studierende eine andere Bibliothek nutzt oder nach Herunterladen der Materialien offline arbeitet, fällt dieses System in sich zusammen. Außerdem können diese Daten nicht messen, inwiefern sich der Studierende mit dem Material auseinandergesetzt und ob er dieses verinnerlicht hat. Vielleicht bekommt der Studierende auch Materialien von seinen Kommilitonen, sodass er sich selbst nur selten einloggt? Davon abgesehen ist diese ständige Datenerfassung auch ein Eingriff in die Privatsphäre. Das Studiensystem muss benutzt werden, es geht kein Weg daran vorbei, um an die Materialien oder Bücher zu kommen, selbst wenn die Verweildauer nur kurz ist. Das heißt, der Studierende muss sich gläsern machen, und ist gezwungen, an der Datensammelei teilzunehmen.

Das ist die Krux von Big Data. Solch ein großer Eingriff in das Arbeitsleben des Studierenden kann helfen – oder als Datenmüllhalde enden, die im Endeffekt nur wenig Aussagekraft hat. Ich selbst halte noch immer viel von Einzelgesprächen, wie über ein Academic Adviser-Programm. Das ist zwar wesentlich zeitaufwendiger als die Datenauswertung, aber ist auf jeden einzelnen Studierenden zugeschnitten. Hier lassen sich Probleme erahnen, und es kann geholfen werden – sofern der Studierende dies will. Die Uni ist keine Schule, in der die Pflicht besteht, ständig anwesend zu sein, oder auch nur den Studiengang zu beenden. Diese Selbstständigkeit, die Freiheit der Entscheidungen sollte erhalten bleiben, und nicht in einem Terror durch die Daten enden.

Fazit

Big Data ist eine faszinierende Sache. Immer mehr Leute sind auf immer mehr Geräten online, und das teilweise sogar rund um die Uhr. Dabei fallen eine Menge Daten an, die alle erfasst und ausgewertet werden können. So auch geschehen z.B. in der London South Bank University, um Studienabbrüchen vorzubeugen. Und wieso auch nicht? Vielleicht gibt die Häufigkeit und Zeit der Einloggvorgänge in das Unisystem tatsächlich Aufschluss darüber, wie gut Studierende mit ihrem Pensum zurechtkommen. Aber vielleicht endet das in einer Datenmüllhalde, die falsche Vorhersagen tätigt und somit Studierende als fälschlicherweise gefährdet einstuft, weil sie nicht wie vorgesehen die Bibliothek benutzt oder die uni-eigene Onlineplattform benutzt haben. Ich möchte Big Data im Studienalltag nicht verteufeln (vor allen Dingen nicht, wenn es tatsächlich helfen kann!), aber wie und zu welchen Zwecken die Datenmengen benutzt werden, das muss genau evaluiert werden.

 

* Wer sich für die genaue Definition in allen Facetten interessiert, wird hier fündig:
De Mauro, Andrea, Marco Greco, und Michele Grimaldi. (2014) What Is Big Data? A Consensual Definition and a Review of Key Research Topics. AIP Conference Proceedings 1644, 97.
Eine kostenlose Pre-print-Fassung findet sich dankenswerterweise auf ResearchGate.

Wer eine unterhaltsame Einführung in das Thema lesen möchte, die nicht an Beispielen spart, ist mit diesem Buch bestens beraten:
Mayer-Schönberger, Viktor, und Kenneth Cukier. (2013) Big Data: Die Revolution, die unser Leben verändern wird. München: Redline Verlag.

___________________________________________________________________________

Warum Workshops zur Hochschullehre so wichtig sind

hochschuldidaktik(Foto von mir)

 

Was ist passiert?

Oh Gott, das erste Mal Lehre. Vierzig Studierende schauen mich an! Was tue ich bloß? Was ist, wenn ich einen Blackout habe? Wie bewerte ich überhaupt? Und, und, und… dies sind alles Dinge, die wohl jedem Nachwuchswissenschaftler oder jeden Nachwuchswissenschaftlerin schon einmal durch den Kopf geschossen sind, wenn er oder sich das erste Mal mit dem Thema „Lehre“ befasst hat. Häufig spielt da das Gefühl des Alleingelassenwerdens mit. Die meisten Doktoranden habe keine pädagogische Ausbildung, aber stehen jetzt trotzdem vor einer Klasse – einer mit Studierenden, aber dennoch einer Klasse – die sie mit großen Augen anblickt und auf die Erleuchtung wartet.

