… Semesterende!

platz_klein(Foto von mir)

 

Es ist fast August – das heißt, die Vorlesungszeit ist vorbei, aber bis zur Prüfungskorrektur ist noch ein bisschen Zeit. Das heißt, dass ich für so Einiges einen ersten Entwurf im Computer und auf Papier habe, aber ich diese Gedanken jetzt erstmal ein bisschen sacken lassen kann.

Das heißt – Sommer, Sonne, die Gehirn- und Herzzellen ausstrecken!

Ein bisschen Ausspannen werde ich, die Münchner Sonne (und den Englischen Garten) genießen, und dann wieder loslegen. Einmal mit den nächsten Schritten für die „Algorithms, Automation, and News“-Konferenz, die im Mai 2018 stattfindet. Dafür haben wir eine Menge Abstracts erhalten, und es stehen die Entscheidungen an. Dann werde ich im September wieder ein wenig unterwegs sein – darauf freue ich mich sehr. Aber bevor ich die Koffer packen kann, müssen die eben schon erwähnten Noten gemacht werden – und all das, bis es im Oktober schließlich wieder alles von vorne losgeht! Ja, so schließt sich der Kreis wieder… übrigens lehre ich nächstes Semester wieder zu Themen der Sportkommunikation, da ist das Foto von dem Tor oben schon eine gute Inspiration.

Also, ich wünsche allen eine gute Zeit!

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Alles neu in München – das war 2016

img_4621klein(Foto von mir
– Berliner/Pfannkuchen/Krapfen sind eben das, was man zum Jahreswechsel braucht)

 

Heute ist der letzte Tag im Dezember 2016, und eine gute Gelegenheit, auf das letzte Jahr zurückzuschauen. Es, wie schon ein Jahr zuvor, viel passiert.

Erst einmal bin ich nun seit fast einem Jahr Münchnerin – seit Januar 2016 setze ich meine Forschung und Lehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München als Wissenschaftliche Mitarbeiterin fort. Dort, am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, fühle ich mich sehr wohl, dank der spannenden Arbeit und natürlich der netten Kollegen. Jetzt geht es für mich in meiner Forschung vor allem um Algorithmen und deren Wirkungen auf den Journalismus, und das ist ganz anders als meine vorherige Arbeit in der Politikwissenschaft. Was aber nicht heißt, dass sie ganz aus meinem Arbeitsalltag verschwunden ist, denn in so einigen Projekten, z.B. der großen Journalistenbefragung im Zuge der Worlds of Journalism Study, ist weiterhin genug Politik drin, sodass ich nicht auf sie verzichten muss.

Außerdem spielt in meiner Lehre die Politische Kommunikation weiterhin eine große Rolle. Bis Februar unterrichte ich z.B. ein Projektseminar, in dem ich meinen Studierenden mithilfe von Themen wie Wahlkampfkommunikation, Lobbying, oder politischer Onlinekommunikation die Methode der quantitativen Inhaltsanalyse näherbringe. Das heißt, das Kennenlernen und Anwenden der Methode nimmt einen großen Raum ein, aber immer mit politikwissenschaftlichen Themensetzungen und den dazugehörigen Theorien. Daneben hat sich ein weiterer Themenfokus herauskristallisiert, der mir sehr viel Freude macht, nämlich die Sportkommunikation. In einem Projektseminar dazu, das ich auch dieses Semester unterrichte, sind meine Studierenden und ich gerade fleißig dabei, den deutschen Profifußball zu untersuchen. Und natürlich – in Zeiten vom FIFA-Korruptionsskandal und politischen Messages von Vereinen und Fans geht es auch hier nicht ohne Politik!

Veränderungen allerorten, das kann ich so feststellen – die Doktorarbeit ist mit Erscheinen meiner Monographie im April 2016 endgültig abgeschlossen, und damit ist die Arbeit an den Onlineauftritten von Politikern erstmal vorbei. Was die neuen Themen angeht, die mich umtreiben, sind z.B. die (Aus)Wirkungen von Software, mit denen sich Textnachrichten automatisiert erstellen lassen, und algorithmenbasierte Neuerungen auf Nachrichtenwebseiten an der Tagesordnung. Ganz anders, und doch ähnlich – es geht immer noch im Kern darum, wie sich das politische und gesellschaftliche System durch die neuen Techniken verändern.

