Interview im Radio

commission_klein(Bild von mir)

Es gibt niemals ein „zu spät“ – schon gar nicht für die Fragen, die mir gestellt wurden. Also, worum geht’s? Ich wurde kurz vor der Europawahl vom StadtRadio Göttingen für die Sendung „Querbeet“ zum Thema Europawahl interviewt. Themen waren unter anderem, warum man zur Wahl gehen sollte, und wie wichtig das Internet für Wahlkämpfe geworden ist.

Ein tolles Interview, für das ich mich herzlich bei der Interviewerin Jenny Bullert (jetzt übrigens bei Radio Jade zu finden) für diese großartige Gelegenheit.

Das Interview lässt sich mit einem Klick auf das Bild anhören.

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Europawahl 2014: Heute wählen gehen!

epwahl(Foto von mir; Parlamentarium in Brüssel)


Noch ist Zeit, und es gibt viele gute Gründe, und das ganz unabhängig von der Partei, für die das Kreuzchen gemacht wird.

1) Sein Recht auf Mitbestimmung nutzen!

Ganz allgemein, aber dennoch wichtig. Eine Wahl ist immer eine Chance, etwas zu verändern – oder etwas zu lassen, wie es eben ist. Aber die eigene Stimme zu verschwenden, das bringt gar nichts, und ist auch kein Protest. Wer verändern will, wählt die Partei, die ihn oder sie am meisten anspricht, und bleibt nicht einfach zu Hause. Auch „ich weiß aber nichts über die Parteien“ ist keine Ausrede. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich zu informieren, nicht zuletzt mit dem Wahl-O-Maten, der die Wahl-Entscheidung erleichtern kann. Das Internet ist voll von Entscheidungshilfen, und die eine oder andere Tageszeitung hat sich in den letzten Wochen zum Thema Europaberichterstattung auch nicht lumpen lassen.

2) Das Europäische Parlament ist das einzige direkt gewählte EU-Organ!

… das ist doch ein guter Grund, zur Wahl zu gehen, nicht wahr? Wenn die Europäische Union wirklich so ein Bürokratiemonster sein sollte, ist hier der einzige Ansatzpunkt, um etwas zu verändern. Das Europäische Parlament ist die Anlaufstelle für die Bürger, immerhin sind die Abgeordneten direkt gewählt. Diese sind es auch, die angeschrieben werden können, oder die zu Veranstaltungen in ihren Regionen kommen. Nein, die Abgeordneten verschwinden nicht nur in Brüssel und Straßburg, sie sind auch vor Ort. Augen auf! Die anderen Gremien, wie die Kommission, werden alle anderweitig bestimmt. Das Europäische Parlament aber nicht, und daher ist es eine der wenigen Möglichkeiten, mit wenig Aufwand auf die Europäische Union Einfluss zu nehmen.

3) Viele Entscheidungen des Europäischen Parlaments betreffen uns im Alltag!

Auf der EU-Ebene wird mittlerweile sehr vieles entschieden, das uns jeden Tag begegnet – von den ganz großen Dingen wie Reisefreiheit bis zu den spezifischen und dennoch sehr wichtigen wie Sicherheitsnormen für Lebensmittel. Auch das Europäische Parlament hat daran seinen Anteil. Es spricht sich nicht selten für die Bürger und deren Rechte aus, man denke nur an den Protest zum SWIFT-Abkommen (Austausch von Bankdaten mit den USA) vor ein paar Jahren, in dem sich das Europäische Parlament für mehr Datenschutz eingesetzt hat, was durch alle Medien ging. Nein, es geht nicht nur um krumme Gurken, sondern um wichtige Weichenstellungen, von denen wir dann meistens nur hören, wenn sie längst durchgesetzt sind. Deshalb: an diesen Entscheidungen über den Wahlzettel mitbestimmen!

Das sind nur drei Gründe, weshalb man meiner Meinung heute unbedingt an die Urne sollte. Es gibt noch viele mehr, bestimmt auch persönliche Gründe. Also, warum auch immer: heute wählen gehen!

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Nichts Neues im Staate Europa

eurouk_klein(Foto von mir)

 

In my personal view, the Eurozone should become the United States of Europe.“
(Viviane Reding, Justizkommissarin der Europäischen Kommission)


Was ist passiert?