Was meine ich dazu?

Auch ich hatte diese Gedanken. Aber allein gelassen fühlte ich mich nicht, denn an meiner Universität werden viele Workshops angeboten, die sich mit einzelnen Elementen der Lehre beschäftigen. Diese gehen je nach Thema über nur zwei Stunden, oder sogar über mehrere Wochenenden. Die Inhalte sind weit gefächert: von der Gestaltung einer Prüfung wie zur eigenen Haltung in schwierigen Situationen ist alles dabei. Ich war schon so manches Mal dankbar, dass ich einige dieser Workshops besucht habe. Jetzt weiß ich nämlich zum Beispiel, wie ich über das Standard-Evaluationsblatt der Universität effektiv meine Studierenden zu ihrer Meinung oder ihrem Wissensstand befragen kann, oder wie ich mit Nachfragen umgehe, die ich im ersten Moment nicht beantworten kann. All das sind Fähigkeiten, die eben nicht einfach so vom Himmel fallen, und der Spruch ‚du warst doch selbst einmal Student, da weißt du doch, wie Lehre geht’ hilft nicht. Nein, weiß ich nicht – ich habe auch schon in tollen Restaurants gegessen, würde mir aber nie anmaßen, dass ich genauso gut kochen könnte.

Und genau deshalb finde ich es so wichtig, dass es Kurse für angehende (und natürlich auch fortgeschrittene) Lehrende gibt. Sich vor vierzig Studierende zu stellen und „einfach so“ loszulegen ist nämlich gar nicht so einfach. Die Studierenden wollen lernen, ich will vermitteln – das muss am Ende zusammenpassen, und das möglichst so, dass alle mitgenommen werden und der Kurs Erfolg hat. Von der Universität angebotene Workshops sind eine wunderbare Möglichkeit, sich auf die Lehre vorzubereiten – oder bereits gemachte Erfahrungen in einem geschützten Raum und in einer kleinen Gruppe zur Diskussion zu stellen. Neben dem von den Workshopleitern gegebenen Input habe ich gerade aus den Erfahrungen anderer schon viel lernen können.

Neben dem Grund, dass eine bessere Didaktik die Lehre wesentlich besser machen kann, ist auch wichtig, dass man sich schützen muss. Erst einmal vor der Anfechtung von Prüfungen; durch ein vorher festgelegtes und transparentes Kriterienraster kann man genau belegen, warum man so und nicht anders bewertet hat. Ich finde, dass das große Sicherheit gibt. Natürlich laufen nicht alle Studierenden nach der Notenbekanntgabe zum Prüfungsamt, aber eine für alle nachvollziehbare Bewertung hilft auch denen, die es nicht tun. Warum haben sie dies oder jedes falsch gemacht? Durch die Bewertung wird es ersichtlich. Auch andersherum wird ein Schuh draus: meistens wird durch vorher strikt festgelegte Kriterien klarer, was überhaupt gefragt wird. Auch dies ist ein Schutz, nämlich vor der eigenen Überarbeitung. Im Falle der Prüfungsgestaltung lässt sich sagen, dass sich die Arbeit, die man vorher in die Klausurerstellung gestellt hat, hinterher auszahlt, da sich die Klausur nach genau diesem Raster korrigieren lässt. Und auch für den Prüfling gibt es Vorteile, denn es ist meiner Meinung nach verständlicher, in der Prüfung z.B. fünf Merkmale eines bestimmten politischen Systems zu definieren, als eine schwammige Frage über eben dieses System zu beantworten. Auch mich als Lehrenden werden die folgenden Antworten glücklicher machen, denn eine präzise gestellte Frage lässt sich einfacher korrigieren. Dies gilt auch für Essayfragen, die durch Präzision nicht an Qualität verlieren. Dies ist nur ein Beispiel. Schutz vor der eigenen Überarbeitung können auch Tipps zum Umgang mit Störungen in der Lehre bieten, oder generelle Tipps, wie man die Vorbereitungen nicht ausufern lässt.

