Wir machen weiter – das Sommersemester ist digital

blog_bild_rolltreppe_kleinCorona – das ist nicht nur eine große Einschränkung im täglichen Leben, sondern für die Universitäten auch in Forschung und Lehre. Besonders in der Lehre ist auf einmal alles anders, denn alles muss online sein. Wie können wir so weitermachen?

Erstmal die Jammerei vorweg: es ist schwierig. Die Lernplattformen, noch vor einem Monat eher stiefmütterlich behandelt, sind nun häufig überlastet. Und wenn sie funktionieren, müssen wir – Dozenten und Studierende – uns einfuchsen, und auch das kostet seine Zeit. Die Uni Hamburg hat OpenOlat, eine prinzipiell sehr mächtige Plattform, und ich bin sehr dankbar für die vielen Funktionalitäten, die von einfachen Ordnern über Diskussionsforen bis zu Wikis langen. Wir können uns zu also vernetzen, unser Projekt dort durchführen – prinzipiell jedenfalls.  Ich mache von all diesen Dingen Gebrauch, aber – und es gibt ein ‘aber’ – das müssen die Studierenden auch alles neu erlernen, und nicht nur ich. Klappt das? Wo sind Schwierigkeiten? Vor Corona haben wir uns jede Woche im Seminar gesehen, und die Zusammenarbeit lief, soweit sie über das Versenden von Basistexten und Erinnerungs-E-Mails hinausging, flickenteppichartig über externe Online-Plattformen. Jeder hat das genutzt, was er am besten kann, und keinen hat es berührt, aber jetzt müssen wir alle auf einer Plattform zusammenkommen. Zusammenkommen, damit das Seminar nicht auseinanderbricht. Im Präsenzseminar hatte ich (meistens) im Blick, wer gut vorankommt, und wer mit Herausforderungen zu kämpfen hat. Das fällt jetzt weg, und ich sehe im besten Fall einen kleinen Avatar, der den Studierenden zeigt, und ein paar geschriebene Zeilen.

Aber genug, genug, genug der Jammerei. Denn es gibt so viele Lichtblicke, die mir zeigen, dass es trotzdem vorangeht: ich sehe, die Studierenden sind trotzdem da, und das lässt mich aufatmen. Und dass, obwohl viele schöne Dinge jetzt nicht möglich sind. Ich hatte in meinem Praxiskurs Sportjournalismus ein Olympia-Thema geplant, eine semesterlange Vorfreude auf ein Mega-Event. Dann musste ich meinen Studierenden mein Bedauern ausdrücken, dass wir das Thema ändern müssen. Wie sollen wir ohne Olympia weitermachen?

Wir tun es einfach. Auch wenn es mit der sportjournalistischen Praxis, die mein Kurs vermitteln sollte, jetzt nicht mehr weit her ist, zumindest nicht so, wie es vor Corona gewesen wäre. Sportjournalismus selbst machen, zu Vereinen und Sportlern gehen, Reporter vor Ort sein – dieser Reporter ist nun, soweit absehbar, ein Reporter vor dem Skype. Das ist sehr schade, aber ich wollte nicht mehr jammern. Denn meine Studierenden jammern auch nicht, sondern nehmen die Herausforderung an. Sie schreiben mir, sie legen los, sie drehen mitunter kurze Vorstellungsvideos, damit ich sie zumindest aus der Ferne sehe, und gerade letzteres war für mich sehr hilfreich. Ich möchte auch hilfreich sein, und habe alle Seminaraufgaben bereits geschrieben, und somit mein gesamtes Online-Semester fertig konzipiert. Die Studierenden sollten Planungssicherheit haben, jedenfalls wie das möglich ist. Es ist das oberste Ziel, dass meine Studierenden das Sommersemester trotz allem abschließen können, wenn sie das wollen. Übrigens, das neue Seminarthema behandelt Solidarität im Sport, wir schauen uns an, was jetzt trotz allem passiert. Wie weitergemacht wird. Und wir schließen uns an.

Und zwar mit unseren sportjournalistischen Beiträgen, fast wie geplant, und zwar richtig tollen.
Da bin ich jetzt trotzig.
Wir machen weiter.

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