Tagebücher sind doch für Mädchen! – Ein Plädoyer für das Forschungstagebuch

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researchjournal_klein(Foto von mir)


Was ist passiert?

… vielleicht stimmt es, dass Tagebücher meistens eher für Mädchen gedacht sind, wer weiß das schon so genau. Aber sie sind auch für Wissenschaftler interessant. Notizbücher – ob nun explizit als „Tagebuch“ bezeichnet oder nicht – sind im Generellen sehr nützlich: sie halten wichtige Gedanken zusammen, und wenn man nach einer Weile wieder hineinschaut und zurückblättert, kann man unter Umständen sehr wertvolle Informationen entdecken. Also, genauso wie ein Kalender festhält, was man an einem bestimmten Tag getan hat, tut ein Forschungstagebuch ziemlich dasselbe. Dennoch, es scheint mir, dass Forschungstagebücher eher selten genutzt werden, zumindest von Leuten, die ich kenne. Das sollte sich ändern!

Noch einmal ganz von vorne, was ist eigentlich ein Forschungstagebuch genau? Wie schon gesagt, es ist ein Notizbuch (oder Ordner), das mehr oder weniger wie ein konventionelles Tagebuch funktioniert, nur eben für wissenschaftliche Einträge (wissenschaftlicher Frust natürlich inklusive, nicht wahr!). Diese Einträge können von allem möglichen handeln: von möglichen Themen, Hypothesen, Literaturrecherche, möglichen Interpretationen von Daten, und so weiter, und so fort. Klingt noch immer nach Zeitverschwendung? Nein, gar nicht.

Was meine ich dazu?

Also, ganz kurz, warum glaube ich, dass ein Forschungstagebuch das essentielle Werkzeug für den Forschungsprozess ist? Schauen wir uns zunächst das offensichtlichste an:

 * Ordnung halten – zunächst ist alles – Gedanken, Hypothesen, etc. – zusammen gebunden in einem Notizbuch (oder einem Ordner), das heißt, zusammen an einem einzigen Ort, und am besten sogar in chronologischer Reihenfolge. Meiner Meinung nach zählen Loseblattsammlungen, wo mal hier ein Zettel herumliegt und da einer aus Versehen in den Mülleimer wandert, nicht als Forschungstagebücher, da sie eben nicht die Möglichkeit bieten, bestimmte Informationen, die z.B. an einem gewissen Datum geschrieben worden sind, schnell und effizient wieder hervorzuholen. Jedenfalls für mich ist das sehr wichtig, dass ich meine Gedanken schnell wiederfinde und damit schnell benutzen kann. Außerdem, wie bereits angedeutet, haben ein Notizbuch oder ein Order den Vorteil, dass nichts verloren geht, wie es bei der Loseblattsammlung schnell der Fall sein kann.

* Gedanken sind sicher verwahrt – dem ersten Punkt sehr ähnlich, aber dennoch nicht ganz dasselbe. Hierzu eine kleine Anekdote: als ich vor ein paar Monaten zwei Ordner aus meinem ersten Doktorandenjahr durchgegangen bin, beide voller Ausdrucke von Fachartikeln, Arbeitsblättern, Notizen und To-do-Listen, habe ich viele, viele kleine Notizen gefunden, die auf ebendiesen Dokumenten gekritzelt waren. Mal hier ein Gedanke in der Ecke der Seite des Fachartikels, mal da ein Fragezeichen neben den Notizen. Alles Gedanken, die jetzt wohl verloren wären, hätte ich nicht in just diesem Augenblick beschlossen, die wichtigsten und wertvollsten von ihnen in ein gebundenes (!) Forschungstagebuch zu übertragen. Also, so alteingesessen bin ich selbst noch nicht, wenn es um Forschungstagebücher geht. Aber: ich kann sagen, dass mir diese Gedanken, die ich vor über einem Jahr hatte, jetzt sehr weiterhelfen – und Probleme lösen, über die ich jetzt nicht mehr nachdenken muss. Also, in kurz lässt sich sagen, dass das Vorgehen, die Dinge an einem einzigen Ort aufzubewahren, so Einiges an wertvollen Gedanken sicher verwahren kann.

* Eine hübsche Erinnerung und Motivation – okay, okay, das klingt jetzt wohl sehr mädchenhaft, aber ich mag es, mir alte Dinge anzusehen. Was die älteren Einträge im Forschungstagebuch angehen, helfen sie mir auch, mich zu motivieren – gerade wenn ich denke, dass ich seit Monaten nichts geschafft habe, und einfach nicht vorankomme. Dass das nicht wahr ist, zeigen mir meine Notizen im Forschungstagebuch, denn in dieser vermeintlichen Leere habe ich doch Schritte gemacht, wenn vielleicht manchmal nur sehr kleine. Das ist alles festgehalten, und es hilft mir, mich für neue Schritte zu motivieren und meinem Ziel näher zu kommen.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass ein Forschungstagebuch im Forschungsprozess sehr helfen kann, gerade wenn man über mehrere Jahre an einem einzigen Projekt arbeitet, wie es bei der Doktorarbeit der Fall ist. Aber nicht nur bei der Doktorarbeit kann es sehr nützlich sein, ich glaube auch, dass es bei Bachelor- oder Masterarbeiten helfen kann, die Gedanken zu ordnen und auf Ideen zu kommen. Denn auch wenn der Umfang und die vorgegebene Zeit für diese Arbeiten sehr viel kürzer sind, ist auch das sehr anstrengend und verlangt eine Menge ab; gut, wenn man es sich einfacher machen kann.

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