Fazit

Erfahrungsaustausch, Input zu häufig Auftretenden Situationen, Muster für Prüfungen – all das hilft, den Alltag als Doktoranden besser bewältigen zu können. Ich arbeite effizienter, und teile mir meine Kräfte besser ein. Die Lehre ist eine große Aufgabe, der ich mich gern stelle – aber ich habe großen Respekt davor. Ich möchte nicht, dass meine Studierenden meine Kurse als Zeitverschwendung ansehen. Ich behaupte, dass die Workshops mir dabei geholfen haben, so zu unterrichten, dass es allen Seiten Freude macht und zum Lernen anregt.

___________________________________________________________________________

Sommer, Sonne, Eis … und Textproduktion!

gb_kleinPlease click here for the English version!

summer_klein(Mein Foto)

 

Das auch noch bei 30 °C im Schatten! Aber die Diss schläft nicht, selbst wenn es ihre Autorin manchmal vorziehen würde. Also, das Schreiben geht voran, und weil ich die Tage endlich meine Urkunde für die Zertifizierung im Lehrprofil „Schreiben in der Lehre“ bekommen habe, möchte ich noch ein paar Schreibtipps geben, die dem einen oder anderen vielleicht die Schreibphase während der Tropenhitze erleichtern. Denn nicht nur die Diss will geschrieben werden, sondern auch Hausarbeiten und dergleichen…

Schreibe jeden Tag

Warum? Das hat mehrere Gründe. Erst einmal sieht man Fortschritt, wenn man jeden Tag schreibt. Immer mehr Worte kommen auf das Papier, und am Ende des Tages kann man sich rühmen, seinem Ziel wieder einen Schritt näher gekommen zu sein. Das ist der erste psychologische Effekt. Selbst wenn man am Ende nicht quantitativ viel Text geschrieben hat, kann sich am Ende des Tages dennoch über Forschritt freuen. Die zweite psychologische Komponente liegt darin, dass man so in eine Gewohnheit verfällt. Die ersten Tage mögen hart sein, aber dann passt sich das tägliche Schreiben schließlich in den Tagesverlauf ein. Wer gerne plant, dem empfehle ich, sich täglich eine gewisse Anzahl an Worten vorzunehmen. Man muss sich nicht immer an sie halten – aber wenn das realistische Tagessoll geschafft ist, kann (und sollte!) man getrost Feierabend machen.

Schreibe das, was dir am meisten Spaß macht

Wer kennt das nicht – unliebsame Abschnitte oder sogar ganze Kapitel müssen zu Papier gebracht werden, das ist nun einmal so und man kann sich nicht dagegen wehren. Ob es nun der Abschnitt zu den verwendeten Methoden ist oder der komplizierte theoretische Hintergrund, irgendwann muss es gemacht werden.
Aber nicht heute.
Wenn man sich eh schon kaum auf Bücher und Worddokument konzentrieren kann, dann muss man nicht unbedingt das schreiben, was eh keinen Spaß macht. Das klingt banal, aber Paper und andere Schriftstücke müssen nicht in chronologischer Reihenfolge geschrieben werden*. Wer weiß, welche Theorien er oder sie testen möchte, muss den Theorieteil nicht schon geschrieben haben. Es langt erst einmal, die Theorie im Kopf zu haben, oder ein paar Stichworte zu notieren. Wieso soll man es sich schwerer machen, als es ist? Und wenn am Ende nur noch der vermeintlich schwierige bzw. unliebsame Teil fehlt, geht schließlich auch der leichter von der Hand, immerhin ist man ja fast fertig mit der Arbeit.

