„Schreiben kann doch jeder!“ – Ach, wirklich?

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(Foto von mir)


Was ist passiert?

In einer Fortbildung an meiner Universität habe ich mich mit einem Thema auseinandergesetzt, dass zumindest in meinem Studium immer als selbstverständlich hingenommen wurde: das Schreiben. Darüber musste niemand reden – jeder kann schreiben, kann Buchstaben zu Wörtern und Sätzen zusammensetzen, und kann somit auch Hausarbeiten und lange Abschlussarbeiten verfassen. So schien zumindest immer die Auffassung zu sein, denn ich habe als Studierende immer frei nach dem System „try and error“ gearbeitet – das ging, je nach Thema, mal schneller, mal langsamer, mal besser, mal schlechter. Ich habe eben einfach geschrieben.

Aber muss man die Studierenden damit wirklich allein lassen? Gehört das wirklich zu dem täglichen „Uni-Kampf“ dazu, dass man sich durch Hausarbeiten und Essays quält, weil „das eben so ist“? Die Fortbildung namens „Haus-/Bachelor-/Abschlussarbeiten betreuen“ an der Leuphana Universität Lüneburg, geleitet von Prof. Ingrid Scharlau und Christiane Heß, hat mir gezeigt, dass das auch ganz anders sein kann.

Was meine ich dazu?

Ich selbst habe keine Probleme mit dem Schreiben. Keine Blockaden, keine Angst vor dem weißen Blatt. Woran das liegt? Darüber habe ich mir erst in dieser Fortbildung Gedanken gemacht. Ich habe zwar nie einen Kurs besucht, in dem mir Techniken des Schreibens näher gebracht wurden, aber ich hatte vor allem während meines Masters gutes Training; an der London School of Economics and Political Science musste ich ständig kleinere Dinge schreiben: Essays von gut fünf Seiten, kleinere Meinungstextchen von wenigen hundert Wörtern, und so weiter. Ein hartes Brot, könnte man sagen, und sicherlich nicht für jeden etwas. Das muss doch auch mit weniger Druck gehen.

Und dass das möglich ist, habe ich an drei Wochenenden in einem Workshop für Doktoranden gelernt. Das erste Wochenende ging mit schreibdidaktischer Theorie und Psychologie los, und nach und nach haben wir uns durch den Schreibprozess gearbeitet. Für die Planungsphase haben wir uns um verschiedene Methoden, wie Mindmapping und Clustering, gekümmert, und unsere eigene Schreibgewohnheiten und –prozesse analysiert. Der nächste Schritt war die Schreibphase selbst, und Themen wie Schreibblockaden und das strategische Vorgehen beim Verfassen einer Arbeit standen im Vordergrund. Der letzte Block drehte sich um Feedbackgeben. Gerade für uns Dozenten besonders wichtig! Wie man „gutes“ Feedback gibt, das ist keine selbstverständliche Sache.

Für alle Schritte haben wir die Übungen selbst ausprobiert, und häufig dann auch in der Gruppe diskutiert. Die Übungen waren ganz unterschiedlich – wie ein „Schreibgespräch“ mit mehreren, in denen z.B. die Frage „Was stört mich beim Schreiben?“ (natürlich nur mit dem Stift, und nicht mit der Stimme) erörtert wurde, oder das Erfinden eines Märchens zu einer vorgegeben Situation, es war eine Menge dabei. Dieses Vorgehen fand ich besonders wichtig – auch, wenn es im ersten Moment Überwindung gekostet hat, „diesen Kram“ selbst auszuprobieren, weiß ich nun genau, wie die Übungen wirken – einmal auf mich, und die Gruppendiskussion weiß ich auch, wie es anderen geht. Dadurch werde ich mich besser in die Studierenden hineinversetzen können, da bin ich mir sicher.

Was steht also in Zukunft an? Ich werde meinen eigenen Schreib-Workshop durchführen, und dann den Erfolg (oder Misserfolg) der einzelnen Übungen und Techniken selbst testen können. Ich bin gespannt – und nun überzeugt, dass man die Studierenden mit ihren (Schreib-) Sorgen nicht alleine lassen muss. Vor allen Dingen, wenn die Sache relativ einfach sein kann – ich hätte nie gedacht, dass die Übung „Freewriting“ (in z.B. fünf Minuten zu einem Thema nur schreiben, egal, was einem dazu in den Kopf kommt, der Stift darf aber nicht abgesetzt werden) wirklich hilft. Aber – auch und gerade als Doktorandin kann und soll man immer noch etwas Neues lernen!

Fazit

Warum habe ich das Seminar eigentlich besucht, wenn ich selber diese typischen Probleme und Sorgen nicht habe? Ganz einfach: weil ich sie nicht kenne, fällt es mir nicht leicht, in diesem Feld Tipps zu geben. Ich kann meine eigenen Techniken nennen, aber die liegen nicht jedem. Und diese laufen bei mir mittlerweile so automatisiert ab, dass ich bei meinen Erklärungen bestimmt auch noch eine Menge vergesse. Also, rein in die Fortbildung, und wie oben schon beschrieben, ich habe eine Menge gelernt. Jetzt werde ich besser Rat geben können – gerade jetzt, da sich das Semester so langsam wieder dem Ende neigt und die Hausarbeiten für die Studierenden in gar nicht mehr so weiter Ferne liegen. Und für meine eigene Dissertation  habe ich jetzt „ganz nebenbei“ auch noch ein paar Tricks in petto…

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Ein Gedanke zu “„Schreiben kann doch jeder!“ – Ach, wirklich?

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