Es ist schon wieder ein paar Tage her und ist wahrscheinlich kaum jemandem aufgefallen, aber Viviane Reding hat eine Rede an der Universität Cambridge gehalten. Frau Reding ist die Justizkommissarin der Europäischen Kommission (vorher für Kultur, Medien, Sport, Informationsgesellschaft und einem weiteren Strauß an ähnlichen Begriffen) – und, jetzt kommt das interessanteste Amt, sie kümmert sich um die öffentliche Kommunikation der Europäischen Kommission. Und das treibt manches Mal ein paar Blüten, wie auch dieses Mal in Cambridge.

Was meine ich dazu?

Worum ging es in der Rede? Sie handelte zum Großteil von der Rolle Großbritanniens in der Europäischen Union, was wohl dem Ort geschuldet war. Da das Thema ein Steckenpferd von mir ist, habe ich die Rede natürlich gelesen – und war ziemlich enttäuscht. Natürlich darf man von solchen Reden, die abendlich an Universitäten gehalten werden, keine bahnbrechenden Erkenntnisse erwarten, aber dennoch war in der Rede zu dem Thema nichts Neues zu lesen, was man nicht schon aus der Zeitung kennen würde. Alte Erkenntnisse wurden wieder aufgewärmt: die EU und Großbritannien gehören zusammen, würde Großbritannien die EU verlassen, würde es signifikant an Einfluss verlieren, aber wenn es bleiben will, muss es sich an die Regeln halten, und so weiter, und so fort. Wirklich nichts Neues, alles altbekannt.

Dann, versteckt in einem einzigen Absatz, kam das Spannende: Frau Reding wünschte sich, die Eurozone würde zu den „United States of Europe“ zusammenwachsen.

Gut, gut, auch nichts wirklich Neues. Aber warum in dieser Rede? Und noch viel Spannender: warum hat sie das nicht ausgeführt, sondern bei zwei Sätzen belassen? Ein Schlag ins Kontor. Nicht für die Briten, diese wollen ja eh keine weitere Integration, das ist ja allerwärts zu lesen und zu hören. Um es polemisch zu sagen, ein reines Schreckgespenst, diese politische Integration, das gerne immer mal wieder rausgeholt wird. Aber was ist mit anderen Mitgliedstaaten, die nicht Mitglied der Eurozone sind? Um diese geht es nämlich, nur die Eurozonen-Staaten wurden von ihr als mögliche Mitglieder dieser United States genannt. Frau Reding unterstellt in dieser Rede, dass die Interessen der Nicht-Euroländer wahrscheinlich woanders liegen würden, dass sie kein Interesse am Euro hätten. Ob das stimmt, sei dahingestellt – aber es ist ein Grund, sie von der politischen Union, welche die „United States of Europe“ darstellen würden, auszuschließen?

Ich finde diese Haltung sehr problematisch – die Währungsunion als Grundbedingung für eine politische Union vorzuschieben, halte ich gerade in dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage – gerade in so einigen Euroländern! – für falsch. Die Eurokrise ist noch nicht überstanden, wenn man wirklich von einer einzigen Krise sprechen kann. Ein ständiges Auf und Ab trifft es eher, eine ständige Grundspannung, die in allen Ländern herrscht, und das nicht nur den sprichwörtlichen „Pleiteländern“. Auch in der Eurozone ist nämlich nicht alles gut, wie wir alle wissen. Ginge es nach wirtschaftlicher Zugkraft und dem Verhalten in der Eurozone, die man als Maßstab ansetzt, müsste man so einige Länder außen vor lassen. Von Griechenland möchte ich nicht anfangen, aber wenn es nach der reinen Erfüllung der Kriterien der Wirtschafts- und Währungsunion geht, dürfte es nach dieser Haltung nicht zur politischen Union gehören, obwohl es zur Eurozone gehört.

Aber damit hört es nicht auf – wie soll so eine politische Union überhaupt aussehen? Das ist eine Frage, die in der Forschung schon lange debattiert wird. Aber bis es zu den institutionellen Feinheiten kommen kann – soll der Kommissionspräsident direkt gewählt werden? Soll nicht gleich die ganze Kommission gewählt werden? – sind noch sehr viele Entscheidungen zu treffen, die nichts mit dem Aufbau von konkreten Strukturen zu tun haben. Politischer Wille ist hier gefragt, und ob man diesen an wirtschaftlichen Kriterien oder der reinen Mitgliedschaft in der Währungsunion messen kann, das wage ich zu bezweifeln.

