Digitale Zwillinge und Virtual Reality: „Wissenschaft muss faszinieren!“

vr-helm Kopie
(Das bin ich!)

 

… so sagte es Prof. Wolfgang Kaysser, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums Geesthacht, Zentrum für Material- und Küstenforschung, auf der Jahrestagung desselbigen am vergangenen Donnerstag. Recht hat er – und so hat das Helmholtz-Zentrum auch gleich vorgelegt. Da die Jahrestagung der Ort ist, um auf aktuelle Forschung des Zentrums zu blicken, haben die Besucher Vielfältiges gesehen: z.B. anhand von Zeichnungen und einfachen Erklärungen in einem „Explainity“-Video, wie sich Magnesium-Implanate in der Behandlung von Knochenbrüchen einsetzen lassen, oder mittels einer interaktiven Karte, wie die Strömungen in der Nordsee einen Ölteppich vorantragen würden. Das hat zwar erstmal nichts mit Politikwissenschaft oder Journalistik zu tun, aber spannend ist es für mich allemal, wie sich abstrakte und streckenweise auch erstmal sperrige Forschung allgemeinverständlich und dabei noch interessant darstellen lässt.

Der digitale Zwilling

Bei der Erklärung der einzelnen Forschungsprojekte kam die Sprache immer wieder auf den „digitalen Zwilling“, anhand dessen der Gegenstand unter die Lupe genommen wird – das am Computer erstellte Gegenstück des Forschungsgegenstands. Nehmen wir zum Beispiel den eben erwähnten Ölteppich; natürlich können die Wissenschaftler nicht einen echten Ölteppich in der Nordsee aussetzen und dann die die Strömung beobachten, das hätte verheerende Folgen. Stattdessen wird berechnet, wie die Strömung agiert, und der Ölteppich hat seinen Zwilling, ohne dass es in diesem Fall einen realen geben müsste. Ein Glück! Auch für uns Zuschauer – denn nur so lässt sich verstehen, was passieren würde, und dann auch, welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.

Endlich Wasserstoffauto fahren – mit Virtual Reality

Aber „reale Zwillinge“ gibt es natürlich auch, wie z.B. in der Forschung zum Wasserstoffantrieb für das Auto. Zu gerne würde ich einmal mit diesem Auto durch die Gegend düsen! Und mitforschen, dass der Traum endlich Wirklichkeit wird – aber da das nun mal überhaupt nicht mein Fachgebiet ist, muss ich auf letzteres verzichten, und muss wohl noch viele Jahre auf das Wasserstoffauto auf der Straße warten. Aber meine Begeisterung darf ich trotzdem ausleben – und hier über einen fast schon greifbaren digitalen Zwilling. Damit ich mich auch mal im Forschungslabor umschauen konnte wurde mir ein Virtual-Reality-Headset aufgesetzt, Kopfhörer dazu, und schon war ich mitten im Geschehen – stand im (digitalen) Labor, habe den Wissenschaftlern bei der Arbeit zugesehen, und schließlich mit im Wasserstoffauto gesessen. Virtual Reality ist so viel mehr als nur ein einfaches Video, und daher einer der momentan spannendsten Möglichkeiten der Wissenschaftskommunikation. „Mittendrin statt nur dabei“ ist hier die Devise, und das alles in einer Perspektive, die ich mit dem 360°-Video selbst bestimmen kann. Diese Tour via Virtual-Reality-Headset war ein großartiges Beispiel dafür, wie faszinierend Wissenschaft sein kann – schade nur, dass diese virtuelle Führung durch die Forschung viel zu schnell vorbei war, und ich dann wieder ganz real im Veranstaltungsort der Jahrestagung zurück war. Wer sich dieses Video („Das künstliche Blatt“) und weitere 360°-Produktionen des Helmholtz-Zentrums ansehen (und sich begeistern lassen) mag, sei auf deren Webseite verwiesen. Ohne Virtual Reality ist das Erlebnis nicht ganz so großartig, aber auch mit ein paar Klicks kann man den Rundumblick auf dem eigenen Laptop oder Tablet genießen.

Aber nun genug zur Virtual Reality, es gab am Rande des Jahrestagung noch mehr Exponate zu verschiedenen Forschungsthemen zu sehen – mein Favorit, eine Quietscheente in der Nordseeströmung auszusetzen und dann ihrem Weg zuzusehen, war auch mit dabei. Bei diesen kreativen Ideen, wie sich abstrakte Wissenschaft darstellen lässt, soll auch Prof. Kayssers zweite Forderung nicht unerwähnt bleiben: „Wissenschaft muss emotional sein“. Und das ist sie, wenn sie mit einer solchen Nähe und so liebevoll dargestellt wird.