Schreibe deinen Kopf frei

Es gibt immer die Situation, dass man hängenbleibt. Der Gedanke ist weg, die Idee ist verflogen, und wie dieses eine Buch noch hieß, das man gestern noch unbedingt einarbeiten wollte, ist auch vergessen. Was hilft dann? Drei Schritte zurück, Durchatmen, und dann zum Beispiel eine Mindmap, in der man seine Gedanken zu dem Thema aufschreibt. Ob nun schon geordnet oder einfach nur frei auf einem Blatt Papier, das ist dem eigenen Geschmack überlassen. Ideen kommen wieder, manchmal brauchen sie nur etwas Hilfe und Zeit. Freewriting, bei dem man z.B. drei Minuten durchgehend alles schreibt, was einem einfällt – und wenn es ist, dass man am liebsten ins Freibad gegen möchte anstatt in der Bibliothek zu sitzen – ist ebenfalls eine wunderbare Möglichkeit, den Kopf in Gang zu kriegen. Denn dann schreibt man ja schon eine Weile und kann sich danach fast schon gemütlich dem eigentlichen Text zuwenden – wieder eine kleine Selbstüberlistung.
Zur Prophylaxe: alles aufschreiben bevor es entfleucht, oder von den Buchtiteln mit dem allgegenwärtigen Smartphone ein Bild vom Cover machen. Einfacher geht’s nicht – und seine Gedanken aufschreiben geht auch mit einer App. Das Handy ist (fast) immer dabei, selbst wenn es ein schönes Notizbuch nicht ist.

Und wenn gar nichts mehr hilft?

Um es mit den jetzt schon unsterblichen Worten von Fußballnationalspieler Per Mertesacker zu sagen: dann geht’s erstmal drei Tage in die Eistonne. Ja, manches Mal hilft nur noch, dass man die Füße hochlegt und ein bisschen abschaltet. Das möchte ich immer wieder betonen: Pausen sind wichtig! Niemand kann durcharbeiten, bei 30 ° erst recht nicht, und wer wie ich aus dem regnerischen hohen Norden Deutschlands kommt, der sowieso nicht. Wer dennoch ran muss, kann sich an den obigen Tipps versuchen und/oder sich mit einem Eis über die heißen Tage retten.

Darüber hinaus gilt wie immer folgender Grundsatz: Don’t get it right, get it written!
Was raus ist, ist raus, und kann am Ende immer noch überarbeitet werden. Wenn am Ende ein leeres Blatt steht, weil kein Gedanke gut genug war, kommt entsteht nur Frust.
Also, viel Erfolg bei den sommerlichen Schreibaufgaben!**

 

* Hierzu eine kleine Fußnote: ich empfehle immer, die Einleitung zuerst zu schreiben. Ich weiß, dass viele genau dies zuletzt tun, aber wer vorher weiß, was er schreiben möchte, kann sich dadurch später eine Menge Denkarbeit erleichtern. Aber das bin mal wieder ich als „Top-Down-Schreiberin“, die gerne alles vorher plant – deswegen ist das hier nur eine Empfehlung, und alle „Chaosschreiber“ sollen natürlich genau so weitermachen, wie es ihnen guttut.

** Hiermit ein kleiner Gruß an meine Studis – ihr schafft das!

_____________________________________________________________________________________________________

Sommer, tolles Wetter… und Fachartikel

gb_kleinPlease click here for the English version!

journalarticleKlein(Mein Bild)

 

Was ist passiert?

Was soll man machen – es sind über 30 °C draußen, und das seit schon gut zwei Wochen. Das ist jedenfalls nicht das beste Wetter um zu arbeiten (Ich gebe offen zu, ich schaffe am meisten im Winter, aber, nun, wer tut das nicht?), aber wie auch immer, ich habe einen Kurs zum Thema Schreiben besucht. Ja, noch einen, aber dieses Mal ging es darum, Fachartikel für akademische Journals zu schreiben. Der Kurs war Teil des Doktorandenprogramms der Leuphana Universität Lüneburg und wurde von Dr. Isabell May unterrichtet.

Was meine ich dazu?

Ich habe es schon ein paar Male geschrieben, aber ich mag diese Art Kurse sehr, und ich glaube, dass sie ein wichtiger Bestandteil eines jeden Doktorandenprogramms sind. Warum? Das ist einfach zu beantworten – sehr viel in der akademischen Welt läuft über das Prinzip ‚learning by doing’, aber ich glaube, dass konzentrierte Anstrengungen, Nachwuchswissenschaftlern wie Doktoranden zu helfen, auf so einige Fallgruben aufmerksam machen und dabei eine Menge Fehler verhindern können.