Meine Ergebnisse konnte ich dieses Jahr auch vorstellen, wie z.B. auf der Second Annual Journal of International Press/Politics Conference in Oxford. Dort ging es, wie der Name der Konferenz schon vermuten lässt, um die Wechselwirkungen von Journalismus und Politik, genauer die politischen Einflüsse auf Journalisten. Eine kleine, und sehr feine Konferenz, auf der ich alte Bekannte wiedergesehen, und viele neue Kontakte knüpfen konnte. Auch der Nachwuchstag der DGPuK hat mir neue Impulse für meine Forschung und Lehre gegeben, z.B. mit Vorträgen zum Berufungsverfahren oder zur Drittmittelakquise. Hier nochmal einen großen Dank an meine Kollegen, die den Nachwuchstag nach München geholt und organisiert haben.

Natürlich gab es daneben noch andere Freuden, wie z.B. ganz allgemein das Kennenlernen einer neuen Stadt, und – wie es in München auch gar nicht anders geht – der Kauf eines Dirndls. Umso schöner, dass es mir von allen Seiten leicht gemacht wurde, mich „hier unten“ einzuleben.

Soweit – einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein erfolgreiches 2017!

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Servus aus München!

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(Photo von mir – der wunderbare englische Buchladen „The Readery“
in der Augustenstraße)

 

„München will gar nicht erörtert, München will gelebt und geliebt sein.“
(Ernst Heimeran)

Nun, ich probiere es trotzdem mal. Wie bereits angekündigt, gibt es große Neuerungen – ich bin nun Münchnerin! Um genau zu sein, arbeite ich nun als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität. Dabei bin ich am Lehrstuhl „Computational Journalism“ bei Prof. Neil Thurman angestellt.

… wie, keine Europäische Union mehr? Was ist mit der Politik? Ja, das Thema ist neu, das stimmt. Und auch, wenn ich meine geliebte Europäische Union erstmal zur Seite schieben muss, sind die neuen Inhalte nicht weniger spannend. Und natürlich bleibt es politisch, wo kämen wir denn da hin!

Unsere Forschung kümmert sich vor allen Dingen darum, wie der Journalismus mit Algorithmen umgeht, und wie diese genutzt werden. Algorithmen finden sich mittlerweile überall – durch sie bekommen wir Produkt-Empfehlungen von Amazon, und Facebook weiß, mit welchen Leuten wir am meisten kommunizieren. Oder noch einfacher: mithilfe von Algorithmen bestimmt Google, welche Suchergebnisse wir sehen. Also, in dem Bereich passiert eine Menge, und ich freue mich, dabei an der Forschung mitwirken zu können. Wie bereits gesagt, mich interessiert dabei besonders, welche Auswirkungen die Nutzung von Algorithmen im Journalismus auf die Gesellschaft hat. Bedeutet das, dass die Politik in der öffentlichen Wahrnehmung schließlich an den Rand gedrängt wird, weil alle nur noch News zu Kim Kardashian und Co. empfohlen bekommen? (Hoffentlich nicht.) Wenn man bedenkt, dass es bereits Computerprogramme gibt, die z.B. Sportnachrichten selbstständig schreiben, kann man den Unterschied zu einem von einem Menschen geschriebenen Text überhaupt noch erkennen? (Kommt auf das Programm an.) Diese Fragen – und natürlich noch mehr – werden in den nächsten Jahren im Vordergrund stehen. Ich freue mich schon darauf, berichten zu können.

Natürlich sind wir auch an anderen Dingen dran, wie  aktuell am Worlds of Journalism Project, für das wir die britischen Journalisten erforschen. Hier werden allgemeine Daten zu den Journalisten haben, wie Geschlecht und Gehalt, aber auch viele weitere Dinge, wie z.B. die Arbeitsbedingungen und -routinen, wie sie ihre Rolle in der Gesellschaft sehen, und was bzw. wer ihre Arbeit beeinflusst. Das heißt nicht nur, dass ich weiterhin mit der Statistik und SPSS und Co. arbeite – was an sich super ist, nicht wahr? – sondern mich nun auch mit einem Feld beschäftige, in dem ich mich zuletzt im Studium austoben durfte. Alles in allem ist es hier am Institut sehr aufregend – und dabei bin ich erst zwei Wochen da!