Fazit

Alles in allem hat die Rede von Vivaine Reding keine großen neuen Erkenntnisse gebracht, aber dennoch so einige Fragen aufgeworfen. Eine politischen Union, die „United States auf Europe“ – ein unerreichbarer Traum? Das finde ich nicht, und das hoffe ich nicht. Aber nach heutigem Stand ist es schwer, auch nur ansatzweise an dieses Ideal heranzukommen. Ich stimme Frau Reding in einem Punkt zu – wenn die wirtschaftliche Basis nicht stimmt, und auf dieser baut die Währungsunion auf, wird es nicht zu einer politischen Union kommen, weil der Wille zur weiterer Integration dann nicht da ist. Aber solch eine politische Union von wirtschaftlichen Kriterien abhängig zu machen, oder sogar von der Mitgliedschaft in der Eurozone, das widerspricht dem Europäischen Gedanken, mit dem die Mitglieder trotz allem aufgenommen werden: ihrer Zugehörigkeit zu Europa, und nicht zu einer Währungsunion. Also, was braucht es, um eine politische Union herbeizubringen? Was es jedenfalls nicht braucht, ist ein Europa der 28 Geschwindigkeiten.

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Eine Europaabgeordnete plaudert aus dem Nähkästchen

mepswand(Photo von mir)


Was ist passiert?

Veranstaltungen zum Thema Europäische Union oder Europa sind dieser Tage selbst in kleinen Städten gar nicht mal so rar gesät – man muss nur hingehen. Das habe ich gemacht, und habe eine Diskussionsveranstaltung mit der MdEP Ulrike Rodust (Abgeordnete für Schleswig-Holstein, Fachbereich Fischereipolitik) besucht, die gestern in der Nachbarstadt stattfand. Leider haben sich neben mir nur 16 weitere Gäste eingefunden, und da ist das Organisationskomitee schon mit eingerechnet – aber nun gut, das ist eine andere Geschichte und würde in einen anderen Blogpost gehören.

Was meine ich dazu?

Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Die Rolle des Europäischen Parlaments nach Lissabon“, aber die Diskussion ging weit darüber hinaus. Angefangen hat der Abend mit einem kurzen und knackigen Vortrag von Frau Rodust, indem sie die generellen Herausforderungen Europas genannt und erläutert hat. So sprach sie an, sich immer wieder für Europa rechtfertigen zu müssen, und gegen Leute anzugehen, die Europa „kleinreden“ oder Falschinformationen verbreiten. Das ist eine Sache, die ich selbst sehr gut nachvollziehen kann – denn wie Frau Rodust weiter ausführte, ist Europa viel mehr als unsinnige Verorderungen zu Gurken oder Energiesparlampen. Weiter erklärte sie, was sich mit dem Vertrag von Lissabon am Gesetzgebungsverfahren geändert hat, und wie die Gleichberechtigung von Parlament und Mitgliedsstaaten (vertreten durch den Ministerrat) bei den letzteren in der Praxis und im Verhandlungsgebaren noch nicht angekommen sei.

Neben diesen mitunter sehr politikwissenschaftlichen Dingen hat Frau Rodust aber auch aus dem Nähkästchen geplaudert, und dann und wann Anekdoten, vor allen Dingen zu ihrem Bereich der Fischereipolitik, eingestreut. So von Medienvertretern, die Fischereipolitik für Schleswig-Holstein, das immerhin von zwei Meeren umgeben ist, nicht interessant finden, oder von schon merkwürdig anmutenden Befindlichkeiten in Ausschusssitzungen, in denen niemand erhöht sitzen darf. Im Übrigen war für mich sehr interessant, dass sie als Europaabgeordnete für Schleswig-Holstein eng mit den Landtagsabgeordneten zusammenarbeitet, und das über Fraktionsgrenzen hinweg. Die „Hüte“ des Europaabgeordneten, nämlich Europa, Bund und Land, passen für sie nach eigener Aussage also sehr gut zusammen.