So auch dieser Kurs. Er war für alle Doktoranden der Universität offen, für Natur- wie auch für Sozialwissenschaftler. Das hat auf Grund von unterschiedlichen akademischen Traditionen und Konventionen so manches Mal zu disziplinären Reibungen geführt, aber ich habe trotzdem eine Menge für mich mitnehmen können. Also, was habe ich gelernt? Hier sind exemplarisch drei Tipps:

Kenne das Journal: Fange nicht mit dem Schreiben an, ehe du nicht weißt, in welchem Journal du deinen Artikel veröffentlichen willst (es bietet sich auch eine Liste mit bis zu drei Journals an). Wie sehen die Artikel in dem gewünschten Journal normalerweise aus? Welche stilistischen Elemente nutzen sie? Wie passt deine Arbeit da hinein? Fange nicht an, ehe du all das weißt.

Nutze das Sanduhren-Modell: Stell’ dir eine Sanduhr vor, mit ihren breiten Enden und der schlanken Mitte. So könnte ein guter Fachartikel aussehen. Fange in der Einleitung breit an, indem du deine spezifische Frage in den breiten Themenbereich einordnest. Dann werde thematisch schlanker und schlanker, im Literaturteil und den Ergebnisse, ehe du in der Diskussion und dem Fazit wieder breiter wirst. Eine solche Struktur fokussiert sich auf deine spezifischen Ergebnisse, aber lässt auch Raum dafür, diese in die breitere akademische Diskussion einzuordnen.

Strukturiere deine Kapitel: Strukturiere nicht nur den Artikel als Ganzes, sondern auch die Kapitel in ihm. Ob es sich nun um das Methoden- oder das Ergebnisse-Kapitel handelt, wenn eine Menge Information zu Papier gebracht werden soll, können ein paar Unterüberschriften eine Menge für die Lesbarkeit des Textes tun. Der Leser bekommt allein schon beim diagonalen Lesen einen guten Überblick über deine Arbeit, und das kann sich als ein wichtiges Plus herausstellen, wenn der Leser viele Artikel zu bearbeiten hat.

Das sind nur drei Tipps von vielen, aber ich glaube, dass diese bereits wertvoll sind. Wer mehr wissen will, dem sei die Webseite zum Kurs empfohlen: http://writingajournalarticle.wordpress.com. Es gibt eine Menge zu lesen, aber es lohnt sich!

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich eine Menge in diesem Kurs gelernt habe. Dabei ging es meist darum, sich darüber gewahr zu werden, wie so ein Fachartikel aufgebaut ist, und wie die Konventionen in meinem eigenen Fach sind. Und, natürlich, was ich daraus für meine eigene Arbeit lernen kann.

_____________________________________________________________________________________________________

„Schreiben kann doch jeder!“ – Ach, wirklich?

gb_kleinPlease click here for the English version!


blockklein

(Foto von mir)


Was ist passiert?

In einer Fortbildung an meiner Universität habe ich mich mit einem Thema auseinandergesetzt, dass zumindest in meinem Studium immer als selbstverständlich hingenommen wurde: das Schreiben. Darüber musste niemand reden – jeder kann schreiben, kann Buchstaben zu Wörtern und Sätzen zusammensetzen, und kann somit auch Hausarbeiten und lange Abschlussarbeiten verfassen. So schien zumindest immer die Auffassung zu sein, denn ich habe als Studierende immer frei nach dem System „try and error“ gearbeitet – das ging, je nach Thema, mal schneller, mal langsamer, mal besser, mal schlechter. Ich habe eben einfach geschrieben.

Aber muss man die Studierenden damit wirklich allein lassen? Gehört das wirklich zu dem täglichen „Uni-Kampf“ dazu, dass man sich durch Hausarbeiten und Essays quält, weil „das eben so ist“? Die Fortbildung namens „Haus-/Bachelor-/Abschlussarbeiten betreuen“ an der Leuphana Universität Lüneburg, geleitet von Prof. Ingrid Scharlau und Christiane Heß, hat mir gezeigt, dass das auch ganz anders sein kann.

Was meine ich dazu?

