In Blazer und Jogginghose: Konferenzen in digitalen Zeiten

Corona bringt mit sich, dass Konferenzen eins von drei Schicksalen droht: Sie werden abgesagt, finden in einem hybriden Format mit Präsenz und digitaler Zuschaltung statt oder werden ganz über digitale Kanäle abgehalten. Mit allen drei Szenarien war ich in den letzten Monaten konfrontiert – die Absage ist natürlich besonders schmerzhaft, wobei ich da weniger an meine Arbeit an der Einreichung des Abstracts denke, sondern an den ganzen Schweiß und die Tränen der Konferenzveranstalter. Aber sei es drum – manchmal ist es nicht anders möglich.

Aber wenn die Konferenz dann entweder hybrid oder digital stattfindet, ist das schon ein spannendes Erlebnis. Beides durfte ich in der letzten Woche erfahren: Es fanden zwei DGPuK-Fachgruppentagungen statt, und zwar die der Journalistik/Journalismusforschung und die der Mediensport und Sportkommunikation. Beides auch noch parallel – aber das hat mich nicht abgehalten, an beiden teilzunehmen und Vorträge zu halten.

Die Tagung der Journalistik fand komplett digital über die Plattformen Zoom und Slack statt, wobei Zoom für den synchronen Tagungsteil verwandt wurde und Slack für die asynchrone Kommunikation über Kommentare zu den Vorträgen. Dazu wurden auf Slack noch weitere Vorträge als vorher aufgenommene Videos hochgeladen, die nicht im synchronen Tagungsteil präsentiert wurden. Alles in allem war das eine hochkomplexe Angelegenheit, die aber dank guter Technikbeschreibung und einer prima Begleitung durch das Tagungsteam zumindest für meine Teilnehmeraugen reibungslos geklappt hat. Ich habe mit Prof. Michael Brüggemann und Louise Sprengelmeyer (HBI) einen Vortrag zum Thema „Burger vs. Bulgur: Berichterstattung über Ernährung als transformativer Journalismus“ gehalten. Dieser war auch synchron in einem Panel, in dem fortgeschrittene, aber noch nicht fertige Studien vorgestellt wurden. Das ist ja an sich prima – aber da Michael Brüggemann und ich dieses Panel organisiert haben, kam noch die Aufregung hinzu, ob alles klappt und die Technik mitspielt. Gottseidank tat sie das – und wir konnten den Teilnehmern ihre Präsentationen als Videos zur Verfügung stellen. Also: es geht, aber der Aufwand ist nicht zu verachten, zumindest nicht auf Organisationsseite.

Die Tagung der Mediensport und Sportkommunikation war noch einmal ein anderes Kaliber, denn diese fand in hybrider Form statt. Das heißt, einige Teilnehmer waren zur Ort, andere wiederum, so auch ich, wurden digital zugeschaltet. Da war meine Erfahrung durchwachsen, was aber nicht an der Organisation liegt, die ebenfalls sehr gut war, sondern an der Technik. Hier wurde für die Zuschaltung der Teilnehmer die Plattform WebEx benutzt, das zumindest auf meinem Laptop ziemlich instabil lief. Mal war der Ton weg, dann das Video, und die Chatfunktion war auch nicht übersichtlich. Außerdem mussten die Organisatoren ihre Augen überall haben – einmal im Raum, dann wieder im kleinen Chatfenster, um allen irgendwie gerecht zu werden. Das war wohl ziemlich anstrengend und nimmt Aufmerksamkeit von den Vortragenden weg. Wie auch immer, ich habe aufgeatmet, dass WebEx bei meinem Vortrag zum Thema „Praxislehre Sportjournalismus zu Zeiten von Corona: Herausforderungen und Chancen der digitalen Lehre“ reibungslos funktioniert hat, und ich mit den anderen diskutieren konnte. Manche Wortmeldungen der Anwesenden vor Ort waren leider akustisch nur schwer zu verstehen, was aber für mich ein Anreiz ist, bei den betreffenden Personen nochmal mit einem (fachlichen) Schnack nachzufassen. Also auch hier: was für ein Aufwand!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es nicht einfach ist, digital zu referieren. Da der Bildschirm mit den Folien für die anderen Teilnehmer geteilt wird, spricht der Vortragende am Bildschirm in den luftleeren Raum, da er das Publikum nicht mehr sehen kann – oder zum mehr oder minder interessierten Haustier, je nachdem. Die Reaktionen des Publikums ließen sich nur erahnen, und die Diskussion war ebenfalls schwierig, wenn die Folie mit den Diskussionsfragen offen bleiben, d.h. der Bildschirm weiterhin geteilt bleiben musste. Angenehm war die Sache allerdings als Zuhörer – wenn am Nachmittag bei mir die Luft raus war und ich nicht mehr auf den Bildschirm starren mochte, habe ich entweder über den Laptop oder über die App des Videotelefoniediensts den Vorträgen zuhören können, quasi als Podcast, und das während ich auf dem Sofa lag. Das hat mir gezeigt, dass ich die Folien oft nicht gebraucht habe, um den Vorträgen gut folgen zu können, weil viele der Vortragenden auch noch gute Erzähler sind – auch eine tolle Erkenntnis! Das ist wohl das erste Mal, dass ich es mir bei einer Konferenz so gemütlich machen konnte, und ja, die Jogginghose kam wirklich zum Einsatz.

Dennoch, ich finde nicht, dass digitale Vorträge das Konferenzerlebnis ersetzen können, denn zu sehr habe ich mich vom Geschehen abgekoppelt gefühlt und war dann zwischen Baum und Borke – mental nicht richtig auf der Tagung, aber auch nicht richtig in meinem Heim. Außerdem braucht es, noch viel mehr als auf Präsenztagungen, ein punktgenaues Zeitmanagement. Wenn sich Tagungspunkte in Präsenz verschieben, finde ich das meist nicht so schlimm, da ich oft noch einen Tee hole oder mich noch im Gespräch befinde. Online ist denn da nur ein schwarzer Bildschirm (oder ähnliches) und meine Geduld ist bald erschöpft. Aber vielleicht werde ist das lernen müssen, je nachdem, wie es mit der Pandemie und dem Konferenzwesen überhaupt weitergeht.

Also, es waren zwei sehr ungewöhnliche, aber dennoch sehr schöne Tagungen – danke dafür an die Organisatoren!