Das waren für mich persönlich alles sehr wertvolle Aussagen – denn so konnte ich direkt von einer Abgeordneten des Europaparlaments hören, wie die Theorien zum Europäischen Parlament und dessen Abgeordneten, von denen ich während meiner Studienzeit gehört habe und die ich nun zum Teil in meiner Dissertation anwende, passen – oder eben nicht. Diese Erweckung der Theorie zum Leben macht solche Abende besonders spannend.

Fazit

„Das Haus Europa hat noch immer Fehler, und wir müssen alle gemeinsam daran bauen“ – das war ein Fazit des gestrigen Abends. Dem kann ich nur zustimmen, und solche Veranstaltungen wie diese helfen dabei Verständnis für Europa und seine Politik zu wecken und zu vertiefen. Schade war nur, dass kaum Publikum da war – aber das ist Frau Rodust nicht anzulasten. Sie hat mit vielen Fakten und Hintergründen durch den Abend geführt, und alle Fragen geduldig und ausführlich beantwortet. Ich habe von dieser Veranstaltung sehr viel mitgenommen und freue mich auf ein nächstes Mal.

 

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Radio hören! – Interview mit Euranet

gb_kleinPlease click here for the English version!

radio(Foto von mir)


Was ist passiert?

Anfang diesen Monats wurde ich vom Europäischen Radionetzwerk „Euranet“ interviewt. Das Gespräch mit Reporterin Urte Modlich war eine tolle Erfahrung – obwohl ich zugeben muss, dass ich sehr aufgeregt war. Aber nun, es hat alles geklappt und ich möchte nun hier zwei Beitrage zeigen, die bereits gesendet wurden.

Was meine ich dazu?

Euranet beschäftigt sich – wie der Name schon verrät – mit Europäischen Themen. Ich selbst wurde gefragt, ob ich etwas zum Europäischen Parlament sagen könne. Natürlich habe ich zugestimmt, denn was gibt es in der Politikwissenschaft Schöneres als das Europäische Parlament und seine Arbeit, nicht wahr?

Im ersten Beitrag geht es darum, dass Helmut Schmidt zu einer „Revolte“ des Europäischen Parlaments aufgerufen hat, er meint, es solle für mehr institutionelle Rechte kaempfen. Das habe ich in folgendem Beitrag kommentiert:

listen(Einmal auf den Kopfhörer klicken!)

Im zweiten Beitrag war das Europäische Bürgerjahr 2013 (falls noch nicht bekannt, lohnt sich ein Blick auf die Website) Thema. Hier habe ich ein paar Dinge zum Europäischen Büegerbeauftragten und dem Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments erzählt:

listen(Einmal auf den Kopfhörer klicken!)

Fazit

Dieses Interview war eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte – vor allen Dingen nicht, da es um eines meiner Lieblingsthemen ging! Vielen Dank für’s Zuhören, bleibt mir da nur zu sagen.

Worauf stützt sich dieser Blogpost?

  • Ein großer Dank geht an Euranet und Urte Modlich!

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Die Kosten für Demokratie in der EU: Für jeden 60 Cent im Jahr

(Foto von mir)


„The Commission estimates that translating its more than two million documents yearly
costs the European taxpayer 60 cents per person
– often referred to as ‚the cost of democracy’.“
(Dennis Abbott,
Sprecher der Europäischen Kommission
für Bildung, Kultur und Vielsprachigkeit,
in EurActiv 2012)

 

Was ist passiert?

Ja, was ist passiert. Etwas, das bei der Europäischen Union tagtäglich in Massen passiert – es werden Dokumente übersetzt. Die Übersetzer übertragen Dokumente – z.B. Pressemitteilungen, Gesetzesvorschläge, Positionspapiere – in die 23 Amtssprachen, und das meist in rasender Geschwindigkeit.

Einigen ist das allerdings nicht schnell genug – so wurde von einem französischen Journalisten kritisiert, dass kürzlich eine Pressemitteilung zur Eurokrise zuerst auf Englisch erschien, und erst einige Stunden später auf Französisch und in anderen Sprachen. Dies habe den englischsprachigen Journalisten einen großen Wettbewerbsvorteil gegeben (s. EurActiv 2012). Ist das nun reines Querulantentum oder kann man wirklich verlangen, dass alles sofort in alle Sprachen übersetzt wird?