Ich selbst habe keine Probleme mit dem Schreiben. Keine Blockaden, keine Angst vor dem weißen Blatt. Woran das liegt? Darüber habe ich mir erst in dieser Fortbildung Gedanken gemacht. Ich habe zwar nie einen Kurs besucht, in dem mir Techniken des Schreibens näher gebracht wurden, aber ich hatte vor allem während meines Masters gutes Training; an der London School of Economics and Political Science musste ich ständig kleinere Dinge schreiben: Essays von gut fünf Seiten, kleinere Meinungstextchen von wenigen hundert Wörtern, und so weiter. Ein hartes Brot, könnte man sagen, und sicherlich nicht für jeden etwas. Das muss doch auch mit weniger Druck gehen.

Und dass das möglich ist, habe ich an drei Wochenenden in einem Workshop für Doktoranden gelernt. Das erste Wochenende ging mit schreibdidaktischer Theorie und Psychologie los, und nach und nach haben wir uns durch den Schreibprozess gearbeitet. Für die Planungsphase haben wir uns um verschiedene Methoden, wie Mindmapping und Clustering, gekümmert, und unsere eigene Schreibgewohnheiten und –prozesse analysiert. Der nächste Schritt war die Schreibphase selbst, und Themen wie Schreibblockaden und das strategische Vorgehen beim Verfassen einer Arbeit standen im Vordergrund. Der letzte Block drehte sich um Feedbackgeben. Gerade für uns Dozenten besonders wichtig! Wie man „gutes“ Feedback gibt, das ist keine selbstverständliche Sache.

Für alle Schritte haben wir die Übungen selbst ausprobiert, und häufig dann auch in der Gruppe diskutiert. Die Übungen waren ganz unterschiedlich – wie ein „Schreibgespräch“ mit mehreren, in denen z.B. die Frage „Was stört mich beim Schreiben?“ (natürlich nur mit dem Stift, und nicht mit der Stimme) erörtert wurde, oder das Erfinden eines Märchens zu einer vorgegeben Situation, es war eine Menge dabei. Dieses Vorgehen fand ich besonders wichtig – auch, wenn es im ersten Moment Überwindung gekostet hat, „diesen Kram“ selbst auszuprobieren, weiß ich nun genau, wie die Übungen wirken – einmal auf mich, und die Gruppendiskussion weiß ich auch, wie es anderen geht. Dadurch werde ich mich besser in die Studierenden hineinversetzen können, da bin ich mir sicher.

Was steht also in Zukunft an? Ich werde meinen eigenen Schreib-Workshop durchführen, und dann den Erfolg (oder Misserfolg) der einzelnen Übungen und Techniken selbst testen können. Ich bin gespannt – und nun überzeugt, dass man die Studierenden mit ihren (Schreib-) Sorgen nicht alleine lassen muss. Vor allen Dingen, wenn die Sache relativ einfach sein kann – ich hätte nie gedacht, dass die Übung „Freewriting“ (in z.B. fünf Minuten zu einem Thema nur schreiben, egal, was einem dazu in den Kopf kommt, der Stift darf aber nicht abgesetzt werden) wirklich hilft. Aber – auch und gerade als Doktorandin kann und soll man immer noch etwas Neues lernen!

Fazit

Warum habe ich das Seminar eigentlich besucht, wenn ich selber diese typischen Probleme und Sorgen nicht habe? Ganz einfach: weil ich sie nicht kenne, fällt es mir nicht leicht, in diesem Feld Tipps zu geben. Ich kann meine eigenen Techniken nennen, aber die liegen nicht jedem. Und diese laufen bei mir mittlerweile so automatisiert ab, dass ich bei meinen Erklärungen bestimmt auch noch eine Menge vergesse. Also, rein in die Fortbildung, und wie oben schon beschrieben, ich habe eine Menge gelernt. Jetzt werde ich besser Rat geben können – gerade jetzt, da sich das Semester so langsam wieder dem Ende neigt und die Hausarbeiten für die Studierenden in gar nicht mehr so weiter Ferne liegen. Und für meine eigene Dissertation  habe ich jetzt „ganz nebenbei“ auch noch ein paar Tricks in petto…

_____________________________________________________________________________________________________