Also, die Politik ist weiterhin da, die Statistik auch, die Kommunikation sowieso – und Großbritannien hat mich auch nicht verlassen. Also, alles neu, und trotzdem bin ich meinen Lieblingsthemen treu geblieben. Also, auf eine tolle Post-Doc-Zeit in München!

P.S. Natürlich vermisse ich die Helmut-Schmidt-Universität, den Lehrstuhl für Vergleichende Regierungslehre, und natürlich ganz besonders meine Kollegen. Es war eine tolle Zeit, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird!

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Tschüss, 2015!

huete(Photo von mir)


Das Ende eines Jahres, und damit ein Anlass, einmal zurückzuschauen. Während das dieser Tage unendlich viele Zeitschriften und Zeitungen für das Weltgeschehen und alles Drumherum tun, schaue ich einmal kurz auf mein ganz persönliches (akademisches) 2015 zurück.

Als erstes das wichtigste: ich habe meine Doktorarbeit abgegeben, verteidigt, und meine Promotionsurkunde bekommen. Schon die Abgabe war ein großartiges Erlebnis – nach der gefühlt tausendsten Korrektur und Formatierung endlich die fertig gebundenen Exemplare in den Händen halten, darauf habe ich gewartet! Im Juli folgte dann die Disputation mit meinen drei Doktorvätern Prof. Florian Grotz, Prof. Ferdinand Müller-Rommel, und Prof. Simon Hix, der extra aus London angereist ist. Ein sehr aufregender Tag, der zum Glück reibungslos über die Bühne gegangen ist. Nicht zuletzt auf Grund des Zuspruchs meiner Mit-Doktoranden, die der Disputation nicht nur beigewohnt, sondern mir gezeigt haben, dass ich nicht alleine da vorne stehe. Vielen Dank an meine Doktorväter und meine Mit-Doktoranden für den großartigen Tag! Gegen Ende des Jahres bekam ich schließlich die Promotionsurkunde, mit der ich den Doktorgrad nun offiziell führen darf. Das heißt auch, dass die Publikation meiner Dissertation in den Startlöchern steht – wenn es soweit ist, werde ich hier berichten.

Daneben sind noch weitere Dinge passiert, na klar. Wie mein Besuch der GOR15 in Köln, der General Online Research Conference, auf der ich Auszüge meiner Dissertation vorstellen und so einige spannende Leute kennengelernt habe. Außerdem habe ich zwei Seminare zum Thema politischer Kommunikation gegeben, und ein Paper für ein Journal fertiggestellt. Also, alles in allem war das akademische 2015 sehr erfolgreich!

Ansonsten bietet es sich auch immer an, in die Zukunft zu schauen – und da passiert in den nächsten Tagen eine Menge bei mir. Aber dazu kommt im Januar ein ausführlicher Blogpost…

Also, tschüss 2015, hallo 2016!

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Eine Rezension ist erschienen… und eine weitere ist auf dem Weg

bib_anna(Foto von mir)


Ich habe folgenden Sammelband rezensiert: „Social-Media-Kommunikation nationaler Regierungen in Europa. Theoretische Grundlagen und vergleichende Länderanalysen”, herausgegeben von Holger Sievert und Astrid Nelke, erschienen im Springer VS Verlag. Erschienen ist die Rezension in der aktuellen Ausgabe der „Medien und Kommunikationswissenschaft“.

Wer sich für ein noch immer neues Thema der Onlinekommunikation interessiert, ist mit diesem Sammelband gut beraten. Das Besondere ist, dass er aus einem studentischen Lehrprojekt der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation Berlin hervorgegangen ist, was mein Dozentenherz besonders hochschlagen lässt. Mehr zu meiner Einschätzung aber in meiner Rezension, die hier zu finden ist.

P.S. Die nächste Rezension für Medien und Kommunikation ist auch schon abgeschickt – diesmal zur hervorragenden Dissertation von Matthias Brändli, „Die Online-Kommunikation von politischen Interessengruppen in der Schweiz. Bedeutung, Einsatz und Veränderungen der Organisationsstrukturen.“ (erschienen im Herbert von Halem Verlag). Ich will nicht zuviel verraten, aber mit Onlinekommunikation und Interessengruppen kann man mich immer locken, und wenn dann auch noch die Schweiz der Fall ist, umso mehr. Aber mehr in einer der kommenden Ausgaben von Medien und Kommunikation!

