Einmal die Pausetaste drücken

… das zweite Coronasemester ist vorbei. Ich habe drei Kurse unterrichtet und ich muss sagen: ich bin geschafft! Einmal bin ich positiv geschafft, denn die Seminare, drei an der Zahl, haben wieder viel Spaß gemacht und ich klopfe meinen Studis (und mir selbst) virtuell auf die vielen Schultern. In meinem englischsprachigen Forschungsseminar zum Thema „Algorithms in the Newsroom“ sind meine Studis mit ihren eigenen Projekten zur Höchstform aufgelaufen und ich kann es kaum erwarten, ihre Forschungsberichte zu lesen. Im Seminar zu Journalismustheorien haben sich die Studis durch Theorietexte gekämpft und ihre Erkenntnisse als kreativen Werbespot, als kurzes Quiz, als Präsentation und mittels spannender Diskussionsfragen vorgestellt. Und zu guter Letzt haben meine Studis im Seminar zu Fußballkommunikation wieder alles gegeben, um den besten Sport der Welt im Detail zu analysieren und sich beizeiten auch desillusionieren zu lassen.

Ich könnte noch sehr lang erzählen, aber ich möchte auch berichten, warum ich negativ geschafft bin. Es verwundert nicht, wenn ich sage, dass es auch mich müde macht, dass das gesamte Unileben über Zoom und Co. stattfindet. Ich frage mich besonders, ob die Inhalte ankommen, die ich in Videopräsentationen verarbeite, und ob auch niemand zwischen Lernplattform und Lehrplan verloren geht. Die Evaluationen, die ich bekomme habe, lassen mich aufatmen, dass meine Pläne wohl aufgegangen sind, aber dennoch sind und bleiben viele Dinge ein Blindflug. Apropos Blindflug – ich bin für jede angeschaltete Kamera dankbar. Ich weiß, dass die Internetverbindung oder Störungen im Hintergrund es manchmal nicht zulassen, aber vor schwarzen Kacheln zu unterrichten und zu diskutieren macht keinen Spaß. Ich kann nicht sehen, ob es eine gerunzelte Stirn gibt, ob ein Getuschel einsetzt (oder auf einmal heftig auf dem Handy getippt wird), wenn etwas nicht verstanden wurde. Ich muss darauf vertrauen, dass alles schon irgendwie passt, und das macht es anstrengend. Auch die ständige Frage, ob die Präsentationen der Studis reibungslos funktionieren, mit ihren Folien und Umfragen und was ihnen sonst noch einfällt, schwebt immer über allem, aber da hat mittlerweile eine Routine eingesetzt, über die ich sehr froh bin. Auch Diskussionen laufen sehr diszipliniert ab, ob nun mit „Handheben“ über die Videokonferenzsoftware oder ohne. Dennoch: was kommt an? Wo bleiben Fragen? Wo müsste es mehr Inhalte, Fragen, Aufgaben geben, wo weniger?

Luft anhalten hieß die Devise, und das heißt sie auch für das kommende Sommersemester, das im April beginnt. Da geht es weiter mit digitaler Lehre, in der dritten Runde nun, und auch da geht es in die Vollen bei mir mit einem Forschungsseminar, Methodenworkshops und einem brandneuen Hybrid aus Forschung und Praxis zum Thema Virtual Reality im Journalismus. Wenigstens das letztgenannte Thema passt hervorragend in die Coronazeit – ich bin gespannt, was am Ende draus wird, die Planung ist jedenfalls in vollem Gange.

Bis dahin bleibt mir nur, dann und wann die Pausetaste zu drücken, damit ich in rund einem Monat mit neuem Eifer an die digitale Lehre gehen kann. Dennoch kann ich es kaum erwarten, wenn es denn wieder in die ganz realen Seminarräume geht… aber bis dahin heißt es durchhalten und das Franzbrötchen aus dem Foto naschen.