Warum Workshops zur Hochschullehre so wichtig sind

hochschuldidaktik(Foto von mir)

 

Was ist passiert?

Oh Gott, das erste Mal Lehre. Vierzig Studierende schauen mich an! Was tue ich bloß? Was ist, wenn ich einen Blackout habe? Wie bewerte ich überhaupt? Und, und, und… dies sind alles Dinge, die wohl jedem Nachwuchswissenschaftler oder jeden Nachwuchswissenschaftlerin schon einmal durch den Kopf geschossen sind, wenn er oder sich das erste Mal mit dem Thema „Lehre“ befasst hat. Häufig spielt da das Gefühl des Alleingelassenwerdens mit. Die meisten Doktoranden habe keine pädagogische Ausbildung, aber stehen jetzt trotzdem vor einer Klasse – einer mit Studierenden, aber dennoch einer Klasse – die sie mit großen Augen anblickt und auf die Erleuchtung wartet.

Was meine ich dazu?

Auch ich hatte diese Gedanken. Aber allein gelassen fühlte ich mich nicht, denn an meiner Universität werden viele Workshops angeboten, die sich mit einzelnen Elementen der Lehre beschäftigen. Diese gehen je nach Thema über nur zwei Stunden, oder sogar über mehrere Wochenenden. Die Inhalte sind weit gefächert: von der Gestaltung einer Prüfung wie zur eigenen Haltung in schwierigen Situationen ist alles dabei. Ich war schon so manches Mal dankbar, dass ich einige dieser Workshops besucht habe. Jetzt weiß ich nämlich zum Beispiel, wie ich über das Standard-Evaluationsblatt der Universität effektiv meine Studierenden zu ihrer Meinung oder ihrem Wissensstand befragen kann, oder wie ich mit Nachfragen umgehe, die ich im ersten Moment nicht beantworten kann. All das sind Fähigkeiten, die eben nicht einfach so vom Himmel fallen, und der Spruch ‚du warst doch selbst einmal Student, da weißt du doch, wie Lehre geht’ hilft nicht. Nein, weiß ich nicht – ich habe auch schon in tollen Restaurants gegessen, würde mir aber nie anmaßen, dass ich genauso gut kochen könnte.

Und genau deshalb finde ich es so wichtig, dass es Kurse für angehende (und natürlich auch fortgeschrittene) Lehrende gibt. Sich vor vierzig Studierende zu stellen und „einfach so“ loszulegen ist nämlich gar nicht so einfach. Die Studierenden wollen lernen, ich will vermitteln – das muss am Ende zusammenpassen, und das möglichst so, dass alle mitgenommen werden und der Kurs Erfolg hat. Von der Universität angebotene Workshops sind eine wunderbare Möglichkeit, sich auf die Lehre vorzubereiten – oder bereits gemachte Erfahrungen in einem geschützten Raum und in einer kleinen Gruppe zur Diskussion zu stellen. Neben dem von den Workshopleitern gegebenen Input habe ich gerade aus den Erfahrungen anderer schon viel lernen können.

Neben dem Grund, dass eine bessere Didaktik die Lehre wesentlich besser machen kann, ist auch wichtig, dass man sich schützen muss. Erst einmal vor der Anfechtung von Prüfungen; durch ein vorher festgelegtes und transparentes Kriterienraster kann man genau belegen, warum man so und nicht anders bewertet hat. Ich finde, dass das große Sicherheit gibt. Natürlich laufen nicht alle Studierenden nach der Notenbekanntgabe zum Prüfungsamt, aber eine für alle nachvollziehbare Bewertung hilft auch denen, die es nicht tun. Warum haben sie dies oder jedes falsch gemacht? Durch die Bewertung wird es ersichtlich. Auch andersherum wird ein Schuh draus: meistens wird durch vorher strikt festgelegte Kriterien klarer, was überhaupt gefragt wird. Auch dies ist ein Schutz, nämlich vor der eigenen Überarbeitung. Im Falle der Prüfungsgestaltung lässt sich sagen, dass sich die Arbeit, die man vorher in die Klausurerstellung gestellt hat, hinterher auszahlt, da sich die Klausur nach genau diesem Raster korrigieren lässt. Und auch für den Prüfling gibt es Vorteile, denn es ist meiner Meinung nach verständlicher, in der Prüfung z.B. fünf Merkmale eines bestimmten politischen Systems zu definieren, als eine schwammige Frage über eben dieses System zu beantworten. Auch mich als Lehrenden werden die folgenden Antworten glücklicher machen, denn eine präzise gestellte Frage lässt sich einfacher korrigieren. Dies gilt auch für Essayfragen, die durch Präzision nicht an Qualität verlieren. Dies ist nur ein Beispiel. Schutz vor der eigenen Überarbeitung können auch Tipps zum Umgang mit Störungen in der Lehre bieten, oder generelle Tipps, wie man die Vorbereitungen nicht ausufern lässt.

Fazit

Erfahrungsaustausch, Input zu häufig Auftretenden Situationen, Muster für Prüfungen – all das hilft, den Alltag als Doktoranden besser bewältigen zu können. Ich arbeite effizienter, und teile mir meine Kräfte besser ein. Die Lehre ist eine große Aufgabe, der ich mich gern stelle – aber ich habe großen Respekt davor. Ich möchte nicht, dass meine Studierenden meine Kurse als Zeitverschwendung ansehen. Ich behaupte, dass die Workshops mir dabei geholfen haben, so zu unterrichten, dass es allen Seiten Freude macht und zum Lernen anregt.

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