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[GER & ENG] Plagiate und Co. – Zeit, mal wieder etwas dazu zu sagen

IMG_3405(Foto von mir)


Liebe Leser,

heute muss ich ein wenig schummeln – es gibt eine Verlinkung auf einen alten Post. Der noch immer sehr relevant ist, aber dazu gleich mehr. Warum eine Verlinkung? Ich war eine Weile krank, vergraben und Decken auf dem Sofa und mit literweise heißem Tee bewaffnet – und dementsprechend nicht in der Lage, mich eingehend mit dem Blog zu beschäftigen.

Aber das macht nichts – denn ein Thema ist wieder aufgetaucht, zu dem ich bereits etwa geschrieben habe. Die Überschrift verrät es bereits, es geht um Doktorarbeits-Plagiate. Nun hat es Ursula von der Leyen erwischt, wie allerorten zu lesen. Meine Meinung zu dem grundsätzlichen Thema hat sich nicht geändert, weshalb ich hier auf meinen Post aus dem Jahre 2013 verweise. Manches wird eben nicht alt.

Bitte einmal auf die Flagge klicken, um zum Post zu kommen:

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Dear readers,

this post today may feel a bit like cheating since I’m linking to an old blog post of mine. However, it’s still quite relevant, but more about that in a minute. Why am I doing this? Well, I was sick for a while, hidden behind piles of duvets and I had liters of hot tea nearby – and thus I was not able to write something new for the blog.

But nevermind – an old topic made a reappearance, and that is plagiarism in PhD theses. This time, it’s German politician Ursula von der Leyen who is being looked at, one can easily follow this in the press. My opinion on the wider topic didn’t change, and thus I’m linking to a post I wrote in 2013. Some things never get old.

Please click on the flag to get to the blog post:

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Traue keiner (Interpretation einer) Studie…

arbeitKlein(Mein Photo und mein kreatives Chaos)

 

Was ist passiert?

… nun, das Zitat, selbst wenn ich es hier in abgewandelter Form benutze, muss ich wohl nicht zu Ende führen. Worum geht es? Um eine Studie der Uni Konstanz, wie sie auf Spiegel Online in Auszügen veröffentlicht wurde. Dabei geht es um die wöchentliche Arbeitszeit, die für das Studium aufgewendet wird. Dazu gibt es unter der Grafik auf Spiegel Online folgendes zu lesen: „Der Studieraufwand setzt sich zusammen aus Lehrveranstaltungen, Selbststudium und Arbeitsgruppen.” Soweit, so gut – nun wurde natürlich nach Fächern aufgeschlüsselt, und hier werden wieder so einige Klischees bedient. Die Mediziner finden sich mit über 40 Wochenstunden am oberen Ende der Skala, die Sozialwissenschaftler am unteren – die Politikwissenschaft liegt bei 26,1 Wochenstunden. Keine Überraschung, könnte man sagen. Oder etwa doch?

Was meine ich dazu?

Solche Studien gibt es immer wieder. Ich möchte auch nicht anzweifeln, dass diese Daten ordentlich erhoben worden sind. Allerdings frage ich mich, wer diese Studierenden waren, die in den Sozialwissenschaften befragt wurden, denn das Ergebnis ließ mich mit einem Fragezeichen zurück. Ich weiß von mir, dass ich wesentlich mehr Zeit pro Woche für mein Politikwissenschaftsstudium aufgewendet habe. Allein das Lesen der Texte für die Vorlesungen und Seminare machte einen großen Teil meines Tages aus, im Bachelor und besonders im Master. Es waren nicht wenige Seiten zu bewältigen, die nur selten den Charakter eines leicht verständlich geschriebenen Lehrbuches hatten. Dazu kamen natürlich noch die Präsenzzeiten in eben diesen Vorlesungen und Seminaren, sowie das Anfertigen von Hausarbeiten, für die ich mich ebenfalls vorbereiten musste. Für mich kann diese angegebene Stundenzahl nicht stimmen, und ich kann von meinen Kommilitonen sagen, dass es diesen genauso gegangen ist.

