Garantiert keine Montagsdiskussion: Tagung „Mikrokosmos Amateurfußball“

IMG_5696_klein(Foto von mir)

 

Eine Tagung zum Thema Amateurfußball – als ich dazu eingeladen wurde, konnte ich einfach nicht nein sagen. Vor allen Dingen nicht, wenn gleich zwei Leute unabhängig voneinander finden, dass man doch unbedingt dabei sein müsse… (Außerdem, so viel kann ich vorwegnehmen, kann ich die neuen Erkenntnisse wunderbar in mein Seminar „Das Glück liegt auf der Aschenbahn: Kommunikationsmanagement im Lokalsport“ einfließen lassen, das ich im kommenden Sommersemester an der LMU geben werde.) Also, gesagt, getan, und am 20. Februar 2018 fand die Tagung „Mikrokosmos Amateurfußball“ endlich statt, ausgerichtet von der Hochschule Fresenius (University of Applied Sciences) in München. Die Tagung war nicht an die Wissenschaft gerichtet, sondern an Lehrer und die breitere Öffentlichkeit – was nicht nur daran zu sehen war, dass die Bayerische Landeszentrale für Bildungsarbeit die Tagung unterstützt hat.

Nur drei Stunden waren vorgesehen, um sich einem breiten Strauß an Themen zu widmen. Der Amateurfußball an sich wurde vom Mitinitiator der Tagung, Tim Frohwein [ohne eigene Online-Präsenz, aber wer ihn und seine Forschung in Bild und Ton sehen will, kann sich dieses Video ansehen], eingeführt, wobei er besonders den (möglichen) sozialen Zusammenhalt im Amateurfußball betont hat. Die Politik kam mit dem Abgeordneten des Bayerischen Landtags und Staatssekretär Bernd Sibler auch zu Wort, ebenso wie der Kreisvorsitzende für München vom Bayerischen Fußball-Verband, Bernhard Slawinski. Bei diesen drei Vorträgen ging es um die Wertigkeit von Amateurfußball, und die Veränderungen im Amateurfußball in München über die Jahre. Da hat sich viel getan, aber Herr Slawinski hat angemahnt, dass Leitbilder und Alleinstellungsmerkmale von den Vereinen geschaffen werden müssen, um Herausforderungen wie der Verbreitung von kommerziellen Fußballschulen und Gewaltvorfällen zu begegnen.

Auch die Sicht der Vereine hat Eingang gefunden, und zwar mit einem Vortrag zum Thema Integration vom Abteilungsleiter Fußball Bernd Klemm vom SVN München e.V.. Herr Klemm konnte mit vielen Bildern aus dem Vereinsleben berichten. Dabei muss man auch erwähnen, dass der SVN München e.V. für die Integrationsarbeit einige Preise gewonnen hat

Dr. Stefan Metzger hat den wissenschaftlichen Rahmen zu den Berichten aus der Praxis beigesteuert. Er hat den deutschen Amateurfußball einen historischen Kontext gesetzt, und aufgezeigt, dass viele Herausforderungen, mit denen sich der Amateurfußball heute beschäftigen muss, nicht neu sind. So Um einen Befund aus seiner gerade erschienenen Dissertation zu zitieren – Migration ist im Fußball der historische Normalfall.

Der nächste Programmpunkt stand isoliert da: es ging um Frauenfußball. Um einmal etwas weiter auszuholen: wenn man von der Begrüßung und der Moderation der die Tagung abschließenden Diskussionsrunde durch Dr. Stephanie Heinecke (Studiengangsleitung Sportmanagement B.A. an der Hochschule Fresenius) absieht, stand nur eine weitere Frau mit auf der Rednerliste, nämlich eben die Rednerin zum Frauenfußball, Kathrin Lehmann (ehemalige schweizerische Fußball-Nationalspielerin und aktuelle Eishockey-Nationalspielerin, um nur zwei Dinge aus ihrer beeindruckenden Biografie zu nennen). Frau Lehmann musste sich in der Fragerunde wieder den üblichen Klischees aussetzen lassen bzw. ein schlecht verstecktes Belächeln des Frauenfußballs ertragen. Das hat sie in ihrer souveränen Art wunderbar gemeistert, aber das zeigt wohl mal wieder, woran der Amateurfußball bei allen Erfolgen in Integration und Wachstum unter anderem krankt.

Es folgte noch eine Fragerunde mit Jimmy Hartwig, seines Zeichens Integrationsbeauftragter des DFB (und natürlich ehemaliger HSV-Spieler), der besonders der ganzen Integrationsdebatte noch eine Leichtigkeit hinzugefügt hat, die wohl nur er so an den Tag legen kann. Er hat aus seiner eigenen Erfahrung als Spieler berichtet, und natürlich über seine Arbeit als Integrationsbeauftragter, für die er in ganz Deutschland unterwegs ist.

Die Veranstaltung hat dann, wie bereits erwähnt, mit einer übergreifenden Diskussionsrunde geschlossen.

Alles in allem war es eine sehr lehrreiche Veranstaltung, die eine Perspektive geboten hat, die über die verkopfte Wissenschaft, aber auch über die eher anekdotischen Erlebnisberichte aus den Vereinen hinausgeht. Drei Stunden waren natürlich viel zu kurz, aber was will man machen, nicht wahr? Die Vorträge waren auch entsprechend kurz, da hätte jeder abendfüllend sein können. Aber für einen Überblick waren die Informationen ausreichend, und wer weiß – vielleicht kommt ja noch eine Folgetagung…?

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