Was meine ich dazu?

Das ist eine schwierige Frage, die immer mal wieder durch den (europäischen) Raum geistert, und für Unmut sorgt, und am Ende wird die „Das ist aber sonst nicht demokratisch“-Keule ausgepackt. Zurecht? Nein, das denke ich nicht.

Schauen wir uns aber zunächst die praktische Dimension an. Denn normative Forderungen nach „Demokratie durch Übersetzung“ sind schön und gut, aber sollten sich besonders in diesem Fall an der praktischen Machbarkeit messen lassen. Also, wenn wirklich alles, was die Europäische Union und ihre Institutionen an Dokumenten produziert, in rasender Geschwindigkeit übersetzt werden soll, sollte man sich erst einmal anschauen, wie viele Dokumente das im Mittel sind. Ich habe leider keine Zahlen, aber wenn man sich überlegt, dass allein die Europäische Kommission 33 Generaldirektionen (die Generaldirektion „Übersetzung“ ist dabei) hat, die alle ihre eigenen Papiere veröffentlichen, bekommt man vielleicht schon ein Gefühl dafür. Darüber hinaus ist die Europäische Kommission nur eine Institution von vielen – es gibt neben den „großen Drei“, der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und dem Ministerrat, nämlich noch viele andere Einheiten, die mehr oder weniger bekannt sind. Aber um bei den großen Institutionen zu bleiben: sollte so auch jeder einzelne Abgeordnete des Europäischen Parlaments, der jemals zu einem Thema etwas schreibt, sei es europäische Umweltpolitik, etwas zum Binnenmarkt, oder doch etwas ganz anderes, da europäische Relevanz hat, seine Dokumente in alle 23 Amtssprachen übersetzen lassen?

Nein. Ich denke, dass dieser kleine Ausschnitt deutlich macht, dass es einfach nicht möglich ist, wirklich alles zu übersetzen, obwohl es für die Demokratie durchaus wünschenswert wäre.

Warum wäre dies gut für die Demokratie? Die Europäische Union hat nun einmal 23 Amtssprachen, und frei nach dem Motto der Europäischen Union, „Einheit in Vielfalt“, dürfen und sollen die gepflegt werden. Natürlich gibt es auch hier wieder eine praktische Dimension: denn selbst wenn man sich auf eine Sprache für die Veröffentlichungen einigen würde – zum Beispiel Englisch, weil diese Sprache als Zweitsprache am weitesten verbreitet ist – so heißt das noch lange nicht, dass auch nur ein Großteil der Bürger die Dokumente auch versteht. Denn selbst gute Englischkenntnisse enthalten meist nicht das Vokabular, um sich mit den Entscheidungen und Klauseln des Europäischen Gerichtshofes auseinandersetzen zu können. Und was ist mit denen, die gar kein Englisch sprechen? Das ist der Demokratie mehr als nur abträglich, wenn viele Bürger gar nicht verstehen können (und das ist nur die sprachliche Dimension, bei der inhaltlichen sind wir noch gar nicht angekommen!), was auf der europäischen Ebene passiert. Wer soll da noch wählen gehen? Kurzum: eine einzige Sprache und keine weitere Übersetzung für die Europäische noch mehr als sowieso schon zu einer reinen Elitenveranstaltung machen, die nur einer Minderheit vorbehalten ist.

Also, was machen wir nun? Es ist nicht möglich, alles zu übersetzen, aber auch nicht, es einfach ganz zu unterlassen.

Daher finde ich, dass die Europäischen Union eine gute Strategie gewählt hat. Die „wichtigsten“ Dokumente werden schnell übersetzt, wobei natürlich immer eine Auswahl vorgenommen werden muss. Aber auch bei obskureren Dokumenten finden sich meistens wenigstens zwei Übersetzungen, in Französisch und in Deutsch, was meiner Meinung nach zwei großen Gruppen der Europäischen Union genüge tut. Was das Übersetzungstempo angeht, finde ich es in Ordnung, wenn zuerst eine englische Fassung erscheint, und später am Tag die Übersetzungen. Es handelt sich immerhin nur um wenige Stunden (!) und die Übersetzungen werden immerhin von Menschen gemacht. Das bedeutet, dass jede Übersetzung Zeit braucht, sie fällt nicht einfach so vom Himmel. Zeit und Geld sind hier die Faktoren. Denn wenn Übersetzungen schnell gehen sollen, braucht es viele Übersetzer, und die wollen (und sollen) nun einmal bezahlt werden. Das beißt sich allerdings sehr mit den immer wieder geäußerten Vorwürfen, die Europäische Union sei zu teuer…

