Einen fröhlichen Europatag wünsche ich Euch!

(Foto von mir)

„Der Beitrag, den ein organisiertes und lebendiges Europa für die Zivilisation leisten kann,
ist unerläßlich für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen.“
(Robert Schuman, damals französischer Außenminister, am 09.05.1950)

 

 

Was ist passiert?

… oder besser, was passiert jedes Jahr am neunten Mai? Gute Frage. Wenn ich mich nicht immer wieder von Berufswegen her daran erinnern würde, dann würde ich es wohl auch nicht wissen. Aber was ist heute, außer Mittwoch? Genau, der Europatag, an dem der Entstehung der Europäischen Union beziehungsweise seiner Vorgänger gedacht wird. Herangezogen für dieses Datum wird dafür die „Schuman-Erklärung“ – oben im Zitat ein Ausschnitt – welche die Gründung der „Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ einläutete, dem allerersten Vorläufer der heutigen Europäischen Union.

Was meine ich dazu?

„Tag des/der XY“ gibt es ja viele – vom Tag des Deutschen Butterbrotes, initiiert von der Industrie (gibt es den noch?), bis zu wesentlichen seriöseren Gedenktagen wie dem Weltkindertag, an denen Kinderrechte im Vordergrund stehen. Nun also auch den „Europatag“, und das nicht erst seit gestern. Den Europatag gibt es bereits seit 1985, also in einer Zeit in der die so genannte „Eurosklerose“ noch nicht überwunden war, als die Europäische Gemeinschaft, wie sie damals noch hieß, sich noch immer nicht aus ihrem Tief erholt hatte. Begriffe wie „die Politik des leeren Stuhls“ von Charles de Gaulle können hier fallen. Aber das an sich, dass in einer Krise ein Gedenktag aus der Taufe gehoben wurde, finde ich schon einmal bemerkenswert. „Europa“ hatte also auch in einer Krisensituation für die Mitglieder einen so hohen Wert, dass dem zugestimmt wurde, allem zum Trotz.

Aber brauchen wir so einen „Tag der Europäischen Union“ überhaupt?

Man mag daran zweifeln, denn zweifeln lässt sich an Vielem – wie an der Sichtbarkeit dieses Tags. Ich selbst meine fast jeden Tag im Radio von irgendeinem Tag für irgendetwas zu hören (siehe oben – der Tag des Butterbrotes und Konsorten), dass es mir schon ziemlich egal ist, wenn ich mal wieder von einem „Tag für XY“ höre. Man könnte also sagen, so ein besonderer Tag gehe in der Masse unter. Auch kann man so einen Tag für eine reine PR-Aktion halten – eine selbstdarstellerische Veranstaltung hier, ein paar Broschüren da.

Aber ich denke nicht, dass dem so ist. Erst einmal gehört der Europatag meines Erachtens fest in das Ensemble der Symbolik der Europäischen Union, zusammen mit Flagge, Hymne und natürlich dem Euro. Und Symbolik an sich ist nicht gleichzusetzen mit PR, die immer einen negativen Touch zu haben scheint. Nein, Symbolik verbindet, und selbst wenn es so ein Tag nicht in dem Ausmaße tut wie z.B. die gemeinsame Währung. Das ist so, weil er nicht so präsent ist, aber dennoch ist der Gedanke an einen gemeinsamen europäischen Gedenktag doch etwas, was ganz verschiedene Staaten (zumindest gedanklich) zusammenführt. Denn der Europatag ist explizit etwas nicht nur Nationales, nicht nur auf einen einzigen Staat bezogen.

(Bild von europa.eu)

Das diesjährige Plakat zum Europatag ist ein schönes Beispiel dafür. Die Europäische Union besteht aus vielen einzelnen Strängen, die zusammen einen einzigen starken Strang ergeben. Das ist doch ein wunderbares Sinnbild, und macht in Zeiten der Krise Mut.

Da wären wir auch schon beim nächsten Punkt. Gerade in diesem und auch im letzten Jahr ist der Europatag auch eine Art Durchhalteparole. Was nicht heißt, dass nicht kontrovers über den Fortbestand des Euros oder sonstige kritischen Dingen diskutiert werden soll, ganz im Gegenteil. Aber so ein Tag mit all seinen Veranstaltungen – ob nun einzelne Termine zu Diskussionsrunden oder ganze „Europawochen“ mit viel Programm – gibt Gelegenheit, sich immer wieder neu über Politik und Leute der Europäischen Union zu informieren und darüber nachzudenken, dass sie nicht nur aus einem einzelnen Ereignis, der Krise, besteht.

Wenn man so tief einsteigen möchte, heißt das. Natürlich ist es eine Utopie zu hoffen, dass so ein Tag, der an den meisten ungehört vorbeigeht, eine tiefe Debatte über die Europäische Union anregen kann. Aber das muss er auch gar nicht. Wenn er nur wahrgenommen wird, eben als ein Symbol, wie oben angesprochen, dann bin ich persönlich schon zufrieden. Denn auf mehr konnte die Europäische Union schon früher nicht hoffen, allen Bemühungen zum Trotz. Da scheint sie noch immer ganz am Anfang zu stehen – ehe die Inhalte kommen, muss der Bürger erst einmal wissen, was die Europäische Union eigentlich genau macht… aber das ist ein neues Thema und würde hier zu weit führen.

Es bleibt nur zu sagen, dass ich finde, dass der Europatag eine sinnvolle Einrichtung ist, um an alle Höhen und Tiefen des europäischen Integrationsprozesses zu erinnern. Und damit vielleicht zu zeigen, dass aus einer Krise, wie es sie schon einmal gab, große Integrationsschritte hervorgehen können… denn hätte man damals in den 1960ern und 1970ern das Projekt „Europäische Gemeinschaft“ aufgegeben, gäbe es heute kein Schengen-Abkommen, keine gemeinsame Währung, und so weiter, und so fort.

Die Europäische Union hat viel geschafft, und da ist es nur richtig, wenn auch sie einmal ins Rampenlicht gerückt wird.

Fazit

Also, wie begeht man den Europatag also? Vielleicht besucht man eine der vielen Veranstaltungen, die angeboten werden. Zum Beispiel Hamburg scheint dieser Tage mit interessanten Diskussionsrunden nur so überschwemmt zu werden – zum Beispiel zum Thema „Zerbricht Europa?“ oder zur Finanzkrise. Augen auf, und die Plakate fallen einem nur so vor die Füße.

Oder man macht es so wie ich – man schreibt fleißig an seiner Dissertation zum Thema Europäische Union. Wie auch immer – einen schönen Europatag wünsche ich, liebe Leser, und denkt doch mal wieder einen Augenblick darüber nach, dass die Europäische Union nicht nur aus Finanzkrisen besteht, sondern durchaus ein paar Schokoladenseiten hat.

Worauf stützt sich dieser Blogpost?

– Europäische Union (2012): Europatag. URL: http://europa.eu/abc/symbols/9-may/index_de.htm.

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