Wie kommen also diese Zahlen zustande? Ein Blick auf die Webseite der Studie der Uni Konstanz bringt ein wenig Aufschluss. Erst einmal ist der Rücklauf der Umfrage unter den Studierenden recht gering, sodass ein verzerrtes Bild entsteht. Hier möchte ich noch einmal betonen, dass ich den Fehler nicht bei der Forschergruppe sehe – die Auswahl der Studierenden, die befragt werden sollen, erfolgt nach dem Zufallsprinzip, was ich vollkommen unterstütze, und auf den Rücklauf haben die Forscher leider keinen Einfluss. Eine weitere Aufschlüsselung zeigt, dass es im Wintersemester 2012/2013 rund 18 % Rücklauf der Fragebögen gab, was knapp unter 5.000 Studierende in ganz Deutschland macht. Das hier Verzerrungen entstehen, erscheint logisch. Anfang der 1990er lag die Quote der ausgefüllten Fragebögen bei über 45 %, was gerechnet an den jetzigen Werten ein großer Erfolg war. Die Fragen aber bleiben: Wer füllt diese Bögen heute aus? Wieviele Studierende aus welchen Fächern? Das ist der Webseite leider nicht zu entnehmen, wäre aber sehr wichtig, um die Ergebnisse der Studie entsprechend bewerten zu können.

Natürlich habe ich selbst auch eine verzerrte Sichtweise, und mein Wissen von wenigen Universitäten ist auf keinen Fall repräsentativ. Aber dass hier wieder in den Medien der typische Graben Naturwissenschaften-Geisteswissenschaften (wobei die Sozialwissenschaften hierbei fälschlicherweise zu den Geisteswissenschaften gezählt werden) aufgemacht wird, das kann ich nicht gutheißen. Es sind vollkommen unterschiedliche Fachrichtungen, die ebenso unterschiedlich arbeiten. Ja, als Sozialwissenschaftler hat gerade in den höheren Semestern man wesentlich weniger Präsenzzeit in der Universität als ein Naturwissenschaftler. Aber tun wir weniger für die Uni? Nein, ich denke nicht. Wenn ich nach Hause gefahren bin oder mich in die Bibliothek gesetzt habe, hat noch viel Lektüre auf mich gewartet, und damit war der Tag dann auch vorbei – und genauso lang wie der des Naturwissenschaftlers.

Obwohl meines Erachtens Äpfeln mit Birnen verglichen werden, wenn es um den Blick über die Fächer geht, so finde ich solche Studien dennoch wichtig. Allerdings aus der Perspektive, wie sich der Aufwand innerhalb eines Faches entwickelt – tun die Studierenden mehr oder weniger als früher? Woran könnte das liegen? Das sind die Fragen, die sich gerade nach Bologna stellen. Welche Einflüsse – wenn überhaupt welche – hat(te) die Reform? Diese Fragen sind noch immer aktuell, und wesentlich spannender als die ideologisierten Grabenkämpfe zwischen den Fächern.

Hier muss im Übrigen eine Lanze für die Konstanzer Kollegen gebrochen werden, denn der Fragebogen umfasst noch viel mehr Dinge, die genau in diese Richtung gehen, und über die in den Medien nicht halb so viele Worte verloren werden. Zum Beispiel Punkt (6), die Situation der Lehre und der Studienqualität, oder (12) Berufliche Orientierungen und Arbeitsmarkt, darüber hätte ich gerne mehr gewusst. Es muss doch mehr geben als die allgegenwärtigen Plattitüden, dass sich unter Bologna ‚alles‘ verschlechtert hat und ’niemand‘ glaubt, mit dem Bachelorabschluss ‚je einen Job‘ zu bekommen?

Fazit

Studierendenumfragen haben so viel mehr zu bieten als platte Vergleiche, die viel zu häufig Polemik provozieren (wer das nicht glaubt, möge sich die Kommentare zum Spiegel Online-Artikel anschauen). Wie geht es den Studierenden? Was beschäftigt sie? Auch wenn der Rücklauf nicht das ist, was man sich wünscht, können so viel mehr Schlüsse daraus gezogen werden, als dass Sozialwissenschaftler die meiste Zeit ihres Studiums vermeintlich in der Badeanstalt verbringen. Also, wo sind diese Berichte? Ich jedenfalls werde mich jetzt noch ein wenig durch’s Internet wühlen, um Näheres zu erfahren.

 

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