Fazit

Also, sind die im Zitat und in der Überschrift genannten 60 Cent pro Jahr und pro Bürger gut angelegt? Ich denke ja. Die Dokumente werden zügig übersetzt, soweit es praktikabel ist, und wer sich auf der Onlinepräsenz der Europäischen Union umschaut, wird feststellen, dass Vieles in allen 23 Amtssprachen vorhanden ist. Dem demokratischen Gedanken wird meiner Meinung nach also genüge getan. Natürlich kann man dagegen an streiten, das stelle ich jedem frei. Dass sie Europäische Union erst demokratisch sein wird, wenn sie in den Köpfen der Bürger angekommen ist, und so weiter – ja, sehe ich alles ein. Aber wenn der Bürger erstmal lesen (und dann verstehen) kann, was Sache ist, ist das ein großer Schritt in die richtige Richtung, und meiner Meinung nach als Erfolg zu werten.

.. und ganz am Ende seien wir mal ganz ehrlich: Wem ist es wirklich schon mal aufgefallen, wenn eine Übersetzung zwei Stunden früher oder später gekommen ist? Na?

… habe ich es mir doch gedacht. Dem „normalen“ Bürger, der mit EU-Nachrichten nicht sein Geld verdient (wer tut das schon, über alle Bürger der Europäischen Union gerechnet?), ist das herzlich egal. Also, als Fazit des Fazits das sprichwörtliche Wort zum Sonntag: immer die Verhältnismäßigkeit wahren. Dass übersetzt wird, ist richtig und wichtig. Wie schnell, das ist da für die allermeisten Bürger der Europäischen Union zweitrangig. Für mich übrigens auch.

 

Worauf stützt sich dieser Blogpost?

EurActiv (2012): Commission denies English language favouritism. 04.07.2012. URL: http://www.euractiv.com/culture/commission-denies-english-langua-news-513705.
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#smeu – Social Media in der Europapolitischen Kommunikation – ein Tagungsbericht

(von links nach rechts: MdDEPs Rainer Wieland, Heide Rühle, Michael Theurer
und Moderator und Tagungsleiter Florian Setzen – Foto von mir)

„Twitter verkürzt auf Bildzeitungsniveau.“
(Heide Rühle, MdEP)

 

Was ist passiert?

Die Vorzüge des Doktorandenlebens sind es, ab und an einen kleinen Koffer zu packen und auf eine Tagung zu fahren, wo alle genauso begeistert von einem Thema sind wie man selbst. Genau das habe ich diesen Montag und Dienstag, am 25. Und 26. Juni, getan, denn ich habe die Tagung „Social Medien in der Europapolitischen Kommunikation“ in Stuttgart besucht. Sie wurde vom Europa-Zentrum Baden-Württemberg, dem Arbeitskreis Europäische Integration e.V., der MFG Innovationsagentur für IT und Medien und der Alcatel-Lucent Stiftung für Kommunikationsforschung ausgerichtet.


Was meine ich dazu?

Angefangen hat die Tagung mit einem Hashtag – #smeu. Was sollte das bedeuten? Und was ist ein ‚Hashtag’? Beides Fragen, die während der Tagung angesprochen wurden. Denn ‚smeu’ stand für nichts anderes als eine Verkürzung des Veranstaltungstitels – „Social Media European Union“ – und ein ‚Hashtag’ ist das, was man benutzt, um auf der Social Media-Plattform Twitter ein Thema kenntlich zu machen.

Aber immer der Reihe nach – worum ging es bei der Tagung überhaupt?

Es ging um genau das, was der Titel versprach – Beiträge zum Einsatz von Social Media im Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission, sowie im Zuge der neuen (und wie auf der Tagung gehört, problematischen) Europäischen Bürgerinitiative waren genauso vertreten wie Vorträge zu den Plattformen und deren Nutzung bzw. Nutzen selbst (Programm siehe hier).

