Happy Birthday, Bachelor und Master: Warum es Grund zum Feiern gibt

(Foto von mir)

Was ist passiert?

Die Sommerpause des Blogs ist vorbei – also, gleich wieder ran an ein bisschen Politik.

Die Diskussion um die Studienabschlusskrieg „Bachelor/Master vs. Diplom“ ist ja bereits seit gut zehn Jahren in Gange, seitdem die Reform beschlossen wurde. Aber was ist heute daraus geworden? Haben die neuen (und mittlerweile in Deutschland weitgehend eingeführten) Studienabschlüsse Erfolg? Haben sie Akzeptanz gefunden, sowohl in der Wirtschaft als auch bei den Studierenden?

Die Antwort lautet: jein. Es gibt viele Befürworter, und gefühlt noch viel mehr Gegner, sogar der Direktor der Hochschulrektorenkonferenz poltert munter vor sich hin. Aber es ist nun einmal, was es ist – und hier kommt meine Meinung dazu. Denn jeder scheint eine Meinung dazu zu haben – egal, ob er oder sie jemals direkt mit dem neuen System in Berührung gekommen ist, oder eben nicht. Das Herbeirufen des „Untergangs des Abendlandes“ ist da häufig nicht weit – und dagegen möchte ich nun mit meinen eigenen Erfahrungen angehen.  Das ist natürlich nicht objektiv (wie es all die anderen Meinungen auch nicht sind), sondern eine ganz persönliche Geschichte.

Und Überraschung: es gibt für mich ein positives Fazit.

Was meine ich dazu?

Meinungen zum Bachelor/Master-System bekommt man ungefragt allerorten, selbst dort, wo man es thematisch nicht vermutet. Andauernd auf dieses Thema zurückkommende Diskussionen im Spiegel-Online-Forum, um nur einen einzigen Schauplatz der vielen Kämpfe zu nennen, sind ein gutes Beispiel dafür. Denn dort wird häufig alles Übel in der deutschen Hochschullandschaft auf die neuen Abschlüsse zurückgeführt, ob es thematisch nun passt oder nicht.

Aber warum? Zunächst einmal sind das häufig sehr persönliche Einschätzungen. Man hört von den Alt-Diplomern und diejenigen, die im neuen System studieren. Die Alt-Diplomer beklagen sich, dass „früher“ generell alles besser war. Und die Bachelorabsolventen? Die stimmen häufig auch noch zu!

Ich selbst habe gerne im Bachelor/Master-System Politikwissenschaft studiert. Und – Überraschung – ich bin sehr gut damit gefahren.

Hier ein paar Antworten drei ausgewählte Vorwürfe, die häufig in den Raum geworfen werden:

1. „Die Strukturen engen viel zu sehr ein“
Ich mochte die Struktur, die das Studium sowohl im Bachelor, als auch im Master vorgegeben hat – ich habe mich nie eingeengt gefühlt, sondern hatte das Gefühl, einen breiten Überblick zu bekommen, ehe ich mich auf meine Lieblingsthemen gestürzt habe. Die vielen Kurse zu z.B. Methoden haben vielleicht nicht immer Spaß gemacht, aber genau diese Kenntnisse sind für mich heute unabdingbar. Also, Struktur muss nicht unbedingt etwas schlechtes sein. Denn auch wenn ich mich später auf die Europäische Union spezialisiert habe, so wäre das alles nur wenig sinnvoll ohne Kenntnisse zur Wirtschaftspolitik, zum Parlamentarismus und politischen Systemen, oder zu den Theorien der Internationalen Beziehungen.
Also: Struktur kann helfen, um an (u.U. wenig geliebtes) Basiswissen zu kommen.

2. „Im Bachelor bleibt keine Zeit für’s Ausland“
Jein. Auch ich habe so gedacht, das aber nie als Nachteil gesehen. Denn ich habe mir sehr früh vorgenommen, den Bachelor in Deutschland fertigzumachen, und dann für den Master ins Ausland zu gehen. Und so ist es gekommen – das Gute dabei war, dass ich das neue Hochschulsystem in seiner Gänze kennengelernt habe, mit den „richtigen“ Prüfungen und Anforderungen, und am Ende eben auch mit einem Zeugnis dieser Uni. Die Anerkennung meines sechssemestrigen Bachelors lief reibungslos, und mit dem Wissen, das ich in diesem erworben hatte, konnte ich ohne Probleme mithalten. Das Austauschprogramm Erasmus hätte es übrigens in meinem Fachbereich ohne Probleme mit Anerkennung von Leistungen gegeben, wenn ich das gewollt hätte.
Also: Es bleibt Zeit für’s Ausland, aber sie muss geplant werden – egal, ob nun für einen ganzen Studiengang oder für Erasmus.

3. „Ihr Bachelors und Masters lernt ja alle eh nichts“
Um einen meiner damaligen Dozenten zu zitieren: „Studium ist, was ihr draus macht – und das gilt besonders im Bachelor und Master“. Niemand kommt an der Uni und macht einem den Stundenplan, bringt einen zu den Räumen oder Ähnliches. Studium heißt selbstständig sein, und wer das war, konnte sich, zumindest bei mir (da wären wir wieder bei den persönlichen Erfahrungen) gut durchschlagen. Aber das bedeutete Aufwand. So konnte ich Kurse belegen, die eigentlich außerhalb meiner Wahlmöglichkeiten lagen, da im Master angesiedelt – aber zwei E-Mails haben das geklärt, und ich war drin, und das ist nur ein Beispiel. Ansonsten kommt es natürlich auf das Programm an, das man studiert, und auch hier gilt: vorher informieren, das beugt Enttäuschungen vor.
Also: ich habe eine Menge gelernt – durch Eigeninitative.

Fazit

Wenn alle ihre persönlichen Erfahrungen zum „neuen“ System auspacken, dann darf ich das auch. Und was habe ich vorgefunden? Ein für mich absolut „studierbaren“ Studiengang, der mich perfekt auf die Anforderungen der folgenden Schritte, Master und Promotion and anderen Unis, vorbereitet hat. Ich konnte nach dem Bachelor bequem die Uni wechseln, und genau das weiterstudieren, was ich wollte. Das war und ist mir wichtig.

Das ist natürlich nicht überall so, jeder Studiengang ist anders. Aber dennoch hilft es manchmal, nicht nur zu meckern, sondern das Beste aus den gegebenen Möglichkeiten zu machen… bevor man das gesamte System verteufelt.

Kurzum: Ich habe das Diplom nie kennengelernt – und ich vermisse nichts.


Worauf stützt sich dieser Blogpost?

  • – eigene Erfahrungen und häufige Lektüre der Spiegel-Online-Kommentare in der Unispiegel-Sektion

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