Endlich mal wieder quatschen – dank technischer Spielereien auf Online-Tagungen

Lecker! Das Raclette wurde mit Käse vor der Tagung versendet.

Virtuelle Konferenzen sind ja mittlerweile nichts Neues mehr. Man trifft sich über eine Videokonferenzsoftware der Wahl, versucht sich an hartem Zeitmanagement und ignoriert so gut man kann, dass man meistens in den leeren Raum zu schwarzen Kacheln spricht. Einige Dinge müssen eben so sein, wie sie es eben sind – für die ausgeschalteten Videos spricht beispielsweise, dass das Internet auf allen Seiten nicht (ganz so schnell) zusammenbricht. Aber anstrengend macht es das, vor allen Dingen, wenn noch das ‚ding‘ einer eingehenden E-Mail und die Türklingel dazukommen.

Wie soll man sagen, diese Onlinekonferenzen, egal ob nun im Kleinen oder im Großen, sind sozial eher eine traurige Sache. Da sie zumindest neben einem vollen Arbeitstag stattfinden, ist meine Hirnkapazität dafür eher begrenzt. So scheint es sehr vielen zu gehen, denn für gewöhnlich loggen sich alle passgenau für den gewünschten Vortrag ein und sind – zack! – fünf Sekunden nach dem Ende wieder draußen. Das, was die gemeinsame Erfahrung ausgemacht hat, fehlt, wie eben die Kaffeepause oder, bei großen Konferenzen, das bis in die frühen Morgenstunden gehende Dinner.

… kann man eben nichts machen, ist halt so? Nein, nicht unbedingt! Ich war Anfang April Teilnehmerin auf der DACH21, der Dreiländertagung für Kommunikationswissenschaft, ausgerichtet gemeinsam von der DGPuK (Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft), der SGKM (Schweizerische Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft) und der ÖGK (Österreichische Gesellschaft für Kommunikationswissenschaft). Dort konnte ich eine Menge Neuerungen sehen, die die Tagung zu einem echten Vergnügen gemacht haben – obwohl ich in meinem Arbeitszimmer, und nicht im schönen Zürich saß, wo die Tagung eigentlich hätte stattfinden sollen.

Erst einmal: Gegen die ausgeschalteten Videos war auch hier kein Kraut gewachsen, das war aber auch mit mitunter über 100 Personen bei den Vorträgen so gewünscht. Aber wenigstens drei oder vier Gesichter konnte man sehen, die Kameras der ModeratorInnen waren nämlich eingeschaltet. Also, ein erster Pluspunkt. Zweitens gab es ein großes soziales Programm, das fast so gut war wie vor Ort, und auch noch einige Dinge eingebaut hat, die man in Präsenz kaum umsetzen könnte, und die mir fehlen werden. Zu letzterem zählt für mich das „Speeddating“, bei dem man alle fünf Minuten einem neuen Teilnehmer zugelost wurde, mit dem man sich dann per Videochat unterhalten konnte. Eine tolle, wenn durch einen ablaufenden Timer auch leicht stressige Sache – so habe ich ein paar tolle neue Leute kennengelernt, und hatte auch noch – so wollte es der Zufall! – einen ehemaligen Studierenden im Call, was mich besonders gefreut hat.

Das Speeddating war nun eine relativ kleine Sache, eine nette Spielerei aber was macht man mit den Programmpunkten, die einfach zu einer Konferenz gehören wie der Fisch zum Wasser? Auch dafür wurde eine Lösung gefunden, und zwar für das Get-Together und das Konferenzdinner. Beide Programmpunkte fanden in einem „spatial chat“ statt. Das habe ich auch vorher noch nie gehört, aber dieser besondere Chat bildet die reale Welt ziemlich gut ab. Man loggt sich ein und wird zu einem runden Kreis, in dem das eigene Kamerabild zu sehen ist. Dieses Bild lässt sich verschieben, und je näher man zu einem anderen Teilnehmer kommt, desto größer wird deren Kreis, und desto besser kann man den anderen hören. Also ganz so, als würde man sich bei einem „realen“ Dinner einander nähern. Zieht man seinen Kreis wieder weg, wird der andere wieder kleiner und leiser. Das heißt, man kann sich wie an einen Tisch zusammensetzen (bzw. klicken) und hört und sieht sich gegenseitig, kann aber auch sein Bild verschieben, wenn man sich privat unterhalten möchte. So habe ich viele KollegInnen gesehen und dank des Hintergrundbilds dieses Chats konnten wir in einer Bar am Zürichsee sitzen. Das ist doch mal was! Dazu gibt es übrigens auch zu sagen, dass die VeranstalterInnen vor der Tagung „Päckli“ mit einem Raclette, Käse und Gürkchen an alle gesendet haben – so wurde das Dinner noch viel schöner!

Kurz und gut: Die DACH21 hatte noch mehr Funktionen, aber gerade diese sind mir besonders in Auge gefallen und lassen mich gerne an die Tagung denken. Wir können nunmal derzeit nicht reisen, was aber nicht heißt, dass wir uns die großen Konferenzen vermiesen lassen! Auch wenn ich hoffe, dass wir ganz bald alle wieder „richtig“ zusammenkommen können, sind diese technischen Spielereien eine große Hilfe, gerade wenn es ein nettes Ambiente geben soll.

P.S. Passend zu dem Digitalen war das Thema der Tagung „#Kommunikation #(R)Evolution – Zum Wandel der Kommunikation in der digitalen Gesellschaft“ – und dass, obwohl die Tagung lange vor Corona geplant worden war. So haben sich die Veranstalter die (R)Evolution bestimmt nicht gedacht, aber sie haben diese wunderbar gemeistert.