Ich werde hier auf ein paar Vorträge eingehen, die ich persönlich besonders spannend fand.

Für mich waren vor allen Dingen die Beiträge zu den Kommunikationsstrategien der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments interessant. So gab es am ersten Tag eine Podiumsdiskussion der MdEPs Heide Rühle, Rainer Wieland und Michael Theurer, die sich mit der Frage „Parlamentarier unter ‚Druck’ – Wie bestimmen Facebook, Twitter und Co. den Politikeralltag im Europäischen Parlament?“ auseinandergesetzt haben. Die Ergebnisse dieser Runde haben schnell ihren Weg in meine Notizen gefunden, denn ich habe zum Beispiel erfahren, dass Facebook als ein Medium für eher emotionale Themen, wie z.B. Fairtrade, gesehen wird, aber als ungeeignet für Anderes – vordergründig „Langweiliges“ wie Normierungen und Ähnliches ließen sich auf dieser Plattform nicht vermitteln. Ebenso wenig wurde Twitter als ein taugliches Medium angesehen – das Zitat oben zeigt es. Nach diesem Ausspruch kam es übrigens zu einer kleinen Revolte auf der Twitter-Wall der Veranstaltung, wobei heftig dagegen angestritten wurde. Andere Themen der Runde drehten sich um das Problem der Anonymität im Internet, wobei Herr Wieland deutlich machte, das er nur Anfragen, die mit dem echten Namen des Users gestellt worden sind, beantwortet. Alles in allem waren alle drei MdEPs den neuen Medien und den Social Media sehr aufgeschlossen, sahen sie als neue Möglichkeiten, Informationen an den Mann zu bringen und eine „Kommunikationsbrücke“ zum Wähler zu bauen. Eine sehr interessante Diskussion, aus der ich für meine Dissertation – und natürlich auch für mich persönlich – viel mitgenommen habe.

(die Twitterwall – Foto von mir)

Ein zweiter Beitrag, den ich herausheben möchte, kam von Robert Andrecs, dem Referatsleiter des Referats für die Europa-Internetseite der Generaldirektion ‚Kommunikation’ der Europäischen Kommission. Herr Andrecs hat mit klaren Worten dargestellt, wie es um die Online-Kommunikationsstrategie der Europäischen Kommission bestellt ist, und wie sie sich bisher entwickelt hat. Es lässt sich sagen, dass zwar noch viele Baustellen offen sind, besonders was die interaktive Einbindung der Bürger angeht, aber dass sich eine umfassende Strategie hierfür in der fortgeschrittenen Planung befindet. Die Europäische Kommission tut also viel, um näher an den Bürger heranzukommen, und twitternde Kommissare sind da bisher nur der Anfang – also, Augen auf, wenn man bei Facebook oder Twitter unterwegs ist!

Außerdem gab es Vorträge zu den Möglichkeiten der „liquid democracy“, zum Einsatz von Social Media in der europapolitischen Bildung für Jugendliche, und eine politikwissenschaftliche Sichtweise auf das Phänomen „Social Media“.

Bei all den sehr fachspezifischen Diskussionen möchte ich positiv anmerken, dass die Social Media-Plattformen alle zwischendurch kurz, aber dennoch verständlich erklärt wurden. Denn „Facebook“ mag vielen noch ein Begriff sein, aber Twitter…? Die Einbindung dieser grundlegenden Informationen war gut gelöst, und war für mich, die ich mit all diesen Anwendungen gut vertraut bin, nicht langweilig.

Und damit komme ich zum Hashtag zurück – nach der Veranstaltung wusste jeder, wie Twitter funktioniert und was das ist, auch das kann ein netter Nebeneffekt einer Tagung sein.

(Befragung, welche Plattformen die Teilnehmer nutzen, und in welchem Kontext – Foto von mir)

Fazit

Alles in allem eine sehr gelungene Tagung mit hochkarätigen Referenten – ich würde mich über eine Neuauflage in einem oder in zwei Jahren freuen. In diesem Feld passiert sehr viel, Entwicklungen finden tagtäglich statt – da halte ich es für wichtig, diese ab und an genauer unter die (nicht nur) wissenschaftliche Lupe zu nehmen.

Worauf stützt sich dieser Blogpost?

  • – Eigene Erfahrungen

 

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