Forschung und Lehre in Zeiten von Corona

schnee_klein

Foto von mir

 

Ganz so idyllisch wie auf dem Foto (gestern aufgenommen) ist es nicht, aber dennoch: auch ich bleibe Zuhause. Die Uni ist geschlossen, der Semesterbeginn auf Ende April verschoben, und hinter den Kulissen geht dennoch so weit wie möglich alles weiter.

Ich bin derzeit dabei, mein Seminar für das Sommersemester auf digitale Lehre umzustellen. Gar nicht so einfach, handelt es sich bei mir noch um einen Praxiskurs. Wie sollen die Studierenden das Handwerk des Journalismus erlernen, wenn Sie nicht zu Ihren Interviewpartnern gehen können? Wie sollen sie über Sport berichten, ohne Sport(ler) zu sehen? Und wie soll das alles funktionieren, wenn wir uns nicht jede Woche sehen?

Nun, es wird schon gehen. Für mich geht es im Moment erstmal weniger um Inhalte, sondern darum, eine digitale Plattform zu schaffen, mit der die Studierenden umgehen können, und auf der sie schließlich ihre Aufgaben erledigen werden. Das ist schon eine große Aufgabe, denn mit digitalen Medien gehen wir in der Lehre kaum um, von unser unieigenen Anmeldeplattform abgesehen. Und nun ist alles anders. Die Meinungen und Anweisungen gehen auseinander, wie die digitalen Aufgaben aussehen sollen, aber derzeit bin ich zu weiten Teilen auf asynchrone Lehrformen eingestellt. Das heißt, dass ich kurze Videos drehen werde, welche meine Inhalte deutlich machen, und die Studierenden dann von mir gestellte Diskussionsfragen in einem Forum kommentieren, und wir uns eben nicht zu einer festen Zeit in einem Videochat sehen. Oder dass sie mit einem „Writing Buddy“ ihre Recherchearbeit bestreiten, und sich mit diesem kontinuierlich austauschen – allein schon, damit sie nicht allein vor ihrem Rechner sitzen und nicht weiterkommen.

Austausch – das ist auch außerhalb der Lehre bei mir am Institut das Gebot der Stunde. Wir Kollegen tauschen uns über Chatprogramme aus, und Videokonferenzen stehen auch bei uns an der Tagesordnung. Dabei wird nicht nur über die Arbeit gesprochen, sondern auch über vieles andere. Das ist schön, und zeigt unseren festen Zusammenhalt. Derzeit treibt keinen von uns die Sorge um, dass der Vertrag bald ausläuft – das sieht bei vielen Kollegen ganz anders aus. Ich hoffe, dass da Regelungen gefunden werden, auch im Hinblick darauf, dass weitere Teile der Forschung gestoppt sind und somit Dissertationen und andere Vorhaben ruhen müssen, obwohl die Uhr weiterhin tickt. Für uns Sozialwissenschaftler besteht viel Forschung darin, mit anderen Menschen zusammenzusein, ob nun für ein Interview oder eine Gruppendiskussion, und allein das Wort „Gruppe“ sagt es schon: das ist im Moment nicht erlaubt.

Wann es weitergeht, können wir noch nicht sagen. Kleine Schritte gehen, das ist nun angesagt – und hoffen, dass die Kurve flach gehalten wird. Wie gesagt, ich bleibe Zuhause – und trotzdem geht alles weiter.