Eine Europaabgeordnete plaudert aus dem Nähkästchen

mepswand(Photo von mir)


Was ist passiert?

Veranstaltungen zum Thema Europäische Union oder Europa sind dieser Tage selbst in kleinen Städten gar nicht mal so rar gesät – man muss nur hingehen. Das habe ich gemacht, und habe eine Diskussionsveranstaltung mit der MdEP Ulrike Rodust (Abgeordnete für Schleswig-Holstein, Fachbereich Fischereipolitik) besucht, die gestern in der Nachbarstadt stattfand. Leider haben sich neben mir nur 16 weitere Gäste eingefunden, und da ist das Organisationskomitee schon mit eingerechnet – aber nun gut, das ist eine andere Geschichte und würde in einen anderen Blogpost gehören.

Was meine ich dazu?

Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Die Rolle des Europäischen Parlaments nach Lissabon“, aber die Diskussion ging weit darüber hinaus. Angefangen hat der Abend mit einem kurzen und knackigen Vortrag von Frau Rodust, indem sie die generellen Herausforderungen Europas genannt und erläutert hat. So sprach sie an, sich immer wieder für Europa rechtfertigen zu müssen, und gegen Leute anzugehen, die Europa „kleinreden“ oder Falschinformationen verbreiten. Das ist eine Sache, die ich selbst sehr gut nachvollziehen kann – denn wie Frau Rodust weiter ausführte, ist Europa viel mehr als unsinnige Verorderungen zu Gurken oder Energiesparlampen. Weiter erklärte sie, was sich mit dem Vertrag von Lissabon am Gesetzgebungsverfahren geändert hat, und wie die Gleichberechtigung von Parlament und Mitgliedsstaaten (vertreten durch den Ministerrat) bei den letzteren in der Praxis und im Verhandlungsgebaren noch nicht angekommen sei.

Neben diesen mitunter sehr politikwissenschaftlichen Dingen hat Frau Rodust aber auch aus dem Nähkästchen geplaudert, und dann und wann Anekdoten, vor allen Dingen zu ihrem Bereich der Fischereipolitik, eingestreut. So von Medienvertretern, die Fischereipolitik für Schleswig-Holstein, das immerhin von zwei Meeren umgeben ist, nicht interessant finden, oder von schon merkwürdig anmutenden Befindlichkeiten in Ausschusssitzungen, in denen niemand erhöht sitzen darf. Im Übrigen war für mich sehr interessant, dass sie als Europaabgeordnete für Schleswig-Holstein eng mit den Landtagsabgeordneten zusammenarbeitet, und das über Fraktionsgrenzen hinweg. Die „Hüte“ des Europaabgeordneten, nämlich Europa, Bund und Land, passen für sie nach eigener Aussage also sehr gut zusammen.

Das waren für mich persönlich alles sehr wertvolle Aussagen – denn so konnte ich direkt von einer Abgeordneten des Europaparlaments hören, wie die Theorien zum Europäischen Parlament und dessen Abgeordneten, von denen ich während meiner Studienzeit gehört habe und die ich nun zum Teil in meiner Dissertation anwende, passen – oder eben nicht. Diese Erweckung der Theorie zum Leben macht solche Abende besonders spannend.

Fazit

„Das Haus Europa hat noch immer Fehler, und wir müssen alle gemeinsam daran bauen“ – das war ein Fazit des gestrigen Abends. Dem kann ich nur zustimmen, und solche Veranstaltungen wie diese helfen dabei Verständnis für Europa und seine Politik zu wecken und zu vertiefen. Schade war nur, dass kaum Publikum da war – aber das ist Frau Rodust nicht anzulasten. Sie hat mit vielen Fakten und Hintergründen durch den Abend geführt, und alle Fragen geduldig und ausführlich beantwortet. Ich habe von dieser Veranstaltung sehr viel mitgenommen und freue mich auf ein nächstes Mal.

 

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